Die Stadt ist eine Wärmeskulptur [1, 1, 1]

für Igor

Wie wir es geschafft haben, diesen Baumstamm heranzuschleppen, ist mir immer noch ein Rätsel. Der verhaltene Druck auf der rechten Schulter reicht nun hinab bis zur Hüfte. Das Feuer singt – Novembersauna, und oben ein Himmel aus Samt. Das Bächlein plätschert durchs Dunkel, die Sterne glitzern golden aus ihrem ätzenden Rauch hervor. Schweigen. Und durch den ersten Akkord schneidet die Kadenz eines Hüstelns. Der Bogen hebt sich bis über die Augen, Finger marschieren übers Griffbrett – wie viele Saiten sind es hier? Aus der Senkrechten aber kippt der blecherne Dom dorfgeborener Orgelpfeifen in die nächtliche Weite des Sehfeldes, am Mund vor dem  Feuer beginnen ausgefranste Windschläuche durch die  Zeit zu tanzen, flackernd & seltsam vibrierend, die dazugehörige Lunge aber muss sich bis zur Venusgrube geweitet haben. Kam danach je wieder ein Morgen? Wenn das Licht in die Welt einbricht, steht der Mensch allein im Wald und versucht, sich an das Dunkel zu erinnern.

Wie geht es dir heute?

Georg ist mittlerweile zwei Tode älter – ich bin noch so wie ich bin,  und du – tanzende Finger auf glücklichem Steg – bist wieder weit weit weg.

Dieser Beitrag wurde von Zhenja am 18. Oktober 2009 um 11:59 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

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