JOHN FANTE IS WAITING!

Ich setzte mich an die Schreibmaschine. Jetzt würde ich einen Satz schreiben, einen einzigen, perfekten Satz. Wenn ich einen guten Satz schreiben konnte, würden mir auch zwei gelingen, und wenn ich zwei schreiben konnte, waren auch drei möglich, und wenn ich erstmal soweit war, gab es überhaupt keine Grenzen mehr.
- John Fante

Bandini. Arturo Bandini – immer pleite und der größte Schriftsteller. Der größte Schriftsteller von allen größten Schriftstellern!!!

John Fante sitzt an seiner Schreibmaschine und tippt – ein Wort – dann das nächste. Es gefällt ihm nicht was er da schreibt.

Komm schon Bandini sag was! Rede mit mir! Verdammt!!! Rede! Wo sind sie – die Worte – die Sätze?

Ist es zu dunkel? Können die Worte nicht zu ihm finden – weil es zu dunkel ist – hier in dem Zimmer?

Fante hat das Licht in seinem Hotelzimmer ausgemacht – eine Kerze brennt und es genügt zum Schreiben! Es muss genügen. Bandini versteckt sich vor der Vermieterin die hinter der Miete für drei Wochen her ist.

Fante hat die Miete nicht – er hat noch viel weniger nicht – er hat nichts zu essen – nichts zu trinken – dreht sich mit den Tabakresten in einem Toilettenpapier die letzte Zigarette – und sieht hinaus auf ein paar ausgetrocknete Palmen. Hier ist er also. Bandini ist in Los Angeles.

Geliebtes Los Angeles – liebe mich und ich danke es dir!

Ich schreibe von Dir – über Dich – in Dir – aus Dir heraus – mit Dir zusammen!!!

Los Angeles – sei lieb zu mir – ich dank es dir – wir sind hier – gemeinsam – du brauchst einen Schriftsteller wie mich! Ich brauche eine Stadt wie Dich für mich! Ich – der deine Geschichte schreiben wird. Der Dich zeigen wird – wie Du sein kannst – wie gut du sein kannst zu einem wahren Schriftsteller! Ich bin Bandini – Arturo Bandini und mein Roman den ich dir – DIR schenke wird heißen – ASK THE DUSK! Es ist die Geschichte eines Mannes – eines Schriftstellers – der liebt – der kämpft – der lebt und leidet – hier hast Du ihn – deinen Helden! Los Angeles – ich bin bereit! Ich hab keine Zeit! Nichts zu verlieren und hab dir SO VIEL zu sagen!

L. A. Sei nett zu mir! Ich werd es dir zeigen! Stadt! Du! HEY STADT!!!

Ich bin hier und Du bist hier und ich bin der GRÖSSTE Schriftsteller von ALLEN!!! Sieh mich an Los Angeles! Siehst du mich nicht?

Liebst du mich nicht?

Ich werds dir zeigen!

Eines Tages werde ich sein – was ich jetzt schon bin – ein großer Schriftsteller!

Und alle können es sehen. Alle müssen es sehen! ALLE! Alle werden es sehen!

Ich brauche eine Liebe für meinen Roman! Eine LIEBE die man nicht lieben kann – ein LEBEN das man nicht leben kann.

In einer Stadt die nicht mehr atmen kann. Mit meinen Fingern – die tun sollen was sie tun sollen – einen Buchstaben nach dem anderen tippen und tippen und mir aus dem Herzen schreien – ohne zu denken – ohne auch nur ein bißchen zu lenken.

Fante! Du bist ein Genie! Das ist ein Anfang! Ein wahrer Anfang und es wird ein großer Anfang und ein großes Ende und dazwischen – wird es brennen und lodern und stürmen und rauschen und knallen und fluten und bersten und jauchzen und knarren und explodieren. Eine Explosion! Ein Erdbeben!

Mein Buch wird eine bebende Explosion!

Hier bin ich Arturo Bandini – ein Beben – eine Explosion! SEHT HER! – SCHLIESST EURE AUGEN – SONST WERDET IHR GEBLENDET – HÖRT HER – IHR – HIER HABT IHR EINEN DER ES EUCH ZEIGT WIE ES GEMACHT WERDEN MUSS!!!

Wer sind die anderen? Die anderen – sind anders und alle sind sie gleich! Ich bin hier – die anderen – sind weg und nichts mehr wert! Einen Dreck wert und viele noch weniger! Da komm ich her – aus dem Dreck und ich erzähl euch was! Ihr – ihr – ihr mit eurer Stadt! Ihr mit euren Träumen und Wünschen – ihr – ihr – ihr! Ihr seid alle gleich und ich bin anders! Mit aller Kraft bin ich anders und bin Arturo Bandini! Vergesst den Namen nicht! Ich bins – euer Arturo Bandini! Ich zeig euch eure Stadt – eure geliebte Stadt! Ich werf euch euren Dreck vor die Füße! Wisst ihr eigentlich wer ich bin? Ich bin Arturo Bandini!!!

Ich schreie und schreie und lache und lachend werde ich euch schreiend auf eure Straßen spucken – rotzen auf die Straßen auf denen nichts mehr wächst – auf eure Stadt – die mich nicht will! Die mich nicht braucht – wie sie euch nicht braucht! Ich schreie und ich schreie und ihr hört mich nicht! Ihr hört mich nicht? Nachdem ihr mich hört – hört ihr keinen anderen mehr – nie mehr – niemals werdet ihr mehr hören als mich! Mich – Arturo Bandini!

ICH BIN ARTURO BANDINI!

Dieser Beitrag wurde von ralphstieber am 25. Mai 2008 um 16:00 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

3 Kommentare »

  1. “Ich bin Archimedes! Ich habe die archimedische Schraube erfunden. Drehst du nach rechts, passiert nix. Drehst du nach links, passiert auch nix. Ich – Archimedes … (Rülpsen, Blickkontakt) [geschrien:] Bist duuh Archi-Medes?! ICH bin Archimedes!! ICH HABE die archimedische Schraube erfunden … [10-15 min bei wechselnder Beleuchtung, Betonung und Intonation]” (nach Jonathan Meese, Januar 2007)

    Comment by Archimendalos — 26. Mai 2008 @ 16:29

  2. indem h. somit das besondere auf seine besonderheit hin befragt, kann er zu keinen allgemeinen resultaten im sinne bestimmter inhaltlicher festlegungen mehr gelangen; denn die besonderheit eines jeden besonderen ist je eine andere und wenn überhaupt, dann nur an dem jeweils besonderen aufzuzeigen. über die besonderheit eines besonderen lässt sich also keine allgemeine aussage mehr machen; denn jedes urteil kann ja nur etwas über dieses einmalig besondere feststellen, nicht etwas über eine in allem besonderen gleichbleibende allgemeine besonderheit, die ja ein widerspruch in sich wäre und das besondere als besonderes aufheben müsste. (clemens. m. über h.s lehre und bild vom m., ratingen 1965, S. 55)

    Comment by w. — 26. Mai 2008 @ 17:11

  3. „Gold ist die Scheiße Gottes.“ Es ist geschehen um den guten Stil, den guten Geschmack, das gute Mittelmaß, den wohltemperierten Ausdruck, wenn ich Dich im Kopf habe und in diese Tasten greife, liege ich mit Absicht daneben. Denn meine Gefühlslage ist ebenso schrill, schräg, verpönt, wie der Stil, den ich Dir schreibe.
    Ich werde nie eine Party geben, auf der Deine Musik gespielt wird, und weil ich mich nicht oute, werde ich auch die Trophäen einer Sechzehnjährigen nicht berühren. Ich trage eine kugelsichere Weste und bedenke nicht, dass darunter sämtliche Zwangslagen aufgestapelt und zur Ansicht ausgestellt sind.

    Comment by crysantheme — 30. Mai 2008 @ 11:49

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