Mir gelingt seit dir nur noch mein Abgrund. Unser ständiges Ein- und Ausatmen. Als lebten wir uns. An den Fressalien der Gewöhnlichkeit vorbei. Eines Tages gelingt mir wieder ein ganzer Satz. Meine Nadelschau. Ständig von grünen Nadeln gespitzt. Hättst du dich sonst dem Wald anvertraut? Dem Meer. Da schwimmt vielleicht heute immer noch eine Restspermaerinnerung von euch beiden. Denkst du immer noch daran. Man wird sich nie verlieren. Es gibt Provokationen mit Stil. Was, klar, nur wenigen offensteht. Also, mach ne Familie oder ein schlechtes Bild. Einer, der es sich aufhängt, will vergessen. Der fühlt sich in seiner Soße schon lange nicht mehr wohl. Er glaubt sich damit zu verfärben. Es gelingt ihm aber nur noch sein Leben, wenn er Nitsch kennenlernt und mit ihm in die Glocke steigt: zum Verbluten, denkst du, nein, zum Anbluten, es läuft dir nämlich alles in den Mund, wenn du an den Füßen aufgehangen alles von dir einsaugst, was du nicht für möglich gehalten hast, was er, dein Körper, alles hergibt …
// wenn du gehst //
sag mir bescheid wenn du gehst
weck mich auf
lass mich wach sein
wenn du gehst
geh wohin du willst
doch lass mich wissen
wenn dein herz
mit dir von mir weggeht
tu was du willst
und was dir gut tut
zeig mir,
was dich glücklich macht
geh von mir weg
doch vergiss einen teil
von dir bei mir
solange du bei mir bist
hör zu …
würde es aufpropfen nennen, aber das, erklär ich dir später, weil der es auch ein wenig anders meint… und nun sitze ich hier am rande der neuen welt und freue mich, bald wieder in deiner nähe zu sein, auch wenn wir uns nach meiner rückkehr nicht sofort sehen werden… aber so ist das nun einmal bei schaffenden menschen; unser leben lebt und schwemmt uns regelmäßig davon, was hier in diesem land zu wenig an verstand ist, ist bei uns zuviel an demselben, hier ist die verblödung maßstab, dort die missgunst und gegenseitige erdrückung; die moral, die hier fehlt, ist bei uns auf falsche füße gestellt (zu wenig diesen königsberger gelesen und verstanden, aber das bleibt unter uns), jedenfalls bin ich froh, aus diesem fettleibigen und korrupten land herauszukommen… weisst du, rhode, was das schlimmste ist, was uns mit in die wiege gelegt worden ist: dass wir unserer gefühle nicht herr werden können und deshalb anderen immer wehtun müssen; wir können uns den schmerz nicht selber mitteilen und noch weniger mit ihm umgehen… so ist unsere sprache darauf ausgerichtet, die andern mit in unseren schmerz zu reissen – und wenn das nicht der fall ist, dann langweilen wir uns, wie wir uns eh langweilen, wenn wir andere sprechen hören – außer wir empfinden was für ihn…
Wojtek.
Du mochtest einen Menschen einfach so, wenn er eigentümlich in einem Satz fallen oder wegrauschen liess. Und nun sitz ich hier und muss dich in eine normale Sprache übersetzen. Wie Metaphern auskotzen. Du lachst. Aber begreifst du eigentlich, was mich das manchmal interessiert. Ich hasse dich. Dennoch spüre ich was. Denn du sprichst von etwas, was wir alle wollen: souverän seyn. Und unerwünscht. Warst du scheinbar auch immerzu. Du schäumst bodenlos tief um dich herum. Wie Schläge, die du verteilst, nur weil du – das behaupte ich jetzt einfach mal – da bist, neben einem stehst, deine Gesichtslektüre ist längst noch nicht abgeschlossen, das was Wojtek meinte war so was wie eine Religion. Nimm es dir zu Herzen, würd ich dir jetzt gerne zurufen, würdest du mich noch hören …
Gebrochenes.
Haste noch nen Karamellkaffee, schmeckt gar nicht mal so schlecht nach so ner Nacht. Weisst du, so wie ich jetzt schwätze, hast du damals an unseren Geburtstagen die ganze Nacht geschwätzt und mich und uns kaum zu Wort kommen lassen, mann, ging mir das auf den Piss: und jetzt bin ich es, der dir auf den Strahl geht … und weisst du was: es tut verdammt gut. Ich glaube, damals hat dir niemand widersprochen, weil er sich damit auf Glatteis begeben hätte … bei dir wusste man nie, was danach kommt, trotzdem sind wir immer wieder zu dir gekommen, die einen aus Mitleid, die anderen weil sie noch mehr Mitleid hatten … und darauf konnte man ja nicht immer vorbereitet oder gewappnet sein … du hast Unmögliches verlangt … ja, ich weiss, auch von dir hihi aber wenn man so drauf ist, dann ist es doch nichts Unmögliches, wenn man so besessen ist. – Ich glaub, mir wird schlecht.
Abschied
Manchmal regnet es Sterne. Dann wird die Haut der Welt so dünn wie ein Spinnenschleier. Tautropfen reifen bis ins Jüngste Gericht. (…) Wenn der Morgen anbricht im dämmrigen Bauch eines alten Koffers… Ist es einmal so weit, dann zögere nicht. Schnapp dir die Fidel mit dem Kinderwagen […] und schieb ihn weit hinaus ins Universum.
*
Woll’n wir durch den Himmel schwimmen? Lass uns abtauchen {…} so tief, dass wir auf die andere Seite gelangen. Fliegen ist langweilig – da muss man ständig aufpassen, dass man nicht abstürzt.
kleines gebet zum sonntag
lieber gott du
schaust
doch alles
eins und eins ist
entzwei
drum
schenk mir schnell
nen alten saab
immer genug
kernseife
einen dichtenden geliebten fürs innige einen ungewaschenen arbeiter fürs intime
einen verschrobenen aufschneider fürs künstlerische eine einäugige katze fürs zwiesprachliche eine runde welt fürs kindliche
eine blinkende madonna
für du weisst schon
ach gott
mit ordentlich gewetzten
messern
bitte
noch einen
koch
Reflexe
Lustvoll pulsierte es in den Nervenzellen. Professor Ruccola hatte das vierte Holzscheit in den Kamin geworfen. Sein Fuß, mit einem weißen SV-Socken überzogen, tat merkwürdig weh. Ein eingewachsener Zehennagel.
Frau Braut hatte ihm heute früh drei Hühneraugenpflaster aufgeklebt, die Rollos heruntergezogen, und Ruccola blieb für einen Moment im Sprechzimmer der Arztpraxis Bröderhals allein, während durch die Spalte der Jalousien ein Sonnenstrahl sein Auge traf, sobald er seinem Körper etwas Gewichtsverlagerung verschaffte und dabei den Kopf bewegte. Dr. Bröderhals hatte nur wenig Zeit für seinen Patienten, der mit nacktem und von Pflastern überklebtem Fuß in der Praxis saß. Kurz zog Luft durch die sich öffnende Sprechzimmertür. Sie wurde zugeklappt, und schon hatte der Arzt Ruccolas Fuß in die Höhe gerissen und darauf herumgetastet. Ruccola wollte einen Schmerzenslaut ausstoßen, beherrschte sich mühsam. „Ja, Herr Professor, ein Altersleiden. Tragen Sie bequemes Schuhwerk, schämen Sie sich nicht. Auch der große Philosoph Gartenbaum hatte Fußleiden. Zu seinen Vorlesungen hat er immer gekochte Kartoffeln in Scheiben geschnitten und in die Schuhe gelegt. Angeblich sorgen die für ein gesundes Fußmilieu. Heute haben wir zum Glück fortgeschrittene und weniger taktlose Behandlungsmethoden.” Damit ließ Dr. Bröderhals Ruccolas Fuß fahren und rollte zu seinem Schreibtisch herüber, um ein Rezept auszustellen. Frau Braut war wieder hereingekommen und hatte den Lichtschalter betätigt. Das Licht ergoss sich brummend und einschläfernd über die weißen Gerätschaften im Raum und das gewienerte Linoleum.
Ruccola erinnerte sich nicht an diese Szene, während sein Zehennagel schmerzte. Es ist ein Irrtum vieler Leser, wenn sie glauben, jede Überleitung in ein neues erzählerisches Fahrwasser habe etwas mit dem Denkhorizont der erfundenen Figur zu tun. Ruccolas Denkverhalten war über viele Jahrzehnte so einjustiert, dass sentimentale und momenthafte Erinnerungen keinerlei Macht über ihn gewannen. Die Fußsalbe wurde ordnungsgemäß von Frau Braut aufgetragen. Danach sortierte Ruccola, wie gewohnt, seine Unterlagen, setzte sich an den Schreibtisch und arbeitete. Aber er kam nur langsam voran, während die Sonne am Horizont weiter aufstieg und es geboten schien, die Vorhänge auseinanderzuziehen. Pflichtschuldig wie jeden Mittag erschien Frau Braut wieder auf der Schwelle, um dieser Vorschrift zu folgen. Die Uhr auf dem Kaminsims stand auf drei viertel zwölf.
Ichempfindlich.
Von dem Augenblick an, wo – so sagtest du damals – man keinem Menschen mehr begegnen will, hast du gewonnen. Dann nämlich setzt du alles darauf, Wege und Möglichkeiten des Auswegs zu suchen, die du dann auch finden wirst, weil du dein Hirn immer mehr anstrengst, weil es aus einem echt existenziellen Lustempfinden auf diese Lust, diese Ichempfindlichkeit, ausrichtet, ausbricht, ausflügelt, um die Richtung, stell dir vor: im Himmel, zu ändern und wie eine eigene Denkbewegung auf dich zukommen siehst, wie von Zukunft umsät, umsätzt, vernetzt, vielleicht ist Liebe das Berühren des Anderen im Selben. Der Spagat vom Einerseits ins Andererseits.
Reute geleen.
In deine Aura legt sich das Bedürfnis nach seltenen Wörtern. In deiner neuerfundenen Qual tropft dein Morgenauge noch ein einziges Mal auf mich. Ab da quellst du dich. An den Zäunen des Lichts vorbei. Das davongelogene Gras schraubt sich hoch. An einzelnen Stäben erinnert dich das Angelebte ans Entfesseln. Wir haben alles viel zu wenig berührt. Alles viel zu wenig verschlungen. Uns verschlungen. Deine sanfte Berührung beim Vorbeigehen musste ich erst mit der Zunge begreifen. Mir war selten nach Vernunft. Ein einziges Tröpfeln, ohne dass die Haut einufert, bricht in Gewalt aus.
im durcheinander der zeit
Im durcheinander der zeit
brachte uns die liebe
in verwirrung
– siehst du den anfang?
Sie löst sich auf, die zeit
um uns
nur abwarten hilft
auf was
– ahnst du warum?
Die zeit, verlorengegangen ist
das warum war das so
ein sehnen nach dem
anderen
mut sich fallen zu lassen
– findest du ihn ?
Der tisch ist gedeckt
Kurze Kulturgeschichte einiger Völker der Erde
Am Feuer versengten sie sich
Das Fell und lernten
Aus Fackeln Spieße, aus Steinen Messer zu
Machen; wie alle – die Erfindung
Der Jagdgeographie
Ließ sie Löwen, Wölfen & Elefanten
Ebenbürtig werden. Dann
Felder, Rausch & Flucht
Ins Offene, bis hinter den Horizont:
Erfindung des Jenseits
Aus der Sprache und dem Kuss.
Kreise & Quadrate, das Labyrinth: –
Aus den Wäldern in die Steppe
Und wieder zurück; ewige Erinnerungen -:
„Das Pferd furzt (laut). Die (Groß-)
Katze kotzt den Frühling.“ – „Das Schaf mäht die Aue ab.“ – Wie
Die alten Römer. Und alle scharf auf Cleopatra. Wie
Der Sonnenwagen den Himmel durch-
Pflügt und den nächtlichen
Acker der Sterne umwirft.
Und der Mond schwimmt am Grunde
Des Sees, geopferte
Sonnenscheibe.
Das Rad mit dem Dolch.
Mund mit Lippen.
Alle Finger sind gleich, außer zwei.
Die gehören zusammen
Wie Augen.
Ohren.
Alles fließt, alles ist eins.
Der Mensch & sein Kind,
Das Kind & sein Stern.
Aus den Kornaugen der Pferde
Kommt nichts als der Blick
Wenn sie alles Blend-
Werk zum Teufel jagen
Mit der Stimme im Nacken,
Zaumzeug all-der
Menschlichen Fahrzeuge,
Es war einmal die Sprache Zaum.
Adria
verlockendes Meer : Pleonasmus
welches Meer lockt nicht : den nordalpinen
Erdwürmern ist alles recht : Hauptsache
Süden : hier stürzt der Fels steil ins Wasser
der Wind dreht tags mit der Sonne : zärtliche
Wellen : im Schatten der Steine erwartet der Priester
den Knaben : das Ornat abgelegt für ein verdientes
Schläfchen : drückend ist dieser Mittag : bei Gott
ein bißchen Regen wäre ein Segen : vergeblich
gebetet : das Knistern der Palme verrät die Geduld
des Herrn : dieser Archipel grenzt an Italien
flaschenpost
ein 28. märz
liebste virginia. vor 80 jahren hast du geträumt. von der „immunität“. davon, fern von reibungen zu existieren. außerhalb der reichweite der pfeile zu sein; genug zum leben haben, ohne um schmeicheleien und erfolg zu buhlen. herrin deiner zeit sein.
9 jahre später warst du tot. bist in den fluss gestiegen. gründe gab es genug. gibt es immer. die welt ist aus den fugen. zu allen zeiten. und zu allen zeiten wagt es wer, trotzalledem, zu singen und zu bleiben.
Ich versprech dir.
Nur in deiner Freitagskunst bist du unerhört geblieben. Danach die ewige Wiederholung: in deinem Kopf stopft es sich von selbst. Also will dein Leben sich nicht mal ausfarben. Hast du Herzvergessen. Rhythmisches Nachtfluten. Hast du mich vergessen wollen. Dein Schweigen umdonnert mich. Nicht lange. Wir warn uns so nah: du der Schweiger nimmst mich an deine so geklebte Hand, nimmst mich mit in deine Genügsamkeit Ausbrechen in dein bald letztes Lächeln: über dich hinaus werd auch ich nie sterben, Paul, ich schrei schreib schnei dich ein, so wie wir uns immer Geschichten erzählen ohne je unsern Blick voneinander zu lassn / ich versprech dir, hinter deine Übermalung zu kriechen.
abgründ.ig
Pass auf, Klumpen, geh mir auf den vorübergehenden Sack oder entdeck dich. Aus dem Betrüben sticht wie ein Säuferfisch ein grosses Maul. Spricht eine hohle Blase, die ich dir überlasse. Mir sind da zu selten authentische Votzen über den Weg gelaufen. Weil ich selbst so war. Unwahr war. Aus meinen Ohren kriechen wollte bei jedem Wort, das ich sprach. Unterquartiert. Aus der weltweiten Sehnsucht hab ich nun den Abgrund gewonnen, der mich das Blaue des Himmels schmecken lässt. Ich werd noch im Scheitern blühn. Von Dorn zu Dorn sagen wir mal beim Rosen ein Tänzeln mir gestatten. Ich lass nichts mehr weg. Meine Ellipsen sind krumm genug gedreht. Um meinen Kopf herum. Das war verhimmelt genug. Du weisst, da oben steckt die Lüge (fest). Ich konnte mich von ihr mit einem Fuss, einer Herzklappe befrein. Ein Erleichtern. Wie auf das, was du sagst, scheissen (schreiben). Mich lächerlich machen, gelingt seitdem immer weniger. Lass mich wieder den Dung der Felder riechen. Danach orangenes Abrosen. Wieso müssen diese Dinger eigentlich immer mitten auf dem Tisch stehen?
Nerv gedrehe.
Wir waren mal so entlanggefegt, entlanggefegefeuert. Vielleicht nach den Aufmittagen verloren. Weisst du, was mit dir geschieht. Träumst du noch von deiner Affaire. Ich hätte mein Gelächter früher hören solln, viel früher. Jetzt gehen wir immer öfter ans Licht. Bei zugezogenem Vorhang, der das ganze Zimmer einsonnt, wenn sie mal an irgendeiner Wolke vorbeiblinzelt. Ich hab mein Mass verloren, von den allen geliebt zu werden. Ich will nur noch: nie wieder vergessen. Also hast du hin und wieder eine Herzklappe zwischen die Lippen genommen. Nachdem du überbetrunken am Feldrand aufgefunden wurdest, fandst du deine Sprache. Nie wieder. Das Gestammel vom sich Mitteilen. Sie war mit dir ausgelaufen. Ich will alles, hast du zu mir gesagt, einschränken, bis aufs Äusserste einschränken, alles, damit ich mich nicht auf deinem Nerv drehe.
Umkopft.
Ihm dein verliebtes Verlorenseyn gezeigt. Sanft anklingendes Vermächtnis. So schon dann. Mitten im Gespräch. Aufsaufen aus inspiriertem Gefühl, dass ich ihm seine längst verlorene Gelassenheit wie eine erlegne Wiedergeburt serviere. Umkopfter Mut, allein mein mich Verpflanzen in eine ungeahnte unbemannte Sprache, mein mich Verausgeben in deine mögliche Sekunde, auf die umvollendete Genugtuung des Überlesens des m schon wieder.
aus haut suchen …
Dann tut er wieder wie ein in sich kreisender Adalbert Stifter, mehr fiel mir für ihn nichts ein, als hätte er sich nicht zu verlieren. Wer sich nicht verlieren will, gehört nicht zu meiner Welt: 7 Bücher und das, was ich anhabe.
Wir vergöttern unsre Angst. Das ist mittlerweile aus uns geworden. Da wurden sie erfundn, um die Angst von uns zu nehmen. Da haben sie uns das Herz vergöttert. Deinen Stein trägst du mit dir umher. Verglaub dich. Und mach dich zum Untertan. Wenn’s wenigstens deine Entscheidung wäre. An jedem Tag. In jener Nacht. Aus dem Geborenwerden zuvor zu fliehn. Dem dir dann die Haut suchen. Unter dem Baum hast du gelegen.
ohne titel
BEGEGNUNG
BEGEGNUNG:
und?
muss!
weiter.
german boy
alles was ich fühle ist vorbei die nachgedunkelte nacht ein rückwärtstastender pinselschlag am hellsten das gute und das böse inkarnat blindlings auf augenbetäubende kraftlackerln die krumme trinkerin oh judenbraut in der kopfmaschine der grosse schöne magische mensch monstranzenbraun frisst seine bilder nichts als die glorie zur bleiche
ohne …
ohne am Mund im Grunde am Grabe also nach aussen auf deinen Mond zu landen mit allen blumenverblickten gestickten Einsaamkeiten, dachtest du, als du mich scheinbar retten wolltest mit deinem erotischen Blick durchs Dach wie zu Himmels Zeiten nach unseren oder vielmehr deinen Absätzen, lila Velour, wie seine Sinne verliern, die wir uns ins Gesicht gemalt haben … hörst du dann auch die schwarzen Glocken?
wie sich dein leben.
Als ich damals fortging, klopfte ich ein letztes Mal auf deine heruntergelassene Rolllade. Die oberen Lamellen waren leicht geöffnet, damit der Nächte klare Luft auf dich segelt. Morgens mit weisser Haut erwacht. Dein letztes Gesicht – will sich auch mir nicht mehr einfädeln. Ohnverbündet. In der Nähe seines Ansichseyns. Wort für Wort aus seinem Abgrund gezerrt. Wie verkehlter Leichtsinn, wenn du oben ankommst. Und über den Boden kriechst. Als wär’s dein Zuhause. Wie in die Möse einer Schlampe. Danach, jetzt von aussen, ohne erschüttert oder verwirrt zu sein, die Erkenntnis missa solemnis grandioses Worteverschlingen mitten im Satz, eher Ausatmen … die Fremde in meiner Stimme … es findet das Leben sich mit einem Abdröhnen, eigentlich immer dasselbe, zurecht.
Erwartung
Auf zwei Etagen bewegte ich mich am Nachmittag, Schatten suchend, während die Sonne Fußböden und Teppiche mit blauen Mustern in Streifen zu zerteilen begann. Draußen Moos, das grün, anstelle des Rasens, in Sichtweite wuchs. In den Bäumen hockten Ehepaare, mit der gegenseitigen Gefiederpflege beschäftigt. Hier, hinter dem Vorhang, setzte ich mich. Nachmittag in blau, könnte er mir nur Zeit lassen. Die Zimmer der ersten Etage zielten in gerader Linie auf einen Punkt am Ende des Korridors, der durch ein weiß verhängtes Fenster markiert war. All diese Zimmer sollten zu später Stunde Aufenthaltsort für zahlreiche extreme Naturen sein, die ich entweder liebte, oder die mir verschlossen und fremd blieben. Ich lud sie ein, da man allerorts ihre klangvollen Namen nannte. Ich war blass, trotz der Hitze um mich herum. Und der Feind der Erkenntnis ist die Indolenz. Erwartungen blieben selten und flüchtig. Meine erste Begegnung mit Eduard und Vyvyan geschah hingegen so unerwartet, dass ich sie für eine Szene in einem Traum hielt, die bei dem Versuch, sie zu erfassen, bleicher und bleicher wird. Sie nahm jedoch Gestalt an. Denn sie hatte eine Stimme. Das Haus mit den vielen Ecken voll fächerartiger Geschichten hatte Bewohner bekommen.
VOLKSLIED
– wenn wir schreiten –
Was wenn wir und streiten
bitte mehr
lass uns streiten seit an seit
dann kommen wir zusammen
wie wir zusammen kämpfen
wie wir uns auseinander setzen
wie wir verhältnisse
gemeinsam nicht aushalten
und zusammen andere
gestalten
So können wir
du mich
ich dich
uns
alles!
Herzflimmern
Es wird langsam dunkel
in meinem herzen nicht
ach wie ist das schön
Wie es tapfer schlägt
und eine kerze angezündet
die brennt, ein ewig licht
Immer immer wieder
nicht allein
für Dich
laut lachen
den geist gestört
den atem getanzt
die abfälligkeiten des alltags
munter verputzt
der eine liegt im gras
und träumt vom mond
der andre wohnt im mond
und träumt vom gras
der eine hört den takt
der andere macht sich darauf
einen reim
unhörbar
Laut sprechen
Sie läuft hinunter zu der kleinen betonierten Promenade. Ja, alles war wie immer. Und schon von weitem sieht sie ihn. Den Kapitän. Wie immer ist er ganz allein. Der wunderliche Mann, der jeden Morgen dort am Meer steht und die Sonne preist. Und sollte die einmal nicht scheinen, dann würde es der Himmel sein, den er so lautstark lobt, für all das zauberhafte Grau. Breit ist der Mann und kurz. Wie ein Stempel. Kein einzig Haar auf seinem Kopf. Und immer im Sakko. Ein Stempel im Sakko. Geht am Ufer entlang und deklamiert. Verse Worte Wunderfetzen. In einer Sprache, die ihr fremd ist. Geht Runde um Runde. Die eine Hand, die auf dem Rücken ruht, die gibt ihm Halt und Form, die andere gestikuliert, als gälte es die Fliegen fernzuhalten. So spricht er laut und läuft. Stempelt Kreise in den Sand. Manchmal bleibt er stehn und schweigt. Streicht sich über die Glatze. Betrachtet die eigene Spur.
Laut singen
Eine Melodie kreist in seinem Kopf. Sie entsteht aus dem Rhythmus des Atems, während er durch die Stadt läuft. Sie kommt nicht von ihm und nicht aus dem Nichts. Vielleicht von dort, wo sich ohne sein Zutun Honig in Sehnsucht verwandelt, die Sehnsucht in Bewegungen der Füße. Vom Boden unter seinen Füßen, den er nicht sieht. Eine kleine Melodie, Anfang und Ende passen genau ineinander, das treibt ihn vorwärts. Als er sie halblaut zu singen beginnt, blicken sich die Leute nach ihm um. Wahrscheinlich rufen sie bald die Polizei oder den Rettungswagen. Er könnte jemanden verprügeln oder um sein Vermögen bringen, er könnte im Frauenkleidern herumlaufen oder bewaffnet und in Uniform. Alles kein Problem. Aber laut singen?
Niemand kommt und verhaftet ihn.
lücke
unser argwohn
wurde lautlos
überholt
für einen moment
gleitet das stetige
wachstum ohne unsere
hektischen blicke
voran
unbeachtet von uns
während wir ängstlich
unser gefieder ordneten
erschien etwas neues
still und gewaltig
das kind das mich anblickt
hat keinen namen