Archive for November, 2014

und ruhen in frieden

Samstag, November 29th, 2014

manchmal schlage ich
auf dem friedhof
die zeit tot
mit denen
die es schon sind
sie ruhen in frieden
im glauben an die
auferstehung
wie sie da liegen

und ich hoffe
keine ewigkeit lang
ruhen zu müssen
will ich doch tanzen
und gedichte schreiben
vom leben da unten
wie wir uns trafen
und vergaßen zu lieben

(Derivat der Unlotigkeit)

Montag, November 24th, 2014

Die Sprünge aus Alamabaraba.
Zwischen der Angst, das Ungeschaffte
nicht zu raffen. — -Geil skandalösliche Angst.

Klarinesse des Raumgeburrten.
Die Klage – reiht, nahert – (almosen) frucht
des Niegegessenen,

Schrei _ besessen. e .
see – frauen.

Sommerabend

Sonntag, November 23rd, 2014

In den Falten der Bettdecke
ruht Erinnern,
wenn die Tage am Horizont
aus allen Wolken fallen.
Dann hängen Melodien
am Rahmen
des gekippten Fensters,
und leise gibt der Wasserhahn
den Takt an.

Die Zeit löst sich auf
und sickert
in Gedächtnislücken.
In ihrem Wasser
bilden Pflanzen neue Triebe,
ranken sich in Träume.

Hinter den Lidern
klingt mein Name
noch nach Sommer.

Vergessengeglaubte : Schlünde

Mittwoch, November 12th, 2014

Der Herbst fängt sachte an : die Wärme
Wächst noch Tag um Tag : die Nächte nur
Sind kälter : pastellfarben schmücken sich

Häuser mit Blättern : halb verfallen
Sind Mauern und Bäume : halb sind sie
Frisch gestrichen : der Absturz kommt

Das ungewohnte Wecken : Polizisten
Brechen durch die Tür : umringen
Das einsame Schlafzimmerbett : stöbern

Nach Tabletten : Messern : noch ist es
Nicht zu spät : noch grünt das Gras
Noch schwebe ich : noch torkle ich

Verloren ist die Kraft : gewonnen hat
Die Ohnmacht : du schreist mir ins Ohr
Wir foltern uns am Telefon : der nächste

Steht schon Schlange : kraftloses
Flittchen : du : hast den Dreh raus
Uns einzuäschern : meine Reinwaschung

Versagt : ich gebe auf und kehre herbstens
Zurück ins Vergessengeglaubte : Schlünde
Der Kindheit : zum Absturz ist es nie zu spät

Über die Bande

Sonntag, November 2nd, 2014

Vor Kurzem habe ich angefangen Frauenliteratur zu lesen – und obwohl ich mich schon immer als Feministen bezeichnete, kam das bisher für mich kaum in Frage. Nicht, weil ich Frauenliteratur als für belanglos oder langweilig erachtet hätte, sondern einfach, da ich als Mann glaubte, mir fehle der charakterliche Zugang dazu, die Texte angemessen würdigen zu können.

Dann, vor ein paar Wochen, stieß ich auf einem Flohmarkt an einem Stand zweier Endzwanzigerinnen auf ein sehr gut erhaltenes Exemplar des Geschichtenbandes “Samsara” von Doris Dörrie. Ich kaufte es feilschfrei für 1,50 Euro und machte mich, voller Lesevorfreude auf den Nachhauseweg.

Daheim angekommen nahm ich meinen Neuerwerb, da ich ein dringendes Bedürfnis verspürte, eilig mit und fing mit heruntergelassenen Hosen an darin zu lesen. Erleichtert stellte ich an jenem, wie auch im Verlaufe der nächsten Tage fest, dass die Themen des Buches dem Geschäft eine emotionale Ruhe und Würde verliehen, die andere, “männliche” Lektüre zuvor niemals auszustrahlen vermocht hatte.

Beispielsweise: eine Mutter, die sich nach der Geburt ihres Kindes über Schlafstörungen beklagt und Schlafentzug fast mystifiziert, eine Tochter, die unter Magersucht leidet und ihre Zwangsgedanken ach! so authentisch aufzählt – Doris Dörrie versteht es, mir diese doch sehr weiblichen Themen genau in denjenigen Momenten nahezubringen – eine sprachlich gefühlvolle und zugleich inhaltlich subtil ironische Verbindung zu schaffen – da ich mich von meinen Ausscheidungen löse.

Ich entspanne, lächle und empfinde eine Zen-artige Atmosphäre, wenn ich, ausleitend, Dörries Zeilen rezipiere. Zwar gelingt es mir meist nicht mehr als zwei Seiten pro Tag zu lesen, was wohl darauf hinausläuft, dass ich noch gut vier Monate brauche, um das Buch zu beenden, aber ich habe schon den Nachfolger bzw. die Zweitlektüre auf meine Wunschliste gesetzt: “Feuchtgebiete”.

Damit ich dann auch im Falle des Falles, d.h. des Durchfalles, etwas Passendes parat habe.