Archive for Januar, 2018

Im Kleinen Kaukasus

Dienstag, Januar 30th, 2018

In der Schlucht zwischen kargem Gestein
Hat Sergo seine intakte Familie eingerichtet
Vierzig Schafe : zehn Kühe : acht Kälber
Hühner : ungezählt : den Großvater

Die Ehefrau : einen Sohn : eine Tochter
Jeder hat seine Aufgabe : er baut
Und holt die Gäste von der Straße ab
Durchs Geröll mit dem Jeep : robust

Muß das Fahrzeug sein : sie kocht
Und kassiert die Miete : der Sohn studiert
Die Tochter geht noch zur Schule
Jeden Tag drei Kilometer zu Fuß

Über Hängebrücke : die Papa als erstes
Gebaut hat : als sie das schräge Land
Jenseits des Dorfes kauften : den Opa
Herholten zum Tierehüten : er blickt

Sich den ganzen Tag um : wohin sich
Die Kühe verkrümeln und treibt sie
Mit einem Stöckchen zur Tränke
In Magdeburg und Berlin war Sergo

In Dessau und Dresden : Soldat
Der sowjetischen Armee : so lernte er
Den Westen im Osten kennen : zimperlich
War er nicht : sondern gut zu Fuß

Beim Autofahren feuert er die fremde Frau
Am Steuer an : dawai : dawai
Ungewöhnlich : sie fährt und lockt
Seinen Offizierston hervor : vorwärts

Aufwärts : Niki : der Hund zeigt uns den Weg
Zur Burgruine hinauf : am Turm rechts
Halten : hinab ins Tal dem Bach folgen
Dann am Fluß entlang : in Pfeilrichtung

Dann liegt es vor uns : das Höhlenkloster
Von Vardzia : im Winter vereinsamt
Beinahe die einzigen Besucher sind wir
Zurück laufen wir die Straße entlang

Treu vom Hund begleitet : bis zur Marschrutka
Wir steigen ein : der Fahrer entpuppt sich
Als Sergos Bruder : weigert sich
Geld zu nehmen : ne nado : ne nado

Donnerstag, Januar 25th, 2018

Sein Haar stach dunkel von der blassen Haut ab. Die Augen waren auf die alte Frau gerichtet. Ich spürte die Blicke im Rücken. Ich konnte mich nicht umdrehen, ich hatte Angst, ihm ins Gesicht zu sehen. Die Angst umschlich mich, kroch über das Parkett. Träge. Ich hob seinen schwarzen Mantel vom Boden auf. Dieser Unhold, sein Zynismus gehörte zu ihm.

[ // ]

Donnerstag, Januar 25th, 2018

Dieses Gedicht
wurde zur Bearbeitung
verbracht
in mein
Gedankenbüro.

fremdwörter führen uns nach hause

Donnerstag, Januar 25th, 2018

fremdwörter führen uns nach hause
den wind lassen wir liegen
er taugt nicht für gedichte
für märchen vielleicht
der wind der wind das himmlische
silbe für silbe nähern wir uns
dem fluss den feldern
dann dem dorf
und am ende weist uns der asphalt
den weg in die stadt
wo die raben schon auf uns warten

Befreiungsgrammatik

Montag, Januar 22nd, 2018

IMG_20180122_105024934

Sonntag, Januar 21st, 2018

Tinktur, die Spuren legt, deren Schlieren

löge zwischen deinen Achselhaaren

wenn ein Winken den Tag nicht retten könnte

inzwischen von Namen gehen, die was bedeutet haben

& das Gedächtnis, nämlich die Idee einer Ordnung

ist tatsächlich der Stadtplan,

wo keine (nicht eine) Straßenzuordnung stimmt          .

 

die Ereignisse, fern den Absolutionen

das Gebannte, das Gesprochene schützt vor dem Wahnsinn

also die eine Kindergeschichte, ein Wortschatz von 200-300 Wörtern

die Begegnung: ein Steinbruch

uns schützt die Mutter der Idioten

(Begegnung)

mecklenburg (gesang für ein polnisches fischgericht)

Samstag, Januar 20th, 2018

vater spricht von häuserbauen
auf der weide die stute galoppiert
über die straßen zieht salzluft
in bernsteinfarbenen fenstern spiegeln rosenblätter
schneefalter einen krieg zwei kriege
bist du fort gezogen und gestorben
dein gummibaum erinnert noch
deine schwestern sind alle tot deine brüder
nur einer hat überlebt

ruhe kehrt ein in die prallen ähren
des vaterlandes verräter ziehen weiter
nach osten süden im norden liegt ein meer

und wellen heben an zu einem gebet
für moränen geschiebemergel findlinge toteis
zittert deine hand zittert dein haar
im wind spielen zwei möwen
alles ist grau
und du spielst mundharmonie

die tage lehnen sich an ein scheunentor
das stroh ist geerntet auf elektrischen schlachtfeldern
eines junkers lippe befiehlt uns zu bleiben
bad doberan
das umland erwacht
an einem kühlen morgen stand jan in der tür
und wollte bleiben
auf ein leben und einen tod
klirrten die gläser

Repräsentative Aromastoffe

Donnerstag, Januar 18th, 2018

Peter aus Leipzig wollte ein Zeichen setzen. Er hatte genug von dieser Scheinwelt. Von einer Welt, in der Politiker ungestraft behaupten konnten, dass dieses Land eine Demokratie wäre. Dabei war es doch klar, dass es keine Demokratie war. In einer Demokratie, da gibt es Volksabstimmungen, wie in der Schweiz. Aber ohne Volksabstimmungen, da ist das keine Demokratie, sondern eine Republik. Da war sich Peter ganz sicher. Repräsentative Demokratie, so ein Quatsch, dachte Peter. Genauso wie das Wort “naturidentische Aromastoffe”. Das waren auch bloß “repräsentative Aromastoffe”. Je öfter man zu einem chemischen Produkt “naturidentisch” sagen würde, um so schneller würde das Volk das Vertrauen in die Produkte verlieren. Das ist doch logisch. Peter war klar, das war der Grund, warum so viele Leute die Rechten wählten. Diese gigantische Lüge der repräsentativen Demokratie machte die Rechten stark. Die Rechten logen auch, nur noch nicht so lange.

Das ist doch alles so klar, dachte Peter. Die ganzen Worte hier, die waren alle falsch. Hier gab es nichts mehr zu diskutieren. Hier gab es keine Freiheit mehr. Alles war falsch und faul. Perfekt glänzend wie eine Erdbeere mit der Konsistenz und dem Geschmack eines Kohlrabis. Peter wunderte sich, dass außer ihm das niemand zu wissen schien. Niemals zweifelte einer der Politiker oder einer der Nachrichtensprecher an der Demokratie in diesem Land. Peter wollte es allen erklären.

Er ging zum Mitteldeutschen Rundfunk und wollte seine Erkenntnis allen mitteilen. Nur fünf Minuten, am Ende der Nachrichten. Mehr brauchte er nicht. Aber er kam nicht einmal am Pförtner vorbei. Der ließ ihn abblitzen. Die waren an der Wahrheit überhaupt nicht interessiert, die vom Mitteldeutschen Rundfunk. Peter erkannte, dass er keine Chance hat, dort seine Erkenntnis zu verbreiten. Der MDR war ein Ratatouille aus Gummigemüse.

Oder doch. Peter wusste es. Er musste eine Selbstmordanschlag verüben. Dann wäre Peter in allen Nachrichten. Sofort. Das mussten die senden. Das war 100-Prozent sicher. Den MDR, den würde er sprengen. Peter legte sich einen Sprengstoffgürtel um. Verkleidete sich als schwarzbezahlte 450 Euro-Putzfrau mit Bundestagsputzerfahrung. Borgte einen Doppelfahreimer, klaute einen Wischmopp. Und schon stand er im Büro der Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks. Hätte er gar nicht gedacht, dass er es bis dahin schaffen würde. So einfach. Er zündete den Gürtel. Nichts geschah. Peter hatte nicht gemerkt, dass die Auberginen nach Düngemittel rochen. Es fehlte der typische nussige Duft der natürlichen Aubergine. Peters Auberginen waren bloß lasche Wasserbomben. Gummigemüse, aufgezogen in Nährlösungen. Hatten nie in richtiger Erde gewühlt. Diese Supermarkt-Auberginen waren so falsch wie die Demokratie. Nur richtige Auberginen können platzen. Peters ansonsten makelloser Sprengstoffgürtel lief aus. Es war vorbei. Peter hatte die letzte Chance zu Wahrheit verpasst. Peter wusste es.

Gummigemüse

Donnerstag, Januar 18th, 2018

http://www.anonymekoeche.net/ , 24. Mai 2009 / Claudio

Im Moment haben wir einfach nur Wetter, Wetter, Wetter. Man kommt ja gar nicht mehr zum Bloggen ob den vielen Grillfeuern, die entfacht und Freunden, die warm gehalten werden wollen. Den Türken sei Dank gibt es einen Salat, der schlichter nicht sein könnte: Patcan Salatas. Im Sommer ein perfekter Begleiter zu gegrilltem Fleisch. Ansonsten auch als erfrischende Vorspeise (Mezze) zu orientalisch angehauchten Menüs.

Es gibt, zugegeben, verschiedene Zubereitungsarten für diesen Salat. Mit Jogurt oder ohne, mit unterschiedlichen Gewürzen, Knoblauch, Zwiebeln, Zitronensaft und Öl. Kann man alles weglassen. Über die Jahre habe ich zu einer ergreifend einfachen Version gefunden. Es gibt übrigens auch verschiedene Auberginen: Bitte keine dieser spanischen Attrappen (vgl. franz.: attrape = Falle). Die sehen auch nach Wochen rumliegen noch aus, als wären sie aufblasbares Gummigemüse: makellos und aufgepumpt. Ich kaufe meine nach Möglichkeit beim türkischen Gemüsehändler. Sie sind von der Form her etwas schlanker und weisen da und dort unbedeutende Makel auf.

Die Aubergine waschen, trocken tupfen und unzerteilt in den 200 Grad heissen Ofen legen. Übervorsichtige stechen sie mit der Gabel mehrmals ein, weil sie sonst platzen könnte – am ehesten wohl die spanischen …Nach 30 bis 40 Minuten ist die Aubergine gebacken und die Haut schön schrumplig geröstet. Am nussigen Duft erkennt man sofort, ob es eine gute Aubergine ist. Eine Hors-Sol-Wasserbombe würde nur auslaufen und nach Düngemittel riechen. Die Haut lässt sich sehr leicht abziehen. Wenn sie etwas ausgekühlt ist sogar ohne, dass man sich dabei die Finger verbrennt. Anschliessend das Fruchtfleisch in kleine Stücke schneiden.

Zum Schluss wird einzig und allein Naturjogurt unter das Auberginenfleisch gehoben.

Vyvyan? Eduard? Beim Versuch der Kniebeuge…

Donnerstag, Januar 18th, 2018

1014E927-C979-4765-956D-2C2F94AD74E9

Esther?

Dienstag, Januar 16th, 2018

Eher Esther?

Polly-Esther!

Mittwoch, Januar 10th, 2018

9C136944-1E4D-4FA1-98F6-8E2735AA5FF4

Esther?

Montag, Januar 8th, 2018

Esther?

Tango Blues, Neujahr 2018

Dienstag, Januar 2nd, 2018

In der Mühle drehen sich die Körper
An einer Tasse halten sich einsame Herzen fest
Dichter Nebel umhüllt die alternden Köpfe
Tragen schlurfend zur Schau ihre Lust

Vertief den Augenblick : hauch den Atem
Mit halbgeöffnetem Mund ins Ohr
Des Fremden an deiner Brust : spürst du sie
Auch : die bunten Raketen im Bauch

Wieviele Lieben ruft der Tango herbei
Wieviele Lieben brechen beim Tango
Entzwei : die Körper drehen sich
Dampfend entweichen die Seelen

Vorbei ist das Tänzchen : mit halbfeuchten
Händchen lauert hinter den Säulen der nächste
Noch hält er sich an einer Tasse fest
Das letzte Haar am Hinterkopf : verwirbelt

Schweißperlen mischen sich : mein Gott
Wie schön : mit diesem Geruch
An der Backe : kommst du
Niemandem sonst nahe : Hilfe

Was mach ich bloß : ich gehe
Drüber weg und weiter : in der Mühle
Drehen sich die Körper : manche
Stehen : hören auf : sich zu sehen

2018

Montag, Januar 1st, 2018
Auf ein Helles!

Auf ein Helles!