Hinterm Joy c’etick

Gururummeln die! Karabanausen Iren maymaybelosen Ovvaheddgigg, Underkilltmich in Weitahwahtahweh.

(Hinsetzung folgte demweitest … wehnn

rosen im badezimmer

es gab

und es gibt nicht mehr

einen strauss roter rosen

im badezimmer

 

das wasser ist abgekühlt

die kerzen herabgebrannt

 

ich öffne das fenster

frischer wind soll die rosen

heraus und wind herein pusten

 

dich soll er bringen

und mir in den schoss legen

 

ich werde dir den kopf kraulen

und mich nicht wehren

gegen das auftauchen

aus der vergangenheit

 

Credo

Im Innern der Berge drehen sich Erzadern
zu unwahrscheinlichen Sonnen, die ihre Bestimmung
erst nach Öffnung des Raumes erfahren werden.

Ich wollte immer auffliegen wie ein Vogel aus der Schlucht; nun lebe ich außen im Kristall. Aber nun geben Sie mir bitte den Weg frei, ich schwinge wieder – ich war so müde – auf Flügeln geht dieser Gang – mit meinem blauen Anemonenschwert – in Mittagsturz des Lichts – in Trümmern des Südens – in zerfallendem Gewölk – Zerstäubungen der Stirne – Entschweifungen der Schläfe.

(Rosch : Featuring : Benn : Gehirne : Auszüge)

für Volker S.

Das Rauschen im Ohr des Sprechenden –
Eine Tonspur
Im Schnee; die Worte
Wohnen im Gedächtnis,
Ankerplätze mitten im Ozean,
Wo alle Wellen zerbersten.
Zerbersten. Der Wind
Hat dazu keine Meinung,
Die Muschel verlangt nach Lippen

Einsamkeiten I


Auf dem Rücken einer lauen Sehnsucht
gen Himmel steigen
und nicht mehr sein wollen
als eine flüchtige Kontur
in jenem klaren Einfaltsblau

Dann, auf den Wolken,
mit dem Ballett des kleinen Horizonts
eine traurige Polonaise tanzen

Schlafsucht

Ein Mann ging die Straße vor meinem Fenster auf und ab. Er sah aus wie Bryan, aber ich hörte ihn rufen: Laß die Finger von mir, ich bin infiziert. Ich bin Konrad Schmett …  Grell schien die Märzsonne ins Zimmer, geblendet hob ich die Hand. Schwach von den Medikamenten, mit denen sie mich vollgepumpt hatten, war ich nur fähig, den Kopf zu heben.

Der Hörer lag schwer auf der Gabel. Ich nahm ihn ab, wählte … niemand meldete sich. Draußen schneite es. Ich zog die Vorhänge zu. Flüchtig glitten sie mir durch die Hände. Ich öffnete sie wieder. Bryan lag auf dem Bett, auffallend hager. Sein Haar stach dunkel von der blassen Haut ab. Etwas kroch über das Parkett, träge und zäh. Ich hob den schwarzen Mantel vom Boden auf, zog ihn an und legte mich wieder ins Bett.

Später, im Badezimmer, drehte ich das Wasser an. Als ich nach der Seife greifen wollte, löste diese sich vor meinen Augen auf. Ich nahm ein frisches Stück aus dem Schrank, hängte auch gleich ein sauberes Handtuch an den Handtuchhalter. Dann seifte ich mir wie gewohnt die Hände ein, spülte sie mit heißem Wasser ab. Schließlich knipste ich die Deckenbeleuchtung aus und schloß die Tür.

Tags verpaßte ich die Straßenbahn und ging zu Fuß nach Hause. Auf halbem Weg hielt ich ein Taxi an, das plötzlich aus dem Schneegestöber auftauchte, stieg ein und ließ mich auf den Rücksitz plumpsen.

Auferstanden

Nicht aus der Asche, suche ich _ Flügel

Nach den Ruinen / diesem Ort

Da es noch ist wie es ist…

Die Sender senden ihre Sendungen

Bewegungsdifferenz von Energiebilanzen

Offenheit des Meers

Eingeschlossen im Eis bleiben
Zwei zwei, Drei viele und
Alle Weiteren nur
Phantasien
Im Hochseilzirkus der Objekte

Ohne Netz und doppelten Boden
Turnen sich die Gedanken
Von gestern nach heute
Hier zu den Sternen,
Dazwischen
Nichts als Schwärze und Traum

überall sein lächeln

die prinzessinnenwohnung ist leer.

Sie, die Prinzessin, hat die Erbse

auf das Fensterbrett gelegt.

Ein Vogel

pickt sie auf.

Verliert sie im Flug.

Lückenbüßer

in der partiellen

sonnen

finsternis

eine platonische

nacht

schonkost, schonungslose

tauwettererotik

skurrile gesichter

kreuzen einander

herzkönig sticht

pikdame

ein ausgeklügeltes system

von blutstürzen

amputation einer

beherrschten frau.

Du willst : es ist

In diesem frühjahr ist das holz vermoost : die flüsse
Sind gestiegen : wie dieses feld
Noch grünen kann : ein kalter sumpf
Zieht sich am gleis entlang : die schwellen
Modern : daß ich friere
Ein kalter hauch hat mich gestreift : sag
Was du willst : es ist nicht
Zu verstehen : was hält uns
Noch : wir sind nur reif
Zu fallen : ich bin nicht frei
& du bist ungebunden : bindest
Dich nicht & mich nicht & hältst mich
Für gebunden : denn meine freiheit
Hängt von andren (kindern) ab : wie grün
Wir sind : in diesem frühjahr
Setzt das moos uns zu : hölzern
Sind wir unbeschnitzt : wir biegen uns
Im kalten sumpf : wir lieben das erstarren

Hey Roy,

Die Worte tropfen auf den Asphalt

Als hätte jemand seinen Senf dazu gegeben,

Die Blätter rauschen ihren Sound

Als wär‘ der Wind der Wind ein echtes Baumblätterleben,

Die Wolken wollen heute hoch hinaus

Und ich kann sie wohl verstehen,

Ich sitze hier ruhig unterm Baum

Und versuch‘ einfach ‚mal nich‘ hinzusehen –

Hey Roy, noch zwei Umdrehungen

Und der ganze Mist fängt wieder ganz von vorne an,

Die grünen Blätter werden gelb

Damit man sich schon ‚mal aufs Rot freuen kann,

Und nach dem Rot nicht mehr lange

Kommt auch schon bald der Weihnachtsmann,

Hey Roy,

Hey Roy,

Lass‘ uns einfach ‚mal ruhig bleiben dann

Immerhin kommt auch ohne uns bald der Weihnachtsmann,

Hey Roy, hey Roy,

Hey Roy, hey Roy…

Wenn ich ’ne Wolke wär‘, ich würd’s auch nich‘ anders machen,

Ich würd‘ frech überm Pflaumenbaum hängen und später drüber lachen,

Und nach’m siebten Kind würd‘ ich sagen: So das wär’s –

Alte Hippe, Mary-Lou, such dir

Such dir jetzt so langsam mal wieder so’ne Krippe,

Haben die heute auch so Klappen mit Henkeln dran,

Machste einfach so auf & wieder zu

Und das war’s dann,

Hey Roy, hey Roy

Lass uns einfach nur’n Weilchen hier unterm Baum sitzen,

Lass uns morgen mal in die Sauna gehen und da ’ne Weile rumsitzen,

Hey Roy

Hey Roy

Könn’wer auch mal rauswandern

vor die Tore, die’s nich‘ mehr gibt,

Da erzählste mir dann, wie man gut schöne Reden tippt –

Hey Roy

Ich  werd‘ einfach zuhören und vielleicht leise summen

Und wenn’s gut kommt hab‘ ich vielleicht auch ‚was dazu zu brummen –

Hey Roy,

Kennste Gott Tod, der wollt‘ den Menschen helfen,

Aber seine Werke war’n dann doch eher was zum Schuldenüberhelfen,

ach Roy

ach Roy

lass‘ uns hier einfach noch ’ne Weile so sitzen

Pen>g>>ramm

Angenommen man habe sich nicht geirrt. Tatsächlich recht gehabt: der erste Irrtum, das letzte größere Wollen – nichts wäre geschehen. Man würde es heute noch sehen können: Du verlangst zu sterben, ich weigere mich zuzuhören. Nun sieht man in Dir nur das Opfer. Und ich weiß noch immer nicht, was aus Dir geworden ist. Unsichtbar hängt die Zukunft in nichts, Deine Züge lagern sich an immer neue Wolken an, von Zeit zu Zeit bricht hier ein Vulkan aus. Hätten wir uns nicht geirrt, könnte man sich wohl dran gewöhnen. Das erste kleinere Müssen – und nichts Schlimmes daran. Und nun so ein riesiger Stein. Ich will hier weg, weg

Kritik

Meine Herren! Ich möchte zu fryxells Ausschweifungen, die hier völlig unangemessen sind einen  Ausschnitt aus Moravias “ Der Konformist“ wiedergeben .

„Angenommen ich habe mich geirrt. In diesem Fall war mein erster und größter Irrtum der, daß ich – um aus der Abnormität herauszukommen und in die Gemeinschaft meiner Mitmenschen aufgenommen zu werden – unglücklicherweise eine Durchschnittlichkeit anstrebte, die im Grunde anormal, nichts anderes als eine leere Form ist, und bei der ersten Bewährungsprobe in Stücke brechen mußte. Und so machte mein menschlicher und mächtiger Instinkt aus mir den Schlächter jenes Opfer, das es gab. „

???

He, was ist hier los, wieso erscheinen die Kommentare nicht, die man zu Roy Kral abgibt ? Genießt der Königliche irgendeine besondere Immunität oder versagt die Technik ?

12.04.2010 Vorschau aufs Dicke

Lässt nun hier schwer vernagelter Köpfe schamhaft Fluten  START  fluten schamhaft vernagelte Köpfe schwer hier

Diese hässlich schöne Sprache immer weiter ausbluten  SCHWENK  bluten Sätze trotz Wörtern immer mehr mehr

Bis die Schwäne neigen ihr Haupt über alter Gluten Muff  PARABOL  oder Spießrutenlauf und Kampftrinkerfreibier

Bis zum Spießrutengewölle und Himmelshühnerleitersuff  JA-JA-WOHL  rufen Katerbürger nach der Fuchs- und Hühnerfeuerwehr

Die hilfreichen Dinge

Erst war es nur ein Ofen: Wohin die Familie auch kam, immer war er schon dagewesen. Er lehrte das Gras zu schmelzen, aus Lava wurde Brot. Mit dem Brot kam die Fähigkeit auf sie, den Blitz heimzurufen. Wenn als seltener Gast er sich einstellte, loderte der Körper vor Leben. Übrig blieb das Gedächtnis, Narben in der Landschaft. Später dann kam eine Angelrute hinzu. Finger lernten zu denken, aus der Krümmung des Holzes sprach der Hunger der Fische. Fische. Auf dem Wasser bildeten sich Kreise, und das Auge erschuf ihnen ihren Himmel. Als Mond und Sonne begannen, sich aufeinander zuzubewegen, gebaren sie die Zukunft. Seitdem dreht sich die Welt, darum

Erhaltung von mehr und weniger [3, 2]

Der Kühlschrank wurde immer leerer. Wir hatten uns darauf verständigt, entgegen den Gewohnheiten des planenden Geistes der Freiheit keinerlei Fesseln anzulegen: Wer Hunger hätte, sollte irgendetwas mitbringen. Immerhin gab es ja hier einen Herd, und die von Tag zu Tag stärker werdende Sonne kitzelte schon gehörig an den Nervenenden. Ob nun auf der Haut oder an den dünnen Stellen der holzigen Zylinder vor dem Fenster, überall regte sich der Frühling und kündigte dem Leben sichtbare Veränderungen an. Es war eine Sehnsucht nach Veränderung, die in der Luft lag, und manchmal erklang Musik.

Wir lebten auf mehreren Ebenen. Es war noch nicht ganz klar, ob sie sich irgendwo schneiden würden. Vorerst sah es aus, als seien Sehnsucht, Außentemperatur und Kühlschrank drei parallele Welten in einem Gesamtuniversum chaotisch zitternder Bestandteile, von Freunden der Zufallsdeutung einmal Temperatur genannt. Mal zitterte es mehr, mal zitterte es weniger. Im Ganzen aber war klar, dass auf heute morgen folgen würde, so wie auf gestern heute gefolgt war.

Wir begannen zu experimentieren: es waren noch einige Spaghetti da; erste und zweite Welt dehnten sich in die prinzipiell gleichen Richtungen. Dein Hunger wuchs schneller als meiner, obwohl auch meiner im nichtharmonischen Mittel streng monoton anstieg. In den Nächten blieb es schon wärmer als im Kühlschrank. Das Zylinderbündel vor meinem Fenster ging über Nacht in eine neue fraktale Phase über, von deinem Fenster aus hätte man den Blick in genauer Richtung des Herzschlags wenden müssen, um seiner grünen Iteration gewahr zu werden. Zwar gab es schon Fundamentalgruppen, aber die Fundamentalisten hingen fast alle noch im Spektrum zwischen rot und schwarz.

Niemand wollte der erste sein – die Verabredung war und blieb heilig. Legte man drei Spaghetti windschief in den Raum unter der Küchenlampe, konnte sinnvoll gefragt werden, ob sich die zugehörigen Vektoren irgendwann einmal berühren würden. Außerdem gab es da noch die Anfrage nach dem Wesen des Glücks: Welche Erscheinungen müssten in den Blick genommen werden, um sie in absehbarer Zeit beantworten zu können? Nachdem der Ketchup zur Neige gegangen war, blieb nur noch Senf. Logischerweise warst du es, der zuerst einkaufen ging.

Amalias Rache

Wirkliche Befriedigung erlangte sie immer nur
Auf zwei Arten: Sie konnte das Spiel, dieses
Ewige Drama der ausgeschnittenen Figuren
Vor dem Hintergrund des gestrigen Tages
Neu abrollen lassen – ein kleiner Klaps
Auf Sisyphos‘ Hintern genügte, ihn
Für Bruchteile von Sekunden abzulenken
Von seinem kosmischen Spaß (der Stein
War ihr treuester Verbündeter) oder sie ließ
Sich ganz einfach fallen, wie für immer, der
Fels  mit den Kanten eines Hauses war
Dann ihr liebstes Kopfkissen; und war sie einmal
Herausgefallen aus der Welt, selbst Figur wie einstmals
Van Hoddis‘ Dachdecker auf der Höhe seiner Zeit, die
Finstre Welt der nächtlichen Klänge zeigte
Nicht länger sich mehr als Feind – dann dann
Wurde der Raum zu Musik, und der Tod
Tanzte mit dem Leben seinen schönsten Grabstein

Ganga

Westlich von Haridwa läßt du die Kälber
aus deinem Euter trinken : du Kuh
aller Flüsse & Flüßchen : die Indiens
Norden durchfließen : der Himalaya
gibt dir die Milch seiner Gletscher : damit du
den Indern als heiliges Tier auf allen Straßen
nachlaufen kannst : ich schwimme & tobe
in dir : ohne vorm Wassergang die Hände
zu falten & sammle Steine auf
die du gestreift hast in Jahrtausenden : einst
konntest du tausend Kilometer fließen : ohne
einen Tropfen Klarheit zu verlieren : jetzt
baden in Varanasi nur noch die Todesnahen
Ganga : rote Flecken hinterläßt du
Typhusartige : auf der Haut
als Zeichen des Fortschritts

Kommt & endet

Es ist noch märz & schon fiel heute
Schnee : der winter kommt & endet
Nicht : wir ziehen ein langes gesicht
Die flocken treiben am fenster vorbei : so wird
Es weitergehen : in wattekoks wird eingehüllt
Alles : was wir sehen & wir
Werden eingelullt von diesem märz
Im schnee : april & maien
so kann es weiter schneien : du brauchst
Dich nicht beeilen : was für ein terz
um wetters scherz

Anfang

Das Joch ist ein Geschmeide,
Darin die Steine grell
Wie bunte Fenster funkeln
Und blenden’s Auge schnell.

Das Jochbein ist ein Knochen,
Daran der Fasern viel
Und Schwer im Winde
Zucken – Lächeln zu dem Spiel.

Die Beine sind zwei Bügel
In schwarzen Trichtern
Tief noch schlummern
Alte Knochen, die lange keiner rief:

Der Himmel – eine Feste
In Wasser wo du schliefst

Die Abtei

(Öffnung der Almanache II)

Wir Zöglinge tragen unsere Herzen auf schneeigen Stirnen.
Das Siegel der nackten Füße aus fünfhundert Jahren
ist den Steintreppen eingeschrieben.
Wenn wir durchs Tal gehen, Hand bei Hand
und immer einer hinter dem andern
eilen unsere Silberstimmchen uns züchtig voran.

Alle Abende nehmen wir heimlich den Duft
des Weihrauchs mit in die Betten.
Die Glockentöne legen sich schwer auf die Brust
die nicht atmen will, wenn die eine Hand
das Gebet spricht und die andere
sich im Feuer verzehrt.

Die müden Patres haben auch ein Herz zu verschenken.
Sie schmücken es mit den Dornen der Winterschlehe
und reinigen so ihr geschwätziges Blut.
Wie ein Klingelbeutel springt es von Hand zu Hand
und hört doch nicht auf, vor sich hin zu murmeln.

O, daß die Nächte nun wieder kürzer werden
wie die Kerzen vor dem gestrengen Altar!
In den Gängen türmt sich der Schnee
der vergeblich seiner Erlösung harret.
Die hohen Feste – Ostern, Pfingsten, Fronleichnam –
fädelt der Raureif auf seine Perlenschnur.

sonntagabend

sonntagabend wacht

der fremde

feuer schürend überm waldesrand

alles sagend unverstellten blickes

so wacht

in dämmerstund verhallter stimmen

dunkler heime – hoflichter

so wacht

in tausend räumen

die güte um ihre mythen

so wacht

im schatten hereinbrechender nacht

um sträucher der hänge

vertrockneter erde endloser gipfel

so wacht

der begebenheiten um ihre mythen

so wacht

in herzlicher vernunft

endloser stunden wiegend

leidenschaftlich

ströme atemberaubender nächte

so wacht

Das Schloss

Trübsaltage, von den Decken bröckelt der Stuck.
Auf Rokokopolstern plustern sich Kakadus.
In der Sofaecke nestelt der König an seiner Perücke.
Ein Diener tritt ein: Ihre Post, Majestät.
Der Regulator tickt ununterbrochen.
Das Fräulein spinnt mit nur einem Finger verschämte Etüden.
Ums Spinett flattern Trauermotten.

Ein Feuer wird in den Kamin getragen.
Die Depeschen liegen versiegelt auf dem Sekretär.
Die vergilbten Tapeten riechen nach Ziegenkäse.
Ein Galan in Pantoffeln öffnet ein Fenster.
Wie auf Kommando beginnen alle zu frösteln.
Das Fräulein hat sein Spiel unterbrochen.
Soll ich dich flöhen? fragt es mit zaghafter Stimme.

Der gepuderte König winkt aus seinen Kissen.
Für sein Spiegelbild kann das Ja oder Nein heißen. Er seufzt.
Der Galan hat die Flasche mit Portwein entdeckt.
Der Diener reicht ihm ein geschliffenes Glas.
Ein Stallbursche mit geschwärztem Gesicht schaut zum Fenster herein.
Die Stadt brennt an allen Enden! ruft er.
Ein weißer Kakadu nützt die allgemeine Verwirrung zur Flucht.

Ossip Mandelstam, Verse vom unbekannten Soldaten

The centuries surround me with fire. Osip Mandelstam (1976) – YouTube

<1>

Mag diese Luft also Zeuge sein,
Weithin reichendes Herz,
Und in den Hütten, allbekannt, steht der
Ozean ohne Fenster – Schmerz.

Ach, was sind doch die Sterne mitteilsam!
Alles müssen sie schauen – wofür? –
Für das Urteil zur Richter- und Zeugenschaft,
Für den blicklosen Ozean – Schmerz…

Regen, grußloser Sämann, erinnert sich noch
– und sein schmerzloses Manna zeugt –
Wie vielblättrige Kreuze deuteten hoch
Auf den Ozean oder den Keil.

Werden kalte und krumme Menschen hier
Töten, frieren und hungern hart, –
In seinem Grabe, sehen wir,
Liegt der unbekannte Soldat.

Lehre mich, krummes Schwälblein, das
Nicht mehr fliegt,
Wie dieses luftige Grab
Ohne Steuer und Flügel mein eigen wird,

Und für Lermontow Michail
Werde ich: Einstehn mit meinem Wort,
So wie der Bucklige Buckel sieht
Am luftig-durchlöcherten Ort.

<2>

In Gestalt leise zuckender Weinbeeren
Bedrohen uns diese Welten,
Und es hängen als Städte leinfarben,
Als goldenes Sich-Räuspern, Verleumdungen,
Mit von giftiger Kälte Waldbeeren
Breitgeschmierter Sternbilder Festungen –
Goldene Tötungen Fette…

<3>

Arabisches Mischfutter, Bruchsuppe,
Licht zum Strahl zermahlener Schnelle,
Und mit Fußsohlen schief wie Kruppe
Steht der Netzhautstrahl auf der Stelle.

Millionen für Geld getöteter Färsen
Trampelten frei einen leeren Pfad, –
Gute Nacht, alles Gute für sie
Im Namen der hüttigen Festungen.

Himmel, nicht anzueignender Graben –
Himmel von Toden, gratis und verzinster –
Auf deiner Spur, von dir weg, areté,
Tragen die Lippen mich durch das Finster, –

Für Schutzwälle, Bombentrichter und Ossip-Geröll,
In denen er zögerlich atmend erstarb:
Umgewendete – purpurner, pockengewölbter
Sich an die Erde schmiegender Genius des Grabs.

<4>

Gut stirbt die Infanterie,
Und gut singt der nächtliche Chor
Über dem leicht geballten Lächeln Schwejks,
Und über der Vogel-Lanze Don Quijotes,
Und über des Ritters Vogel-Fuß-Ballen.
Und es hält mit dem Menschen Freundschaft der Krüppel –
Beide werden ihre Arbeit finden,
Und’s bekloppt die Einfriedung des Jahrhunderts
Die Holz-Krücken-Familie –
Hey, Menschheit, – Erdball!

<5>

Soll denn dafür sich Schädel entwickeln
Bis zur Stirn – zwischen Schläfen weit,
Damit in seine teuren Höhlen
Nicht hineinreiche der Krieger Geleit?
Es entwickelt sich Schädel durch Leben
Bis zur Stirn – zwischen Schläfen weit,
Saubere Risse höhnen der Sicherheit,
Seine Kuppel sagt: So ist es eben,
Denken schäumt – selbst im Traum sich ergeben –
Schüsselsgrund jetzt und Heimaten Heimat hier –
Aus Sternennarben genähter Helm –
Glückes Käppchen – Vater Shakespeares…

<6>

Eschene Klarheit, Bergahorns Scharfblick
Eilt leicht gerötet in sein Haus,
Gleichsam mit Ohnmachten überschwemmen sie
Beide Himmel mit trübem Brand.

Verbündet erscheint uns nur das Nützliche,
Vorn ist nicht Durchfall, sondern Durchmessen,
Und zu kämpfen für Luft zum Atmen –
Diesen Ruhm der Vorbilder kannst du vergessen.

Und, das Bewusstsein überschwemmend
In der Leere halbohnmächtigen Seins,
Schlürf ich denn wahllos diese Brühe,
Verspeise den eigenen Kopf unterm Brand?

Wurde denn dazu die Hülle erschaffen –
Liebreiz des Leichten im leeren Raum,
Damit Sternenweiß ohne Atem
Leicht gerötet eilt in sein Haus?

Hörest du, Muhme des himmlischen Tabor,
Nacht, was wird sein jetzt und einst?

<7>

Es füllt sich mit Blut die Aorta
Und zischt durch die Reihen leis‘:
– Bin geboren vierundneunzig…
– Bin geboren neunzig und zwei…
Und, in der Faust wie Wolgatreidler
Presse ich der Geburten Jahr, und
Es zischelt der blutleere Mund selbst weiter:
Bin geboren nachts, vom zweiten zum dritten
Januar – im Jahre neunzig und eins
Einem schlechten Jahr – und die Jahrhunderte
Ziehn mich in ihren brennenden Kreis.

1. – 15. März 1937

Robinson Crusoe (7)

Beziehungen: Nähe, Ferne

Wenn du nicht hier bist, bist du dort.
In Gedanken jage ich dir nach.
Manchmal treffe ich dich.
Dann werden wir ein Paar.
Von mir selbst schließe ich auf dich.
Du bist so freundlich, das gut zu heißen.
Dein starrer Blick weist in die Ferne.
Noch weiß ich nicht, wohin.

Ganga morgens

flott strömt sie dahin : so schnell
daß sie die heerscharen orangefarben
gekleiderter pilger nicht bemerkt : die langsam
auf der brücke über sie hinweg schreiten : während
eine horde raftingbegeisterter darunter wegtreibt : den runden
schädel mit einem helm gegen harten aufprall bewehrt