Vorgestellt

Von | 7. Februar 2021

Jetzt stell dir mal vor, es klingelt an der Haustür und die ganze Familie steht draußen. Lustig machen sie sich, über das kleine Guckloch und den Briefkastenschlitz an deiner Eingangstür, das Treppenhaus sieht aus „wie bei Tante Käthe“ (schallendes Gelächter, da interessiert es keinen, ob es Sonntag zwischen eins und drei ist), dicke Blumensträuße werden ausgepackt und dir entgegengehalten (haste keine Vasen?), Tante geht in die Küche, Onkel freut sich über den schönen Ausblick: „Wer hat denn den Baum da hingestellt?“, abermals schallendes Gelächter, Kaffee wird angesetzt (das hättste aber auch schon mal vorbereiten können), der Kuchen allerdings ist „ein Gedicht“, und das Geschirr, na, das hattse doch alles von den Eltern. Die Nichte hat sich vom Freund getrennt, daher ist der nicht mit (na, das wusstest du doch?) und im Wohnzimmer sind die Clubsessel nicht so ganz nach dem Geschmack aller (da komm ich dann doch nicht mehr raus), und du schämst dich für deinen dünnen und fadenscheinigen Schreibtischstuhl, auf dem der kräftige und schnaufende Onkel kaum Platz findet – und dann kommst du aus der Küche, hast den Kaffee fertig, ein großes Stück Torte auf dem Teller und strahlst, na, das kann ich mir jetzt auch mal gönnen, nach zwanzig Wochen Quarantäne.

8 Gedanken zu „Vorgestellt

  1. Mischen und Abheben

    Wenn Ihr schon mal hier seid – nach dem Kuchen ’ne Runde Rommé? Wir haben auch neue Karten, die alten waren ja so abgewetzt, da die Nichte an den Knicken die Joker schon auf dem Stapel erkannt.

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  2. Klingelton

    Ich klingle! Ich sags euch jetzt nicht noch mal, ich klingle. Habt ihr wieder nicht aufgepasst.

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  3. Wieder mal verlesen...

    Das war wieder unser Unterbewusstsein… Das flüchtet vor guten Ideen, kann gute Ideen nicht aushalten und geht raus ins Foyer, tippt was auf seinem Smartphone, während auf der Bühne die höchste Kunst spielt…

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  4. Wieder mal verlesen...

    Da muss ich an einen alten Sketch mit Herricht und Preil denken. Sie haben Verkäufer und Käufer in einem Laden gespielt. Ohne Laden natürlich, rein fiktiv. Jedesmal wenn der selige Rolf Herricht symbolisch die Ladentür aufgemacht hat, sagte er: „Kling-Klang-Klong“.

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  5. Glocke

    – Ich mag Schlegel.
    – Welchen?
    – Friedrich, der iss so, naja – direkt…
    – Du meinst ironisch?!
    – Jaah, nich janzzz

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  6. Requiem?

    Seit 7. 2. 2021 nichts mehr von frau kleist. Oder von chrysantheme. Rapunzel? Frau Blume?

    Burn-Out? Corona????

    Schreiben sie alles jetzt woanders?

    Oder ist es – das neue, unserer Zeit angepasste sanitär-weiße Design dieses Blogs?

    Ich will frau kleist wiederhaben!

    (Und das vorige Design bitte auch.)

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  7. frau kleist, bitte klingeln!

    Na, stell Dir mal vor, frau kleist ist nicht mehr da. Einfach so. Von heute auf morgen. Da müssen wir uns vorstellen, sie wäre noch hier. Und ihre Texte schreiben. Können wir das? Wäre das nicht ein jämmerliches Ergebnis? Vorgestellte Texte von einer vorgestellten frau kleist? Erbärmlich?

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