inneneinrichtung

früher dachte ich
die spinne
in der ecke meines zimmers
wäre meine mutter
vater
verließ uns
als ich zwölf war

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 24. Juni 2015 um 12:04 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

6 Kommentare »

  1. nicht denken, lieber werner, sie war es – und sie ist es noch – auch wenn sie sich kaum noch bewegt. früher hat sie sich über dir abgeseilt und hielt deinen kopf umspannt – nun kriecht sie herum und ist dir im wege. ver-stehst du nun, warum du auf der stelle stehst?

    Comment by spinnenphobie — 4. November 2016 @ 20:50

  2. vater hingegen hat alles richtig gemacht.

    Comment by vater: weg — 4. November 2016 @ 20:52

  3. inneneinrichtung: der titel zergeht mir bei diesem textchen (wunderbar, dieser minimalismus – ja reduktionismus) förmlich auf der zunge. baiser, beispielsweise, wird immer kleiner und süßer.

    Comment by dieser titel! — 4. November 2016 @ 20:54

  4. …und ich war zehn.
    Als ich nach Hause kam, war Vater weg und Mutter saß mit einer Plastispinne am Küchentisch. Schau mal, sie hüpft, sagte sie. Das schwarze Biest hatte einen Fellrücken. Sie ekelte mich. Die Spinne. Und Mutter. Sie ließ die Spinne hüpfen. Hüpf zu ihr, hüpf! Ich schrie und fleht Mutter an, die Spinne wegzunehmen. Mutter trank noch einen Schluck und zischte mir zu: Schisser.

    Comment by rapunzel — 4. November 2016 @ 21:20

  5. danke für eure kommentare. ich sehe schon, ich muss mal wieder minimalistischer schreiben, und bittersüß.

    das zuhaus
    trägt eine schuppenhaut
    für die zeit
    wenn die aktienkurse fallen
    und die meeresspiegel
    wieder steigen

    Comment by werner — 4. November 2016 @ 22:21

  6. Oh ja. Bittersüß. So mag ich auch mein Quittengelee, das auf dem Herd vor sich hinköchelt.
    Und minimalistisch setzt man Kontrapunkte.
    Auch die sind nötig. Bitternötig.

    Comment by rapunzel — 5. November 2016 @ 11:45

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