Ironisches Mundzucken. Eine Betrachtungsweise.

“I won’t bore you with the detail, baby…”

Die Mundwinkel meines Freundes waren jeweils ein Halbmond, und nur wenn sie aus irgendeinem subtilen Grund ironisch zu zucken begannen, verbargen sich die kleinen Monde für Augenblicke hinter dem hochmütigen Rot der Lippen. 

„Wie leise dein Mund schon wieder zu zucken beginnt“, sinnierte ich, nachdem ich ihn eine Weile im Halbschatten der wogenden Platanen betrachtet hatte. „Was für ein Gedanke ist es nur, der deine schönen und für manchen Gespielen zu blasiert erscheinenden Lippen in solch zarte Bewegungen versetzt? Du wirst ihn mir doch verraten, nicht wahr? Spätestens dann, wenn der Schatten der am tiefsten hängenden Zweige den Bogen deiner Nase berührt.“

Mein Mund ist Vollmond. Ich bin eine Frau. Frauen haben viele Münder – winzige Polypen oder Schnecken, an den entlegensten Teilen des Körpers. Nicht selten führen sie nach innen. Doch davon möchte ich heute nicht erzählen, auch wenn es manchen vielleicht reizt und es darüber eine Menge Wissenswertes zu berichten gibt. Das wird zuvor sehr sorgfältig ausgewählt. Weiche saugende Rundporen oder längliche zuckenden Schlangenzungen sind der Männer Sache nämlich nicht. Einige wenige haben jedoch die entscheidende Winkelkrümmung um den Mund herum und dürfen mir bei Gelegenheit eine mehr oder minder schamlose Sottise zuflüstern.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 30. Januar 2008 um 23:39 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

1 Kommentar »

  1. Mir gefällt die kräftige Sinnlichkeit:
    - hinter dem hochmütigen Rot der Lippen
    - mein Mund ist Vollmond
    - weiche saugende Poren
    - längliche, zuckende Schlangenzungen.

    Schwierig ist für mich:
    - die Mundwinkel…. waren jeweils ein Halbmond
    - zu blasiert erscheinenden Lippen
    - an den entlegendsten Teilen des Körpers

    Comment by Horst Appelhagen — 15. Januar 2010 @ 09:52

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