Die Wahrscheinlichkeit der Wunder

Von | 8. Mai 2014

Manche Dinge ereignen sich
häufiger als du und
ich: Charles Simic

sitzt am Schreibtisch
und schreibt
kein Gedicht. Kein

Ziel unterm Himmel,
um von den Sternen zu
schweigen. Der Dichter

steuert seinen Automaten
aus freiem Willen,
der Entschluss nicht

zu sprechen liegt hart unter
der Zunge; die Form ist schon
erfunden lange

Lange vor der Zeit: wir
waren verwandt
mit dem Mond, nun sind

wir nicht mehr
wir
sind nicht

Bist du ein Dichter?
Dann schreib.
Aber lies es auch, wenn

mehr als nur
einer,
unter der Zunge

Sprich es nicht aus. Der
Name des Dinges
ist keine Klasse von

Ereignissen: Charles Simic
schreibt nicht (es ist
nur der Mond über ihm

Kategorie: Realitätsschatten

Über J. W. Rosch

geb. 1967 in Charkiv, lebt in Frankfurt am Main. Gedichte, Prosa, Roman. Bisher bei LLV erschienen: Jokhang-Kreisel. Gedichte und kurze Prosa mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf (2003), Goðan Daginn. Gedichte. Mit Radierungen von Mechthild Mansel (2010).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.