Archive for August, 2014

der Bach

Montag, August 25th, 2014

der Bach, der durch die Stadt geht,

wie ein alter Mann, bringt silbrige

Forellen in die Nacht. vom andern Ufer

hallt der Klang, den diese Nacht und diese

Stadt alleine machen – an die

Nebelbank entlassen – einsam um den Bach,

in dem die Leiber tot

wie lange Messer blitzen

die Haut der Äpfel

Samstag, August 23rd, 2014

die Haut der Äpfel im vergangnen Jahr,

im Eis, das aus den Wolken wie von deinen

Augen fällt: und du

erinnerst süßlich an den Tod – ein Schmetterling,

der Eier in die Blüte legt und dann

im Apfel fast am Apfel selbst erstickt. die Flügel

schwelgen in der Säure einer Frucht, gehalten

zwischen – oder tropfend silbrig aus den Ästen

unsres Apfelbaums. ein Traum, vergangnes Jahr,

vergangne Zeit – vergangnen Sommer hat der Falter

sich aus dieser Frucht gezwängt, die Flügel

gaben Staub ans Sonnenlicht

der angler

Samstag, August 16th, 2014

der angler liebt die nacht : mit lichtern
sucht er im see : was sich im dunkeln
locken läßt : ruhlose geduld

darin üben sich die männer : reglos
scheints : im liegestuhl : die angel
aufgespannt wie ein gewehr : das zielt

ins nichts : die frauen schleppen
eimerchen und brötchen hinterher und dann
verschwinden sie : verstecken sich im schlaf

die kinder wecken sie : da putzt der mann
die beute : unterm wasserhahn
mit kleinem messer holt er die innereien

raus : wirft kopf und schwanz zurück
um großen fang zu locken : er kostet nur
den schlaf : der angler braucht ihn nicht

Dies ist kein Tischgespräch

Donnerstag, August 14th, 2014

DSCF1023

 

Bei Konsum kaufe ich drei von den gummiartigen Broten im Angebot und trage sie in einer durchsichtigen Plastiktüte nach Hause. Von Konsum bis ins Haus sind es ungefähr drei Minuten zu Fuß. Die Plastiktüte torkelt neben mir her und ihr Knistern beruhigt mich. Die Farbe erinnert an Pfefferminze und gut gestrichene Zimmerwände, die in halbdunklen Räumen und vor Zimmerpalmen von diskreter und sorgfältiger Farbwahl zeugen. Das Glatteis ist mit Salz bestreut, so dass ich den Weg unfallfrei überstehe. Ich schließe die Tür auf und gehe die drei Etagen hinauf. Auf jeder Etage kommt mir ein anderer Geruch entgegen, Wischwasser im Erdgeschoss neben den Briefkästen, meiner ist leer bis auf einen Prospekt von Márkt, der Wurstwaren anpreist. Ich werfe ihn ungelesen in die Papiertonne. In der ersten Etage riecht es schon nach Abendbrot, Knoblauch, und der Duft von frisch gebackenem Brot lässt mich an die Habseligkeiten in meiner Tüte denken. Ich weiß, dass sich in meinem Kühlschrank ein nur wenig angeschnittenes Stück Butter befindet. Der Wohlgeruch aus der ersten Etage steht für Besuch und gesunde Beziehungen. Die zweite Etage ist dunkel und ich ahne, dass hier vor kurzem ein glückliches Paar die Treppen hinuntergegangen sein muss, ein blumiger Damenduft mischt sich unter den herben Duft von Rasierwasser, wahrscheinlich gibt es den auch als Deodorant. In der Küche lege ich die minzgrüne Tüte ab, öffne den Kühlschrank und hole die Butter heraus. Ich schneide etwas von dem steinharten, nur wenig eingedrückten Stück ab und lege es auf eine Scheibe von dem gummiartigen Brot. Da ich Sehnsucht nach Romantik habe, knipse ich das Deckenlicht aus und schiebe den Stecker einer Lichterkette in die Dose. Steinharte Butter auf gummiartigem Brot, Schummriges aus der Lichterkette und leise Musik aus der Retorte sind meine Restromantik. Der Schnee fällt in sanften Flocken vor dem Fenster auf den Boden.

 

 

sommeryoga

Mittwoch, August 13th, 2014

in der sommerhitze gelingt askese
selten besser
sind da schon die schneetage
wenn die zehen
auch ohne versenkung
abfrieren

Das Wochenende

Mittwoch, August 13th, 2014

am wochenende rücken sie an : in dichten
kolonnen kreuzen die wagen die bahn : parken
auf schürfiger heide : bevorzugt der platz

am see : blick aufs andere ufer : sehnsuchtsvoll
düster vernebelte berge : dafür lohnt es sich
daß mama und papa werktags vorausfahren

die stelle besetzen : den wagen abstellen
die trutzburg errichten : mit wasser und strom
die versorgung sichern : wenn am wochenende

die erwachsenen töchter nachkommen : mit oder ohne
aktuellem mann : der grill glüht : bald
glühen auch die stirnen : nur das herz ist kalt

Tante Adelheid erschreckt ihren Nachbarn

Samstag, August 9th, 2014

Um es gleich vorweg zu sagen, die geschichte handelt nicht von Tante Adelheid und auch nicht von ihrem nachbarn. Sondern davon, wie der beton meine katze gefressen hat. Völlig unpoetisch.

Veni mecum

Freitag, August 8th, 2014

Aufbruch im Schatten
zu den Fjorden des Echos
Du bist doch Regenmacher
hast du erzählt
in sanften Nebelschleier
komm mit mir
zu den Wettern
Dort wo Gewitter tollen
Dort wo bunte Blitze tanzen
tobend überm Tal
komm mit mir
Barfuß über Stoppelfelder
bis zum Horizont
unsere Gedanken
seufzen am Wegesrand
lass die Steine mit uns reden
sprachlos wegweisend
Regentropfen hüpfen
Nomaden sind wir geworden
auf der Suche nach der Seele
wirf die Zweifel in den Wind
komm mit mir
begreife ewige Schöpfung
komm

Freitag, August 8th, 2014

ich, oder du nimmst Weidenkätzchen

aus dem Baum – ein dunkler Gang, Allee,

und unterirdisch reichen Wurzeln

sich die Hand, wie in der Luft sich Kronen

über dir – und oder mir – berühren; wir

nehmen das Angebot zur Tunnel-, oder

Nebelfahrt; ich oder du, vergessen wir, und

diffundieren in ein Blätterdach, ein

Wurzelwerk, in Stämme, die für uns

der Tunnel sind: ein langer Atem vor

dem Nicht der weichen Nebelschrift