Zwielicht

Von | 18. März 2016

Träume ich, oder wache ich?
Friere ich, oder ist das Hitze?
Habe ich es nun begriffen?
Wird es nun gerade Winter, oder wird es Sommer?
Zwei plus zwei, oder zweimal zwei?
Zwei hoch zwei?
Hochzeit gar?
Bin ich noch in der Schule, oder ist das schon ein Altersheim?
Was feiern wir eigentlich?
Geburt? Begräbnis?
Kommt es denn auf mich wirklich an an diesem Staatsfeiertag?
Ist dieser Wille nun allgemein oder tut er nur so?
Tut was? Tut nichts?
Tut keinem was zuleide?
Keiner Fliege? Keinem Elefanten?
Verspricht dieser November einen April?
Ist es ein Traum, ist es ein Datum?
Bin ich zählend nun bei einer Million angelangt, oder ist es schon eine Milliarde?
Schach oder Go?
Bin ich die Regel oder eine Ausnahme?
Ist das nun Leben oder Sterben?

Kategorie: Realitätsschatten

Über J. W. Rosch

geb. 1967 in Charkiv, lebt in Frankfurt am Main. Gedichte, Prosa, Roman. Bisher bei LLV erschienen: Jokhang-Kreisel. Gedichte und kurze Prosa mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf (2003), Goðan Daginn. Gedichte. Mit Radierungen von Mechthild Mansel (2010).

7 Gedanken zu „Zwielicht

  1. sozialverträglich

    schlaf futtersuche paarungszeit

    Thalamus: Der Thalamus bildet den größten Teil des Zwischenhirns. Dort kommen Sinnesreize aus der Umwelt an, werden aussortiert oder an das Großhirn weitergeleitet. Sonst ist da nichts.

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  2. Rapunzel

    Bin ich die Regel oder die Ausnahme – hier ist wohl der Wunsch Vater des Gedanken …
    Man stelle sich vor, man sei die Regel! Ist da nicht ein Sturm der Entrüstung zu hören?
    Bin ich ja, bin ich nein, bin ich vielleicht oder: Kräht der Hahn aufm Mist, ändert sich alles oder es bleibt, was es ist.

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  3. entwickelung

    der wunsch, diese kindliche inszenierung. schon die entrüstung über kindliche unmäßigkeit realisiert ein urteil. das ist ein protest gegen die tatsache des wunsches, der in seiner zukunft wahrscheinlich weiteren protest hervorbringen wird, einen protest gegen den protest etc. so ist das selbstbewusstsein dessen, was man gemeinsinn nennen könnte. umgekehrt: zeigt sich etwa „natur“ in ihrer unmäßigkeit, kommt es vor, das dieses gewohnte urteilsvermögen leerläuft, vergebens nach einem anhalt sucht, wie dieses unermessliche denn zu ermessen sei.

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  4. erich

    Probleme löst man am besten, indem man am konkret Sichtbaren entlangkriecht wie eine Ameise am Boden. Leben in der Petrischale.

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  5. die tute

    betriebsblind im kreis rumrennen.

    nun sitze ich hier, halb nackt, leicht lädiert. was ist da los, wer hilft da nach?

    ach mensch. und schon wieder bezichtige ich mich selbst, kann nicht offen zugeben, dass ich sauer bin. auf dich. auf diese kategorie von humor, mit der ich nicht zu recht komme und die meine nicht ist. einfach nicht ist.

    und ich sage mir, noch während ich das schreibe, das schicke ich nicht ab. das ist doch wieder doof. und stehe wieder da als die beleidigte leberwurst, die mimose. zum kotzen ist das.

    warum muss man denn auch bei freunden ein dickes fell haben?

    nun, ja.

    und dann habe ich etwas getan, was ich selten tue und was ich eigentlich (bei anderen) unmöglich finde. ich habe geheult wie ein blödes kind, hatte mir doofe blumen vom aldi gekauft, mangels alternativen dunkelgelbe (wie urin) und als ich sie auspackte, überkam mich so eine wut, dass ich die blumen mit den füßen zertreten habe und in den mülleimer gestopft. und ich schämte mich nicht einmal dafür, fühlte mich sogar befreit. und das gute war, es sah ja keiner.

    und dennoch möchte ich davon erzählen, weil ich einfach ehrlich sein will. und ja, scheiße, es wird falsch ankommen, wird dich treffen. deshalb bin ich immer noch kurz davor das ganze jetzt zu löschen und gar nicht erst zu versenden. einfach gar nicht mehr darüber nach zu denken, geschweige denn zu reden.

    ich weiß schon, ich bin jetzt die doofe humorlose tante, die spielverderberin, die spaßbremse.

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