umgeniessen.

Von | 19. März 2013

Palimpsest

 

Cy.

 

Wie über mich drübergehn. Sabbern. Mich zwischen meine eigene Haut zu drängen. Als obs von innen fein regnet. Oder sich etwas regt. Wie ein von sich selbst Ablösen. Ich spiele nur mein Empfinden als mein einzigstes Instrument. Verstehe sonst nichts vom Leben. Längst hat mein Berühren eine eigene Sprache gefunden. Wie ich dich suche.

Wie tief du mich kränkst, wenn du sagst, dass ich dir nur deshalb an den weissen See gefolgt bin, weil du ein laut- und gesichtsloses Liebeszeichen abgegeben hast, ohne zu bedenken, dass ich sechs Jahre allein war, es hätten auch noch elf Jahre sein können, kannst du nicht in einem einzigen Halbsatz alles (emp)finden?

Umgeblättert liege ich nun am Ufer deiner Vernachlässigung. Umzugeniessen. Wie wenn ein Grashalm umknickt, wenn ich mich auf ihn lege. Wie wenn ein Sandkorn kichert am Strand. Wie wenn ein Leben noch ohne Text ist.

Also geht es nur um zweierlei: Die Sichtbarmachung der herzuzeigenden Unbehaustheit. Oder um die Ohnmacht des sich Abfindens (Auffindens). Vorsicht: Die conditio sine qua non ist der Rausch, der sich an immer mehr Momente des Lebens heranschleicht.

Kategorie: Trauersymmetrie

Über van hengel

Willi van Hengel: geb. 1963 in Oberbruch, hat Philosophie, Politik und Germanistik in Bonn studiert, Abschlußarbeit über Nietzsche und Derrida, anschließende Dissertation gescheitert, lebt in Berlin. Veröffentlichungen: Lucile (Roman, Berlin 2006), Morbus vitalis (Roman, Schweinfurt 2009), Wunderblöcke (Prosastücke, Schweinfur

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