Traumfänger

Ich bin ein Stück Land
in weiter See
und die Gedanken Gräser
auf den Deichen.

Immer wieder reißt das Meer
an meinen Hängen,
bäumt sich auf
und trägt mich ab,
wirft mit dem Sand,
was in den Fängen ist,
auf fremde Klippen.

Manchmal türme ich
mein Sehnen
auf die Hafenmauer,
damit ein Fischerboot
vor Anker geht.

Denn in den Meeresweiten
treiben Träume
in die Netze.

Niemals reichen sie
für mehr als einen Tag.

Sigune
1981 in Filderstadt geboren; Diplom-Studiengang Literaturübersetzen in Düsseldorf; Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien; unter den Preisträgern beim 5. Brüggener Literaturherbst (2014), beim Kempener Literaturwettbewerb und beim Badener Lyrikbewerb zeilen.lauf (2015).

2 Kommentare

  1. Das lange Wochenende nutzend und vor allem die heute geschenkte Stunde auskostend, bin ich gerade von einem langen Spaziergang am Meer zurückgekehrt. Die ersten nächtlichen Herbststürmen verwühlten und zersauselten das Wasser, das – so kam es mir vor – erschöpft und benommen da lag. Die Sonne war dabei, mir das Gesicht zu röten, meine Fingerspitzen froren langsam ein. Ich aber lief weiter auf dem vom Wasser gehärteten Strand. Ruhe kehrte in mir, tiefe Ruhe. Wenn ich jetzt weiterlaufen würde… immer weiter, würde sich diese Ruhe in mir ausbreiten wie das Meer selbst. Und mich sanft aufnehmen. Begeistert beschloss ich, diesen Gedanken – und noch viel mehr – sofort hinter den windschützenden Dünen aufzuschreiben. Ich kauerte in einer Sandkuhle. Armselig. Nach Worten suchend. Alles weg. Auch die Ruhe. Wütend lief ich wieder zum Meer und kleine Wellen spöttelten an meinen Fußspitzen.

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