Menschenscheu

Jetzt saß niemand als eine einzelne etwa dreißigjährige Dame darin, die in einem Buche las, aber dabei vor sich hin summte und mit dem Mittelfinger der linken Hand immerfort leicht auf auf das Tischtuch klopfte. Als die jungen Leute sich niedergelassen hatten, wechselte sie den Platz, um ihnen den Rücken zuzuwenden. Sie sei menschenscheu, erklärte Joachim leise, und esse immer mit einem Buche im Restaurant. Man wollte wissen, dass sie schon als ganz junges Mädchen in Lungensanatorien eingetreten sei und seitdem nicht mehr in der Welt gelebt hatte.

(Zbg., S.17)

frau kleist
"Jeder Apfel hat eine faule Stelle. Ich kümmere mich drum." Zwischen surrealer Bildlichkeit und nüchterner Prosa. Spannungen zwischen Vertrautem und Fremdem, Intimität und Distanz, Komik und Unbehagen.

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