nachahmung

der dichter ahmt vogelstimmen nach
……
der dichter ahmt steine nach
……
                                              (aus Zbigniew Herbert, Gleichnis)

ihre textur ist seine handschrift
auf einem blatt des welkenden bergahorns
in seine rinde ritzt er chiffren der zeit
da ist eine klinge aus tönendem erz
die schneidet die glasfaserkabel und kehlen
der braunzungigen und braunzahnigen werwölfe
aus dem osten kommen sie in riesigen rudeln
da ist ein gefäß aus irdenem steinzeug
darin bewahren wir auf die schlagenden herzen unserer feinde
stellen sie aus in museen und liveshows
um nachahmer abzuschrecken
kein gedicht ist die nachahmung des todes wert

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 18. November 2019 um 11:54 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

1 Kommentar »

  1. “Niemand weiß, was die Zukunft bringen und wie lange die Zerrissenheit der Welt dauern wird. Solange aber wenigstens in einer Nacht des Jahres die Lichter dieser Erde einander grüßen, ist wohl nicht alle Hoffnung begraben.”

    Comment by ein barbar in einem garten — 3. März 2020 @ 10:17

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