Archive for Dezember, 2014

neu jahr

Mittwoch, Dezember 31st, 2014

im versoffenen dunst eines januarmorgens schaukeln
fragen nach dem sinn
des lebens nach zukunft
und den kleinen tierchen die sich
in deinem kopf eingenistet haben
gute gedichte gehen anders
leiser
weicher
hängen ohren über stille
landschaften fallen ein
mit den augen einer luchsin
siehst du klar
unter die schneeflockenherde
gesellen sich zwei aurorafalter
verglühend in ihrem leichtsinn taumeln sie
dir über lippen und stirn

 

“Wieviel Watt umfasst diese kosmische Leistung?”

Mittwoch, Dezember 24th, 2014

Jedes Metall hat einen Krieger.
Pablo Neruda

* * *

Gold oder Silber, die
Sterne ringen um
Deine Anmut.

Silber und Platin, wir
Menschen suchen
Einen Weg.

Kupfer, Kupfer – wie
Nur gelangten wir
Dazwischen?

Zinn fließt,
Zink bunkert -
Und das quick-

Lebendige Silber zer-
Fließt, fließt wie
Alles.

Fließt über die Fliesen,
Natura naturata -
Nilsboriums Leid.

No name,
Kurtschatovium…
Dein Kristall ist eine Gleichung

In Enn; nach Ix
Und Ypsilon
Stolpert

Es
Bis zu
Ödipus’ Schwelle:

Simeon -
Vater, Bruder
( _ ) ( _ _ _ _ _

In ein und demselben Gedicht

Montag, Dezember 22nd, 2014

Das Gehirn, ein
wartender Flüsterer
im dunkleren Schlafsaal

* * *

Dann schreib. Aber
Schreib, aber
Schreib -

Etwas
In die Zwischenräume
Von Zeilen, Spalten, Punkten

Und
Schreib: das Wort
In die Zwischenräume der

Verse,
Dort nur kann’s
Antworten, Antwerpen, Anderlecht

Schreib
Das Wort in die Zwischenräume
Der Verse, zieh dir den

x x x x x _ Rhytmus an wie
Einen Sonnenaufgang
Eine Sonnenbrille
Einen Sonnenuntergang

Eine Pupillenerweiterung
Ein transzendentales Ich
Einen Wirbel in der Haut

y y y y y _ _ Schreib
Den Raum in die Maschen
Der Netzhaut
Einen Brief an Gesche, an
Den Verlag _ _ _
Einen Wirbelsturm unters
Kopfkissen

Sturmland

Samstag, Dezember 20th, 2014

Noch immer
reißt der Sturm
Zweige aus dem Leben.

Im Gartenteich
versinken sie
in ihrem Spiegelbild.

Ein Baum zittert Wellen ins Wasser.

Winters laufen wir
auf verpassten Möglichkeiten.
Unter den Füßen knackt das Eis

Geschichten

von einem Land
jenseits der Stürme.

hautstille | im gegenlicht

Samstag, Dezember 20th, 2014

für Friederike Mayröcker 2014

regenschirme treiben vorbei das leben
zahlt sich aus tage wabern
im sommerlicht wie algenteppiche
oder wasserlinsen im mäander
auf einem berg stand ich sagen wir
besser an einem abhang und
sagen wir der berg war parnass
und ich stürzte fiel in ein
thrakisches meer

am himmel kraniche oder silberreiher
helle vögel
vogelmenschen im gleißenden licht

du einsam in einer zwischenwelt ich
in einem zwischenmeer stumm
beobachteten wir einander

pan abseits spielte
auf einer knochenflöte
die gesänge von hühnern und gänsen

singschwäne zogen heran
schlafmohnlieder im gefieder
und in den schnäbeln eine goldene kette

alabaster
zylindrische farben* sagst du
und ein hotelzimmer in wien

—————————————————–
* aus Friederike Mayröcker: drei Traumwahrheiten oder: kein Wort mehr über Träume (Gedicht, in Friederike Mayröcker: Winterglück, Suhrkamp 1986)

Chronic ease

Samstag, Dezember 13th, 2014

Ich wache ganz gemächlich auf. Gestern war ein grüner Tag.
Bevor ich mich gemütlich recke und strecke,
lächle ich, denn eine Massage und die darauf folgende Nacht
haben mich angenehm entspannt.
Mein ganzer Körper fühlt sich so an, als ob er angekommen sei,
etwas erschöpft zwar, aber eins mit sich, zufrieden.
Keine Spur mehr von der niederdrückenden Mattheit der Grippe,
die ihn vor ein paar Tagen noch gepeinigt hatte -
auch in Lunge und Nase löst sich nun der fiese, zuvor so unüberwindlich zähe Schleim.
Unter der Dusche ist mir so, als ob das Wasser meine Schulter und
den Rücken wie ein warmer, weicher, rauschender Seidenmantel umhüllt.
So sinnlich habe ich es lang nicht mehr empfunden.
Wieder umspielt ein Lächeln meine Lippen,
doch diesmal gesellen sich hoffnungsvolle Gedanken dazu.
Ich freue mich darauf, gleich einige Lebensmittel einkaufen zu gehen,
frische Winterluft zu genießen, danach etwas im Haushalt zu erledigen.
Ich verspüre Zuversicht, denn auch mein Geist fühlt sich locker,
von Stress und Zweifeln des Alltags befreit.
Danke, Pharma. Heute ist ein guter Tag zum Leben.

Inspiração

Mittwoch, Dezember 10th, 2014

Entwickle eine Maschine
flüsterte sie
die Wörter leicht macht
Beschreib ein Programm
das anerkennend
gezeichnete Rücken streift
schlug sie vor
Und an die Wände banne
in Licht getauchte
Kondensate des noch Greifbaren

Die Werkzeuge liegen schon bereit
hinter sieben goldenen Hügeln
willig bewacht von Wesen
die ihr Klirren lieben
lachte sie traurig
Ein Sonett aus Zahlen
komponiere ihnen und
dazu reiche Buchstabensuppe
mahnte sie ernst
verschwand sodann
ohne den Schmuck
plötzlich und still

Rachekrank am Zeitgeschichtestrand / Tod in Erwähnnich

Mittwoch, Dezember 10th, 2014

Hundertachtzig Stunden ohne Schlaf
was für ein gnädiger Gott offenbart sich,
grell erleuchtet, Hassan, dir da? Und in der
kleinen Kiste mit Insekten – ach, schlag doch,
angekettet und beschmiert mit Kot tot
deine letzte Zeit. Trink, Tränen-Bruder,
auf uns, deine Schwarzweiss-Kameraden;
komm, trink aus, trink mehr, sauf, schluck, stirb
ja noch nicht weg, wir haben ganz frische
Träume für dich erbrochen. Doch wach’ erst
auf, steh’ Tage stramm gestreckt zum Gruße,
Eiswasser und Fesseln erwarten dich -
wir wollen schließlich neue Märchen hören
aus deinem abgedrehten Kafferhirn, Hassan;
sieh’, wir beten auch ständig, Hassan,
for god’s own country zu Yessir-Yessir-Yessir!
Ein Lauf am Kopf, Einlauf im Arsch,
klick, Bruder, klick, spiel russisches Roulette
your reward will be concrete
head-banging, twenty-four seven.
Gepriesen sei schließlich das Menschenrecht
auf Kunst: da, mal’ mit Blut von deinem Pinsel
Abschiedsskizzen deiner geschächteten Mutter.

ABU-GHRAIB

Das dritte Jahr

Samstag, Dezember 6th, 2014

Zuerst Sprachstudien mit Clandestine, dann
Mondsonett nach Lateinstunde, so rollt es
Auf die Ebene, verharrt dort

In immerwährender Bewegung. Das Geschlecht ist das Geschlecht ist, eine
Imitation eine, Simulation von

Immerwährender Bewegung … immer? Während?
Das Geschlecht