(passend zu einem deutschen Wort)
Eine Erzählung
* * *
und papa
war mein Überich
und sein papa
war seines
und Stalingrad
sein Untergrund
und auschwitz
war das golgatha
(passend zu einem deutschen Wort)
Eine Erzählung
* * *
und papa
war mein Überich
und sein papa
war seines
und Stalingrad
sein Untergrund
und auschwitz
war das golgatha
wir richteten uns ein im bauch eines wales
und hofften dass er uns wieder ausspeien würde
nach seinen tauchgängen im marianengraben
seinen flügen über wellengebirge
hieltest du licht in den händen
antworteten dir stimmen und erinnerungen
hörten wir auf die nächte zu zählen
die jahre
das unglück
die landschnecken befuhren alle weltmeere
hielten auf inseln landgänge ab
und träumten sich odysseen
am schönsten waren die mädchen von gozo
der held selbst wusste es und blieb
viele jahre zogen ziegen und schafe
über die dornbuschheide
ich trug mir schieferöl auf
das durch die haut floss schweflig teerartig
in einigen platten fand man ichthyosaurier
die mit ihrem aussterben um die wette schwammen
posidonienschiefer
poseidonschiefer
pyritisiert war das neptungras im tod
ein wandschmuck über dem kaminsims
ich las dein leben und wunderte mich
dass ich in ihm nicht vorkam
du hättest mich vorwarnen müssen
oder wenigstens dem specht im garten
nicht das klopfen verbieten dürfen
unten am see hatte sich ein boot losgemacht
und trieb über die wasserfläche
spiegelungen eines früheren lebens
begleiteten es in konzentrischen kreisen
dein klatschen ordnete die natur
mit baugruben machte mir keiner so leicht etwas vor
am abend schlich ich mich in den wald
und legte fallen aus
du riefst an
dass dein vater gestorben war
und du allein sein wolltest
ich reiste in einem falter
flügel falter staub warst du
bei mir ein roter ford
umhüllte dich felicitas
der aschenbecher war voll
erinnerungen an ilya + yevgenii
das recht der ersten reise
yes baby
no darling
ich war puppe raupe
ein gesponnener faden
schleim absonderung absonderlich
seidene vorhänge in den fenstern
schärften spiralnebel deinen blick
umgabst du dich
mit einer letzten metamorphose
[ein loch geschlagen in die erdkruste]
war alles elektrisch das licht wie der stuhl
den gläsernen bogen des mondes strich ich
dass musik erklang
eine dünne glasmusik (des todes)
die spuren der blumen führten in ein grab
das land lag weiß auf frischem blut
und nur die erde wärmte den puls
der jäger und gejagten
wir flochten flachs zu schwarzem haar
mirjam sang
von einem blonden meer
einem toten meer
hob an die stimme
du warst in einem stern geboren
ein neuer ton klang in die nacht
der schlag einer schwanzflosse in einem netz
fischer holten es ein
als das letzte mondlicht erloschen war
nach getaner arbeit am ende eines kurzen lebens
lag der see wieder ruhig
schien mir
nur ein zittern auf dem wasser noch
das erinnerte an einen tod
1. Du hast gar keine Eyer.
2. Alle Stöcke verdorrt.
3. Die Brüste ausgetrocknet.
4. Die Lippen zwei Wülste.
5. Monotones Pulsieren, was noch?
6. Ringe über Ringe.
7. Manche perlenbesetzt.
8. Muskeln über Muskeln, darunter auch.
9. Die Sehnen nur Angelschnüre.
10. Eine wuchtige Masse, ein Kleeblatt.
11. Nach unten der Stängel, nach vorn?
12. Die Hauptrichtung eine Nase.
13. Nach innen
usw.
35. Daher bitte ich euch freundlich, dass ihr mich in Ruhe lasst;
___ denn es scheint mir nicht, dass ich von euch irgend etwas gewinnen kann,
___ sondern je mehr ihr mir sagt, desto trauriger macht ihr mich.
usf.
65. Nach außen, nach oben.
66. Und doch: Eyer.
67. Herum-.
68. Der Streit ein Tanz.
69. Du kannst gar nicht tanzen.
Nazis hocken. Quaderartige, in Blöcken geteilte Landschaft. Das Wetter ist gut. Die Sonne beleuchtet die Blöcke wie auf einer Bühne für Giganten. Tableaus aus Sandstein. Riesig, aus einem anderen Erdzeitalter. Die Sonne scheint rein und an bizarre Steinkultur. Ach nein, das ist ja Natur. Das geht nicht so richtig. Steinnatur. Klingt nicht gut, sieht auch nicht gut aus. Ob ich es diesmal auch kann? Ich bin mir nicht sicher. Gar nicht mehr so sicher. Ich muss mal ranzoomen, ein paar größere Feldsteine vor das geistige Auge zitieren, doch ich sehe nur kleinere Findlinge, von Abendrot beleuchtet. Karl Kraus wusste da Bescheid: Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten. Das kriegt jetzt wieder so einen grimmigen, fast märchenhaften Anstrich. So einen Glow. Ein Glimmen. Ich mag das. Das geht schon so in Richtung crysantheme, doch das soll es ja nicht, da muss ich den Geist rasch wieder weglenken. Hinter jedem Steind hockt ein Nazi. Stein d? Sind die Steine hier nummeriert? Stein a, Stein b, Stein c, Stein d? Sind das Hausnummern, Grundbesitzer?
1. wie wär’s mit Ästhetischer Theorie / wie wär’s mit arbeit ohne freizeit / Herz ohne hose, Haut / Haut euch, mit
2. vater, das waren deine taten. / mutter, das sind deine adern / & junge-junge, ach mädel … keine grenze, nirgendwo
3. Und wie es fließt … Zu Hilfe! Von außen docken sie an
Fremd & artig, Art-
Genossen
(„Die Aliens“)
Mit Ali-Ali im Hemd, Alis überall
& warum muss dieser planet zertrümmert werden, Schutt zu Traum zu Schutt
4. Zu einer Wolke kosmischen Staubs
Egal, egal
Wo es passiert
Sind wir immer mit dabei (1,2,3)
Die Nachkömmlinge putzen ihre Werkzeuge, der Adlatus
Zurückgelehnt: I han min, Gerechtigkeit.
Vater und Mutter ruhen, warte nur
Balde, in Bälde, immer und immer
* * *
Zu zeugen Bewegung, das Leben sich
1. Du hast doch überhaupt keine Eyer in der Hose!
Kommentar von Dieser Hund hat Eyer
Comment by Dieser Hund hat Eyer
Ostwärts, überm Berggipfel
Weiß und klar der Mond erscheint:
Das Antlitz einer schönen Jungfrau
Dringt voll Kraft in meinen Geist.
Herz unter Flügeln
* * *
Sie gleicht Goldfischen, die in der Sonne spielen, aber in ein mit Jauche gefülltes Aquarium gesetzt wurden.
Genau so, wie es Sartre geschrieben hat: “Die Natur des Lochs ist nächtlich. (…) Die besondere Situation des Menschen, der in einem Loch wühlt, ist die, dass seine Hände Feinden begegnen, die seine Augen noch nicht sehen können. (…) Man muss Druck ausüben, um sich hineinzwängen zu können. Dadurch ist es schon weiblich. Es ist Widerstand des Nichts, das heißt Scha um.”
„Son Scheiß Leben, nachher muss ich noch zu Rewe, und dann holen wir den Sand aus der Wand.“ (frau kleist am 23. September 2017 um 17:48 Uh)
Ich hab da mein Buch versteckt. Hinter einer losen Fliese. Die dritte, von dort gezählt. Haben die nicht gefunden, die Polizeikohorte in meiner Wohnung. Das eine Zimmer, da wo immer Licht brennt, und die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass meine Lupinen so schön wachsen, das haben sie natürlich gefunden. Aber das ist ja heute kein Problem. Hat ja fast jeder im Viertel. Bloß das Buch, wenn sie das gefunden hätten. Die hätten mich mitgenommen. Die warn ja bei mir, weil ich nicht bei Facebook bin und auch nicht bei Twitter und keine Emails schreibe und keine Kreditkarte habe. Alles in bar bezahle. Das ist ja heute echt verdächtig. Ist ja auch nicht mein Buch. Hab ich auf der Straße gefunden. Hatte jemand bei einer Razzia schnell aus dem Fenster geworfen. Aus dem vierzehnten Stock. Die sind ja echt wertvoll heute. Da gibt es ja nicht mehr so viele. Ich habe meinen Nachbarn, den Willi in Verdacht, dass er auch eins hat. Aber ich frag lieber nicht. Wer weiß. Irgendjemand hier im Haus ist ein Spitzel. Vielleicht der aus dem ersten Stock. Nachdem der aus Meusdorf zugezogen war, hatte man die Familie verhaftet, die aus der Dachgeschosswohnung. Die jetzt da wohnen, die haben sicher kein Buch. Die können nicht mal lesen. Na, vielleicht tun die auch nur so. Sicher ist sicher. Also ich trau hier keinen mehr.
legten sich landschaften über die schönheit
wie stimmen über das gras
und staunende nebelbänke in den wald
floh eine kuckuckslichtnelke
deinen namen auf den lippen
kuckucksknabenkraut
trugen gebirge schwere auf deinen mund
legte sich ein murmelndes und trauriges meer
sprachst du mit den scheuen füchsen
und botest gesänge zum tausch gegen schatten
ein mammut überlebte
im permafrost wurde es besungen
bis in unsere zeit
eiskalt
kamen in zottigen gewändern
dichter und großwildjäger
in die bärlappwälder flohen die fasane
die automobile vom nahen golfplatz
erlaubten einen geordneten rückzug
ergriffen uns staubwolken aus pastell
schnitzten wir gedankengänge und gesänge
stiegen aus flatternden flüssen
erinnerungen
plötzlich war es wieder da
dieses gefühl der verlorenheit und ohnmacht
über das delta und die alte kaiserstadt
zogen libellenschwärme
in ihren leibern saßen reiter mit maschinengewehren
voraus gegangen war eine entlaubungsaktion
der wald hatte seine gedichte für immer verloren
Da war ein Zar, der preschte stets voran,
Und alles nur aus mangelndem Verständnis –
Doch dieses Jahr setzt‘ er sich hintenan,
Dort vorn ist’s wie im Rücken ein Gespann
Aus schweren Läufen und des Kutschers fauligem Atem.
Vielleicht ist es hier hinten nicht so prachtvoll,
Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz –
Langer Anlauf macht den Absprung machtvoll
Und auf die Übersicht ist hinten stets Verlass.
Der Stielaugen Lanzen neun bis zehn
Starrten wie blind und ließen ihn erstarren,
In seinem Nacken ließen sich die Blicke gehen,
Von hinten blieb es immer angenehm,
Ihn zu beleidigen und drohend zu verharren.
Denn vielleicht ist es hinten nicht so prachtvoll,
Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz –
Langer Anlauf macht den Absprung machtvoll
Und auf die Übersicht ist hier Verlass.
Die erste Reihe schadet manchem und er sagt:
„Diese Gedanken treiben mich in Trübsal“,
Drum besser man im Dunkleren verharrt,
Wo dich kein falscher Ausweg narrt und
Hinter dir die Wand: steinernes Mahnmal.
Vielleicht ist es hier hinten nicht so prachtvoll,
Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz –
Langer Anlauf macht den Absprung machtvoll
Und auf die Übersicht ist hinten stets Verlass.
Und lass‘ aus allen Flüssen jeden Fluss entrinnen,
Lass‘ aller Laken Daunen salzig starren –
Ob Haar schneeweiß fällt bis tief unters Kinn
So setzt euch doch nicht in die erste Reihe hin
Und spannt euch bloß nicht vor einen fremden Karren.
Vielleicht ist es hier hinten nicht so prachtvoll,
Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz –
Langer Anlauf macht den Absprung machtvoll
Und auf die Übersicht ist hinten stets Verlass.
Man sitzt sicher hinten, doch es kommen Tage –
Da das Herz mir sagt: „Du bist am Zuge!“,
Und ein Schattenmann sieht nüchtern seine Lage,
Sieht es fließen, aber zählt die Tage –
Sieht: das Leben hier wie dort vergeht – im Fluge.
Denn vielleicht ist es hinten nicht so prachtvoll,
Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz –
Langer Anlauf macht den Absprung machtvoll
Und auf die Übersicht ist hier Verlass.
***
Bleib‘ nicht ewig in der letzten Reihe sitzen –
Komm‘ nach vorn und lass‘ es dabei kräftig blitzen.
in den 80ern gab es ja eine Menge. Kennt zufällig jemand von Euch eine tiefenpsychologische Deutung von „Rumpelstilzchen“?
es gibt ihn
vom ersten Herzschlag
bis zum Einsturz der Skyline
DEN WILLEN
was wollte das Dunkel
auf der endlosen Treppe dann:
den Atem einfrieren?
die Schatten weiter schwärzen?
wohl nichts anderes
als in den Straßen überall
Lichtungen ernten
(das Dunkel)
Deine Stimme flieht
über die Berge.
Auf dem Gipfel
liegt der Schnee kniehoch.
Ich gebe dem Wind
Meerworte
und eine Handvoll Regen.
Die Zeit ist noch nicht reif,
sagst du.
Sie liegt dir bitter
auf den Lippen,
und Kraniche
sind unbekannt verzogen.
Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy!
______________________________________________________ Allan 1955
Sie unterhielten sich, sie kopulierten. Sein Gang war ihr eine Erinnerung an bessere Zeiten, ihre Brüste ihm ein Sahnebaiser. Sie traten gemeinsam auf an der Place de la Concorde. Sie feilschten und sie schlugen sich. Sie ondulierten, postulierten, definierten und reüssierten. Sie postulierten, dass es die Menschheit wirklich gebe. Sie wurden gemeinsam dreizehn.
Plong plong plong plong plong plong
Plong plong plong plong plong plong
Plong!
Sie setzten das mit zehn Begonnene fort
Das mit acht
Mit fünf das
Mit drei nie Begonnene
‚Ja-Gen‚.
Ein dackelhaftes, mit sabberndem Eifer kravattiertes Wort. Genaugenommen bezeichnet das Ja-Gen eine oft sozialdarwinistisch aufgeladene Befürwortung biologischer Beißreflexe.
Das Ja-Gen ist gleichzeitig ein Euphemismus und findet nur deshalb Verwendung, weil die Anhänger des Ja-Gens die u.a. von Soziologen postulierte Existenz bzw. die damit einhergehende Signifikanz eines ‚Nein-Gens‘ vehement ignorieren (ein Bestreiten ist nicht möglich, da dies dem als Beweis für die Existenz des Nein-Gens gelten könnte).
Wenn beispielweise ein Propagandist des Ja-Gens dieses öffentlich bewirbt, etwa bei Wahlen, begründet er sein Engament damit, dass das ‚Volk‘ ohne ein kontinuierliches einzuimpfendes Ja-Gen immer schwächlicher würde (eine implizite Anerkennung eines Nein-Gens??!). Nur durch das Ja-Gen entspringe original völkisches ‚Ja-Wohl‘.
Im nahen Osten Deutschlands ist die Konzentration des Ja-Gens landesweit am Höchsten – vielleicht konnten Wissenschaftler deshalb in jenen Gebieten auch keine nennenswerte Anzahl quasi neophytischer Nein-Gene auffinden.
Angeführt werden sollte noch, dass sich 27% aller wählenden Sachsen zum Ja-Gen bekennen (über einen 85-Jahre-Zeitraum recht stabil – Leipzig, 1932: 31%), und die näselnden unter ihnen die Ersetzung des Bundesadlers durch einen Dackel fordern, sowie – und auch dieser Vorschlag wurde von trachtelnden Bayern mit äußerstem Wohlwollen begrüßt – die Wiedereinführung des Kornkranzsymbols der DDR-Fahne, diesmal jedoch in Form eines Stacheldraht- und Selbstschussanlagenemojis.
Pferde und Menschen in den Tiefen der Geschichte, Tiere allein mit ihren Gedanken und ein Gefühl als ob die Dinge ihr Universum einfach abgestreift und es einmal gewendet hätten wie einen alten Mantel. Seine Unterseite war gefüttert, ein Sternenmuster prangt nun über unseren Köpfen und scheint sagen zu wollen: Ihr seid nun außen vor. Was dahinter sei, wird nie auch nur ein einziges Bild füllen – selbst Worte in der ganzen Kraft ihrer Negativität vermögen nicht dahin zu reichen. Wir sind nun außen vor. Ausgeschlossen vom Geheimnis, darin der nächste Blick der Würfelaugen bereits ein Gesicht hat. Mann und Frau bei Tische, die Sonne außen vor. In diesem Dunkel hier erfindet sich die Welt erst, erst einmal müssen die Regentropfen den Weg über die Brücke des Reflexbogens finden.
Son Scheiß Leben, nachher muss ich noch zu Rewe, und dann holen wir den Sand aus der Wand.
https://www.youtube.com/watch?v=ITNSdLxa2hk
http://l-lv.de/neu/product_info.php?info=p1079_katkus–laurynas–moskauer-pelmeni.html
XXX
die Menschheit: eine irre Oberfläche, die sich mittlerweile selbst imitiert; der Mensch im Theater nach Entsorgung aller seiner Götter. Oder war da noch etwas? Eine Zahnlücke im Denken? Eine Zaunslatte im Gehirn? Oder gar ein Zaunpfahl?
Nur ein Faun, der seinen Nachmittag genießt
Opfer der SCHÖNEN ERINNERUNG
jaaaah, schön! muss es sein.
„Am Anfang der meisten Projekte steht ihr Ende – denken, handeln, erfüllen.
Manche Projekte sind jedoch einer solchen Natur, dass ihr letztendliches Ziel, gar das Bewußtsein von ihrer Existenz, erst im Laufe ihres Wirkungsraumes erkennbar wird.
Am Ende der meisten Projekte steht ein neuer Anfang. Einige Projekte kennen kein Ende.
Und die Mehrzahl scheitert. Wenn ein Projekt wirklich erblüht, verändert es die Welt und ihre Zeit. Projekte können Dornen entwickeln, Schlüsseln gleichen oder Teleskoprüsseln.
In vieler Hinsicht sind Projekte wie Menschen, obschon Projekte, wie Platon argumentieren würde, sicher ganz gut auch ohne Menschen in ihren Spähren immanieren.
Projekte sind ewig – um jegliche Projekte zu bannen, bräuchte es ein noch umfangreicheres Projekt.“
Der Projektionist schaute von dem Textgebet auf und verließ die virtuelle Kapelle.
Heutzutage war es ehrlicher, als zu den Zeiten, als man noch der Illusion anhing, die Projekte dienten den Menschen und nicht umgekehrt. Als Götter, soziale Konstrukte, das Recht des Stärkeren noch bedeckten, was sich nach und nach gezeigt hatte: Projektion. Als vom Kapitalismus die Rede war und der Selbstausbeutung humaner Produktionsmittel. Nein, immer ging es um Projektionen bezüglich dessen, was für die Projekte getan werden muss, nicht gedurft oder ersollt.
Der Projektionist stellte sich vor, ganz still in seinen Gedanken zu werden und spürte noch, wie sich überall Projekte zusammenbrauten. Die drückende Pflicht zur Veränderung aller Welten zerbarst vorerst und sein Atem vertiefte sich.
Sie singt, er sucht, sie schleicht, er schreckt,
sie schwebt, sie sieht:
Er fängt sie auf –
sie sinkt.
Schreiben kann vieles sein, wie beispielsweise das Bewundern von Schönheit einer noch ungeborenen, nur geahnten Syntax; Formgebung, Schöpfungsakt, Tempelbau aus Silben.
Bei anderen, profaneren Anlässen verführt das Schreiben zu einem trügerischen Gefühl der Kurzweile, spielt mit mehr oder weniger feinen Spitzen und manchmal auch allzu liebevoll konstruierter Verachtung.
Zuweilen treibt das Schreiben dann die größten Blüten, da das Äußere, die Maske, und das Innere, das Ungewisse, einander durchdringen. In jenen Momenten tauften einige, wenige Worte ganze Gesschlechter; und doch, mir ist, als sei die Erinnerung an jene Kraft am Vergehen.
Das Schreiben überkommt sich selbst, denn stets ist das Schreiben voller Struktur: seine Symbole sind von vornherein eng definiert. Doch die Freiheit des Um- und Verdichtens von Textteig, des Neuschöpfens von Sprache und Sinn schwindet.
Jenes Spielen mit Stilmitteln etwa – eines Apotheosen verheißenden Herableitens in mystische Welten ohne Grund – erreicht nicht die Massen eines Zeitalters, das sich mit einhundertvierzig Zeichen konkretisiert und lehrt, charakterisiert und entleert.
Andererseits ist das Ganze so neu vielleicht nicht: Schreiben als Zen-Meditation. Jedes Wort ein Steinchen, jeder Vers ein kleiner Baum, jedes Gedicht ein Garten. Eingehegt und der Gefährlichkeit irrationaler Wildheit beraubt, wird das Schreiben mehr und mehr domestiziert, kultiviert und degeneriert schließlich in der Folge vollends.
Sie fragt, er schweigt, sie urteilt, er weint, sie verzeiht, er lächelt.
Sie lächelt, er fragt, sie weint, er verzeiht, sie schweigt, er urteilt.
Die konkrete Poesie Eugen Gomringers endet nicht bei den Blumen und Alleen, bei den schönen Frauen und ihrem Bewunderer, nein, ihre Bedeutung reicht viel weiter, es ist der Versuch, den Raum des Ungefähren, der Weite und des darin rudimentär erfahrbar Heiligen zurückzuerobern, den wir in den sprachlichen, endlosen Hochhausschluchten und klapprigen Slums aus dem Blick und Sinn verlieren — wie ein mancher und vielleicht auch dieser Text beispielhaft beweist.
Sie dreht sich, um
ihn
zu ver
führen lassen letzen.
Er langte
ihr
unter den Rock.
Natürlich hatte Mutter vorher jede noch so kleine Spur, die sie verraten könnte, unkenntlich gemacht. Hatte aus allen Briefumschlägen ihre Adresse herausgeschnitten, aus allen Kassenzetteln die Nummer ihrer Bonuskarte. Jedes Mal wurde es schwieriger, den Müll zu entsorgen. Mehr und mehr Mülltonnen waren mit einer Kette verschlossen. Oder standen hinter einem verschlossenen Tor. Und wo nicht, da lauerte einer, brüllte aus dem siebten Stock herunter: „Dich zeig‘ ich an!“ Schnell, so schnell sie konnte, rannte sie weg, nicht wissend, ob der die Nummer vom Auto aufgeschrieben hatte.
Manchmal traf sie die anderen, die genauso wie sie den Müll entsorgten, die Troglodyten. Die wohnten in Räumen, am Ende von Schächten, in die das immer gleiche Licht fiel, am Morgen, am Mittag, am Nachmittag, am Abend. Immer das gleiche, eigenartige Licht. Monochromes Tageslicht. Manchmal traf sie auch die Akolythen. Die standen an der Straßenkreuzung um ein leeres Ölfass, in dem irgendetwas verbrannte, schwarzer Rauch stieg auf, erst kringelnd, dann spitz nach oben steigend.
//
Standen um die Tonne herum und starrten auf ihre Smartphones, auf denen irgendetwas geschah. Ein Kater vielleicht, der auf einer Sommerterrasse versuchte, seinen Kopf aus einer Plastedose zu befreien. Eine Figur mit unendlichen vielen Leben, die immer wieder versuchte über den selben Abgrund zu springen und immer wieder in die Speere stürzte. Die Akolythen bemerkten Mutter nicht. So viele Leben, die aus den Händen rutschen. Ohne zu fallen. Immer wieder. Glibberig. Vergeblich die Versuche, diesen Pudding an die Wand zu nageln, zu schrauben. Je fester die Hände zupacken, um so schneller rutschen die Leben. Formlose Ungeduld. Vertrauen auf die Zukunft. Aber geduldig sein kannst du nur, wenn du der Zukunft vertraust. Wenn du heute keine Angst vor dem Morgen hast. Was Mutter nicht wusste, war, dass sie gemeinsam mit den Troglodyten und den Akolythen am Rande einer verborgenen Geometrie lebte.
//
Die Straße, wo der Vater im Auto wartete, war ein Schlauch, wie die Straße daneben, wie die anderen Straßen. Gebaut von Architekten, die Topfpflanzen im Treppenhaus als Grünflächen zählten. Vater hatte Angst. Dass sie Mutter entdecken würden. Dass man die Schläuche mit Polizeikordons umzingeln würde. Und die Straßen durchkämmen. Darum hatte Vater seine Taucherbrille, die er immer im Auto hatte, von Mutter entsorgen lassen. Zwanzig Jahre hatte er sie im Auto gehabt. Doch jetzt hatte er im Radio gehört, dass sie einen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt hatten, in Hamburg, sechs Monate, wegen einer Taucherbrille, einem Stadtplan und einem schwarzen Pullover. An einem sonnigen Tag.
Ein guter Tag für Mutter, den Hausmüll extern zu entsorgen, war ein Tag mit sonnigen Abschnitten. Ich meine, ein Tag mit so Streifen. Aus Sonne, wie Caramellstreifen in Vanilleis. Was sehr Süßes und Kalorienreiches, cremig in der Konsistenz. Die Finger gleiten durch die Tastatur wie durch Sahneeis. Und man beginnt davon zu erzählen, wie es war, als Mutter den Hausmüll extern entsorgte: Im Stadtpark, bei Real, vor dem Blumenladen, hinter der Sparkasse – überall, wo es private, aber zugängliche Tonnen, öffentliche Abfalleimer und Papierkörbe gab. Deren Materialität von goldenen Sonnenstreifen durchwirkt wurde wie cremiges Vanilleeis von Caramellsouflee. Vater wusste solche Tage zu schätzen, denn er durfte im Auto sitzen bleiben. Und Musik hören, so lange Mutter draußen war. Vorher hatte sie kleine Tüten gebastelt. Bei Rossmann oder DM ganze Lagen von Tüten abgerissen und eingesteckt, zu Hause den Müll rein geschaufelt und fest zugeknotet, damit auch ja nichts mehr raus konnte. Trotzdem durfte es an dem Tag nicht unbedingt grau sein oder regnen. Die Mitbüger und -bürgerinnen sollten doch keinen Verdacht schöpfen, was geschehen konnte, wenn sie eine ältere Dame an Müllkübeln bei Regen sahen. Bei Sonne war das normal. Es gab ja auch die Flaschensammler, gegen die keiner was hatte. Mit wem Mutter jedoch nicht gerechnet hatte, war mein Onkel. Der liebte schon immer die Natur, Licht und auch kremiges Eis. So waren Tage mit sonnigen Abschnitten Tage, an denen er gerne draußen filmte.
Später, sehr viel später, arbeitete ich das Material auf: Mutter am Müllkübel bei Real, schimpfend in graugrüner Hose, Mutter hinter dem Blumenladen, als sie dabei erwischt wurde, wie sie kleine Müllpäckchen in die blaue Altpapiertonne gab, Mutter vor der Norddeutschen Landesbank mit ihrem Datencontainer. Und auf jedem dieser Filme schien die Sonne in köstlich kremigen Streifen. Mutter, aus dem Dunkel einer Überdachung hervorkommend, im Stechschritt, die Kamera fokussiert eine Biotonne im Vordergrund. Die Camera erhellt den Weg vor Mutter. Mutter kommt an der Biotonne an, die sie, gleich der Kamera, nur von der anderen Seite, die ganze Zeit im Blick gehabt haben muss. Sie klappt die Tonne auf und lässt einen dickeren Sack hineingleiten. Pfui Teufel!
Ein eigenartiges Licht fiel in den Raum. Als hätte jemand einen Drahtkäfig auf uns niedergelassen. Auf bunte Tiere. Puten, Tiger, Papageien, Salamander. Ein dünner Streifen Himmel über dem Haus vor dem Fenster, sonst nichts. Wir hatten das Zimmer am Morgen, am Mittag, am Nachmittag, am Abend besichtigt. Immer das gleiche, eigenartige Licht. Monochromes Tageslicht, mono no aware, ständige Wärme. Eduard drängte. Worauf wartest du? Die Stimmung in meinem Herzen hatte das Niveau des Meeresplateaus erreicht. Gern hätte ich leuchtende Fische angeknipst. Draußen spielten Kinder im Sonnenschein, machten Lärm, der durch die dichten Fenster den Eindruck des Abgeschiedenseins eindringlicher an mich heran ließ. Ich habe geträumt. Ich habe geträumt, das Kätzchen sei ins Schaumbad entglitten, ich zog gerade den Mantel an, um den untersetzten Mann, den du anhimmeltest, zu treffen, ich hatte mich so in die Ärmel des Mantels verkeilt, dass das Kätzchen fast ertrunken wäre, bevor ich es ergreifen konnte. Es war voller Schaum und vollkommen glatt. „Die Kommode kann dort hin.“ Die Ecke, in die Eduard zeigte, war in einem tiefen blaugrau gestrichen.
Ich bin jetzt Staaatsbürgerin. Staatsbürgerin des NSK STAATS. War ganz einfach. Nur den Antrag ausfüllen, Umschlag zu, Briefmarke draufkleben, 24 Euro überweisen. Das kann jeder. I, Eleadora Stein, being of sound mind and body, hereby declare that the information provided above is true and correct. Heute habe ich meinen Pass bekommen. Den echten. Dunkelgrün. Mit Wappen. Mein Foto ist drin. Damit komme ich überall hin. Über jede Grenze. Habe es schon probiert. In Schöna, da bin ich mit der Fähre rüber nach Hrensko, Oblaten kaufen. Da wurde ich auf dem Rückweg kontrolliert, weil ich so einen großen Rucksack hatte. Habe meinen NSK Potni List gezeigt. Das war alles in Ordnung. Der erste universale Staat für alle. Braucht kein Staatsgebiet. Nur ein paar Symbole und Rituale. Wahlen und so. Mehr braucht ja ein Staat nicht. Ein immaterieller Zustand. The NSK State denies in its fundamental acts the categories of (limited) territory, the principle of national borders, and advocates the law of transnationality. Das ist ja genauso wie damals, Paulus gegen Peter. Paulus hat ja gewonnen. Jeder kann Christ sein. Nicht bloß Juden. Und jeder kann Staatsbürger werden im NSK STAAT. Wirklich jeder. Macht doch mit. Ist ein Schritt hin zur geistigen Öffnung. The passport is a document of a subversive nature and unique value. So Symbole haben es mir ja angetan. Da bin ich total Fan von. Da will ich ja auch wissen, was der geheime Inhalt von scheinbar einfachen Symbolen ist. Die gibt es ja, diese Wirkungen, diese Verbindungen zwischen den geometrischen Formen und ihrer Wirkung auf mich. Der Malewitsch, der konnte ja dann nicht mehr. Der hatte ja das Schwarze Quadrat gemalt. Und danach gibt es ja nichts mehr. ART IS FANATICISM THAT DEMANDS DIPLOMACY.
Was für ein Tag! Die guten Menschen nehmen ihre Maske ab, und sichtbar werden Terror, Angst und Allmachtsphanthasie.
Was für ein Tag! Die schlechten Menschen sind wie stets aufs Ihre nur bedacht, was jedermann sofort erkennt als: Blasphemie.
Nun kommt die Nacht. Schlaf still, und träume süß
Wir merkten schon lange, dass der Samstag als Werktag gilt. Mein Vater hat da nämlich immer Rasen gemäht. Schön ordentlich und mit System. Bis die Vögel und die Engel ihm ihre Weise sangen. Rund um die Bäume herum. Da fragen Sie noch, ob wir ihm dies erlaubten? Jeder Rasenmäher ist seither Musik in unseren Ohren. Schon das Wort „Rasen mähen“ löst Gefühlsstürme in uns aus. Glückliche! Wie die Glöcklein Rauschen. Vater und der grüne Rasen – zwei, die ohne einander nicht zurecht kämen. Wenn Vater im Winter nicht mähen konnte, wurde er traurig und brannte die Zeitung an. Die Tablette ließ er drin. In normalen Wohngebieten darf man seinen Rasen lediglich Werktags mähen, also von Montag bis Samstag. Sonntags und an Feiertagen darf der Rasenmäher gar nicht verwendet werden. Ausnahmen sind hier lediglich sehr leise Spindelmäher, Elektrorasenmäher und Mähroboter, sofern dadurch keine anderen Personen gestört werden. Nein! Wir wurden nicht gestört, wir wurden glücklich gemacht.
Stand Mai 2015 sind die Zeiten zum Rasenmähen folgendermaßen geregelt: Montag bis Samstag dürfen Sie Ihren Rasen von 7 bis 20 Uhr mähen. Bei besonders lautstarken Geräten gelten allerdings einige Einschränkungen bzw. Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen. Folgende Geräteklassen sind davon betroffen:
Was für ein Tag für das schreibende Gedächtnis! Blankos check, Univers_alpin, al PIN-Ideal? Die Pflicht zur Imagination, zur mühevollen Exploration von Konstellationen und Beziehungen, Personen und Scheinidentitäten hat sich in nichts aufgelöst; in Nichts. Der Roman im Roman, der die Wirklichkeit hinter der beschreibungsdurchsetzten Erzählung sein sollte, schreibt sich wie von selbst. Schreibt sich von Selbst zu Selbst, wie von allein. Schreibt sich allein, ohne Rücksicht und falsche Vorsichten. Und Vorsicht ist geboten!! Bist Du eine Schreibende oder wirst du geschrieben, lebst du schon oder träumst Du noch?? Ich/ich bin zwar identisch mit mir, aber ICH IST EIN ANDERER. Eine andere war dieses ich ohnehin immer schon. Immer schön. Immergut, was war das doch gleich … Das Immerwahr der Kunst, ihr Schwarzer Peter, nähert sich der Linie seiner Demarkation. So kehrt die Geschichte zurück ins eingefahrene Gleis, alle toten vereinend in diesem einzigartigen, dem zufällig Widerständigen, einem in sich geformten – Prellbock. Die Sünde ist auferstanden … Alle Toten vereinigend. Die Exzellenzinitiative hat sich ihre eigene Stabsstelle geschaffen. Was soll’s, so funktioniert Organisation, wenn sie funktioniert. Die Funktion ist eine Literatur außer sich. So wird er, der ewige Bock, Sünder uuserer selbst, … zur Sache für sich. Was soll’s, wie darf’s, will’s denn??? Such‘ Dir doch einfach Deinen Plot aus. Im vergangenen Herbst hatte diese Stadt ihr literarisches Happening, ein Roman war angekündigt worden, „Eine Stadt schreibt…“ – – und nun wird ein erstes Ergebnis sichtbar. Bedien‘ Dich, das alles ist nun Dein!!! Meine eigene Geschichte wurde in die Lage versetzt, sich hier auszuklinken. Ein letzter Koordinatenvergleich, bevor Peter als Fusion des nihil negativum mit dem nihil privativum seine – – – vorerst; nichtige Apotheose erlebt: Vor zweiundfünfzig Jahren heirateten die Erzeuger, vor zehn; einem Jahrmond folgten zwei ihnen nach. In der Tat ein Kuss, nicht nachts um halb drei und nicht an der Wolokolamsker Chaussee.