Chlebnikow

Als Chlebnikow starb, bezeichnete ein überaus vorsichtiger Kritiker sein ganzes Werk als „unsinnige Versuche, die Sprache und den Vers zu erneuern“, und erklärte im Namen „nicht nur der literarischen Konservativen“ sein „unpoetische Poesie“ für nutzlos. Alles hängt natürlich davon ab, was der Kritiker unter dem Wort Literatur verstand. Wenn man unter Literatur die Peripherie der literarischen und journalistischen Produktion, die Oberflächlichkeit vorsichtiger Gedanken versteht, dann hat er recht. Aber es gibt eine Literatur in der Tiefe, die erbitterter Kampf um eine neue Sicht ist, mit fruchtlosen Erfolgen, mit notwendigen bewußten „Fehlern“, mit entschlossenen Aufständen, mit Verhandlungen, Gefechten und Toden. Und die Tode pflegten bei diesem Werk echt, nicht metaphorisch zu sein. Tode von Menschen und von Generationen.

(In: Fritz Mierau (Hrsg.): Die Erweckung des Wortes. Essays der russischen Formalen Schule, Leipzig 1987, S. 423)

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