perseverationen

1

abgeschlossen ist
wenn wolken, bilder
vorüber gezogen sind.
ziehen . wolken .
fallen erinnerungen
In die löcher
löcher
die löcher
ziehen an
allem vorbei
auch Wolken

2

wolken . los.
weg . ziehen
aufgeblasene luft
fällt schwer
gewichtig
streng
vergaß ich
den namen
meines…..
wessen…..
los
sind wolken

3

ich falle ins purpur
des lachens, in
lachen des purpur

entlang der regentopfen
stirbt die hoffnung
hoffen stirbt

auf deine arme, in deinen
armen, aufzufallen
wenn ich erwache

4

ich rücke den tisch
zurecht, zu recht
rücke den tisch an
den rand, den
rand der tatsachen
sachen zu dir, deine
bleib bei ihnen, deinen
sachen,
hinterlasse spuren,
schöne, als erinnerung
erinnere mich
die kanten
des tisches, mit
hoffnung gedeckt
erinnere dich.

5

ab nun
scheide
ich dich
lulle den
beat-nik
nicht entgegen
ab
fort
geknackt
vorbei

6

durch die tür wirst
du kommen
schwalbenhaft zöglich
gebremst von den
schwingen, schwingen
licht wirst du
kommen und
leicht
bleib ich
ohne dich.

Brief

An,

durch die Momente mit dir

bin ich hineingefallen in die

Begriffe, bin ich hineingefallen,

in weitere Teile meiner

Persönlichkeit. Konnte sie entdecken. Entwickeln. Mit Dir. An Dir.

Heranwachsen. Heraus-

wachsen. Hineinwachsen in

den noch verschlossenen Ort, an

dem ich mich erwartet habe

Von.

 

Danach: Blüte

Aus dem hohlhändigen Blick, dein weit Verlaufen. Knie mich nieder. Je glückseliger wir: Federn lassn. Aus deiner Verwesung kriechn. Ich lass dir keine Luft zum Atmen, ausser du schüttelst mir eine Prise Ironie ins Blut. Subversiv aber bin ich allein. Hintergeh mich mit jedem Wort. Und R. hat Angst um mich. Vereinsamen. Keinen Schimmer von meinem längst Verlassenseyn, besser als sich selbst zu verlieren, verleugnen, nein, was hab ich noch mal zu ihm gesagt, kennen, zu kennen, besser als sich selbst zu kennen, das hab ich zu ihm gesagt, er braucht noch eine blutvergängelte Blüte.

Viel früher …

Geh nur um mich, wenn du mein Verlorensein berühren willst.

Bleib mit deinem Stolz sonst mir fern.

Wie ein unberechenbares Heranlieben. Dazu noch die Unordnung in deinem Leben. Aber vielleicht hast du hier bereits bemerkt, dass einiges nicht stimmt in deiner Grammatik. Wie kann man sich vom Augenblick weg und nicht vom Augenblick an genügen. Nur aus der Beschneidung von aussen?

Viel früher hätte ich schon Fragezeichen setzen müssen. 

jenseits der zeit

(offlinepiraten)

beiß dir den chip
aus der unterhaut

es ist so unfassbar
leicht zu entkommen:
enter haken
black & out

Germanisten über 40

altehrwürdig, im kleinen schwarzen, können sie fliegen wie raben, besitzen deren schlauheit, nüsse mittels werkzeugen zu knacken, sammeln sich an versammlungsorten im geruch geruchloser kultureller erbauung. manche klagen über alltagssorgen, kinder und ehepartner daheim. andere leben vom schreiben, ohne dass ihr lohnstreifen lachs an kaviar erlauben würde. manchmal geht’s zur kur in die remise. denn auch germanisten lieben und pflegen sie heimlich, die twitteratur. und die kann süchtig machen. statistisch gesehen, leidet jeder zweite akademiker in der bundesrepublik an irgend einer form der sucht. das kann von zucker über alkohol und zigaretten bis hin zur denksucht reichen. auf jeden fall jedoch ist sie behandlungsbedürftig.

sensible serientäter

(anarchistische gene)

die gesetze hier
sind alle selbst gemacht
nur nicht von uns

ich und du es steht uns zu
zu bezweifeln dass alles geht

wir setzen die maßstäbe
außer betrieb und verstoßen damit
uns selbst

wer sind sie dass sie es ungefragt wagen
zu atmen

journal

journal, 2. märz 2012

wieviel mit schlamm gesprützt, da allerlei anschwellungen davon getragen, weiches hirn, dünnes häutchen – eine kur muss exerziert werden. in guter hoffnung, dass die 4er bande auch als flotter 3er auf den versen zwischen spülicht und wischmob steht, lege ich die gepackten koffer ins taxi und lasse mich zum bahnhof fahren.

Kommentarvermeidung?

Neulich sagte jemand zu mir, vielleicht ist es ja auch ein gutes Zeichen, wenn dein Text keinen Kommentar erhält. Welch schwacher Trost. Ich denke nicht, dass es gut ist, wenn ein Text ohne Kommentar davon kommt. Entweder man schämt sich, ihn zu kommentieren – zuweilen aus Ratlosigkeit – oder er wird einfach ignoriert. Vergessen. In die Rolle gepackt. Abgeheftet und in die Schrankwand gestellt. Kommentare sind Formen der Wahrnehmung und Wertschätzung. Warum gibt es denn einen solch riesigen Berg an Sekundärliteratur zu Autoren wie beispielsweise Thomas Mann? Also: Vorsicht mit der Kommentarvermeidung. Es könnte sich Ignoranz dahinter verbergen. Wir sind keine Buddhisten, die westliche Kultur lebt nicht von Gelassenheit. Kritik und Kommentar sind Fortschreibungen und haben Tradition.

im hochformat

(eine hommage)

eigentlich waren wir immer wie maulwürfe. wir ernährten uns von würmern und humus, trugen glasbausteinartige brillen oder kontaktlinsen, wühlten nah am oder gar unter dem boden herum, waren handwerker mit angewachsenen schaufeln und hatten bei all unseren aktionen immer nur die nase vorn. bis ein halbgott erschien etwas oberhalb der tulpenblätter (für uns schon die weite des himmels) und uns nachhalf. uns lehrte, dass wir eine doppelsförmige wirbelsäule besäßen und uns auch mal aufrichten dürfen. dass unser gehirn nicht nur zum brüten, sondern auch zum denken, vielleicht sogar zum spontanen spinnen geeignet ist. dass wir hände statt schaufeln haben, deren gelenkige finger, sofern nicht durch diverse küchenunfälle beschädigt, tastatur und stift bedienen können. in der finsteren und kühlen jahreszeit, das jahr lag an der mutterbrust, nichts schien von bedeutung, schrieb er sich eines tages ein. ein neuer, wie wir früher in der schule zu sagen pflegten. neue werden ja meist kritisch beäugt oder gar mit schnitzeln aus der papiertröte bespuckt. kein schöner zug. und der neue erwies sich als gar nicht zimperlich. er baute die größten papierflieger und -tiger, warf die weitesten bälle und schaffte jede stange. mit einer eleganz, die unsere labberigen poesiealben in wahre verbale straffumzüge verwandelte, wandte er sich beiden geschlechtern zu, als waffe besaß er nur füllfederhalter und schwarze tinte. die weiber neckten nicht mehr, die jungen dröhnten nicht mehr. sie beteten ihn, den prinzen, an. beehrten ihn mit ihrer soeben erlernten, während er an ihnen seine altehrwürdige romantische ironie erprobte. keine erotik könnte je planvoller, kein spiel je erfundener sein, literarischer genuss im hochformat.

sommer im diamantformat

dieses gleißen verwandelt das meer
in flüssigkristall

helle weite greift raum in uns
gedanken verwehen im sand
wie getrockneter seetang

was immer auch kommt
wir sind angekommen

ein lächeln ein blick
das genügt

schlagobers

giganten
hell von waffen umblinkt
warum immer dieser zoff

rhythmische cäsaren
schläger mit takt

wäret ihr nicht
es wäre die zeit

jahrtausendalte mischung
noch immer

erwärmt
gerührt
geschlagen

unschlagbar

Herbst: vor.

Die Sprache der Wahrnehmung ist entschieden. Du begegnest ihnen also nicht nur, sondern greifst ihnen zwischen die Finger, reisst ihre Hinreichung auseinander und machst sie lächerlich. Führst sie zurück in ihre Bedeutungslosigkeit. Zweifelst aber nicht mit ihnen in einer gemeinsamen Gebetsviertelstunde.

All die abgeknickten Zweige thun so, als blätterten sie sich einen nächsten Herbst vor. 

Schnitt „Neuer Eintrag

Die Viererbande aus Versen hat es
Schlimm getrieben in der Welt: Pause
Vor Pause vor Pause vor Pause, die
Letzte als schlimmste von allen –

Jahrtausende alte Mischung des
Menschen, Gerechtigkeit aus dem Bauch
Heraus, aus dem knurrenden … Kopf
Ab!

Dann geht’s weiter, etwas hat sich
Geändert: Mitten im Vers tauchen
Zäsuren auf, rhythmische
Zensoren oder Cäsaren eines Kopfs
Auf Lunge.

Und was bleibt fürs Ende, wenn die Verse
Sich selbst zerhacken mit dem Fallbeil
Aus Gedanken?

Popuol-Vuh, von oben gesehen
Dreht sie sich anders herum – Wasser Haus Stein Habicht
So weit, ausatmen und sprechen, — doch

Der Regen macht die Erde fruchtbar

25.04.05

Colibri

Im Ort gibt es das Café Colibri. Genauer gesagt heißt es „Pastelarias Colibri II“.Colibri II liegt an einer Verkehrsinsel mit drei Palmen und wenigen Verkehrsschildern. Von hier aus geht es zum Supermercado Apolónia und auch ins etwas größere Nachbardorf Guia. Dort findet man Pastelarias Colibri I.Colibri II bildet die Ecke eines „Centro Commercial“, das keines ist. Neben „Alisupermarket“ ist auch alles andere, was weiß auf grünem Grund angekündigt steht (Hairdresser oder Nagelstudio), geschlossen, leer, zu verkaufen: „Vende Se“. Nur im Café Colibri summt das Leben und lockt mit köstlichem Nektar alle an, die in diesem künstlichen Ort an der Algarve überwintern. Rote Plastikstühle und -Tische stehen auf dem Platz vor dem Eingang.Bei schlechtem Wetter drängen sich die Einheimischen an den Tischen direkt hinter dem Eingang mit Blick auf den großen Fernseher. Man quält sich nicht mit Politik, es laufen immer Shows. Hauptsache Unterhaltung. Um die Ecke an den Fenstern sitzen die Touristen und schauen durch die gläsernen Scheiben hinaus auf die leere Straße. Hauptsache Ausblick. Die Theke ist bestückt mit Torten, Pasteten, Kuchen und anderen Leckereien, allen voran die hausgemachten Samosas. Alles hier ist „Fabrico Próprio“, hausgemacht. Das zurückhaltende Lächeln aus den dunklen Augen der Bedienungen in weinroten Pullovern umhüllt alles mit heller Freundlichkeit. Ich nenne dieses sanfte Lächeln, das mir einzigartig auf der Welt erscheint, das „portugiesische Lächeln“.Hinter der Theke glänzen die Spirituosen auf blanken Regalen: Whiskey, Likör, Port. Dazwischen lagern die Süßigkeiten und Knabbereien: Kaugummis, Lollies, Erdnüsse, Kinderschokolade .Jung und Alt kommt hier zusammen, und über allem schwebt der Vogel Colibri.Auf den Papier-Servietten, mit denen man das fettige Gebäck in der Hand hält und auf den Pappschächtelchen, in denen man eine Pastela Nata, ein Tortenstück aus Zucker und Eiweiß mit gelb klebendem Überzug oder weiß-braun karierten Kuchen mit Buttercreme oder das Samosa mit nach Hause nimmt, prangt das Bilde des in der Luft stehenden Colibri. Der Körper ruhig, die Flügel flatternd (ich denke an den Strandläufer und seine rotierenden Beinchen) hält er eine Torte an einer Schleife in seinem langen, spitzen Schnabel wie der Storch ein neugeborenes Baby: „Es ist eine Torte!“

meeresrauschen

( sentiment bearish)

wo sind die eisblumen
überall nur schaumkronen
schaumwein schaumschläger schaumermal
welche wellenlänge
meine deine keine
eiswürfel im schrank
muschelbeklappert stehe ich da
und die da können fliegen
die schwarzen käppchen auf schneeweißen wölkchen
mit ihrem seidensegel
bei mir fliegt nur das fischbrötchen
aus der hand in den sand
meer is heut nich

Österreich.

Uhhh, ich sehe, wie Sie Ihre Augen verdrehen. Es gibt keinen schöneren Moment als den, der vom nächsten nichts weiss. Ihn vielleicht nur erahnt. Als sich ganz aufzulösen.

So wie ich Ihre letzte Mail noch in Erinnerung habe: Ihre Wenigkeit, so schrieben Sie, sei wieder in Berlin. Und während Sie, an unserem Tisch in der Kurfürstenstrasse – übrigens ist mir überhaupt nicht aufgefallen, dass Sie keiner der Kellnerinnen besondere Aufmerksamkeit zuteil werden liessen –, vom Tod des Vergil erzählten, kam mir der Gedanke, in Ihre Wenigkeit ein d einzufügen. Was ich Ihnen sogleich sagen musste. Ich glaube, ich hab Sie sogar unterbrochen, und hatte das Gefühl, dass es o.k. sei. Denn Sie sind waren nicht in Ihrem Gedanken.

Ihr Gedanke ist der Schicksalsschlag, von dem er selbst oder ich noch nichts weiss, Ihr Wurf von der Bühne, Ihre Stimme, die nicht mehr zum Himmel findet. Denn, so hab ich mich informiert, Sie waren auf dem Sprung zu einem Opernsänger nicht geringer Güte. Und nun sind Sie Botschaftsrat und nicht Alkoholiker.

Nein, völlig falsch. Ein Alkoholiker spricht weiter mit feuchter Aussprache, er spuckt und ist so, wie er sein will. Halbwegs. Klar: Dilemma. Er spiralt sich aus der Wirklichkeit, weil er immer weniger Kraft hat, ihr zu widerstehn. Sie überhaupt zu verstehn. 

Obere Gesichtshälfte.

Auf den Vorderfüssen schleich ich mich an. Das Triumvirat meiner Zehen reisst dich dennoch aus dem Schlaf. Es gehn uns plötzlich ganz andre Gedanken durch den Kopf. Aus dem Anverpflüchtigen ist was geworden, bedeutest du mir mit einem Blick aus dem Dunklen. Du bist so seismographisch. Später schlachte ich mein Lechzen nach dir noch weiter aus, glaub mir. Aber du bist ein Reh mit scharfen Zähnen, das noch mal an seinem eigenen Lachen erstickt. Wie eine vergebliche Verhanfung darfst du dein Leben niemals betrachten, versprich mir das. Weil ohne uns zwei der Tisch ganz anders aussähe, ohne den feuchten Arschabdruck der vielen Flaschen und deiner fetten Weingläser. Mehr als meinen Quadratmeter brauch ich nicht. Von da aus säul ich mich ins Unendliche. Lach nicht. Sonst schieb ich dir schon am frühen Nachmittag die obere Gesichtshälfte aus dem Tag. Der kann eh nichts damit anfangen.  

Fussnote zu dir.

An meinen Verdunklungen bin ich vorbei. Da kommt mir sogar meine Chesterfieldcouch entgegengeflogen. Auf der hab ich so schlecht geschlafen, als mein Bett voller Flöhe war, der Merle wegen. Alles was du spürst, ist so. Und dann wird es so. Ohne dich zu verweigern. Ohne dich zu mündeln. An den letzten Vergreiflichkeiten wär ich so gerne dabei gewesen. Aber ich war ja unbegreifbar. So zumindest hast du es mir an den Kopf geworfen. War natürlich grandioser Bullshit. Aber warum soll ich dir nicht auch das zugestehn. Es liegt immer alles in der Differenz oder im Abgrund zu dir.

Danach streif ich an der Entdeckung oder war#s die Entbahnung alles ohne Vorwurf alles alles nur nicht an der Lust seiner Gegenwärtigkeit vorbei. Vor Ablehnung entkomm ich mir nicht mehr. Es schreit das Blut in mir. Es klebt das Angetastete an mir. Es neuront so sehr. Wie wenn man eines Tages keine Rechenschaft mehr ablegen muss. Es ist alles ein aus dem Gedächtnis hauen. Und es wär’ mehr von mir übrig geblieben.

schrankmusik

„ich hatte heute routane hauptuntersuchung“

quadrat zu rechteck zu quadrat

da noch eine schraube locker

fest bohrt die windung sich ins holz

ein fach für jedes sammelsurium

gut geschmierte scharniere

drehbare schlüssel

da steckt routine hinter.

Verlierübung.

Danach Aufgabe deines Existierens. Zumindest immer noch Sehnsucht. Süchtig. Kleine Aufwachmissverständnisse. I know. Manchmal hab ich mich derart in der Nacht vertan, derart in der Nacht ins Kissen gebohrt, dass es am Morgen oder an anderen Verlierübungen auf dem Schädel liegt, wie herumgekrochen. Little peak. Understood heisst: darunterliegen. Darunterstehn ist wie nur unter einer Brücke, wie lange war ich da schon nicht mehr. Es stotterte damals ein Zug über mich durch meinen Kopf hinweg – und er ist es immer noch. Man greift seine liebsten Menschen nicht mit Metaphern an.

unter blinden

oh ekle dominanz der augen
hier zählen wille inbrunst
& tastendes sentiment

uns blinden wäre
jeder einäugige
1 ketzer

Schmähschriften

während vor Zeiten
hier riesige Schränke
und Türen aus den
Fenstern polterten –
großformatige Quadrate
& Rechtecke,
folgten Momente später
nur noch kleinere Eiswürfel.
(Jetzt unsichtbarer Nieselregen.)
Werft doch wenigstens
Tulpen herab,
in deren Blättern sich
Schmähschriften rollen.

Horizont

Ich schaue in den makellos blauen Himmel über einem weißen Dorf. Keine Menschenseele ist zu sehen weit und breit. Das Meer rauscht in die Stille hinein. Mein Blick streift über den Horizont, eine Katze auf weichen Pfoten. Die Fläche hinter dem Dorf bis zum Horizont ist mit Meer angefüllt. Blau an Blau liegen Meer und Himmel wie Bruder und Schwester aneinander. Oder wie Liebende, aneinandergeschmiegt, nah, vertraut. 

Er ist gefahren, den ich liebe. Dahinten, hinter den weißen Häusern fährt er nun. Er ist in eine menschenleere Fläche gefahren. Die Landschaft hat ihn verschluckt. 

Meine Gedanken heften sich an den Horizont. Sie balancieren auf dem Horizontstreifen wie Tänzerinnen. Der Horizont ist ein Seil, gespannt zwischen Brüdern, Schwestern, Liebenden. 

Neue Gedanken balancieren mit, kleine Eleven. Aufgepasst! Keine falle herunter in die menschenleere Fläche, die Landschaft, die Leere, das Blau. Alles verschwindet darin. 

Am Horizont sind nun Abschiede herangetanzt. Sie haben sich aufgereiht. Gute Abschiede und schlechte Abschiede. Trennung.

Ein Finger legt sich auf einen Riss in mir. Die Lippen öffnen sich einen Spalt unter dem Finger und flüstern: Psssst.

Er ist gefahren, den ich liebe.

Ich höre Musik. Meine Augen tanzen auf dem Meer mit den winzig weißen Schaumkrönchen, ganz weit draußen. 

Ich bade in Musik. Miles Davis, Trompete. Kind of Blue; ich schwinge hin und her im leichten Wind.

Wie nah wir uns waren, wie vertraut. Wie schön das Gefühl, die Zeit, wie weh der Abschied…

Er ist gefahren, den ich liebe.

Rach tot und süchtig.

Ein Niemand mit dem Hang, sich selbst zu vereiteln. Die Begegnungen mit den Hängen zum Niemand hängen dir zum Hals raus. Ich versteh es ein wenig. Glaub mir. Ausserdem kann man nicht immerzu alles von sich verlangen, sich abverlangen, dann geht man vor die … uuhhh mist das willst du ja nur hörn, komm lass uns auf den roten Felsen machen, klar werd ich dich hochfahren müssn, aber du kannst ja wenigstens ganz allein runtergehn. Ach, vergiss es. Du bist nicht nur in der Rache der Toten …

osterglocken

den weg ins gras möcht ich beschreiten, weiter noch nach unten gleiten,

mich an braune kletten kleben, liegen möcht ich, knapp daneben,

über mir ein heller streifen, gummi zieht sich auf die reifen,

dicht davor narziss sich reiht, in dem gelben osterkleid.

mittagsgespenster

schöner morgen kätzchenverkehr ich seh dich in

gesprenkeltem blau und nenn die liebe liebreich beim namen

meine triadische familienblüte trägt die träge sonne bis es

beinahe zu spät ist für gängelnde zeilenmonster in einem

niederhängenden schlaf

Wie an Eislippen.

berührung schrei mich in deine aufgründe liebst du auch meinen gaumen obwohl ich die tiefroten rosen wie wenn du hinter mir gestanden hättest wieder zurückgestellt habe ich vermisste pracht ausgemurmelte verwehungen dein aufduften mit jedem tag aus denen man mich minütig schneidet vervollkommnet wahrannahme auserwacht du weisst dazwischen darf die sonne somnabuhlen mit meinen sich dahinschleppenden widerholungen lass es ohne e lass es ohne e hast du gesagt und wurdest immer lauter immer lauter wie mich fesseln wie dich an mir vertun abtropfen bei mir im erinnern war noch nie juni es straucht sich meist alles auf und dann erscheinen du-aufschreie warum muss ich immer alles zerstören

kleine stecklinge

die finger gabeln sich fort ins schweigen
der haut, essen ihr milchiges licht,
wurzeln im haar des vergessens.

ihr tippspiel flink und flunkerleicht
wie marionetten, handkehrum in
beugeschritten über die steckhecken