Bewußtseinspreziosen
voller Herz
in Fabeln;
nacherzählend
vom Tränenflug
im Rätselspruch
El año de los niños sagrados
In der Grundschule, die ich heute im Rahmen einer Veranstaltung besuchte, hingen selbstbemalte Pappen aus. Die Sechs-bis Zehnjährigen, die sie erstellt hatten, besaßen offensichtlich ein ausgeprägtes Gespür für den ihren Alltag beherrschenden Zeitgeist und seine massenmedialen Abgesandten.
Mir wurde ein wenig kulturrevolutionär zumute, als ich die Kunstwerke näher zu betrachten begann und erahnte, was sie wohl gesellschaftspolitisch Bedeutsames zu verraten schienen.
Da war es, ein eher seltenes Gefühl, das sich in der oberen Magengegend einstellt, wenn einer Person bewußt wird, dass gerade etwas Wichtiges bezeugt wird, etwas, das prägend ist und die Wahrheiten jener Zeiten für immer tief in ihre Seele brennt.
Das Bonmot, die Revolution fresse ihre Kinder im Sinn, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Diese Grundschulkünstler: die Revolution, ich: ihre Kinder. Was ihre Plakate implizierten, war deutlich. Das neue Gebot: Fahrräder (grüner Haken). Die Verbote: Fleisch, Käse, Autos, Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und dass Schlangen Plastik fressen.
Soweit, so radikal. Als ich jung war, kamen mir Gleichaltrige oft zu unpolitisch vor, zu konsumgeil und zu gemein.
Doch in den Hinterlassenschaften der hiesigen demographischen Repräsentanten schwelte offensichtlich noch etwas weitaus Düstereres – Angepasstheit, gepaart mit gleichgeschaltetem Eifer. War es eine junge Lehrerin vom Bund deutscher Meisenliebhabex, die das Feuer entfacht hatte? Oder vielleicht ein Geschwisterkind in der Hipsterjugend? Ihre glutenbefreiten, veganen Mütter? Schwer zu sagen. Der fanatische Eindruck bekommt jedenfalls ein identitär-religiöses Göring-Eckhardt-Moment: „Wir gehen auf die Straße und sagen: Bitte Klima! Verzeih uns doch!“
Ich muss einschieben, ich bin keiner von den „eigentlich bin ich ja keiner von denen“-Typen.
Wenn also die forenflutenden Rechtspopulisten, diese saublöden Arschlöcher, mit Stichworten wie „Klimareligion“ polemisieren, dann triggert das nicht, oder würde mich das mit Wut im Herzen unterschreiben lassen. Aber dieser Begriff kam mir nun tatsächlich in den Sinn.
Ist da vielleicht etwas Messianisches im Gange? Mit Greta existiert immerhin eine Prophetin, inklusive Autismus – anstelle der klassischen Epilepsie – als modernes „Gott-nah-sein“, die das Wasser überquert hat, dazu die Verklärung einer, von den Anhängern als Dogma anerkannten, jedoch kaum en detail nachvollziehbaren Wissenschaft und, last but not least, die Hinwendung zu einer inquisitorischen Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche mittels der reinen Lehre. Den neuen Kinderkreuzzug nicht zu vergessen.
Ich lebe in einem Bezirk, in dem die Grünen die absolute Mehrheit errungen haben und bin insofern einiges gewohnt. Gerade gestern habe ich etwa erfahren, dass die umgebenden Straßen für Durchgangsverkehr gesperrt werden und auf allen größeren Straßen Tempo 30 herrschen soll, an Wochenenden allerdings Tempo 0, da dort dann Spielstraßen auf eimsbüttler Biomütter mit ihren kleinen Emils und Lenas im Schlepptau warten. Wie Schwerter zu Pflugscharen, werden Nebenstraßen nach und nach zu Sackgassen umgewidmet. Und jedes neugebaute Haus muss nun eine Solaranlage vorweisen, sonst wird der Zutritt zur schönen, neuen grünen Wohnwelt von bauamtlichen Hohepriestern verwehrt.
Was mir sauer aufstößt, was mich wirklich nachdenklich macht, ist, dass die ursprüngliche Verzweiflung „todkrank ist dein Weltenerbe!“ sich in Wahn verwandeln kann „und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, dass sich ein Mitläufertum, das den Totalitarismus begünstigt, herausbildet und Antistagnativ-Anarchisches in Kindern mithilfe frömmelnder Zombies (Mangelerscheinungen) früh, allzu früh erstickt.
Selbst wenn mit den Grundlagen und Zielen hunderprozentig übereingestimmt wird, wenn also die Differenzen nur den Stil betreffen würden, so ist es doch dieser Stil, der am Ende die Gesellschaft nicht nur umweltpolitisch, sondern gesamtheitlich – eben auch und gerade – verhaltensoktroyierend transformiert.
Die schwarze Pädagogik, hat sie sich ein grünes Fell übergezogen, lauert der Ökofaschismus tatsächlich hinter der nächsten Fahrradstraße?
Das sicher nicht, nur ein Aufmarsch der grünen Garden.
[Ich hatte Zweifel, diese Polemik zu schreiben, habe mich aber aus gegenwartsgeschichtlichen Gründen dafür entschieden. Und aus Gründen der Selbstkritik.]
*Polarstern
Heute schreiben wir
Freitag, den zwan
zig sten
septembre
anno domini 2019,
Festtag der Geometrie:
(Konstruktion)
Vom Nabel des Himmels
ziehe man eine Gerade
hierher,
wo es am kältesten ist –
Der Begriff ist ein
Gott in Bewegung.
Man warte.
Messe.
Bete oder nicht.
Atme! Ein und aus,
„wie es sich gehört.“
Man baue eine Welt
a priori
und warte, warte
auf die richtige
(passende)
Wahrnehmung:
Festakt des Denkens –
politische Natur.
Heute laufen wir aus, ein, aus – –
und die Erde rotiert.
Der Mond ist ein Schaf
in Elysium, der Begriff
ein Gott, ein Fühl en
Hum.b*UG
– Was man nicht alles gelesen haben muss, um dazu-zu-gehören
– Die Regeln der Kommasetzung, Getrenntzusammen- und Kleinschreibung, bes. nicht am Anf.
– Die Zeichensetzung als Beispiel für das Verfahren der Setzung, zus. die Fristenregelungen im Wid.falle
– Die Gebührenordn.
– Manches andere, der Allseitigkeit wegen
– Plusminusmalgeteilt und den Dreisatzansatz
– Wie man Dinge richtig auswändiglernt
– Anstelle des Sütterlins eine liberale Schönschrift
– Kurvendiskussion als kreatives Minimum für den rationalen Diskurs
– Eine Fremdsprache eigener Wahl außer Russisch, Türkisch, Arabisch oder Chinesisch
– Bedingungslosen Respekt vor der Oberprima
– Heidelbeerwein
– Bugwellen in den Stoßzeiten, immer mehr in immer kürzerer Zeit
– Die Kunst der Atteste
– Die Kunst, eine angefangene Seite vollzuschreiben
– Die Fähigkeit, Neukonkurrenten rechtzeitig zu beklatschen (auszulachen)
– Die Fähigkeit, sich auf die eigenen Fähigkeiten nicht zu wenig einzubilden
– Die Kunst der Konversation
– Dreimal die Kunst im Namen der Wissenschaft
– Das Einjährigenfreiwilligenzeugnis samt der Stiefel
– Respekt vor dem Kaiser auch nach seiner Abdankung
– Und optional Kenntnis von den Zustimmungswerten bei den Volksentscheiden über die Landesverfassung 1946 in Hessen und Sachsen oder über das Gesamtgewicht der 1947 über der alten Hauptstadt abgeworfenen Rosinenbeutel
– Fähigkeit zu beweisen, dass das alte Neue und das neue Alte zwei sind und dass Einheit von Odin-Otschestwo stammt
Endlich Strammeln
Frühmorgens kommt der Stinkefuß
Verpaßt mir einen Hinkekuß
Es trillerpfeift ein kleines Maul
„Papa : lieg nicht rum so faul“
Ob tot : ob foht oder lebendig sind sie
Meine Kinder : Mara : Ulf & Thomas
Wenn sie sich um mich versammeln
„Papa : hör jetzt auf zu gammeln“
Spätabends wenn ich fallend lalle
geil & giftig : Galle genschelnd
Stoltern durch die Klingklanghalle
Wo die Kinder stehn & stammeln
„Papa : laß uns endlich strammeln“
Für August, Mara, Ulf & Thomas
Das Rohr Gulli-Mullahs (Yrann ohne Enn)
6
Des Nasenberges Höhlenraum
Saugt bis ans Zwerchfell
Die Düfte Rasins ein,
Meeresluft.
Ich, in Bewegung.
Winde, Prüfungen
^
für (drei gedichte, gewidmet)
für Jürgen Becker
und
es ist ein gröbkörniger tag
wie sand kies moränen im blick auf den einen schatten
der lange still steht und sich dann
plötzlich bewegt
ums haus
über die straße vor dem haus
bis er weitergeht
in eine andere fotografie
[die im abend verschwimmt
mit deinem eigenen leben]
auf der du keinen mehr kennst
.
für Nicolas Born
unterwegs die häuser alle hatten weiße fenster
gelbe drehkreuze in den scharnieren
eine rote zeichnung unter dem neuen lack
schaut piwitt aus rom herunter auf die straße
ich beobachte die radfahrer mit ihren gefetteten ketten
wie sie am flussufer gegen die strömung fahren
talwärts ziehenden lastkähnen entgegen
beladen mit schwermut die einen
die anderen mit leichtem licht aus den bergen
lang fallen die schatten der lenker und räder
hinaus auf die treibende flut
ich gedenke dem wasser
der stadt
.
für Pier Paolo Pasolini
die zeichnung auf dem käferflügel wies scharfe konturen auf
filmschnitte im grauen chinin
marschierten junge faschisten durch ein drehbuch pasolinis
er schrieb es in erinnerung an ein treffen in weimar
später am strand von ostia
die stelle ist bekannt
fehlte ihm die zeit für ein letztes gebet
[verschwamm im abendhimmel
graues chinin]
Riemenfischgedicht
was stört
kann weg
und wenn’s
die
letzte
Zeile
ist.
4takt-Motor
Sonntage sind zum Sonnen, so
wie Renntage zum Rennen
sind.
Renntage sind zum Sonnen, so
wie Sonntage zum
Rennen sind.
matrix: eine diktatur
blaskapelle gehirn:
austritt(s) – und eintrittselemente: durchzug. ungelenkig, (immer morgens; im schlafanzug), kommt (mich) (das) an. danach: fließend. wartend. (und immer diese ungeduld beim essen). der geist ist unruhig, aber das fleisch muss
wir sind alle
gebaut nach einem
programm:
und die programm-
gestaltung
lässt uns. nachgehen.
(aber mit diesem gehirn)
Kritik und Paraphrase : Hermann Hesses Stilpunkseminare
Stierkampf muss weg!
In der pädagogischen Provinz blüht der Rost auf den Klingen. Entelechie wird Lebenslauf, die Gestirne
Featuring : M. Ju. Lermontov : Das kleine und das große Glück („Ein Segel“)
Es blinkt ein weißes Segel, leer
Im bläulich-grauen Nebelstück!..
Was sucht es draußen auf dem Meer?
Was ließ es hinter sich zurück?..
Es knallt der Wind mit voller Wucht
Ins Tuch, bis dass der Baum sich biegt…
Uf! Glück ist’s nicht, wonach es sucht,
Und Unglück nicht, wovor es flieht!
Darunter – himmelblauer Strom,
Darüber – Spiegelglanz des Meers…
Und es, das Wilde, fleht um Sturm,
Als ob darinnen Ruhe wär‘!
Berliner Ballhaus
Das also ist Berlin : ein Hinterhof
Berliner Ballhaus : schwarz
Biergarten : innen verwirbelt
Farbig : alle Kontinente tanzen
Hier : außer Australien
Skepsis weicht der Sepsis
Lächeln weicht dem Schwächeln
Schnelle Schritte : fitte Mitte
Zehweh dreht ums Viehknie
Der Drink ist ein Wink : link
Morgens um drei sind wir dabei
Warten : warten : bis die Flieger starten
New York : Helsinki : Shanghai
Preußen : Sachsen : Walachei
Das Leben : halb vorbei
Clemens Brentano Förderpreis
Die Stadt Heidelberg schreibt in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg auch in diesem Jahr wieder den mit 10.000.- Euro dotierten Clemens Brentano Förderpreis für Literatur aus. Er wird 2020 in der Sparte „Lyrik“ vergeben. Prämiert werden Autorinnen und Autoren, die bisher nicht mehr als zwei literarische Publikationenin deutscher Sprache veröffentlicht haben; das einzureichende Werk kann somit die erste, zweite oder dritte literarische Publikation darstellen. Das Veröffentlichungsjahr des in Frage kommenden Textes muss 2018 oder 2019 sein.
Texte, die für den Clemens Brentano Förderpreis geeignet sind, als Pdf-Dokument und als Buch in drei Exemplaren bis spätestens 12. August 2019 an folgende Adresse einzusenden:
Per E-Mail: brentano@gs.uni-heidelberg.de
Postalisch: Prof. Dr. Michaela Kopp-Marx
Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
Hauptstr. 207-209
69117 Heidelberg
wolkenschnee
dort wo ich
deinen raum betrete
in einer sprache
die aus den augen fällt
sozusagen ein liebesschweigen
genau dahin
möchte ich
wie ein morgengedicht
das den tau
auf den lippen trocknet
und die stürme
des vergangenen sommers
im verriegelten raum
meiner kindheit
schläft noch die einäugige puppe
zeichnet die nacht
eisblumen ans fenster
schon damals träumte ich
vom leben vor dem tod
Ingenieure der Seele
Manchen Metaphern sieht man ihr Innerstes unmittelbar an: Metatheorien subatomarer Gespinste, der Geist von Hamlets Vater tritt auf. Der Geist befiehlt dem Willen, der Wille befiehlt dem Körper. Wenn es dann so richtig heimelig geworden ist in der Arena, vielleicht ein Sonnenuntergang oder der Aufgang eines neuen Sterns, schauen alle in die gleiche Richtung: Soll das etwa Ausdruck der Algorithmen des Herzens sein?
pomeriggio
schläfrig
liegen die katzen im hausschatten
vom vergangenen jahr
vater hatte vergessen
den hof zu kehren
Im Grunewald : im Grunewald
Im Grunewald : im Grunewald
Ist das noch in Berlin
Fachwerk reiht an Villen sich
Der Verkehr ebbt hin
Die Bankiers sind ausgebombt
Die Enkel trinken Bier
Im Grunewald : im Grunewald
Bist du jetzt und hier
Im Grunewald : im Grunewald
Streift der Fuchs die Gassen
Beschnuppert Autos : durchquert Zäune
Hetzen : Jagen kann er lassen
Im Garten namens „Besser Essen“ wird
Wenn er kommt : die Futtertonne beben
Im Grunewald : im Grunewald
Streift er durchs Dorfstadtleben
Featuring : A. N. Whitehead : Prozess und Realität
O NOUS GAR EMOON O THEOS
*
Jede Wissenschaft muss sich ihr Instrumentarium selbst ersinnen.
* *
Das Hilfsmittel, mit dem die Philosophie arbeitet, ist die Sprache.
* * *
So gestaltet die Philosophie in derselben Weise Sprache neu, wie in den Naturwissenschaften vorgegebene Anwendungsmöglichkeiten neu gestaltet werden.
* *
Genau an diesem Punkt wird die Berufung auf Tatsachen zu einer schwierigen Angelegenheit.
*
Damit beruft man sich nicht allein auf die Darstellung der Tatsachen in geläufigen Redewendungen.
* *
Gerade die Adäquanz solcher Formulierungen stellt hierbei das wichtigste Problem dar.
* * *
Natürlich ist die allgemeine Übereinstimmung der Menschheit hinsichtlich erfahrener Tatsachen am besten sprachlich vermittelbar.
* *
Aber die Sprache der Literatur scheitert genau an der Aufgabe, den allgemeinen Prinzipien in expliziter Form zum Ausdruck zu verhelfen
*
– genau den Prinzipien, deren Formulierung die Metaphysik anstrebt.
Ein Text wie
wenn ein Raumschiff startet. Erst ist da ein Feuerkreis, tanzende Kontur, in deren blaudunklem Rot sich undeutlich schwarze Schlieren abzeichnen. Tausende von Dingen, alle gleich, alle anders, in einem Strudel permanenten Nachdunkelns eingeschlossen. Dieser Text erzeugt ein Geräusch wie ein Fieber, das einem heiß aus den Ohren tritt. Inmitten dieser andauernden Explosion sind die Familien der Dinge erkennbar, aus denen wir gemacht sind, die uns immer wieder füllen, bis sie uns einmal ganz ausgefüllt haben werden. Dieser zukünftige Zustand bleibt irreal, ist nur als Verheißung erkennbar. Da wird nichts sein, kein Blatt, kein Stein, kein Stückchen Erde, das nicht von der dinglichen Fülle überquellen würde, das nicht ein Gedanke, ein Schatten wäre in sich. Das Dunkel all dieser Dinge aber sehnt sich nach Licht. Undeutlich sind die Konturen erkennbar, hier eine und dort eine, wie sie sich schemenhaft geometrisch aus einem schwarzweißen Hintergrund herausheben, wie sie versuchen zur Ruhe zu kommen, um einen klar erfassbaren Gegenstand zu bilden und wie sie immer wieder vom Fieber erfasst werden, das den Strudel der Dinge in einem einzigen Wünschen zu entbergen vermag. Plötzlich fällt dieser strudelnde Trichter von Text in sich zusammen, in der einst dampfenden Badewanne steht noch weiß seine spektrale Gestalt von Licht und Wärme, alles Wasser hat die Arena verlassen, nur Schaum, Reste von Schaum bedecken den glatten Boden.
Wie im Nebel heben sich aus dem schäumenden Grund satzartige Gebilde heraus,
Gesichter verhaltener Worte und Worte verhaltener Wünsche,
Ereignisse einer großen Bewegung –
seelisches Kondensat.
bauhaus
fallen in die straßen kinder
blaue augen braune
kohlenstaub
wachsen aus den gärten
glas beton un vent
les vents reviennent aux soleils
svetlana
[warten auf den winter deine hände]
In alte Wunden
taucht die Morgensonne,
so rot steht sie am Horizont.
Aus Fenstern kriecht das Schweigen.
Wenn du sprichst,
rollen sich die Worte zu Steinen,
die sich mittags erhitzen
und glühend in die Sonne schreien.
Doch jetzt liegen sie kalt
zu meinen Füßen,
hinterlassen Abdrücke
vernarbter Träume.
Auf der Rückseite
spüre ich noch Jahre später
die Kerben von einst.
Aus deinem Mund
fällt Schnee.
Deine Stimme ein fremder Wald
ohne Rehe.
Immer den Schneisen nach
gehst du
zum Ausweg,
auf dem das Mondlicht liegt
und manchmal ein See
am Ende der Böschung.
Nach Harz riecht der Atem des Dunkels.
Bäume zittern Schatten
unter die Haut,
und ihre Nadeln
weisen nach Norden
wie du.
wie leicht es ist
wenn die stimme
bis in die wunde
deiner seele trifft
und wie leicht ist es
beflügelt zu sein
von den lippen
die sie formen
natürlich
könnte ich dir
aus liebe
ein gedicht schreiben
und dich und mich
in einen vers pressen
und sagen
das wäre unser glück
so gemeinsam auf einem blatt
verewigt
natürlich sagst du
könntest du das
Parque De Las Memorias
für Bernardo Serrano Velarde, 1949-2016
ich kam nicht bis Cochabamba
noch nie über das meer
an seine andere seite
nicht über den äquator zu anderen sternbildern
inti heißt dort die sonne
irgendwo im dschungel in einem dorf
haben sie den Che erschossen
vielleicht hörtet ihr denselben wind
dieselben stimmen aus der rinde des quebrachobaumes
die euch warnten weiter zu gehen
du erzähltest mir einmal von der reise der schwäne
sicher sind es singschwäne
ich höre die melodie auf einer knochenflöte
den pullover aus alpakawolle gibt es nicht mehr
irgendwann trug ihn noch meine frau
vientos y rosas nanntest du deine poeme
ich hatte sogar angefangen spanisch zu lernen
einmal im leben wollte ich nach Cochabamba
nach La Paz vielleicht ein stück weit auf den illimani
und um den see
mit einem schilfboot übersetzen in das andere land
aus dem panzer eines gürteltiers weht ein lied herüber
bis in den friedwald nach Cochabamba
du liebtest lieder auf guitarren und trompeten
solche von der mexikanischen art
morgen gleich in der früh
werde ich winde und rosen lesen
die zeit ist die antwort






