Sprechzimmer

Von | 3. Dezember 2007

Du willst aber du kannst nicht Vertrauen in dich selber finden.
Der Therapeut erscheint dir als eine Gestalt.
Du bist überzeugt von vornherein und erzählst ihm
von deinem schwächsten Punkt. Du weinst wie beim Sex.
Der Therapeut schenkt Sekt aus. Das macht er nicht immer.

Du gehst in ein symbolischer werdendes Haus.
Die Schatten junger Männer fallen
rückwärts aus den Fenstern während deine Brust
ein heller Strahl trifft, am Drehpunkt der skateboard-Sprungschanze.
Die Wohngegend des Therapeuten spricht gleichfalls Bände.
In ihnen liest du auf dem Weg bereits
deine Gesetze. Sie geben die Richtung für dein Leben wieder.

Jetzt hast du die Haare über der Stirn zusammengeschlagen.
Der Therapeut hat dich berührt. Es ist
gegen die Abmachung, bestürzend,
doch im Fallen beruhigst du dich: wie menschlich er ist,
und überwindet die Grenzen.

Du erhältst einen Schlag auf den Kopf.

Hier hast du die erste Demut geübt. Aufwachend siehst du
ein Foto von Frau und Kind.
Vertrauensvoll schmiegst du dich an ihn. Merkwürdig,
dass er hier sogar schläft.
Ein rostiger Garten lockt nicht.
Das Bett ist abschließbar wie eine Schreibtischschublade.
Der Mann zieht sie heraus – Iss mich!
sagst du und wickelst dich in Butterbrotpapier. Er lacht breit,
hebt den Telefonhörer und beißt hinein.
Eine königliche Sitzung war das.

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