Morgenminiatur

Von | 26. März 2016

Die Straße, die Häuser,
zehn Etagen, die Dächer
von Krähen und Tauben bewohnt,
Halbtote in späten Betten,
milchigen Traumstaub
in den Lidern.

Hauptstraßenwahnsinn
schon am Morgen, das Ding ohne
Anfang und Ende, und der neue Mensch
in verkrusteten Schläuchen, alt wie
das Klacken der Kirchturmuhr
im Rundlauf der Zeiten.

Die Straße, die Häuser,
die taube Sanftmut des Himmels –
gestaltlos weht Zukunft ins Haar,
morgens, wenn die Stadt sich
taumelnd dem Mahlwerk
des Tages ergibt.

Kategorie: Realitätsschatten

Über Antigone

Weder gewesene Pionierleiterin, Mitglied des Politbüros oder gar Geliebte des Staatsratsvorsitzenden (wie hier vermutet), sondern schlichte DDR-Bürgerin, nunmehr für 18 Milliarden DM zusammen mit 17 Millionen DDR-Bürgern zwangsweise verkaufte Bürgerin des Staates BRD. Hanna Fleiss: geb. 1941, wohnhaft in Berlin, Veröffentlichungen: zwei Gedichtbände "Nachts singt die Amsel nicht" und "Zwischen Frühstück und Melancholie" sowie in zahlreichen Anthologien und im Internet.

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