Willys Traum

Von | 27. Februar 2021

 

Willy hatte einen merkwürdigen Traum. Darin träumte ihm, dass er der Herrscher irgendeines Landes war, das im Traum nicht weiter bestimmt war, der absolute Herrscher. Und natürlich, dem Willy im Traum war völlig klar, dass eine solche absolute Herrschaft heute nicht lange funktionieren würde. Natürlich war Willy ein aufgeklärter absoluter Herrscher, es galt also sich an gewisse Prinzipien zu halten.

 

Agieren im Verborgenen

Der Willy im Traum hatte seinen Harry Potter genau gelesen. Besonders hatte ihn die Regierung des Dunklen Lords fasziniert. Der war nie der offzielle Herrscher, trat nie offen auf, aber das machte seine Herrschaft umso effektiver. Als Herrscher im Verborgenen war er der Herrscher, der über der Ordnung stand.

 

Die Freiheit bewahren

Selbstverständlich. Der Willy im Traum hat den Menschen nicht verboten zu verreisen. Er hat lediglich temporär untersagt, Hotels und Ferienwohnungen zu öffnen. Wegen Gründe. Auf diese Weise hat der Willy die Freiheit der Menschen bewahrt. Überhaupt: Jeder musste, wenn er irgendwo eine Dichterlesung oder ein Konzert besuchen wollte, sein Smartphone vorweisen. Das hatte zwar überhaupt keinen wirklichen Sinn, aber als bloße Unterwerfungsgeste war es unglaublich effektiv. Natürlich durfte niemand in der Regierung so etwas sagen wie: „Das Smartphone gibt den Menschen die Freiheit zurück“, Gott bewahre!

 

Keine Zensur

Aber klar, die Nachrichten wurden selbstverständlich nicht zensiert. Aber der Willy im Traum erhob von jedem Haushalt einen kleinen Pressebeitrag – für die Vielfalt. So entzog er dem Markt eine gewaltige Summe Geld, und die übrigen Verlage und Filmemacher, die nicht unter seiner Kontrolle standen, versanken mangels finanzieller Mittel in die bodenlose Bedeutungslosigkeit.

 

Brot und Spiele

Die Spiele kosteten den Willy im Traum kein einziger Euro, kein einziger Dollar. Das hatten alle mit ihrem kleinen Pressebeitrag selbst gezahlt. Der Traumwilly war beeindruckt: Die Tatortshooter und die Fernseh-Hack-and-Slay boten mehr blutige Unterhaltung an einem Tag, als das antike Rom im gesamten römischen Reich in einem Monat organisieren konnte. Und das Brot: Das musste billig sein. im Krieg hatte man ja das Brot mit allem möglichen gestreckt, sogar mit Holzspänen. Da waren die Möglichkeiten heute ins unerschöpfliche gewachsen. Da genügte es, wenn in einem Joghurt nur ein Prozent Milch war. Der Rest waren die billigen Zusatzstoffe.

 

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Der Willy, der dann wieder wach war, hatte den Traum fast vollständig vergessen. Nur eine Ahnung war ihm geblieben, die Ahnung, warum der Willy als absoluter Herrscher im Traum so erfolgreich war: Es war das Indirekte. Der Willy im Traum war der Herrscher einer indirekten Diktatur. Und das war wesentlich effektiver als eine direkte Diktatur. Und niemand konnte etwas dagegen sagen. Weil der Willy im Traum hat ja nichts verboten, und er war auch nicht der offizielle Herrscher. Der echte Willy, der etwas gegen den Traumwilly sagen wollte, der den Traumwilly stürzen wollte, der echte Willy hatte keine Chance – er versank sofort in einem Sprachsumpf, der Traumwilly entglitt dem echten Willy wie der Schatten des Lord Voldemorts aus diesem Harry Potter. Träumen war in diesem Traum vom Traumwilly übrigens nicht verboten worden, aber es war nicht möglich, wegen technischer Gründe, die Lautstärke am Smartphone auf Null zu stellen.

Kategorie: Realitätsschatten Trauersymmetrie

Über Wassili Busskläff

Finnegans Wakes, 5,5 ff.: „Of the first was he to bare armes and a name: Wassaily Booslaeugh of Riesengeborg. His crest of huroldry, in vert with ancillars, troublant, argent, a hegoak, poursuivant, horrid, horned. His scutschum fessed, with arches strung, helio, of the second. Hootch is for husbandman handling his hoe.“ Das ist die einzige Erwähnung W. Busskläffs in den Quellen.

4 Gedanken zu „Willys Traum

  1. frau kleist

    Ohne Sexualität haben sie’s weit gebracht: Die Brüder Kellogg. 1906 gründete der 46-jährige Will (Willy) Keith Kellogg dannn die Battle Creek Toaster Corn Flake Company.

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  2. frau kleist

    Das sind so Unternehmer, die probieren irgendetwas aus, und werden damit steinreich.

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  3. Peter Lustig

    Also mich erinnert das an die Erfolgsserie „Willi Werkel“, zum Beispiel „fliegt ins Universum“. Ist leider zeitgleich mit mir ausgestorben. Naja, war eh nur Kinderfernsehen. Wie die vom Pressebeitrag finanzierte „Unterhaltung“: Nachrichten in einfacher Sprache. Wo steht eigentlich das Willi-Denkmal, vor dem ich meinen Kotau verrichten darf?

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