Im Glas

Depression gehört zum guten Ton. Ein geschwächter Lebenswille sitzt wie ne Designerbrille. Es glänzt brilliant solange es im Glas sprudelt und auf der dahinteren Wand ein Lichtkreis steht, dieses Kranksein, das wir feiern, dieses verbogene Stück Metall auf einer Frisur. Körperlich Unterwassertiere, Eiklar, Schneegläser, mit Immerwährendkleber befestigte Tränen, Träume aus weißen Flocken, die an die Glasdecke stoßen beim Herumdrehen. Wiegende Nichtigkeiten. Papamobil. Wer steht denn schon freiwilig am Straßenrand und wartet darauf, dass jemand ihm das Evangelium offenbare. Zeremonie, Genreis…

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crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

Ein Kommentar

  1. Scheinbar sind manche Dinge ewig: 1) Als Hölderlin für verrückt erklärt wurde, wurde er ziemlich sauer. Seitdem ist er eben verrückt. 2] Immerhin, Velimir Chlebnikov starb unter freiem Himmel. Obwohl er so auch nicht näher dran war; 3} im Augenblick des Abschieds.

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