Autor-Archive: Jens Rudolph

Über Jens Rudolph

geb. 1976 in Leipzig, Jurastudium in Dresden. Lebt und arbeitet als Familienrichter in Berlin und Potsdam.

Once

Von | 10. Oktober 2017

in a lifetime, sagt der Pilot, 17.000 Kilometer, nördlich des Polarkreises durch Kanada. Allein der Landeanflug auf das Dorf in Alaska: atemberaubend. Ein Inuit erzählt vor der Kamera minuten- lang mit singenden Augen vom Duft und Geschmack eines Apfels.

Einem Grashalm

Von | 14. März 2017

gerecht zu werden ist keine Sache, so scheint’s. Doch wer vermag Wasser- und Fluten- den Schwaden, Draht- und Rasenschmiele, Weiche und Wehrlose Trespe, Weißes Straußgras von Gemeinem oder Kamm- und Borstgras zu unterscheiden? Reit- und Riedgras, Fuchswedel und Bärenfellgras, Wiesenschwingel und Wiesenschweidel? Vom Honiggras Wolliges und Weiches von Simsen oder Binsen? Sieht den Bau des… Weiterlesen »

Eine Amsel

Von | 9. Februar 2017

schaut mich im Herbst- laub unverwandt an. Wer wählt da auf eigene Kralle den schweren Stand, zeigt allem Ein- und Ausgeflogenen die kalte Schulter? Bald wer- den die Nebel nach dir greifen, Krähen deine raue Gesellschaft sein, ja Menschenherzen ent- scheiden ob du hier, in den weißen Stürmen, bleibst. Nach Singen wird dir kaum noch… Weiterlesen »

Von | 28. Januar 2017

WEGGEBEIZT vom Strahlenwind deiner Sprache das bunte Gerede des An- erlebten – das hundert- züngige Mein- gedicht, das Genicht. Aus- gewirbelt, frei der Weg durch den menschen- gestaltigen Schnee, den Büßerschnee, zu den gastlichen Gletscherstuben und -tischen. Tief in der Zeitenschrunde, beim Wabeneis wartet, ein Atemkristall, dein unumstößliches Zeugnis. Paul Celan

Streicherlatein

Von | 16. Januar 2017

Am Frosch sitzt die Musik, sage ich dir, hier hockt die Wirk- lichkeit, der ganze Saustall (schon Mozart hatte so seine helle Freude). Da säuseln keine hoch- gespielten Theoreme: dicke Luft, Mutter- sprache, Naturgewalt. Bärenbändiger, Feuer- schlucker, einer wie Oistrach musst du sein, voll gegen die Wand. Alles andere bleibt Finger- food, Haute Cuisine ohne… Weiterlesen »

Stachelige Wesen und wie mit ihnen auszukommen ist

Von | 9. Dezember 2016

Den Himmel auszumachen ist manchmal gar nicht so einfach. Auch mit der Sonne hat es so seine Schwierigkeiten. Zur Überbrückung der lichtarmen Zeit zünden viele Menschen Kerzen an, manchen genügt auch die Strahlkraft einer herkömmlichen Sparlampe. Einige beginnen, Berge zu besteigen, auf deren Gipfeln sich selbst in dunkleren Zeiten die außergewöhnliche Lichtintensität des Himmels zeigt.… Weiterlesen »

Der Falter

Von | 1. Dezember 2016

landet im Wachsaal der Heilanstalt (weiß Gott ist jeder seine eigene Einflugschneise), Diagnose: verzettelte Einsamkeit. Der Sekundärarzt: Patient könnte infolge seiner Zartheit auch einer Blütenvergiftung erlegen oder täglicher Buchstabenbrei Auslöser für die Stimmen, das Wimmern, die Apathie sein, Ent- mündigung unweigerlich. Er beginnt, Pa-,Pa-,Pa-,Pa-,Pa- piertüten zu falten (in Gedanken entstehen durch Berg-, Tal- und Senkkniffe… Weiterlesen »

Waldstück

Von | 23. November 2016

Irgendwann hatte er aufgehört, die Hütte zu streichen. Sie begann mit dem Netzwerk der Spinnen zusammenzufallen. Im Bauch seiner Wandergitarre nisteten sich Vögel ein (die brüchige Geige: zu klein). Der neue Nachbar mähte und dachte sich seinen Teil. Kinderfeste und leuchtende Nächte waren lange vorbei – ihr Spiritus Rector ging zu früh schon zu weit.… Weiterlesen »

Das Vöglein

Von | 13. November 2016

Ein Vöglein lieb ich dessen Lieder Erst klingen wenn die Welt verstummt, Das, wenn die Lerche im Gefieder Längst schlummert, weiter singt und summt. Schon manchen langen Abend lauschte Ich seiner Stimme Lust und Leid, Mitunter war es als berauschte Sie sich am Duft der Dunkelheit. Einmal ging sie mit mir auf Reisen, Weit folgte… Weiterlesen »

Wir

Von | 7. November 2016

Beruhige dich doch! Du hast ja recht. Aber hör bitte auf mich deshalb so anzuschrei’n. Es mag nicht richtig sein wie wir dich behandeln. Aber es ist genauso wenig richtig deine Wut über all jene, die auf eine Weise mit dir sprechen die dir zuwider ist, gerade an mir auszulassen. Es stimmt, auch ich habe… Weiterlesen »

Selbstredend

Von | 25. Oktober 2016

Es ist schwer, sich nicht zu verfangen in Worten die nur zum Schein Laut geben, den Placebo-Affekt zu überstehen.   Nichts liegt näher als ihre Bedeutung von der Hand in den Mund oder gar für bare Münze zu nehmen.   So halten wir uns die Auflösungserscheinungen vom Leib, ersparen uns jenem, was unversprochen bleibt, entgegen,… Weiterlesen »