
Das Geschenk einer Freundschaft, die im Herbst 2009 in Kaditzsch bei Grimma begann und bis heute, Juli 2026, dem jüngsten Atelierfest in Laudenau, andauert.
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Der Bildhauer Friedrich Höfer, ein disziplinierter, formstrenger Mann, geboren 1940 in Jößnitz bei Plauen im Vogtland, ist im Herbst 2009 Stipendiat in der Denkmalschmiede. Er arbeitet draußen im Freien an einem großen Stein aus Granit, bei Wind und Wetter, Regen scheint ihm nichts anzuhaben. Er arbeitet weiter, hämmert, schleift. Rundungen kommen aus dem Stein, eine Form, die an etwas erinnert. Dabei seltsam abstrakt. Und gleichzeitig erotisch.
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Ein Blick in Friedrichs Studio, eine Etage unter dem eigenen Raum, in dem ich an Texten sitze. Der Eindruck des Erotischen verstärkt sich. Ist es die Fülle weiblicher (?) Rundungen? In Stein, in Bronze, aus Ton. Auf Papier. Und doch sind es keine Aktbilder, keine einfachen Darstellungen weiblicher oder männlicher Körper. Allenfalls Andeutungen. Zeichenhaftes. Der Raum ist voller Grafiken in selbst gezimmerten Rahmen, man meint, einen Schoß zu erkennen, aus kalligraphisch wirkenden Linien, Strichen. Oder sind es doch nur eigene Assoziationen? Formen, die sich öffnen, zurückweichen, entziehen. Zarte und zarteste Oberflächen, als könne man so etwas Zartes und Verletzliches wie Haut in Granit darstellen. Man möchte mit der Hand darüberfahren, die Steine berühren, auch die Plastiken, gegossen aus Bronze, in verschiedenen Größen, doch kleiner als der Stein im Freien. Der Mann ist beinahe siebzig, drahtig, schlank und, wie es scheint, von einem markanten Gestaltungswillen. Auch ein Holzschnitt und eine Arbeit aus Glas sind unter den Exponaten, der Entwurf für ein Kirchenfenster, an dem er noch feilt. Dinge, die er von zu Hause, aus dem Odenwald, mitgebracht hat für die anschließende Ausstellung. Kein Tag vergeht, an dem ich nicht das Hämmern des Meißels im Freien höre, den Mann Friedrich an seinem Stein arbeiten sehe. Helle Schutzkleidung, die er während der Arbeit trägt. Versunken, tatkräftig, konzentriert. An den Abenden, beim gemeinsamen Essen, beginne ich, seine Gegenwart, die Gespräche mit ihm über Gott und die Welt zu schätzen. Er ist belesen, artikuliert angenehm. Worte sind ihm offenbar ebenso wichtig wie seine plastische Kunst. Seine Stimme, weich, modulierend.
Zwanzigjährig ist er 1960, vor dem Mauerbau, mit der kranken Mutter aus dem Vogtland von Berlin aus nach Westdeutschland gegangen, um nur zwei Wochen später in Frankfurt am Städelschen Kunstinstitut ein Studium aufzunehmen. Zwei Semester Probezeit, danach ein regulärer Student, der fortsetzt, was er in Dresden als Steinmetz begann. Eine Ausbildung als freier Künstler, Aktzeichnen, Vorlesungen in Kunstgeschichte, die tägliche Anwesenheit als einzige Pflicht, ansonsten ist der angehende Bildhauer sich selbst überlassen, entwickelt eine Formensprache, die ihn lange auszeichnet: filigrane, geschwungene Striche. Der Professor, in dessen Klasse er ist, macht sich respektvoll lustig über den Studenten, ja, so, die Zeichen immer weiter aneinanderreihend, könne er ewig weitermachen…
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Er erzählt von Frankreich, der Bretagne, dem regelmäßigen Aufenthalt dort, von der Steilküste am Atlantik. In Kunstgeschichte bewandert, ist er gerne präzis, auch begrifflich. Eine Skulptur ist eine Skulptur, Material, von dem der Bildhauer etwas wegnimmt, keine Plastik. Wenn es im Englischen auch nur einen Begriff dafür geben mag. Bei der Plastik wird Material aufgebaut, modelliert, aus einem Stück Ton, aus Gips, was immer sich modellieren läßt. Sein eigenes Anliegen: durch Gestaltung in den öffentlichen Raum zu wirken.

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Nah an der Natur, das könnte ein Motiv sein auch für sein eigenes Haus, das er am Rand eines Dorfs in den Hang gebaut hat. Großzügiges, helles Atelier und eher kleinteiliger, gemütlich anmutender Wohnraum gehen ineinander über. Beides hat er selbst entworfen, das Atelier von beeindruckender Höhe und die angrenzenden Wohnräume bis unters Dach. Ein Entwurf, der die Lage des Grundstücks, am Hang, in die Ausführung mit einbezieht, indem er die hinteren Wände des Hauses in den Hang selbst verlegt: dort das grüne Licht (oder Dunkel) der angrenzenden Erde, der aufsteigenden Bäume, vorn der weite Blick aus dem verglasten ersten Stock über die umliegenden Weiden, auf Waldrand, die hügelige Landschaft des Odenwalds. Gestaltungswille, der der Natur keine Gewalt antut, vielmehr versucht, sich in ihr zu verorten, als Mensch und als Künstler. Erdnah und wie zeitenthoben, mit eigener, innerer Zeit, die jedem Getriebe entgegengesetzt bleibt. Ein nun bald 86-jähriger Künstler, der die Musik liebt, auch die zeitgenössische Moderne, dabei ein geselliger Mensch, verheiratet mit einer Musiklehrerin, drei Kinder, eine der Töchter wiederum Musikerin, Violinistin.
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Sein Gestaltungsanspruch reicht in die Landschaft hinein, doch er zerstört sie nicht, ändert nichts, respektiert die Natur, bettet seine Entwürfe, seine steingewordenen Ideen in sie ein. Skulpturen aus Granit oder Rochlitzer Porphyr wie Findlinge oder Visitenkarten, die man mit den Fingern entlangfahren und streicheln möchte.
Einmal im Jahr kommt zu den anderen Gästen auch der Musiker Volker Hemken aus Grimma nach Laudenau in den Odenwald. Solobaßklarinettist im Gewandhaus zu Leipzig, trägt er den musikalischen Teil zu den „Korrespondenzen“ genannten Atelierfesten im Werkraum bei, zeitgenössische Musik, von den Komponisten nicht selten ihm, Volker Hemken, gewidmet.
