delphisch

da war dieses weben gestalt & klang
am wimpernrand – im eisernen brustkorb ein schatten
aus rotem gefieder

dem rankten sich töne ums singende haupt
aus trockenen kehlen vom straßenstaub das elend der worte nur
ein erinnern wie fernes leuchten – kindheitsgerüche
enthäutete sommer

(zusammengewürfelt)

zerstückelte echos – einmal hört ich
sie singen ins licht (eine hymne dem erdigen traum): tritt näher
du mit geplünderten augen der blauen stirn

den blick in die nacht geschlagen … unentrinnbare nacktheit
des seins mit offenen lippen küsstest den stein
(am fuße des berges)
hattest die schreie der vögel verlernt …
mag sein

auf der anderen seite ein abend mit dreifachem mond
wo kalte hände sich strecken zur sonne –
kinder sind dort (mit großen augen) die werfen worte hoch in die luft –
ich hörte sie flüstern:

engel sind wir wissen es nicht – jedes lachen ist uns gebet
im glockengesang verewigt unsterbliches seufzen
verwaister scholle

dass zeit sei zu gehn … ein geknicktes rohr
(brachst es nicht) – ein glimmender docht im steten tropfen
ungelöscht

im sommer als wind durch die gräser fuhr – nichts war jemals so
wie du denkst

Dieser Beitrag wurde von Habakuk am 18. Juni 2020 um 07:49 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

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