Es gab einen Tag, als meine Tochter, meine Mutter und ich selbst zur gleichen Zeit 15 Jahre alt waren. Meine Mutter hatte einen kleinen Unfall, sie war auf den Zwetschgenbaum im Garten gekraxelt und hatte sich beim Heruntersteigen an der rauen
Rinde am Knie verletzt. Sie stieg mit 15 Jahren noch auf Bäume, konnte es nicht lassen. An jenem Tag blutete ihr linkes Knie heftig, sie schrie: «Es tut weh! » Ich
verband ihr das Knie und wollte sie trösten, sagte das zu ihr, was sie auch immer sagte, wenn ich Bauchweh hatte, sagte : »Ich habe auch, als ich so….«. Ich weiß nicht mehr, was ich weiter sagte.
Wir saßen zu dritt am Tisch in der Küche und schauten uns ein Fotoalbum an. Dann beschlossen wir, dass dieser Tag der 23. Oktober sein soll, an dem die Welt neu anfängt. Ich ging in den Keller Kartoffeln holen, die meine Tochter waschen und schälen sollte, meine Mutter wollte sie in der Pfanne braten, sie hatte schon das Feuer in dem alten Herd
angefacht, blies noch einmal kräftig, dass die Flammen hoch aufloderten und die Späne knisterten. Damals, am 23. Oktober, gab es noch keine elektrischen Herde.
Nach dem Verzehr der gebratenen Kartoffeln gingen wir alle drei an die Brücke, wo wir drei Jungs trafen. Meine Tochter aber sah, dass es nicht jene waren, die sie sehen wollte, und wir kehrten um. Ich ging wieder in den Keller und kühlte mir die Hände in dem Sand, in dem wir die Melonen kühlten. Meine Mutter und die Omama aber warteten schon auf mich in der Küche.
Eine von uns Dreien schaute zum Fenster hinaus, der Tisch, an dem wir saßen, stand neben dem Fenster, meine Tochter schaute in den Garten. Dort stand eine fremde Frau und wollte am Ast des Zwetschgenbaums, an dem ich mein Knie verletzt hatte, eine Schaukel anbringen. Ein breites Brett hing an zwei Stricken. Meine Mutter aber rief zum Fenster hinaus, der Ast sei morsch, er werde nicht halten.
Ich aber sagte zu meiner Tochter: »Lass die Finger von dem, der ist ein Hallodri, der wird dich enttäuschen, lass den Kerl laufen, gib ihm den Laufpass. Du hast keine Ahnung, bist noch zu jung, wenn ich den in die Finger kriege…«
Ich drehte mich um zu ihr und antwortete meiner Mutter, schrie sie an: »Warum machst du mir wieder alles kaputt, immer wieder machst du mir alles kaputt, du verstehst nichts,
du verstehst überhaupt nichts!«.
»Pass doch auf dich auf, lass den Kerl laufen«, sagte meine Großmutter zu meiner Mutter, meine Mutter heulte und schniefte und konterte: »Du weißt auch immer alles besser, du kannst es gar nicht wissen«, plärrte es aus mir heraus, »du kennst ihn gar nicht, er ist nicht so, du verstehst das nicht, dazu bist du schon zu alt«, plärrte meine Mutter meine Großmutter an.
»Überhaupt nichts verstehst du«, schluchzte meine Tochter und sah mich vorwurfsvoll an, dann sagte mit samtener Stimme meine Mutter zu mir, »ich will ja nur dein Bestes, und
»du willst alles kaputt machen, du verstehst überhaupt nichts«, sagte meine Mutter zu meiner Großmutter und heulte, während mir die Tränen über das Gesicht rollten, bis in die
Mundwinkel, ich schluckte sie, sie schmeckten komisch, gebratene Kartoffeln, versalzen.
»Ich will ja nur dein Bestes«, sagte meine Mutter zu meiner Tochter, »das geht dich gar nichts an«, sagte eine von den Dreien zu einer von den Dreien, »lass den Kerl doch
laufen«, »das verstehst du sowieso nicht, das geht dich gar nichts an«, sagten wir am 23. Oktober. Es kam dann aber alles ganz anders.