Wintersuppe

In schlechten Sommern machst du mir im Stadtpark die braune Wegschnecke vertraut. Schneckenkorn gibt es nicht in deinem Haus. Ameisenköder werden zu Ladenhütern unter deiner Regie. Du hast Zimt verstreut, dessen samtiger Duft die Ameisen-Armeen der Speisekammer wieder unterhalb des Kellers einquartiert, während du in den oberen Etagen an meinem Nachthemd herumzupfst. Dich mit den Federn der tollbunten Hähne schmückst, mir gefüllte Kissen unterschiebst. Der Hühnerstall strotzt vor Regenwürmern, die gefressen werden wollen. Lupinen, Gladiolen und rindenumgürtete Apfelbäume schmücken dein Reich. Ich sehe Tofu auf deinem Teller, Zucchini in der Pfanne. Puten, deren Kopf du nicht kennst, lässt du im Tiefkühlregal. Die Köpfe der Hühner, die deinen Stall bevölkern, köcheln bald schon in der Wintersuppe.

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

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