Tendenz: Sonnig.

Denn kaum war Mutter im Krankenhaus, nahm Vater das Feiern, das Essen und Trinken mit seiner Familie wieder auf. Vater – ganz wie der Tintenfisch ein Meister der Tarnung.

Neujahrsmorgen : Wroclaw

der Schnee hat Stille gebracht und er
verwandelt den Blick : ich blicke
vom Fenster auf : Türmchen und Zinnen
strecken ihre Ärmchen den Flocken

entgegen : wie schön! : die Sonnenuhr
zeigt nichts an : nicht mal die Mondphase
letzte Nacht wimmelte es auf dem Platz
das Volk versammelte sich : seit Jahren

schweigt der Erker unter der Uhr : früher
verkündete hier der Bürgermeister
die Neuigkeiten : Gesetze und Urteile
wurden sofort vollstreckt : am Pranger

stand Veit Stoß : nach seinem Rendezvous
mit fünf Jungfrauen : auch heute gäbe es
viel zu verkünden : und manch chattende
Jungfrau wünscht ihren Liebsten

am Pranger : wenn er mit anderen chattet
wie hässlich! : Eifersucht überlebt Innovation
Reformation und Gegenreform : archaisch
tief verwurzelt : kehrt sie als Racheengel

zurück : auf der Bühne wird bis um drei
Uhr nachts die Liebe besungen : als wäre
sie fortgegangen von uns : fortgegangen
vom Menschen : wir chatten und beschwören

sie : umsonst : ja : wir entwickeln
uns : einen Schritt vor und zwei zurück
Stille bringt der Schnee : schnell
rollt das Räumfahrzeug drüber : damit

wir wieder : wie gewohnt! : lärmen

geträumt : ich träumte

Ja : ich habe geträumt : ich träumte
Vom Großen Meister : einem untersetzten
Mann : den du anhimmelst : dem du

Allerlei vermeintliche Wahrheiten
Über mich erzählst : von dem du
Erlösung erhoffst vor deiner Flucht

Nach Amerika : doch er ist schwul und lässt
Sich von dir nicht becircen : souverän
Stolziert er davon : ich erblicke

Seinen wackelnden : halbbekleideten
Hintern : ein Pavian ist unser Meister
Von seiner Gunst hängen wir ab : er

Lobt und er tobt : er zieht
Die Strippen : damit wir
Nicht aufhören zu tanzen

osmose der zeit

die türen sind in die schlösser gefallen
selbst erinnerungen vermögen nicht
sie wieder zu öffnen
die raubtiere haben sich schlafen gelegt
nur für diese eine nacht
in der du ausruhen kannst
über die felder gehen
und den schnee

Inwendig

Hängen geblieben
vom nicht Losgewordenen

Die Augen schwärzeln
tiefe Unendlichkeit

sehnt sich in mir

Verflossene Gebierde
steuert uferlos
aufs trunkene Meer

Wallend schreiten
Stücke aus korianderblüten
blasser Haut

nuancieren Ähren
deines vergessenen
Wunderseins

Ungeheuer Schweigen

Bewahren die Schönheit
des Menschen, der Städte, der Verse.
Wie finde ich mich in die Schuld
der Kriege, des zerstörten Lebens,
des belanglosen Gedichts, des Hauses,
in dem ich die traurigsten Nachmittage,
am Ende mich selbst vergesse.

Dieses Schweigen.
Dieses mundlose Ungeheuer, das unser
Entsetzen verleugnet, jedes verwandelt
in niemals Geschehenes und
selbst unsere Schreie umformt, umlügt
in taubensanftes Säuseln
kindischer Klagen.

Entehrt alle Schönheit,
Landschaften verkrüppelt, die Jahre
der Häuser übertüncht, als sollten sie
die Male verschweigen, die das Verdrängen
bis in die Sparren schlug, ohne Besinnen,
ohne Erbarmen mit uns
des Aufbegehrens Entwöhnten.

Windgeschützt

Zum zweiten Mal hat jetzt der Hund vor unsere Tür geschissen. Aber es muss ein kleiner Hund gewesen sein. Oder ein Fuchs. Ich frag mal bei Rossmann nach Hundeex. Oder ich nehme Teebaumöl. Das riechen die nicht gern. Ein Lappen mit Essig soll auch gut helfen. Warum der sich auch gerade in unseren Hauseingang setzt. Vielleicht ist es da schön windgeschützt. Sagt H. Der hat Sinn für Natur. Und ein Herz für Tiere. So ein Lehrmeister. Warum der Hund wohl einen windgeschützten Ort zum Scheißen braucht.

Paris

18ter november deine haut
bereitet sich auf den winter vor
letzte woche sprachen dichter über sprache
eichelhäher
tausendgüldenkraut
giersch
gestern wurden freundschaftsspiele im fußball abgesagt
heute beobachtest du eine gruppe kinder beim schulgang
spiegelt sich der schneehimmel in einer pfütze
wir atmen neonlicht
ich beobachte deine schulterblätter
und meine hand legt sich auf deine halb entblößte brust
die stadt der liebe schließt ihre tore

Ich dacht da is ne Leiche drin

Dein Vater hat so oft im Auto gesessen und gewartet. Und deine Mutter, die hat schon lange nicht mehr richtig  für deinen Vater gekocht. Wenn der mal ne Mettwurst wollte, musste er sie wieder aus dem Einkaufswagen rausnehmen, weil deiner Mutter das zu teuer war. Aber Toastbrot haben sie gekauft, immer Toastbrot, ich habe mich gefragt, wie kann man soviel Toastbrot essen. Nichts Vernünftiges, kein Obst, kein Gemüse, nur abgepackte Sachen. Dein Vater musste so oft warten. Das ist doch langweilig für einen Mann. Aber dann musste er überall halten, wo öffentliche Müllkübel waren. Da hat nämlich deine Mutter ihren Hausmüll rein entsorgt. Wenn sie einer gesehen hätte dabei und angezeigt, dann hätte sie einen Zettel wegen Ordnungswidrigkeit erhalten. Dein Vater wusste, dass das verboten ist. Aber er kam nicht dagegen an. Bei der kannste das vergessen, sagte er. Und dann die Schreibmaschinen und der Computer im Weizenfeld, kucken se mich nicht so an, sagte der Bauer, ich weiß, dass Sie das nicht waren. Wenn der da mit dem Mähdrescher drüber gefahren wäre. Ich sah den riesen Plastiksack und dacht da is ne Leiche drin. Das hat se gemacht, deine Mutter. Dein Vater hat sich einfach nicht mehr dagegen gewehrt. Wollte nur noch seine Ruhe haben. Was sollte er auch machen. Das war so ein Guter. Und hat einfach aufgehört zu atmen.

unaufhörlich : Konstanten

Die Reise mit dem Zug durch Thüringen
Gleicht dem Tauchen durch ein Landschaftsbild
Aus dem 18. Jahrhundert : sanft hingewellt

Ein lieblich ausgerollter Blätterteig
Gespickt mit spitzen Fichten : bunten Bäumen
Die Zeit bleibt stehen und der Atem auch

Erneuerung kreist unaufhörlich : Konstanten
Der Erinnerung : hier suchten manche
Ihre Liebe und verloren sich in den Tälern

Aufatmen

Dreizehn Jahre und drei Kritiken
älter, du hängst nun
als Ikone
über Schreibtischen.

Wohin werden sie dich
geleiten?
Wozu werden sie dich
befragen?

Dreizehn Jahre, die Abstände
zwischen den Ereignissen
suchen nun
ihre Logik in dir.

Du bist nicht mehr
der du bist –
Gletscherspalte & naive
Nachahmung.

Du bist nun eine
Frau mit einem Körper
aus Glas, Fensterscheibe –
Mauer – Eingangstür.

Ein Mensch in
der Blüte seiner Kraft,
ein Mann in seiner
Kindlichkeit.

Du bist nun das Kind
das du immer sein wolltest.

Zeit, endlich erwachsen zu werden

Der Schreibtisch wartet
auf dich wie ein
gealterter Geliebter,
sicher schwebst du
zwischen die Fächer des
Bücherregals.

Flieder? Tempera? Arsen?

Am Bahnhof warten sie auf dich,
immer wieder.
Am Bahnhof haben sie immer
eine offene Hand für dich übrig.

Was ist das

Die Würde des Menschen : du bist
Auf der Suche : irgendjemanden
Wird es geben : der dir entspricht
Ich bins nicht : den du suchst
Du strandest immer wieder

An denselben Inseln : immer gleich
Sehen sie aus : du träumst
Vom Paradies : wo du bis Mittag
Schlafen kannst und dann
Deinen Spaß hast : es sind immer

Wieder karge Eilande : auf denen
Du landest : aus der Ferne
Schön : von Nahem kahl und hart
Solange du suchst : bin ichs nicht
Mich hast du längst gefunden

Ich halte dir den Rücken frei
Damit du weiter suchen kannst
Ohne inneren Kompass : ohne
Festen Griff : ein Goldfisch
Bist du : schlüpfst durch alle

Hände : den Teich hältst du
Für die Welt : ich war auch
Auf der Suche : warf meine Angel
Aus : du hast angebissen
Und gezappelt : mich überkam

Die Angst : zurück ins Glitschige
Bist du geglitten : ich kralle mich
An dir fest : laufe von Ufer
Zu Ufer : wo bin ich : wen suchst du
Solange du suchst : bin ichs nicht

Du suchst und findest ständig
Irgendwen : mich läßt du stehn
Wie eine alte Tasche : da ist
Die Menschenwürde drin : versteckt
Ein Strandgut : das keiner kaufen

Will : liegengelassen : vergessen
Ich hab mich längst gefunden
Und wieder verloren in dir

November

Bevor wir gingen,
brachen wir die Tage des Schweigens an
und zehrten an ihnen.

Der Hunger hing in Winterfarben
an den Fingern.
Mit körniger Stimme rieselte er
ins Stundenglas der Liebe,

und das Laub brannte
den Sommer aus.

Erst gestern fand
ich mich zinnoberrot am Rand
der Nacht.

Altes Spiel

Das Sterben beginnt,
sobald du dich selbst belügst,
nicht weißt, wofür du noch kämpfen
kannst, warum du jeden Morgen
wieder erwachst.

An einem beliebigen Abend
beginnt es, an einem der blassen Abende
wie so viele andere, die du deiner
Lebensuhr abgerungen hast,
solch ein Abend wird es sein.

Fragen wirst du:
Warum hassen, warum lieben?
Du wirst die Antwort vergessen haben,
und deine Uhr gibt auf zwischen
zwölf und eins.

Badewanne

Heiß, fünfundvierzig
Grad mindestens
ab dreiunddreißig
seit Lesen wie Rotwein & Sex
kein Pardon, keine Frage
ein paar Worte
nach dem Joggen
wenn die Poren im Ge-
dächtnis besonders empfänglich
für Leid & Sinn, Unglauben aller Art

Auf der Flucht

Dann packst du einfach deine Siebensachen,
verschwindest spurlos, löst dich auf in Luft.
Wird Zeit, sich auf die Socken nun zu machen,
nur raus, nur raus aus dieser dumpfen Gruft!

Am Bahnhof siehst du, es gibt viele Züge.
Nach Langensalza und auch nach Paris.
Und Brieselang? Das kennst du zur Genüge.
Was fehlt, das ist ein Zug ins Paradies.

Auf Wolken schweben, wo die Engel singen.
Wo alles Frieden und auch sonst gerecht.
Und du stehst da: Wer soll dich dahin bringen?
Was bleibt – du wirfst dich wieder ins Gefecht.

Der lächelnde Blitz

1
Zwischen
Bessarabien, Bukowina
und mehreren Kreisen Moldau
spannt sich eine Brücke
nach

Transnistrien
hinüber,

halb Regen-
bogen, halb

Luftspuk-
gebilde

2
Eiserne
Grenze quer zu
den Bahnschienen
Richtung Polen

3
Nord-
Nord-West

Der Schrei

Schreie der Krähen
zwischen Straße und Dächern,
und du beruhigst dein Blut,
verschluckst den Schrei,
der aus der Kehle will.

Still nun die Straße
wie zuvor, nur ein, zwei
Laute menschlicher Äußerung
hinter Gardinen, ein Nichts,
das nichts verbirgt.

Du sitzt und lauschst,
und du erlebst diesen Morgen
wie einen Freund, der mit dir
spricht als ein Wind,
ohne ein Wort.

Ode an die Septembersonne

Auf blauen Himmeln, in milder Luft
spielst unschuldig du, heller Ball;
will glauben du bleibst und
tilgst an nahenden Morgen
mein Frösteln im Sturm.

Umsorgst mich, geschminkt als junge Braut,
liebevoll wie ein altes Weib,
dessen Leib das letzte Mal gebar,
dessen Erinnerungen mit zarter Trauer in der Stimme
am flackernden Herde leise verwehen.

Schön bist du, Semptembersonne,
trittst dem Schicksalswinter stolz,
da diese vollen Stunden dein Vermächtnis führen
mit bewundernswertem Sehnen, Frühling im Geiste
und Sommer im Herzen entgegen.

die beteuerung der zeit

die wiesen hängen tief die felder
hundertschaften von seiltänzern
überqueren das meer

du berührst schmetterlinge
an deinen fingern falterstaub
du gibst mir das gefühl
dass ich gedichte zähmen kann
und den tag anhalten
auf dem fluss treiben steine

gott lässt für sich beten
ängste wachsen
zu einem martyrium

 

Boat People

Tief die Wasser des Mittelmeers,
die Fische erbrechen unterm Überangebot
menschlicher Leiber, und kein
hilfreicher Moses in Sicht.

Völkerscharen wälzen sich
durch die Straßen Europas – Schreckbild
jedes mittleren Angestellten, und die
es über das Meer geschafft haben,
Gestalten des Elends, gefesselt an Traum und
Trauma, erwärmen die Glieder an Feuern
brennender Asylunterkünfte.

Wir, vor den Bildschirmen, die uns
das Ausmaß deutscher Jämmerlichkeiten
nicht zumuten wollen, wenden uns ab,
verschließen, aufrichtig ergriffen,
die Türen unseres Arkadiens mit
dreifach doppelten Riegeln.

Alsóörs 2015

1
Der Balaton verspricht seinem Wasser, was Malev den
Passagieren abverlangt: Aus- und Einsteigen bei frei
schwebender Gangway, das Combi-Ticket Schiene-Luft
inbegriffen. Ökologisch? Na, klar – wo soll hier die Ver-
schmutzung noch herkommen? Die Enten putzen sich ihr Gefieder,
der römische Weinkeller lockt mit den neuesten Angeboten.
Die Sprache – das Mysterium schlechthin, pardon, behauptet sich
in jeder Aussage. Der August hängt über dem Wasser und glüht,
kein Pardon! in 1 Meter 20 Tiefe aus. Morgens um sechs
ist hier an den Zehenspitzen die Eisschicht zu spüren, mit der sich
die Seele bald bedeckt haben wird: Attila oder – pardon, wie bitte
war ihr Name? Meyer, Schulze, Lehmann bestellt ein neues Bier,
was antwortet ist nur – Schaum im Gedächtnis. Wieviel Gischt
ist nötig, eine Göttin zu gebären? Kein Pardon für das Gedächtnis!
wenn Zeitgenossen mit immer neuen Hammerschlägen Ereignis
für Ereignis unter der Oberfläche versenken; zurück bleibt all-
abendlich das Zittern eines Spiegels unter den Sternen. Zeitgenossen
versenken sich, die Gegenstände erwachen als Dinge unter einem
Himmel, der als eines der beiden ewigen Phaszinosa der Menschheit
gelten will. Tief in mir, knapp unter der zitternden Oberfläche
flüstert ein Dichter halbverständliche Worte, undeutlich & klar wie die Nacht.

2
Attila ist ein Name von Format.
Attila war ein Ökologe.
Attila brennt sich ein ins Gedächtnis.
Attila schläft. Schläft nur.
Attila ist der Beginn einer Serie von Ereignissen.
Attila war ein Berg.
Attila träumt von einer besseren Zukunft für alle.
Attila hat sein Zaumzeug fest in der Hand.
Attila hat einen Griff wie tausend Monde.
Attila lächelt, lächelt nicht mehr.
Attila hatte ein Erziehungsproblem.
Attila schweigt.
Attila Meyer, Schulze, Lehmann.
Attila.
Ich liebe dich.
Wann treffen wir uns wieder?
Am Balaton, in Alsóörs?

3
Und nächstes Jahr könnte es
ein Tempel sein.
Als vor fünfzig Jahren
die Verse erzitterten
unter der Wucht des
Gewissens war
ich noch nicht auf
der Welt: die Lebens-
mittelindustrie hatte gerade
die wasserundurchlässige Verpackung erfunden, der Papst
war ein Bruder im Geiste.
Kurz danach
feierte jemand seinen
hundertsten Geburtstag, da
war ich schon mit dabei.
Heute
hier in Alsóörs
kündigen sich Vierhundertjährige an.
Der Tempel steht
wie in biblischen Zeiten.

Jahrworte

getrieben von duftenden Frühlingswinden
verloren in rauschenden Sommernächten
verzaubert von geheimnisvollem Winterlicht
gezeichnet als Herbstzeitloser

Sommermorgen

Leb diese Frühe,
der Morgen öffnet die Augen
wie einer, der lange anderwärts
weilte, wo Erde und Sterne
sich zärtlich berührten.

Allein die Schatten
beweisen den Lauf der Sonne,
wenn sie über den Dächern deiner
Stadt aufsteigt wie die Göttin
von Samothrake.

Etwas wie Glanz in den
Straßen, die Mauern erhalten
die Farben zurück, und du hoffst
auf ein leises Glück, wofür
aller Sommer geschieht.

Und du weißt,
ein solches Glück gibt es
in Wahrheit nicht, leb diese Stunde,
ehe sie vergeht, ehe all deine
Sommer enden.

mittelsee

schmal in den wald geduckt hinter
bernau : mittelsee : schmaler see
wäre treffender : hier hat es uns

hin verschlagen : den tag durch
berlin gegurkt : am schönsten
freitag nachmittag : wenn alle

ausfahrtstraßen dicht sind : total-
sperrung auf der a10 : rückstau
bis pankow : wir löffeln suppe

und anatolische pfanne zur
überbrückung der zeit : die temperatur
steigt : die anspannung : bis wir

uns fallen lassen : mitten in den see

Man kennt das ja

Wer kennt nicht diese dummen blassen Tage,
wenn gar nichts klappen will und nichts passiert,
ach, solche Tage sind die reinste Plage.
Als ob das Leben stänkert und stagniert.

Wie blind läufst du durch alle deine Zimmer,
vergisst, was du vergessen hast und suchst,
hast keine Ahnung, nicht den kleinsten Schimmer,
stehst wie dein eignes Denkmal da und fluchst.

Und in der Küche kocht der Kaffee über,
auch Technik ist nicht mehr, was sie mal war.
Und deine Stimmung wird jetzt immer trüber,
nichts passt, die Welt wird unberechenbar.

Du fühlst so was von ungenauer Trauer,
dein Dasein trägst du mit verkniffnem Mund,
verschanzt dich hinter deiner innern Mauer,
die Seele fragt verzweifelt nach dem Grund.

Dir kommt der ganze schöne Tag abhanden,
durch den machst du mal einen dicken Strich.
Erst wenn er abends glücklich überstanden,
dann wirst du Mensch, vorbei der Tatterich.

Zwischen den Stühlen

Nicht nach uns
werden Kriege sein, bluten
die Städte, brennen die Menschen,
verröcheln Ungeborene in den
Leibern der Mütter.

Nicht nach uns
werden die Davongekommenen
um Wasser flehen, um Brot, um Obdach,
das bisschen, was der Mensch
zum Leben braucht.

Nicht nach uns
werden Dichter die Schmerzen
der Liebe, die Schatten der Wälder,
die Wildheit der Meere und den
Ruf des Kuckucks besingen.

Unser Bleiberecht in der Welt
ist bemessen. Sorglos sitzen wir
zwischen den Stühlen des Gestern
und des Morgen. Auf eigene Rechnung
und ohne Gewähr.

streetview

leintücher spannen wir auf zu unserem himmel
meine haut
wird ruhiger und ruhiger
im winter
fällt in dieser gegend immer industrieschnee
du fragst den bettler
an der ecke jordan- kiesstraße
nach seinem einmal erlernten beruf
auf dem grünstreifen zwischen den richtungsfahrbahnen der stadtautobahn
zittergras

tztag,

mutter hatte läppchen genäht.

der backofen

darin sind weingläser geborgen,

tochter zur puppenstube.

 

pflaumenholz