hör zu …

Von | 3. April 2012

würde es aufpropfen nennen, aber das, erklär ich dir später, weil der es auch ein wenig anders meint… und nun sitze ich hier am rande der neuen welt und freue mich, bald wieder in deiner nähe zu sein, auch wenn wir uns nach meiner rückkehr nicht sofort sehen werden… aber so ist das nun einmal bei schaffenden menschen; unser leben lebt und schwemmt uns regelmäßig davon, was hier in diesem land zu wenig an verstand ist, ist bei uns zuviel an demselben, hier ist die verblödung maßstab, dort die missgunst und gegenseitige erdrückung; die moral, die hier fehlt, ist bei uns auf falsche füße gestellt (zu wenig diesen königsberger gelesen und verstanden, aber das bleibt unter uns), jedenfalls bin ich froh, aus diesem fettleibigen und korrupten land herauszukommen… weisst du, rhode, was das schlimmste ist, was uns mit in die wiege gelegt worden ist: dass wir unserer gefühle nicht herr werden können und deshalb anderen immer wehtun müssen; wir können uns den schmerz nicht selber mitteilen und noch weniger mit ihm umgehen… so ist unsere sprache darauf ausgerichtet, die andern mit in unseren schmerz zu reissen – und wenn das nicht der fall ist, dann langweilen wir uns, wie wir uns eh langweilen, wenn wir andere sprechen hören – außer wir empfinden was für ihn…

Kategorie: Trauersymmetrie

Über van hengel

Willi van Hengel: geb. 1963 in Oberbruch, hat Philosophie, Politik und Germanistik in Bonn studiert, Abschlußarbeit über Nietzsche und Derrida, anschließende Dissertation gescheitert, lebt in Berlin. Veröffentlichungen: Lucile (Roman, Berlin 2006), Morbus vitalis (Roman, Schweinfurt 2009), Wunderblöcke (Prosastücke, Schweinfur

3 Gedanken zu „hör zu …

  1. rapunzel

    herr van hengel: wie tief ist ihre quelle? sprudelwasserperlen. die heb ich auf.
    doch: langweilen sie sich immer, wenn sie anderen zuhören? es kann durchaus angenehm sein, beim zuhören das gehirn auszuschalten.

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  2. eisenhans

    ach, es kann auch sehr angenehm sein, beim zuhören das gehirn anzuschalten! so wie dieser text gut zu lesen ist, auch mehrfach.

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  3. rapunzel

    hoffe nicht, dass es zu einem kommunikativen missverständnis gekommen ist: der text ist gut. eben eine perle.ps: habe den text ausgedruckt und an die bürowand gepinnt. die ersten leser stolperten schon über den maßstab der verblödung. bemerkenswert dabei das mi(e)nenspiel. ein text mit unterhaltungswert!

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