Der weiße Fleck

Sie standen mitten im Bildschirm, sie standen vor dem Fenster, gingen im Zimmer umher, von rechts nach links bis an den linken Rand oder von links nach rechts bis an die rechte Wand, sie sprachen, aber man konnte nicht mit ihnen reden, man konnte sie nur abrufen und andere kommen lassen, die auch von einem Rand zum anderen gingen. Sie machten viel Ulk und einige Witze, sie taten so, als freuten sie sich. Sie nippten an ihren Gläsern, andere zogen sich zurück und waren nicht mehr zu sehen, und jene, die blieben, verweigerten die Aufnahme eines Gesprächs DARÜBER, sie drückten sich davor, indem sie an Salzstangen knabberten, belegte Brote aßen oder sich die Hände waschen mussten.
In den Lexika und den Lehrbüchern, in denen ALLES stehen müsste, kann man ES auch nicht finden, eine Definition widerspricht der anderen, die Erklärungen neutralisieren sich gegenseitig. Anspielungen DARAUF fand ich einmal vor längerer Zeit in einer Zeile, ES war nur so nebenbei gestreift worden, ich weiß nicht mehr, welcher Verfasser diese Streifen in meiner Erinnerung verursacht hatte, verstand ES nicht ganz, hielt ES aber für wichtig.
Ich könnte ES nicht nennen, wenn man mich DANACH fragte, fand nirgendwo einen Namen DAFÜR. Meine Eltern hatten, DANACH gefragt, die Achseln gezuckt, die Lehrer zuckten sie auch, jeder zuckte die seinen, ein trauriges Achselzucken ging von Mann zu Mann, von Frau zu Frau, von Mann zu Frau, der Pfarrer wusste nur, was in der Bibel stand, das Achselzucken ging weiter von Kind zu Kind, von Kind zu Frau und von Kind zu Mann. Und als sie alle nur Frauen und Männer waren und es keine Kinder mehr gab, wollte keiner mehr etwas DAVON wissen und man zuckte nicht einmal mehr die Achseln, obwohl sie alle Achseln hatten. Sie sprechen noch immer über dies und jenes, aber nie DARÜBER – wenn ich nur wüsste WORÜBER!

Aloisia Bohn
Kristiane Kondrat c/o Aloisia Bohn geb. in Reschitz/Banater Bergland/Rumänien, Studium der Germanistik und Rumänistik an der West Universität Temeswar, Kulturredakteurin. Seit 1973 in Deutschland, war freie Mitarbeiterin der SZ. Literarische Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eigenständige Veröffentlichungen: Romane, Kurzprosa, Lyrik, zuletzt "Wer tanzt im Niemandsland", Lyrik, 2023 danube books Verlag, Ulm; einige Preise

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