“Entschuldigung, sind in meinem Essen auch Gluonen drin?”

Ein Märchen in hellblau

In langer langer Zeit lebte da mal ein Rprinz, der wollte unbedingt wissen, was in seinem Essen drin ist. Leider lebte er in der Zukunft und somit konnte ihm niemand aus der Gegenwart sagen, was er sich seinerzeit alles so in den Mund löffelte. Entschuldigung, entfuhr es ihm da, kurz nachdem er runtergekaut hatte – wie sieht es mit den Elementarteilchen in dieser Mahlzeit aus? Ich habe das dunkle Gefühl, dass da auch Gluonen drin sind. Der Hellblaue war so recht von potenzieller Eleganz. Die rosa Tante, frisch vom Frizör kommend, stocherte in dem was übrig blieb, schickte eine Probe davon ins Max- Planck-Institut, wovon sie bis übermorgen nicht zurück gekehrt ist. Alles ist falsch: Die Wahl der Zeitscheibe, die Darstellung des Gluons beim Farbaustausch, das Gefühl der Verhaftung in ewiger Wechselwirkung. Das Standard-Modell kennt acht Gluonen. Rosa Tante fürchtete, ein Kind zu bekommen, nahm den Koffer in die Hand und ging zum Frauenarzt. Es herrscht ein ewiges Kommen und Gehen – nur die menschliche Hybris liegt als stärkste Kraft wie ein Klebstoff über Allem. Und da manches hier viele von uns persönlich betrifft, muss ich leider Schluss machen. Vielleicht waren in meinem Essen auch Gluonen drin. Ich frage irgendwann nochmal nach.

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 20. August 2013 um 19:10 Uhr geschrieben.

Genre: Wortmysterien

5 Kommentare »

  1. ach, die kleistine! endlich wieder charmanter weltschmerz mit wisssenschaftlicher grundfrage! darauf einen windigen neutrino-cocktail!

    Comment by eisenhans — 21. August 2013 @ 10:37

  2. “Ich hatte immer schon den leisen Verdacht, dass die kleinen Bläschen auf meinem Ultraschallbild in Wirklichkeit …Gluonen sind. In 3D zart zu erkennen: Hellblau und Rosarot.”
    (noch unveröffentlicht aus: “Wechselgespräche im Klima(kterium)raum” und für weitere Nachfragen siehe: Tischgespräche in Inskriptionen)

    Comment by rapunzel — 21. August 2013 @ 10:56

  3. gluonen? der klebstoff der materie. man möchte meinen, es steckten gute absichten dahinter. doch hinter jeder guten absicht stochert verlegen das nein zur tat. je üppiger und schmackhafter die mahlzeiten sind, umso raffinierter und kunstvoller müssen wir in unseren methoden werden, sie halbwegs elegant und auf dem schnellsten wege wieder los zu werden.

    Comment by würfelhusten — 7. September 2013 @ 21:53

  4. sonntagnachmittag mit minz-thee in der sofaecke: im neuen heine-katalog kann man ein klo in rosenform kaufen. hübsch dekoriert blickt es mich an und scheint rosa rosenduft zu verströmen. wie kitschig. denk ich. wie dekadent. sagt mein filius. oh wie süß! ruft filia. und flugs schneidet sie das bildchen aus. für ihre puppenstube auf din-a3. und klebt noch einen buddha daneben. das ist gotteslästerung, schreit filius, du kannst doch nicht neben einer buddhafigur scheißen! filia wirft energisch ihren zopf in den nacken: ich will auch mal luxus aufm klo! wie werde ich die gluonen-bälger auf dem schnellsten weg wieder los? denke ich.

    Comment by rapunzel — 9. September 2013 @ 07:28

  5. was die menschliche hybris angeht: sehr gut lässt sich sich im vergleich mit der grünalge betrachten. diese ist seit ca. 3,5 milliarden jahren auf der erde (den vergleich mit IHR selbst möchte ich erst gar nicht evozieren, da ich hiermit sicher mal wieder kohlenstoffchauvinistische bewusstseinsträger in ungesundes neuronenfeuer katapultiere…) also, die grünalge hat es gar nicht nötig, sich zu verändern. und wer sie sich einverleibt, wird bestürzt feststellen, dass sie im inneren seines organismusses sehr bescheiden und anpassungsfähig ihren dienst tut. die olivgrüne farbe zeugt davon. das ist klug und dient der sache. sie sorgt für frische luft.

    http://www.pmbio.icbm.de/vl/allg/vl-brinkhoff.pdf

    Comment by frau kleist — 9. September 2013 @ 10:59

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