Vorgestellt

Von | 7. Februar 2021

Jetzt stell dir mal vor, es klingelt an der Haustür und die ganze Familie steht draußen. Lustig machen sie sich, über das kleine Guckloch und den Briefkastenschlitz an deiner Eingangstür, das Treppenhaus sieht aus „wie bei Tante Käthe“ (schallendes Gelächter, da interessiert es keinen, ob es Sonntag zwischen eins und drei ist), dicke Blumensträuße werden ausgepackt und dir entgegengehalten (haste keine Vasen?), Tante geht in die Küche, Onkel freut sich über den schönen Ausblick: „Wer hat denn den Baum da hingestellt?“, abermals schallendes Gelächter, Kaffee wird angesetzt (das hättste aber auch schon mal vorbereiten können), der Kuchen allerdings ist „ein Gedicht“, und das Geschirr, na, das hattse doch alles von den Eltern. Die Nichte hat sich vom Freund getrennt, daher ist der nicht mit (na, das wusstest du doch?) und im Wohnzimmer sind die Clubsessel nicht so ganz nach dem Geschmack aller (da komm ich dann doch nicht mehr raus), und du schämst dich für deinen dünnen und fadenscheinigen Schreibtischstuhl, auf dem der kräftige und schnaufende Onkel kaum Platz findet – und dann kommst du aus der Küche, hast den Kaffee fertig, ein großes Stück Torte auf dem Teller und strahlst, na, das kann ich mir jetzt auch mal gönnen, nach zwanzig Wochen Quarantäne.

Kategorie: Realitätsschatten

Über frau kleist

Schenkt keine Chrysanthemen zu festlichen Gelegenheiten - sie haben die Würde und Feierlichkeit von Totenblumen. Reznicek, Paula von u. Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 9158

5 Gedanken zu „Vorgestellt

  1. Mischen und Abheben

    Wenn Ihr schon mal hier seid – nach dem Kuchen ’ne Runde Rommé? Wir haben auch neue Karten, die alten waren ja so abgewetzt, da die Nichte an den Knicken die Joker schon auf dem Stapel erkannt.

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  2. Klingelton

    Ich klingle! Ich sags euch jetzt nicht noch mal, ich klingle. Habt ihr wieder nicht aufgepasst.

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  3. Wieder mal verlesen...

    Das war wieder unser Unterbewusstsein… Das flüchtet vor guten Ideen, kann gute Ideen nicht aushalten und geht raus ins Foyer, tippt was auf seinem Smartphone, während auf der Bühne die höchste Kunst spielt…

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  4. Wieder mal verlesen...

    Da muss ich an einen alten Sketch mit Herricht und Preil denken. Sie haben Verkäufer und Käufer in einem Laden gespielt. Ohne Laden natürlich, rein fiktiv. Jedesmal wenn der selige Rolf Herricht symbolisch die Ladentür aufgemacht hat, sagte er: „Kling-Klang-Klong“.

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