Dichtung : wie ein Gebet : Sommer 1917

Boris L. Pasternak

*

Weinender Garten

Schrecklicher! – Lässt Tropfen fallen und lauscht,
___ Ob in der Welt allein er
Knickt einen Zweig im Fenster, wie Spitzengewirk,
___ Oder ob da ein Zeuge sei.

Doch quält hellsichtig sich unterm ganzen Gewicht
___ Der Ausflüsse – rotzige Erde,
Und vernehmbar: weithin, wie im August,
___ Es Mitternacht in den Feldern werde.

Kein Laut. Und Zuschauer nicht.
___ Sich ganz seiner Leere sicher,
Macht ran er sich ans Alte – lässt fallen sich
___ Aufs Dach, an Schindeln, dazwischen.

Benetze mir die Lippen und höre mich ein,
___ Ob in der Welt allein ich, –
Für ein Schluchzen bereit bei Gelegenheit, –
___ Oder ist da ein Zeuge.

Doch Stille. Und kein Blättchen schabt.
___ Kein Anzeichen Nebels, außer grausigem Wischen
Einer Schluckreizwelle und des Gischtklangs in Schlappen
___ Und von Seufzern und Tränen dazwischen.

Zhenja
Künstlername des aus Südrußland stammenden Dichters Jewgeni Sacharow; hob unter nickname Zhenja 2007 gemeinsam mit Gesche Blume und Viktor Kalinke den literarischen Blog www.inskriptionen.de aus der Taufe. Das seit 2009 verwendete Pseudonym stand dabei zunächst Pate für eine Reihe von Versuchen, sich zugleich die Bild- und Klangsprache des 1922 verstorbenen futuristischen Dichters Viktor Vladimirovic Chlebnikov und die Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen als literarischer Nichtmuttersprache zu eigen zu machen. Zunehmende Vermischung eigener Sprachschöpfungsprozesse mit dem Ideenfundus des russischen Avantgardisten bis zur „non-rem-fusion“. Sacharow lebt und arbeitet seit 2008 als Garderobier und freischaffender Autor in Frankfurt am Main. Projekt der beiden in Deutschland ansässigen russischen Dichter Jewgeni Sacharow und Sascha Perow, „Brüder im Namen“. Jewgeni beschäftigt sich seit 1990 mit Drama in - wie er es nennt - Außenprojekten, ich dagegen (Perow) versuche mich gelegentlich an Übersetzungen aus dem Russischen; mein Ziel: Erschaffung eines neuen Dialekts der Weltpoesie, der „Sternensprache“. Wichtig war für unser Inskriptionen-Doppelleben die Begegnung mit der deutschen Dichterin Hanna Fleiss im Winter 2012 in Berlin.

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