Endlich wieder Erbauliches

„Du solltest das tragen, was du immer getragen hast, das, worin ich dich, worin wir alle dich kennen gelernt haben. Jetzt ist nicht die Zeit für dich, zu zeigen, dass du auf eine einfache, proletarische Art krank sein kannst.“

Vyvyan hatte die im Schreibpult seiner Tante gefundenen Schriftstücke in Bilder verwandelt, die viel Ähnlichkeit, viel Wesensverwandtschaft mit dem aufwiesen, was man bislang über die messbaren Formen der Ozeanplaneten wusste. Er hatte die floralen, noch irdischen, geometrisch geordneten Formen wie Gummibänder auseinandergezogen, eine tiefe Unterströmung, die sich loslöste und nicht wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückfand. Eduard hatte Passagen über Wasserplaneten hinzugefügt, weil er meinte, man müsse dies erklären. Eduards Ansicht nach musste alles erklärbar sein. Gedehnte Stunden bekamen eine physikalische oder psychologische Gleichung aufgedrängt, fragwürdigen oder verstörenden Bildern unterlegte er den Gedanken, dass es am Grunde aller Strukturen, dass es in all diesen noch unentdeckten Wasserwelten etwas gäbe, das der Struktur entgegenwirkte, sie auflöste. Doch er wusste, die Basis für alle Dinge im Universum war letztlich Struktur. So wie die DNA die Struktur für alle Lebewesen bildete.

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

Ein Kommentar

  1. Vyvyan hatte ja eigentlich voll und völlig recht, Bilder sind allemal die besseren Erzählungen, viel besser als Texte

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