Die Säulen des Herakles

Nun steht der Mensch am Rand derWelt, vor sich das Meer in all seinerPracht & hinter sich das menschliche

Unglück: „Wer bin ich“, fragt

Des Kopfes Stimme, fragt eine

Stimme aus dem Loch, „wo

geht es hin auf dieser Reise?“ –

Die Wellen schäumen krachend & kalt,

der Globus im Kopf faßt keinen Fluß

Mehr, ohne den Grund einer Wellen-

bewegung hat nicht ‚mal das Fragen

Seinen tragenden Rhythmus, von

Bö zu Bö springt die ziehende Herde, Ge-

Danken – o Himmel! – mit Ziegenhörnern

gaukeln den Schiffern ihr Mutter-

Haus vor: „Hier steh‘ ich, jung“, ein

Gemäuer von Säulen wie Riesen-

Schenkel in die Erde gerammt, „- so

mußt auch du stehn, bist du erstmal

Verständig, Junges!“ – dann brüllte der Ozean.

J. W. Rosch
geb. 1967 in Charkiv, lebt in Frankfurt am Main. Gedichte, Prosa, Roman. Bisher bei LLV erschienen: Jokhang-Kreisel. Gedichte und kurze Prosa mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf (2003), Goðan Daginn. Gedichte. Mit Radierungen von Mechthild Mansel (2010).

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