Tauschwert

for  cry  &  vici

Mein Schwert aus Tau hat dem Morgen seinen Kopf abgeschlagen. Nun sitzt er als blutloser Fleischberg vor den Felsen aus Erinnerung.

Mein Schwert aus Tau hat die salzige Schneide deiner Tränen, vergossen in den langen Nächten, da der Neumond begann, sich seiner Lichtlosigkeit zu schämen.

Das Schwert aus Tau – ich habe es gestern auf einer Wiese liegen gelassen & mit diesem Akt der Selbstentwaffnung dem Erstbesten geschenkt – blinkt nun mit der Schneide seiner Halme kühl in den Morgendämmerungen des Frühlings.

Frühe Prosaskizzen, Jugendsünden

Frühe Prosaskizzen 

Die Tür steht halboffen, ich gehe hinein. Dort liegt er, auf der Jugendstilcouch. Sein Kopf mit dem vollen nackenlangen Haar ruht in seiner Handfläche. Er scheint nicht zu schlafen. Die andere Hand hält ein Buch mit zwei Fingern zwischen den Seiten. Es knistert leise. „Warum schaust du nicht? Hast du mich nicht kommen hören?“ Ich gehe noch zwei oder drei Schritte auf ihn zu. Ich höre meine roten Schuhe auf dem Parkett: klick-klack. – „Du Narzist!“ Ich sehe auf die Hand, die das Buch hält. Wunderschön, schlank ist sie wie die Aubrey Beardlsleys oder wie die eines Pianisten. Die soviel Leidenschaft in sich birgt, wirkt jetzt so kühl und stilisiert als wäre sie von Marmor. „Ich weiß du schläfst nicht!“ Auf dem Tisch steht eine Jugendstilvase, in ihr eine gelbe, welkende Rose. Der Narzist sieht sie nicht. Er atmet nur ihren Duft und denkt, er müsse sich nun nicht mehr waschen: „Was kann so gut riechen wenn nicht ich?“ Dieser Zynismus, der mich zeitweilig überkommt, wenn er wie eine Statue daliegt, total anämisch, und jede Leidenschaft in mir umbringt. Hassen kann ich nicht. Die Raserei der Küsse ist mir wohlbekannt, die des Hasses kaum. Ich kann nicht hassen. Ich kann nur genauso kalt sein wie er. Träge und kalt wie blaues Glas. Wie das blaue Glas der Vase. „Wirf die Vase nicht um, beweg’ dich nicht! Laß mich deine Kälte fühlen!“  

(1988)  

Als ich viel später, so lange danach, den Raum durch die immer noch weit offen stehende Tür betrete, ist es still. Beinahe unnahbar still. Die Stille ist zu einer festen Form geworden und nichts deutet mehr auf irgend etwas hin, das zu einer anderen Zeit hätte gewesen sein können. Nichts – außer den vielen sinnlos verschütteten und zerbrochenen Überresten, die irgendwann einmal ein nicht mehr bestimmbares Ganzes gewesen sein müssen, jedes mit seiner individuellen Funktion. Doch diese verstreuten Fetzen sagen nichts mehr darüber aus. … Dieses Zimmer scheint zu atmen und ich weiß, ich weiß … es ist mir, als wäre ich nicht mehr allein hier. Denn diesem Zimmer ist ein bestimmter Gedanke zugeordnet, eine Idee, eine Stimmung. Eine Person? Die ganze Zeit davor, vor dem Moment meines Eintretens, wußte ich es. Es war kalt in den anderen Zimmern, mir war es kalt dort, und das so tief im Sommer, in den grellsten Stunden des Tages. Der Sommer war doch heiß. Ich würde dort sein, wären meine Visionen Realität…

Ironisches Mundzucken. Eine Betrachtungsweise.

„I won’t bore you with the detail, baby…“

Die Mundwinkel meines Freundes waren jeweils ein Halbmond, und nur wenn sie aus irgendeinem subtilen Grund ironisch zu zucken begannen, verbargen sich die kleinen Monde für Augenblicke hinter dem hochmütigen Rot der Lippen. 

„Wie leise dein Mund schon wieder zu zucken beginnt“, sinnierte ich, nachdem ich ihn eine Weile im Halbschatten der wogenden Platanen betrachtet hatte. „Was für ein Gedanke ist es nur, der deine schönen und für manchen Gespielen zu blasiert erscheinenden Lippen in solch zarte Bewegungen versetzt? Du wirst ihn mir doch verraten, nicht wahr? Spätestens dann, wenn der Schatten der am tiefsten hängenden Zweige den Bogen deiner Nase berührt.“

Mein Mund ist Vollmond. Ich bin eine Frau. Frauen haben viele Münder – winzige Polypen oder Schnecken, an den entlegensten Teilen des Körpers. Nicht selten führen sie nach innen. Doch davon möchte ich heute nicht erzählen, auch wenn es manchen vielleicht reizt und es darüber eine Menge Wissenswertes zu berichten gibt. Das wird zuvor sehr sorgfältig ausgewählt. Weiche saugende Rundporen oder längliche zuckenden Schlangenzungen sind der Männer Sache nämlich nicht. Einige wenige haben jedoch die entscheidende Winkelkrümmung um den Mund herum und dürfen mir bei Gelegenheit eine mehr oder minder schamlose Sottise zuflüstern.

abg

welcher könig hat hier +++ gehaust : durch die zerbrochnen scheiben +++ faucht der sturm : hier kannst du +++ dame sein : oder ass : das ist die frage +++ hier drehst du auf dem rad deine runden +++ deine lakeien sind fortgerannt : kein geschäft +++ geht gut : außer der senfladen dort +++ in der ecke : verschwinden wir +++ raus +++ fauchst du & meinst den süßen duft der brach +++ liegenden felder : in den furchen bricht sich der gold +++ glanz des untergangs : wir treten +++ in die pedale : um der finsternis zuvor +++ zu kommen

Weltuntergang

Gerade eben hat Thor Baldur erschlagen.

Der Regen nimmt unmerklich zu.

Die gesprochenen Sätze der Mutter-

Sprache gehen ungewollt in eine

Versform über, das bleierne

Drücken in der Brust –

Zittern der lebendigen Körper wie vor einem

Vulkanausbruch & Schweigen aller Steine

In den unbedeutsamsten Tonarten

Des Windes – verweist auf

Den ewigen Fortgang der Dinge,

Im Volksmund Hölle genannt:

Nach dem nächsten Beben der Sinne

Werden die Bedeutungen zu ver-

Wittern anfangen & Augen-

Blick für Blick zer-

Fallen, bis nichts mehr bleibt als

Ein Mund zwischen Ohren im Sturm.

früher : erfrorener

vom Reif bedeckt : ein Zeichen ersehnter +++ Kälte : der Morgen steigt kuglig aus den weißen +++ Hügeln empor : wie früher : erfrorener +++ Winter : niemand sehnt sich nach dir +++ Sehnen : unaussprechliches Wort +++ neuromantisch : unmöglich +++ der Morgen kugelt über die Hügel : als wäre keine Zeit +++ vergangen : keine Epoche : seit Arnim +++ die Winter leuchten warm : im Morgenlicht

Amor fugit

Im Fell vor das Haus

gerannt.

Mit Mundschutz

angetan.

Brauch ich

nur fünf

Mal fünf Meter Person

für einen Reigen

Mannsgestalten –

Materie.

Wolken, Berge, Motten, Flöhe

rudern abwärts,

bringen zum Frösteln,

zum Experiment.

  Masken, Jugendstil, To Go, Barock, Gotisch, Fleur-de-lis, Blüten

Die Säulen des Herakles

Nun steht der Mensch am Rand derWelt, vor sich das Meer in all seinerPracht & hinter sich das menschliche

Unglück: „Wer bin ich“, fragt

Des Kopfes Stimme, fragt eine

Stimme aus dem Loch, „wo

geht es hin auf dieser Reise?“ –

Die Wellen schäumen krachend & kalt,

der Globus im Kopf faßt keinen Fluß

Mehr, ohne den Grund einer Wellen-

bewegung hat nicht ‚mal das Fragen

Seinen tragenden Rhythmus, von

Bö zu Bö springt die ziehende Herde, Ge-

Danken – o Himmel! – mit Ziegenhörnern

gaukeln den Schiffern ihr Mutter-

Haus vor: „Hier steh‘ ich, jung“, ein

Gemäuer von Säulen wie Riesen-

Schenkel in die Erde gerammt, „- so

mußt auch du stehn, bist du erstmal

Verständig, Junges!“ – dann brüllte der Ozean.

Klassikdiskussion, MarshalMc? Nachtrag Deutscher Herbst+30, x

Burroughs William Towers Open Fire – YouTube

Ändert sich die objektive Bedeutung eines Tracks, wenn man ihn/es//sie : auf zwei Spuren gleichzeitig abspielt, analog wie die Verwandlung eines ja zum jaja?

Ist sogenanter subjective Sinn ein DawkinSCHeis Gen? Wenn ja, von welchem Stamm. Wenn nein, wauruhm!

Ezra P. hatte unterschieden: Melopoiea, … & Logopoi. „Warum [nur] sehe ich dem Radwechsel mit (solcher) Ungeduld zu???

Sie nannten mich Sophus//: gez. Egil S.

Lie, Sophus, geb. 1842 Nordfjordeid am Nordfjord, gest. 1899 Kristiania (Oslo)

„Nash und Sidon waren beileibe keine Ausnahmeerscheinungen. Cantor etwa verfiel ebenfalls Wahnvorstellungen, und auch Gödel wurde paranoide Schizophrenie bescheinigt. Und nicht zuletzt wurde aus dem Mathematiker, der nur an Primzahltagen mit seiner Frau schlief, ein gewalttätiger Krimineller. Dann wäre da noch der >>U n a b o m b e r<< Theodore Kaczynski, der 1962 von der University of Michigan den akademischen Titel des Ph.D. in Mathematik verliehen bekam.“ [Paul Hoffman: Der Mann, der die Zahlen liebte. Die erstaunliche Geschichte des Paul Erdös und die Suche nach der Schönheit in der Mathematik. Berlin 1999, S. 320f.]

-Amigo, haste die neue mit?

–Abbaklah.

(Lächeln wie ein Biß von s k ö l l : „dante? langsama knirschnda)

 -ne, leider nich. Zu lange doot… abba Grim un sinn son, letzte Woche -wo deer ma zulangt… jut amigo, krug uff king crimson — also denne, skál

[Nanu sachma, wohast’de Symmetriegruppe vastekt?! OK. Ick singe nie wieda.]

Kleine Freuden : zum Fest

Im Keller : die Kindheit : morgen

kehrt Vater aus der Dämmerung zurück : vergebliche

Hoffnung : keine Sauna heizt so ein : daß

sein Hirn noch weiter wächst : stecken bleibt der Familien-

friede im schwellenden : rot anlaufenden

Hals : dieser Diktator hat nichts mehr zu sagen : die Kinder

bekommen ihre eigenen Austicker : die Frau weiß sich

zu wehren mit Willkür & Hilflosigkeit : im rechten

Moment : sie bringt das rot anlaufende Hirn

zum Schwellen : die Kindheit heizt uns kräftig

ein : ihm & mir & ihr : im Keller stapeln sich die Dämmerungen

Punkte und Geraden

Wenn sich Körper entlang einer Geraden

bewegen, wird das Auge zum Degen:

Alle seine Rundungen verlieren sich in

der flachen Unendlichkeit des Raums.

Das Gedächtnis ist ein Blumentopf, in dem

immer wieder die gleichen Blüten erblühen.

Farbe & Form, die Augen einer Mutter, ein-

zig der Geruch des sich süßlich Erfüllenden

Vermag dem empfindsamen Nasentier

eine Lücke ins Gehirn zu setzen,

Darin sich der Geschmack der Leere ent-

rollt, das Knistern einer Blattspitze

Beim Durchbrechen der Stengelhaut,

das unsichtbare Kraut im Innern

Des Samenballes … die Sonne ist

ein Richter ohne Blick hinter die

Kulisse – ihre heiße Nähe zeigt die

Blindheit des Lichts; erst die Ab-An-Ab

Wesenheit fügt den Körpern alle Wunden zu.

Mit Sprache arbeiten

Mit Sprache arbeiten heißt
die Ohren abschneiden
und diese um die Nase dessen hauen
der die Augen nicht aufsperrt

Die trefflichen Formulierungen tragen Stringtangas
unter knapppassenden Arschhosen die sich
ins Gesellschaftliche fressen wie berühmte Maden

Im Kohl geht es auch den Fetten leiblich
und gedeiht das Unkraut
so kommt anderes zu einem
Eimer
welcher
ein Loch hat liebe Lotte oder wer

Das bloße Leben II (nach Aldomovar)

Das bloße Leben ist dermaßen vital es
ruft sie zurück.
Die Früchte sind einzukochen. Eine Hand liest sie auf.
Eine andere
hebt die Kofferhaube, stellt die Gläser hinein.
Die Nachbarn haben verstanden
bevor ihre Tochter losschreit: Tut sie doch
was sie kann!
Ach, den Toten ist das so wenig.

Das bloße Leben I

Ich bin nicht da, sagt sie. Sie nimmt sich nicht aus.
Was sie hat lässt sie arbeiten. Ihre Hände machen es.
Ihrem Kopf nach, bis Samstag. Hinter den Pillen
stößt sie ab, Landung und ich bin nicht da, sagt sie.

Es geht in die Woche. Sie strahlt. Ihr Element
ist der Montag. Das mache ihr einer nach, ohne Lidstrich.
Diese Aufmerksamkeit unter Kollegen. Ich bin
im Krieg, Essen im Kühlschrank, Kuss Mutti. Mit Plong!
aus dem Weltall senken sich e-mails herab und laufen
im Tarnanzug über den Schreibtisch.

Zu Hause in der flexiblen Heimat
hat ein Vöglein für sie gekocht.
Es fliegt weiter.
Während sie hierbleibt geht
ihr Leben einen ferneren Gang.
Sie beobachtet es durch den Spion. Im Fahrstuhl reißt es
den Schnabel auf und schluckt den Bestellzettel hinunter.

Sprechzimmer

Du willst aber du kannst nicht Vertrauen in dich selber finden.
Der Therapeut erscheint dir als eine Gestalt.
Du bist überzeugt von vornherein und erzählst ihm
von deinem schwächsten Punkt. Du weinst wie beim Sex.
Der Therapeut schenkt Sekt aus. Das macht er nicht immer.

Du gehst in ein symbolischer werdendes Haus.
Die Schatten junger Männer fallen
rückwärts aus den Fenstern während deine Brust
ein heller Strahl trifft, am Drehpunkt der skateboard-Sprungschanze.
Die Wohngegend des Therapeuten spricht gleichfalls Bände.
In ihnen liest du auf dem Weg bereits
deine Gesetze. Sie geben die Richtung für dein Leben wieder.

Jetzt hast du die Haare über der Stirn zusammengeschlagen.
Der Therapeut hat dich berührt. Es ist
gegen die Abmachung, bestürzend,
doch im Fallen beruhigst du dich: wie menschlich er ist,
und überwindet die Grenzen.

Du erhältst einen Schlag auf den Kopf.

Hier hast du die erste Demut geübt. Aufwachend siehst du
ein Foto von Frau und Kind.
Vertrauensvoll schmiegst du dich an ihn. Merkwürdig,
dass er hier sogar schläft.
Ein rostiger Garten lockt nicht.
Das Bett ist abschließbar wie eine Schreibtischschublade.
Der Mann zieht sie heraus – Iss mich!
sagst du und wickelst dich in Butterbrotpapier. Er lacht breit,
hebt den Telefonhörer und beißt hinein.
Eine königliche Sitzung war das.

Selbstgespräch nach Kafka

These/Anklage/Verdacht: Der Strang, an dem die Handelnde sich aufhängen wird, ist gleichbedeutend mit ihrem Wunsch nach Sicherheit.
Beweis/Führung/Spruch: Die Unabhängigkeit der Gerichte war ihr stets ein letzter Trost gewesen. Sie vertraute darauf, sich vor ihnen auf die Rechtmäßigkeit ihres Handelns berufen zu können.
Aber wie war das möglich? War ihr Handeln denn rechtmäßig, wie sie selbst überzeugt war? Fand es doch in einem ganz und gar anderen, in einem von Grund auf rechtsfreien Raum statt (dem gesellschaftlichen), in den das Gericht zwar einzugreifen versuchte, aber niemals notwendig und von sich aus, sondern stets erst nach einer Anklage, welche aus Kränkung oder niedriger Gesinnung angeregt und von parteilichen Stellvertretern vorgetragen wurde. Konnte so jemals Recht entstehen? Konnte dort Recht werden, Recht gesprochen werden, wo ursprünglich nur Parteilichkeit herrschte?
Die Frage ist falsch gestellt, sagte sie. Recht entsteht nicht, Recht ist, und zwar in Form der unabänderlichen Gesetze.
Aber die Gesetze werden dauernd verändert! Wir geben sie uns selbst, wir oder die anderen, und kennen wir sie denn? Und selbst wenn wir ein Gesetzbuch kaufen, ist sein Drucktermin nicht ein längt verstrichener Zeitpunkt und wird nicht zur gegenwärtigen Stunde schon wieder an der Veränderung, ja Anpassung des Unveränderlichen, schlechthin Unanpassbaren mit allen Finessen gefeilt? Bewegen wir uns nicht im Schwebezustand zwischen zwei Büchern, das eine veraltet, das neue noch unbekannt?
Ja gewiss, sagte sie müde, aber die Gesetze sind doch so viele, sie sind ein harter Brocken, ein großes Gebirge, sich dort durchzugraben oder zu -feilen bedarf wohl tüchtiger Werkzeuge und sollte eigentlich – so ist es vorgesehen – niemals gelingen.
Wie ein Ausbruch aus einem Gefängnis, scherzte die andere.
Etwa so.
Das tröstet mich nicht über ihren Geburtsfehler hinweg. Ich frage mich, sagte sie plötzlich kühn, ob nicht das Gesetz nur eine Metapher ist, ein dürftiges, unsinnliches Bild, womit wir unsere Lebensgeschichte meinen.
Und nicht nur ein Einzelner, eine ganze Nation will mit dieser Lebensgeschichte in Atem gehalten werden! rief sie zurück. Spannend ist das, „Die Gesetze“, – ein Spielfilm! Und die ständige Korrektur zwingt die Geschichte rückwärts auf die Gleise.
Halt! befahl sie sich selbst. Dass das Gesetz für die Ewigkeit bestimmt ist, sieht man schon daran, dass das Gericht in der zeitlichen Ausdehnung des Prozesses nicht auf menschliche Zeit Rücksicht nimmt. So ein Prozess dauert lange, sehr lange.
Ewig! Ewig! unterbrach sie sich.
Und die menschliche Angelegenheit, aus der heraus es zur Anklage kam, stellt sich den Beteiligten während ihres Verlaufs, erst recht an ihrm Ende, möglicherweise völlig verwandelt dar, und dies wäre ganz natürlich, zumal die Parteien unterwegs viel Geld verlieren. Weder der Kläger noch der Angeklagte erkennen sich schließlich in einem so lange dauernden Verfahren, wie bei uns üblich, noch wieder. Sie verarmen, verbittern. Und war für einen Sinn hat es denn dann?
Einen übergeordeneten! Es hat einen Sinn in sich selbst, erschließt sich wahrscheinlich nur den Zuschauern, nicht den Beteiligten selbst!
Für die Zuschauer, die die Kompliziertheit des einzelnen Prozesses gar nicht erfassen können, so eilig gehen sie an der Sache vorbei, für diese Spezies ist das Recht gemacht! So ist es gar nicht für die Menschen gemacht?
Du verwechselst das Gesetz und das Gericht! rief sie, und ich habe den Eindruck, dass du dies mit Absicht tust, um mir die Sicht zu vernebeln! Im Gericht arbeiten natürlich fehlbare Menschen, lediglich das Gesetz ist das Gesetz.
Die andere wiegte bedächtig den Kopf.
Allerdings kann man nicht annehmen, sagte sie gleich darauf ermattet, dass die Fehlbarkeit der Beamten an den Gesetzen spurlos vorübergeht. Ich bin vielmehr der Auffassung, dass die Gebrechlichkeit der Gerichtsbeamten, ihre morscher werden Knochen, das Gesetz gleichfalls brüchig werden lässt.
Hör auf mit diesen Vergleichen! rief die andere. Das Gesetz ist ein Fels, ein Stein! Du kannst darauf verweilen, so lange du lebst!
Aha, sagte sie, diese Bemerkung verrät dich. Denn was du sagst bedeutet, das Recht sichert mein Leben keineswegs. Und so scheint es mir auch: ich kenne nicht ein Gesetz, das im Ernstfall für mich spräche, im Gegenteil. Erstens kenne ich überhaupt kein Gesetz. Zweitens wäre ich im Ernstfall, auf den alleine es ankommt, auf wohlwollende Auslegung angewiesen wie nichts sonst, und da das Gesetz nicht in unsere Körper eingebrannt ist und von selbst statt hat, sondern vor- und zurückdebattiert zu werden pflegt, fängt vor dem Gesetz die Schwierigkeit allen Lebens überhaupt erst an. Nur jemand, der einmal in einem Verfahren stand und sich verteidigen musste, kann überhaupt als ein reifer Mensch angesprochen werden.
Es ist doch zum Haareraufen! rief sie. Dauernd widerspricht du dir! Erst sagt sie das Eine und im selben Atemzug das genaue Gegenteil!
Dies eben entspringt der Unsicherheit, in die jeder verfällt, der vor dem Gesetz steht.
Aber das Gesetz selbst ist unsere Sicherheit!
Mag sein. Doch dann können wir die Sicherheit niemals erfahren. Wir müssten ihm ganz verfallen, und begegneten dem Gesetz erst in den Vorboten, dann in den Vollstreckern des schrecklichen Satzes: Sicher ist nur der Tod.

James Joyce im Zwiegespräch mit einer letzten Flasche auf Erden, vorzugsweise unter freiem Himmel zu säuseln wie wandernde Wellen auf dem Meer

Komm her, du Ende vom Anfang: nun geh es los, wir gehn es an mit neuem Atem. Zerteilt in Unteilbares sei uns die Ewigkeit nun sicher. Sieh, und sei’s drum. Ich bin dein Waschbecken, du bist mein Wasserhahn – zusammen sind wir die menschliche Innenarchitektur. Hör wie ich gluckse vor Freude. Auch ich höre dich glucksen im Streit mit der Luft, die dein Inneres zu füllen beansprucht, Frechheit flüchtiger Materie. Deine Hüfte reicht dir bis an die Knöchel. Meine Finger fallen dir unter die Fußsohle, von unter dir steigt es bis ins erhebende Gefühl, wenn wirklich aller Atem aus mir weicht. Du schmeckst so süß, ich sauge dich aus wie der Mückengott einen ganzen warmblütigen Planeten. Meine Lippen schmatzen in alle Gehirme hinein – wer’s glaubt, wie auch ich geglaubt hab mit der Vorderzunge an heißen Sommertagen, sei selig bis ans Ende seiner Liebe.

Wäre ich kein Dichter gewesen, du hättest diesem Schicksal entgehen können. So stopfe ich denn meine Zunge in dich hinein, perfekte Flaschenpost. Solange dein Körper Form wahrt, wird das Wort in dir verschlossen sein. Das Wasser um dich rum ist bald kein andres Rauschen als das Blut in meinem Ohr. Die Küsten gleichen sich. Unterm Mond die Gezeitenschwelle legt den Nerventieren ihren Samen ins Gehirn, auf daß draus Worte wachsen im Gejammer der sich aufreibenden Eingeweide. Ich geh nun von dir. Deine Beine in meinem Augenraum sinken zu Boden, Muscheln im vollen Ohr der Meeresklänge.

Als Lichtstrahl unterwegs

Den Knorpel einer menschlichen Pupille durchquerend wurde ich zum erstenmal gebrochen. Es zwang mich in jenen Hautsack hinein, dessen Hinterseite von so ekelhafter Beschaffenheit ist, daß es einen bei Berührung dieses knotigen Himmels zicken und zucken läßt, als sei der Gott der Lichtquanten ein Ziegenbock mit zwei verschieden langen Maßhörnern.

Später sollte ich auch die Glaswand durchdringen, deren Mineralhaut die ewig ruhelosen Wesen unter der Sonne vorm plötzlichen Kältetod bewahren will, der regelmäßig die Kolonien kurzatmiger Wasserballons mit zottiger Innenoberfläche und Quantenchaos im Innenkammerbereich der elektromagnetischenPotentiale zu befallen pflegt – als sei das Lichtquantum irgend so ein Kornkreis auf dem Meer.

Außerhalb dieser Höhlenwelt mußte ich zwar lange wandern, bis die unverhoffte Begegnung mit einem Schicksalskollegen dem mikrosekündlichen Einerlei der Auf- und Untergänge meiner Pracht eine wechselwirkende Beschränkung des ewig Gleichen hervorrief, Form eines Materietropfens, allein dieser kurze Moment der Selbstauflösung im Weltraum der Körpergeburten um den Preis einer Identitätsverdopplung war es wert, nicht nur meine Frequenz im Schmelzofen der spezifischen Wirkungen nach wer-weiß-wohin zu verschieben, sondern auch den individuellen Reichtum, Amplitude über dem durchschnittlichen Nullniveau aller kosmischen Festsetzung, auf ein fast infinitesimales Prozentchen der ursprünglichen Größe schrumpfen zu lassen.

So wurde ich zum Teilchenpaar, geboren aus dem Opfer des Lichts.

In Bewegung

Am Ufer: Hildegard

Am gestrigen Abend, mit Feuerwerk und Krawall-

demonstration der eigenen Meinung, Volks-

Herrschaft von Söhnen ihrer Väter, Mutter in

das weiße Kopftuch aus Wolken gehüllt,

Ging für mich das 20. Jahrhundert zu Ende.

Was vor dreiundneunzig Jahren begonnnen,

fand nun seinen Abschluß in der

Mitternächtlichen Hitparade der Sterne hoch

oben im schwarzen Samt, so weich ver-

Hüllt wie ein Staubkorn im Ozean.

Aus der Unermeßlichkeit strahlender Augen,

mit der Stimme einer Überlebenden,

Durch die letzten Signale eines blinkenden

Weltraumkörpers hörte ich, ein Kind

Von vierzig Jahren deine Frage – keine Frage.

„Es ist doch so, daß man im Traum

die Welt sieht, man sieht sie

Immer wieder, damals, diesen kleinen

kleinen Schmetterling vor dem Fenster

Meiner Küche, und dann lag er und schlief.“

Einer fragte nach Blumen und Sonnenschein,

du lebtest im Schatten der Erde, dein

Söhnchen strahlte in dich hinein – ach

immer wird es so strahlen nun, du

Gabst ihm ein menschliches Gesicht…

Wie sah es aus in jenem Jahrhundert,

da das Korn am Reißbrett gezüchtet ward,

Als der Wahnsinn seine eigene Stimme ver-

nahm und sich leise leise sagen hörte:

Bruder, mein Bruder, ich bin du – du bist hier.

Begonnen hatte es wie üblich mit dem

Glück, das versucht war sich mitzu-

Teilen – es ging wie so oft noch nicht auf;

später war es dann der Hunger, aus dem

Mit Kanonendonner Geld wie Stahl hervorblitzte.

Einige hat es gegeben, die mußten ihre

Augen verbrennen in diesem unerbittlichen

Feuer, es schwelt noch immer durch den

Herbst dieser Welt und fegt nun als

Wasserwalze übers Körpergebiet der Klimazonen.

Auch der Träume gab es viele in jenem Jahr-

hundert, manches wurde wahr – das Wenigste

War es wirklich wert gewesen, den Synapsen-

wald mit Denkkraftverstärkern so sehr

Unter Druck zu setzen wie den Kessel deines Erdenlebens.

Zuerst tuckerte hinterm Berg ein

stolzes Automobil, später zischte die

Eisenbahn den Mond an, nachts, wenn

niemand mehr zuhörte außer dem Gras

Unter den Bäumen vor dem Fenster der Küche.

Die Schafe im Stall hörten irgendwann auf zu

blöken, heute lernen sie fremde Sprachen

Und versuchen der Sonne zu folgen auf ihrem

Weg durch das große Tal, das unter ihren

Füßen die Vergangenheit mit der Zukunft vereint.

Die Mitte war nicht die Mitte, die Mitte war

das Ende, und der seitdem die Lufthülle

Füllende Staub wird sich nie mehr zur Ruhe

setzen: Feuer, Wasser, Erde, Luft – so

Viel Freude verteilt sich für nichts. Aber später

(Das bist alles du; laßet die Kindlein

zu mir kommen – kein Samenkorn

So eigen wie der Mensch, Kindlein eines

Vaters und seiner Mutter – kein ver-

Fluchtes Geschlecht so sehr Samen im Korn)

Sollte es die Liebe sein, der Mensch, seine

Mutter und nichts als die Liebe, womit sich

Die Annalen der Erde füllen durch Zeichen

aus Wasser und Luft – nur das Feuer,

Langer Bart des Holzes, sei dem Licht fortan eingefügt.

(…)

29.10.2007

Das Schweigen

Das Schweigen

Er erzählt
mir nicht mehr von gestern
und spricht mit seinen Freunden
über mich wie eine alte Krankheit.
Doch wenn er mich dann zufällig
unter seinem Bettlaken findet,
bekommt er feuchte Augen.

Er sagt,
er hätte sich das Schreiben
abgewöhnt wie die Angst
vor´m dunklen Keller.
Denn er wisse nun,
dass es hier wie dort
nichts zu entdecken gäbe.

Er sagt,
er wäre jetzt erwachsen
und dass ich brennen müsse
wie die schlechten Klassenarbeiten.
Da, wo er jetzt hingehe
gehörten Schwächen auf den Scheiterhaufen.
Dann wärmt er sich ein letztes Mal

Im Feuerschein der Erinnerungen

Ein Herrenbein (Auszug)

Baronin Morast hatte sich bereits zu Mittag in ihr Schlafgemach zurückgezogen, das der Gatte vor dem späten Abend nicht betreten durfte. Sie fürchtete seit ein paar Tagen seine derberen Gelüste. Diese Furcht vermochte sie nicht recht zu deuten, deshalb musste sie sich legen, den Stuck anschauen und nachdenken. Der Baron sprach besorgt vom Stuck und seinen Widrigkeiten. Dass die Malerrolle nicht bis in die Rosenritzen dringe. Dass dort die Weltsicht sich verlor. Dass er die Deutung den Kunsthistorikern überlassen müsse. Dreimal Rund ineinander – rund. Frau von Morast wälzte trübe und konturlose Eindrücke wie ihre Kissen hin und her, kehrte das unterste zu oberst, tat, als würde sie ein inneres Bett neu beziehen. Sie wühlte Matrazen auf, entfernte feuchte und stockige Flecken, fönte trocken, rubbelte. An ihren Gatten konnte sie nicht denken, ohne dass ein feiner sie Brechreiz streifte, nur eben streifte wie der zuckende Nervenschmerz im linken Ohr. Die Lust, dachte sie, die Lust empfand sie doch. Irgendetwas an ihrem Manne war ihr unheimlich geworden. Sie erinnerte sich an das dröhnende Lachen, mit dem er den Privatier Kellermann und seine Clique begrüßt hatte, während er sein neues Mohnpräparat an ihnen ausprobierte. Bläulich hatten sich allseits die Lippen verfärbt, und als Morast nach ihr griff mit dünnen Fingern, hatte sich zu der vertrauten Lust, die ihr den Unterleib wie ein Schwert durchschnitt, ein leiser Ekel gesellt, ein  Kontrapunkt, der ihr den Hals kitzelte. Ein fremder Eigner. Eigner welcher ihrer Körperregionen? Sie hatte ihn geehrt, ihn, ihren Mann, der ihr Lüste verschaffte. Der Hüte á la mode trug, orangenorange, linzertortenrund, zuckerkristallbesprenkelt. Der mit der neuen Mode ging, ein Lebensdetail, das immer mehr auch Männer betraf. Der ihr ein Papageienzimmer für ihre gefiederten Freunde eingerichtet hatte, anspruchsvolle Wildtiere, die sie niemals, wie ihren Gatten, einfach mit „puttputt“ locken durfte, damit sie handzahm wurden. Die federbestückten Ungetüme. Ihr Mann war rasiert. Ganzkörperrasuren ließ er wöchentlich vornehmen, bei einem Freunde, dem Frizör.

Der Frizör schnitt nicht nur Haare, kämmte, ondulierte und shampoonierte – nein, er rasierte auch, sowohl Herren als auch Damen. Sein Salon war Stadtgespräch, derzeit noch. Ein, zwei Monate, und der Trend erreichte seinen Höhepunkt, um dann langsam wieder abzufallen wie eine sanfte winterliche Bergsenke, schließlich wurden Besuche beim Frizör zu einer Gewohnheit, die Zwang war. Die Klugen folgen einer Mode und reden nicht darüber. Sie scheinen. Haben Linzertorten auf den Haaren oder Orangenblütenextrakte in die noch feuchte Frisur gerührt und hineinzitiert, mit zittrigen Fingern, Haare, die ein Windhauch hochfahren lässt. Frau von Morast zog Luft ein, stieß sie aus ihren offenen Mund geräuschvoll gegen die Wand zu ihrer Linken aus. Drückte mit dem Kopf das Kissen zur Seite, Augen auf wie eine Tote. Er möge sie mir zudrücken. Gundolf! Sie rief nach ihrem Gatten, pelzig fuhr es ihr über Bauch und Beine, Gundolf! Sie schrie es dem Stuck entgegen und sah einen Himmel schimmernd wie Glas, eine Kuppel wölbte sich auf die Umtriebige nieder und umfing ihr Gehirn, durch dessen Windungen Serotonin und Endorphin, Dopamin und Neurasthenin schoss wie ein ICE durch die platte Landschaft zwischen Hamburg und Berlin-Ostbahnhof.

Baron Morast war inzwischen in einem unangenehmen Brüten versunken, welches das Endorphingeschoss im Hirn seiner Gattin kontrastierte, pfiffig und nicht ohne Überlegenheit. Warum hatte Gertrud ihn aus seinen Gemächern verbannt? Hatte sein Kuss auf ihren Hals, den er lange, lange vorbereitet hatte, sie nicht überzeugen können, dass er den Körperregionen mit zarteren Dünsten durchaus zugetan war? Ihr Hals roch so nach Frühlingsblumen, war so Jugendstil! Das hatte er ihr beichten wollten mit gefalteten Händen und verschlossener Hose. Nichts, aber auch nichts war auf diesen Kuss gefolgt. Nur eine Schweigeminute wie nach unfassbaren  Ereignissen oder während eines katholischen Gottesdienstes, wenn die Gemeinde auf die Knie gesunken war und gleich das „Vater unser“ in leierndem Gesange beten würde. Die Erinnerung an dieses Schweigen, diese Schlaffheit der Windhose, in die kein Hauch hineinblies, veranlasste ihn jetzt, im Wechsel ungelesene Kuriere und Zeitungen vom Tische zu nehmen und mit ihnen zu wedeln als verscheuche er Insekten. „Du musst du zuerst freundlich sein, du kennst doch Weiber. Klopfet an, so wird euch aufgetan, notfalls klopfst du mit dem schönen Gedanken, nicht gleich mit der Flöte. Manche lieben auch Musik. Aber fang nicht mit Wagner an, das wird sie verscheuchen wie ein frischer Morgen den Scheuen Nachfalter,“ hatte Kuraschowski, der Landbote, ihm beim Diner in den halb geöffneten Mund gesagt, der gerade eine Gabel voll Lacknudeln empfing.

„Sie müssten mal…“

„Sie müssten mal Ihre Prosa vom Facharzt untersuchen lassen!“ Das schöne Wetter, das nun schon seit Tagen über Karlpeters Haus herrschte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Arztbesuch erschütternd für ihn war und blieb.

Autodafé

Reif auf den Büschen : wo wir uns versteckt haben

voreinander : wo wir die Feuer feierten

jedes Mal : wenn wir vorbeiliefen : im Mund

den Verrat : Asche auf den Feldern

körniger Nebel : aufsteigend aus den Furchen

bevor uns der Tag aufheizt in unseren Glasgehäusen

schau nur : wie wir aufwirbeln : ohne Wind

während draußen der Schneid Einzug hält &

die Wiederkehr des Groben zum Aufstand reizt

Eigenfrequenz 155-Hämo-Post-Globyl&Trans-Mitternacht

EZRA POUND

aus Canto XCIX

Und wenn dein Kind nichts wissen will, hast du’s versaut.

Frag‘ es. Bejammere die Kindheit nicht, und lüge nicht.

Erkläre bündig, antworte; im Gespräch

nicht mit weichlicher Geschäftigkeit (chiao)

nimm immer deinen eignen Weg.

Laß‘ es fragen vor seinem Tun;

Daß da keine nachlässige Pfütze sei

zwischen dem guten Menschen & seiner Frau.

R. ist r. . Klein ist klein;

Unter Freunden ist eins eins

zwei ist zwei

Nicht zu lügen aus Unbekümmertheit oder

allein zu lassen im Trug

Füttere den Klang seiner Stimme mit Worten

die wie Wasser über ein Mühlrad strömen.

Kleid‘ es in Aktenordner

und beschenk‘ es mit Niedlichkeiten,

Am Ende versetzt es den Hausrat.

Mit Steuern, für das allgemeine Wohl,

einem Teil des Produkts

Sind Menschen, weil körperlich

immer am Säen und Ernten,

Soldaten sind auch körperlich,

behüte das Werkzeug deines Körpers,

Er beschützt dich als Wesen

Vor Sintflut und Gaunerei.

The Dead – Animated Poetry

dear viktor,

the idea to animate poems came from the Sundance Channel and the J Walter Thompson advertising agency (JWT). They assured me that they would bring in tto the project the best animators they could find and that the selection would be competitive. Apparently a number of people who tried out, were not invited to animate. I like the idea of poetry being adapted to different media (except dance) so I agreed to read the poems to be animated.

I was very pleased with the results. the first one I saw was „The Dead“ which set a high standard for the rest. I never liked the idea of illustrated books of poetry. A poem about a tree and on the facing page. guess what? a tree! but animation casts a kind of spell over the eye as the voice does over the ear. And two senses are usually better than one.

I have no idea how the animations got on YouTube. Apparently, just about anything ends up there. The films first ppeared as „filler“ on the Sundance Channel (USA TV). But I was happy to hear that some of the films were getting 500,000 hits on YouTube. Next we need to promote iPoetry so that poems can be easily put on your iPod along with your music.

If this phenomenon needs a star, I am happy to volunteer. I am an only child and have a great capacity for receiving attention.

My best to you and Ron Winkler,

Billy