Moonboots

Guido rieb vorsichtig mit einem in Schuhkrem getränkten Tuch auf seiner Stiefelette herum. »Wisst ihr eigentlich, dass ich die neulich, als wir bei Tisch saßen, genau hier, und Al und Vyvyan… als Vyvyan uns allen … also, dass der Schuh seine Spuren trägt?«

Carl beugte sich hinunter. »Falls du noch nicht alles weggeputzt hast.«

»Nein«, meinte Guido, die Stelle – hier.« Er machte einen Druckpunkt mit dem Zeigefinger neben seinem großen Zeh.

Alan kam herein und sah das Grüppchen, das sich über Guidos Schuh am Boden zusammengekratzt hatte. »Was sucht ihr da? Sind das Designerschuhe? Vyv hat Designer-Moonboots. Schneeweiße mit Kunstfell.«

Guido sah auf und blickte Alan mit großen Augen an.

»Al, sag mal, meinst du…«

»Wir suchen Vyvyans Genom«, sagte Carl trocken und nahm Guido das Putztuch ab. »Guido hatte die Schuhe am Samstag an. An dem Samstag, Al. Als du Vyvyan … durch den Salon geschoben hast.«

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

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