Am nerven rhythmen.

Denn irgendwann, inmitten eines Gesprächs vielleicht, weisst du es nicht mehr, oder in einem glücklichen Zustand, ging dir auf, dass du die immer gleichen Wörter und Vermeintlichkeiten als doppelte Halbwahrheit von dir gegeben hast, und das schon seit geraumer Zeit, ob du des nächtens nicht mehr alleingelassen werden oder die Stadt mit ihren Lichtern überfluten wolltest. Dein fluchender Speichel. Nur, warum zerfetzte dich dein Nervenrhythmus nicht mehr so wie früher? Als du glaubtest, dass der Mond dir immer noch ein Auge zugezwinkert hat. Als du also noch versuchtest, auf einem wehenden Flügel zu überwintern und heruntergerutschte Prosa schriebst.

Lyrikpolemik

Patricia erhielt Verstärkung von einem Lyriker, der die neue Lyrik für abscheulich hielt. Sein Name war Klaus Kobold, eine Veröffentlichung konnte er noch nicht sein eigen nennen, trotz erfolgreich hinter sich gebrachten Germanistikstudiums. All die publizierenden und preisverwöhnten Lyriker, die sich in der Aufmerksamkeit der Jurys und Lektorate sonnten, riefen seinen Neid hervor. Reim und Rhythmus hatten sie längst über Bord geworfen, dafür übten sie sich in Kleinschreibung („kleinschreibung“) und der nichtgewerblichen Nutzung des und-Zeichens („&“) – oh diese Verräter an der deutschen Sprache, am substanziellen Gedanken und der politischen Botschaft! Endlich kam Klaus Kobold daher, es ihnen heimzuzahlen, dieser wahre Dichter hatte noch um Breshnew getrauert, als er selig von uns schied und wußte darauf Balladen zu singen – leider völlig unrhythmisch, reimlos und ohne einprägsamen Witz. Graumauspoesie war das, was aus Klaus Kobolds Mund quoll. Er aber bildete sich ein, die Lyrik in den deutschsprachigen Landen zu retten vorm nahen Untergang, den Kunst und Kunze ihr beibrachten, von den namenlosen Poeten der neu hervorwuchernden Blogs ganz zu schweigen. Seinen gesammelten pubertären Haß spuckte Klaus auf die Dichter, die ihm verwässert und konturlos erschienen, ewig mit sich selbst beschäftigt. Daß Gedichte aus der Einsamkeit erwachsen und der Blog den notorisch von der Gesellschaft abgehängten, sozial isolierten Individuen, die sich Dichter nannten, nach einer historischen Phase der kalten Technisierung die Gelegenheit bot, miteinander in Austausch zu treten, sich gegenseitig zu inspirieren – das war ihm in seiner Selbstverliebtheit und strengen Normgläubigkeit entgangen. Nach Manier des fin de siècle erwartete er das genialische Werk, das erlösende Wort, die ewige Gültigkeit – was sich im Vorfeld und an den Rändern abspielte, dafür hatte er nur Verachtung übrig: Karolin und Eisenhans, diese Namen weckten in ihm nicht die Erinnerung an glorreiche Zeiten, sondern an den lachhaften Gestus der Dilletanten. Dabei wußte Klaus theoretisch aus seinem Studium in Leipzig, daß schon der olle Freud gepredigt hatte: Junge, wenn du anderen was vorwirfst, meinst du am Ende dich selbst. Wirf nicht mit Steinen, wenn du … und so weiter und so weiter. Doch die ph-wert-neutrale Optik auf Klaus’ Nase erlaubte ihm keinen Blick in den Spiegel, alles, was er beschimpfte, hatte sich vor seiner Linse verzerrt. Ach, nehmt mich doch endlich unter Vertrag, seufzte er, seht doch, wie all die vernachlässigten Geister mir zujubeln, ihr werdet es nicht bereuen. Ich will ein eigenes Buch und nicht nur einen Eintrag auf den „Inskriptionen“. Da wunderte sich selbst Patricia ein wenig über ihren alten Freund.

ich schreibe so dahin (die zerbrochene glocke zeit)

winzige weiße häuser wachsen aus den spalten und ruinen

dieser ungemütlichen welt

eine vorstadt der sehnsucht

 

in den häusern wollte ich zuhause sein,

wären sie bewohnbar und nicht

ein von weißen spinnen gewebtes schloss

 

hellgrüne fingerkuppen und blaue meisen

kreuzen meine lichte, stürmische unruhe

 

die von meinen gezeiten bewegten wasser

werden an ihren ufern gelähmt

 

ich lausche, ob ich die rufe der abendteurer

höre weit weg auf ihren schiffen

 

ich schreibe so dahin

durch die zerbrochene zeit,

die einmal eine viel zu schwere glocke

in einem viel zu hohen turm war

 

ich sehe mich mit grünen laubaugen

meine sprache, meine stimme

schütten sich aus und überschwemmen dieses zimmer,

in dem sich mein leben abspielt mit seinen

täglichen visionen

 

es gibt keine fenster und türen

die ein- und ausgänge fehlen

das licht ist fahl und gleißend

 

ich schreibe so dahin inmitten des rauschens

und dunkelgrünen tannenflirrens

 

ich wellenreite, bluttriefe, blätterrausche,

klinge und töne

mit der zeit

und keinem ufer entgegen

jalousie

das in die asche starren hinter mir lassend und die nach unten geretteten fusssohlen schrei ich dir zärte zu flüster dir schläge ins gemach hochhackig mit schokostrümpfen oder hast du heute lebend noch was vor so gegen neun

Mein Davonlaufn.

Bring mir eine Handvoll rutschiges Moos mit, mit dem ich mich einschmieren kann, kannst du das verstehn, oder solln wir uns endlich an den Wolken vorbeihangeln, ich bin so weit, auch ohne Maske, jetzt geht’s mir wieder besser, wir leisen uns ab, begraben mein Misstrauen zwischen deine Pobacken, am liebsten beim Abdunkeln, dein Schnaufen unterm Kopfkissen, später werden wir uns an die Scheibe heften und mit abtropfen, werden wir uns zurücklassen, ohne an den Wolken gehangen zu haben, wie an der Unauffindbarkeit einer letzten Spur, werden wir uns dann an die Hand nehmen. Liebe ist bettelarm, wenn sie rechnet. Liebst du dein Leben so wenig. Kaum dass ich dich darauf anspreche, wird mir meine Unendlichkeit klar. Es giebt nur wenig Grösse, Tiefe, zu wenig vor allem von deinem Mund, den ich einreiben will mit dem ausgerupften Gras von letzter Nacht, als ich mich so weit weggetraut habe von mir. Mein Davonlaufen war bislang nur im Uhrzeigersinn.

Letztens wurd ich inner Wüste angefahrn.

* Aus einem fortwährenden Nicht-bei-der-Sache-seyn liegt deine Zunge wie verdorrt im Mund. Du weisst nicht, wohin. Warum. Hast du dich schon mal als Verlegenheit betrachtet. Aus dir heraus eine Erinnerung frei erfunden. Als wärst du aus dem Wald bald wie ungeschält zu dir gegangen. Ich verlier mich immer da zwischen ankommenden  und eingefrorenen Silben: schrei icht mehr auf/frei verlaufen wie ein Aufleben mit abgedeutetem Ausmirwerden. Frier aus den Baumstümpfen meiner nie gerodeten Kindheit. Meine Kommasetzung lässt mich nicht mehr los. Ich gestatte mir nichts. Aus dem Verwirrtsein geschüttelt. Fein buchstabiert wie dein niemals unbegründeter Lungenflügel, deine aufsässige Gebärmutter, kennst du deine Vernämlichung, als ich dir den Raum nahm, den Schlaf fast aus groben Versprechungen, du hast deiner Sprache noch kein Gemüt verpasst…

fallen

geh hinein
in das Fremde
egal wie fremd es
ist
falle falle falle
wie ein Stern
in geschlossene Arme
warte
was sich öffnet
öffne dich dem Fremden
falle falle falle
geh verloren in all dem
was schmerzt
falle falle falle
ins Neue
mit offenem Herzen
lasse Verletzungen
Unsicherheiten
Hinter dir
Über dir
Ohne dich

falle falle falle

Nietzsche I.

Derrida nimmt seine Kamera zur Hand und hält sie auf einen Menschen mit Schnauzbart. Er dreht am Objektiv. Näher hätte er diesem Mann nie kommen können, so versteckt hinter der Linse, so stechend dieses dunkle Braun seiner Augen und so tief hinein, bis fast auf den glasklaren Grund seiner Seele.

Dieser braunäugige Mann hieß Nietzsche. Er litt an den allzu feinen Zügen seines Gesichtes. Und an der Angst, die sein tiefen Blick den anderen machte. Und er litt darunter, sich ständig Gedanken zu machen über Gott und die Sehnsucht, über die Lust am Lästern und die Vergeblichkeit des Denkens überhaupt. Er litt halt gerne. Verdammt gerne, wenn er ehrlich hätte sein müssen, ehrlicher als er es ohnehin schon war.

Also konnte Derrida ihm nur mit einer Kamera nahe kommen. Sie liebten sich eh schon lange, auch wenn Nietzsche noch nichts davon wusste. Vielleicht wollte er auch nichts davon wissen. Das aber spielte keine wesentliche Rolle. Jemanden nicht vereinnahmen wollen und dennoch ganz nahe bei ihm zu sein, ihn nehmen zu wollen und doch ganz bei sich zu lassen, sich gehen zu lassen: bei sich haben und verausgaben in einem – das ist seine Vorstellung von Liebe, also unmöglich?

Das Anderssein des Anderen zu achten. Eine Aufforderung, die befreit. Nähe und Distanz zugleich! Es entsteht ein Rhythmus, der belebt.

Derrida nimmt sich zu Herzen, was Nietzsche, im „Gewissen“ seiner „Metho­de“, die nie eine festgelegte, sondern immer eine aus der jeweiligen Situation sich ergebende Methode ist, ohne dass sie beliebig und damit unkommunikativ wird, gefordert hat: „dem Menschen seinen All­gemeincharakter immer mehr zu nehmen und ihn zu spezialisiren, bis zu einem Grade unverständlicher für die Anderen zu machen (und damit zu einem Gegenstand der Erleb­nisse, des Staunens, der Belehrung für sie)“[1]. Kurz gesagt, sieht Derrida durch seine Linse einen Nietzsche, der auf einzigartige und einsame Weise die Ästhetik des Blicks mit der Ethik des Gewissens verbindet.

Warum aber spricht er ihn mit „Frau (bei) Nietzsche“ an?

Will Derrida seine Ehrfurcht vor ihm verbrämen, um die eingefahrene Situation aufzulockern? Oder will er Nietzsche provozieren, um ihn so zu einem gewöhnlichen Menschen zu machen? Sicherlich stimmt von allem etwas. Wir wollen uns hier nun beruhigen, indem wir Kant mit seinem buckligen Rückgrad ans Ufer rudern lassen und sagen hören, dass wir alles behaupten können, nur nicht, dass wir etwas wissen, vor allem nicht über die menschliche Seele und die Motive und Beweggründe des Handelns. Er, Kant, war ja ansonsten ein freundlicher Einzelgänger, und auch die auffallend enge Bindung zu seinem Pudel stieß auf einvernehmliches Achselzucken, aber in einer Sache ließ er nicht mit sich spaßen; da konnte er grantig und unangenehm werden so unangenehm, dass man das Zutrauen zu all seinem sonstigen lieblichen Benehmen beinahe gänzlich verlor. Niemand könne je verurteilt werden wegen seiner inneren Motive, allein die veräußerten, also seine Handlungen mögen ins Urteil fallen. So sei ein Urteil mithin nur gesichert, wenn es dem jeweiligen Recht entspreche, oder aber im inneren Dialog mit sich selbst und der Übereinstimmung des Gewissens, ansonsten alles andere zur Krankheit der Seele und damit des Körpers führe. Wie anders als über den Leib könne die Seele derweil sprechen. Oder anders herum: Warum sind so viele Menschen krank?


[1]   Dies ist eine unveröffentlichte Notiz aus Nietzsches Nachlass aus dem Herbst 1880 (Nachgelassene Fragmente; Bd. 9, 6 [158]). – Näheres zum „Gewissen der Methode“ wollte Nietzsche unbedingt in seinem veröffentlichten Buch Jenseits von Gut und Böse sagen (Kap. 5, Aph. 36), was er auch getan hat. 

Kletterübung

Die krone des baumes war fast erreicht, ich kletterte weiter. Ohne eine genaue vorstellung davon zu haben, was mich da oben erwartete. Marsha saß in der küche und schaute mir zu. Sie hatte gerade das fenster geschlossen und den vorhang beiseite geschoben, immer kleiner wurde sie jetzt. Die perspektive von so hoch oben ließ sie mir plötzlich fremd erscheinen. Noch nie zuvor hatte ich die linie ihres scheitels betrachtet, der das kastanienbraune haar in zwei hälften teilte. Der latz der schürze wölbte sich über ihrer brust, schon längst hatte ich keinen festen halt mehr. Ich schwankte, wie die äste des baumes schwankten, ich schwebte, wie die blätter schwebten. Nur noch das surren der insekten und das brummen der bienen begleiteten mich.

Marsha nahm den kuchen aus dem backofen, sie drehte mir jetzt den rücken zu. Während sie sich vorn über beugte, gab das herab fallende haar die weiße haut ihres nackens frei. Deutlich der flaum am haaransatz, ich stieg immer höher. Leicht wie eine feder fühlte ich mich auf einmal und frei wie das licht zwischen himmel und erde.

Zwei tage zuvor hatte ich Marsha das erste mal berührt, heimlich, während sie im schatten der großen eiche eingeschlafen war. Ganz vorsichtig hatte ich die außenseite meines zeigefingers an ihre schläfe gelegt, ganz nah war mein mund ihrer wange gekommen. Dicht über ihrer haut hatte ich meinen eigenen atem gespürt und ihn dann angehalten, um mich nicht zu verraten.

Marsha ging aus dem zimmer und ließ die tür halb offen stehen. Der himmel über mir begann sich zu drehen, schon ganz klein waren die vögel unter mir.
Marsha badete im fluss. Ihr nackter körper tauchte in das wasser, in dem sich das grün des waldes spiegelte. Ich war jetzt allein hier oben.

Marsha lief den feldweg zurück zum hof, ihr rock streifte den boden. Sie lief immer schneller, dass es staubte.

Marsha liegt auf dem rücken im gras, ich erkenne sie nur noch als winzigen punkt in einer grünen fläche.
Schon bald werde ich Marsha fragen, ob sie meine frau werden will.

Das Leben ist seltsam

Wir haben uns in die augen geschaut und kaugummi gekaut, die blasen knallten bis an die decke. Wir haben die revolution geplant, Lisa ging zwischendurch zigaretten holen, am automat um die ecke.

Am abend haben wir uns geliebt, lang. Ich musste an rosenknospen denken, deine brüste wippten zu einem alten schlager. Später einmal, habe ich gedacht, werde ich mich nur an das rattern des zuges erinnern, der draußen vorbei fuhr, vierzig güterwaggons und zwei loks.

Altaussee

Du warst noch einen atemzug von mir entfernt. Es regnete. Der see lag in wolken, die berge im grau. Eine plätte trieb auf dem wasser. Wir gingen seite an seite bis zum hinteren ende des sees, wo sich der wildbach aus dem Toten Gebirge herunter stürzt. Von dort sieht man bei gutem wetter über dem dorf das bergmassiv und den gletscher in der ferne. Ich sah in der kalten luft deinen atem, der ganz warm war vom schnellen gehen. Erst jetzt sprachen wir. Auch von dem beinhaus drüben in Hallstatt, wo sie die schädel der toten aufgeschichtet und mit bauernmalerei bunt verziert hatten. Und von den ausgrabungen weiter oben im tal. Auf dem rückweg kamen wir an dem marterl vorbei. Die luft unserer atem vermischte sich mit dem regen, unsere stimmen vermischten sich mit den wellen.

Die Hintere Sandlingalm lag verlassen, die Vordere zeugte vom bergsturz. Manchmal bewegt sich liebe wie salz, manchmal wie ein turbidit. Das felsgrau des Tressensteins unterschied sich nicht vom grau der wolken. Die berge sind nichts für einen fremden.

[aus „brackisch“, 2010]

Nein, wald war dort keiner,

nur offenes gras- und buschland, ein fluss, alles war brackisch, und irgendwo ganz weit in der ferne das meer. Ich habe es mehr erahnt als wirklich gesehen und nur daran erkannt, dass ich plötzlich an dich denken musste, du liebst doch das meer so sehr.

Und auf einmal wurde ich ruhig, ganz ruhig. Und dann habe ich meine lippen nach deinem namen bewegt und gehört, wie das meer rauscht, wie die wellen an den strand schlagen, und der wind deinen namen gegen das land trägt. Ich stand mit den füßen im wasser, weit draußen fuhr ein großes weißes schiff, der horizont leuchtete. Und ich schmeckte die salzluft und die süße deiner haut und wieder die salzluft, und du hast etwas gesagt, aber das habe ich nicht verstanden, denn auf einmal war alles wieder brackisch, und der wald hat gerauscht, fast wie das meer.

dichter:leben

In einem früheren leben war ich dichter. Ich schrieb nur ein einziges gedicht, ein liebesgedicht. Eigentlich schrieb ich es nicht einmal, ich dachte es mir nur aus, sagte es im innern immer wieder auf, damit ich es eines tages meiner angebeteten vorsprechen könnte. Im grunde genommen glaube ich nicht an frühere leben, aber: es ist gut, dass ich eine zweite chance habe für ein liebesgedicht. Als titel trägt es deinen namen.

Vor dem Verz

Metermass. Metromass.

Eine Einheit im Erlass der Stromhapterie.

Zuberzüngelnde Tasterie. In Max Liebermann`s

Herd direkt. Flammerie.

Ellie, Ellegie

sülze vor dich hin,

du Dschinn.

Los

Aufgetauter Empirismus. Immanenter Empfindungsmechanismus.

Ihre Leichensteine liegen in Uns. blank. milchigrot. Ihr Lachen verblasst

an den Handlungen. Alles, der Gegen ward.

Es ist dein Farbenfrohes, Gewand, das dich wie ein Papagei durch die Wüste fliegen lässt. Eine Zypresse auf Ödlandkresse. Ein Moosfarn, Allmacht des Grün´s .

Gegrüßet sei das Reagenzglas im Schlamm, rot braun entgilbt – Krokodil im Ventil glänzt mit weichen Augen, Luftinstinkt. Trinke die gurgelnden Laute ihrer Zauberwelten heraus.

Zelt im Skat, wen humpelt´s?

Es flog

Pausiere im Pilzhaus der Lüfte

und Allschmaus,

geröstet, berundet

Och tierend

echo lotet.

Gewächswindend

Piktiert klingelnd

Der Früchtebaum

Korb beschwärzter

Rabenkönige

Wie sind die Lieder Zustände?

Ich singe wieder.

Gliederlieder

mit baumelnden

Füßen.

Achtlos bieder.

,,,.,.,.,.,….,,,,,,,.,.,….,,,,,,

Lehmmühlen

dehnen sich.

Strandfiguren

(aus der Rubrik: Lauschers Last)

Sie wünschen bitte ? Eine Wurst. Mit Senf oder Ketchup ? Senf. Das dauert aber. Ich muss sie erst warm machen. Macht nichts. Haben Sie Cola ? Ja. Haben Sie das da drüben gesehn ? Ja. Jede Nacht was anderes. Man kann froh sein wenn früh die Hütte noch steht. Auf der Uferpromenade hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Wer sowas wohl macht ? Immer dasselbe. Der Eismann von gegenüber schiebt seinen Wagen unauffällig ein Stück näher an die zerschlagene Sandsteinfigur heran, das Geschäft floriert, zitrusgelbe Eisstengel gleiten rein und raus zwischen andächtigen Lippen. Der Kopf liegt dort hinten. Prügeln müsste man sowas ! Damit erreichen Sie gar nichts. Klecks nicht Albert. Albert fährt mit seiner erstaunlich gelenkigen Zunge über seinen Mundwinkel und versucht, den sämigen Tropfen aufzuhalten, der sich langsam und gelb an seinem Kinn herunterschiebt. War das wertvoll ? Ich muss mal. Nimm ein Taschentuch. Hängen bloß rum. Ich geh doch sowieso gleich ins Wasser. Bei der Regierung. Bestimmt nicht echt. Was das kostet. Kein Wunder. Alles vom Steuerzahler. Du klebst. Das weiß ich von meinem Schwager. Der kennt da jemand. Ihre Wurst ist fertig. Die kleine Aufregung verglüht in der Mittagshitze wie ein Streichholz. Ein kurzes Flackern und aus. Dann geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Hin zur Decke. Schutzfaktor 30.

Unterwürfig: wie dein Leben

* Aus meinem staubkörnigen Blick siecht wie Liebe aufgetragene Bedeutung. Du hast recht in deinen Monologen. Es ist zu viel Weltfremde in mir. Ich gehöre nicht mal meinen eigenen Abgründen. Auch sie sind bloss erfunden. Sobald sich etwas mir entspricht. Also aus dem Sprechen verliert. Also aus dem Weinen zu sich kommt. Sich aufgiebt. Aus lauter Lust. Dringt. Und dich bedrängt. Aus dem Hals. Davor wars ein Herz. Bleibe unterwürfig, um die Grammatik nicht zu verlieren. 

Das Gelb: wie Pickel. Unausgedrückt.

verwaschenes Pünktchen auf der Fingerspitze. Und dann das Ausrechnen der Stunden, bis man wieder ansehnlich geworden sein könnte. Bis morgen wird sich eine Kruste bilden. Die sollte ich in Ruhe lassen. Dann übermorgen noch. Dann mit dem Fingernagel eine sanfte Annäherung. Mit dem ersten Glücksgefühl einer anfänglichen Ablösung des geronnenen Blutes. Und beim Geniessen dieses Gefühls

Trüffel: schweinisch.

*  Aus deinen Widersinnigkeiten nehm ich mit auf die Jagd. Tropf ab und gefrier. Deine Mossbehauptung. Enthaupteter Petersilienhügel. Strotzt lässig vor sich hin. Uns entgeht die Verleumdung des Lebens kaum noch. Ringst dir ein Lachen ab. Wie zurückatmen. Du willst nicht mehr: in meine offenen Verlogenheiten schweigen. Treiben. An dir auftauen. Auf mich zuschimmern. Weisst du: wie diese Morganas im Fatum. Später auch. Fällt aus deinem Gesicht der Abgrund. Wie zu berührt. Zum Glück = für den Tag den Atem finden = legst du dich in meine Morgenlästerungen. Du ruhst nicht in dir. Nicht aus dir. Den Wolken geht’s gut. Sieh doch. Oder vernack dich. In meine ausgestreckten Daumen. Wie Schwimmhäute, die dich auffangen. Ohne dich. Immer wieder zu entjungfern.

Mann, Heinrich

diesen kleinen Regisseur mit dem unscheinbaren Gesicht im grauen Bart (wie eine Mösenumrandung) gesprungen, und er glaubte, sie wird ihn immer so anspringen bis an sein Denkensende, was ja sehr schnell, am ersten Abend bereits, einsetzte, dann vögelte sie den Nächsten … und sie hat mittlerweile immer noch solche Pausbacken wie mit 14, nun jedoch voller Sperma von all den Typen, die damals so selig einschliefen, nachdem sie glaubten, dass die Holde es heruntergeschluckt hat.

Es bleibt immer etwas zurück. Vor allem im Gesicht. Heute liegt die versoffene Geliebte von Heinrich Mann immer noch in Amerika in irgendeiner Erde, obwohl sie über diese Blonde hier steht, und der geile Heinrich liegt auf dem Dorostädtischen mitten in Berlin, du brauchst nur von der Invalidenstrasse rechts abzubiegen und da immer irgendwo eine Baustelle ist, findest du auch immer eine Stelle für deinen alten Citroen … hörst du mir überhaupt noch zu

Nacht bei flüssigen Floskeln.

Nämlich wie die sich bloss äussere Vermittlung in Selbsterkenntnis auflöst. Um dieses rein logischen Inhalts willen ist das positive Urtheil nicht wahr (Hegel). Spärlich verriet, aber nicht er, mir die Nachtverrieglung des Himmels, als dir noch zugenähtes Hirn im Wege stand, mitten in den Windfloskeln.

Schädel hoch: gekrochen.

*  Aus deinen Berührungen wollte der Tag gekrochen sein. Noch nie ein Aufbäumen. Ein Gelingen bis tief ins Zerschnittene, Übergangne, Entstirnte. Dein Stöckeln wie an anderen Abgründen. Nun gehen wir nicht mehr ans Ufern. Verlang dich aufs Geheime zu. Schnauf mich aus und finde den Atem weit hinter der Stirn. Du sollst breitbeinig verrecken. Selbst der Abend, so verlassen, schluckt dich nicht mehr. So rot, so zart, ganz von sabberndem Sonnenmund gesogen. Geleckt. Gelangweilt. Danach dieses viel zu grandiose Grün das aus seinem Schädel kroch. Ihm wurde dabei kalt.

Ein Exxistiern.

Vielleicht exxistiert auf der Welt ein Geschmackssignifikat, der leider nicht auf der Suche nach dir ist. Wenn ich dich umarme, bin ich angewiesen/abhängig von der Einsilbigkeit meiner Finger. Mehr soll wohl nicht sein. Früher hatte ich das Unmögliche an mir anders verstanden. Ein langer Verschlingensstraum. Aus deinem Leben hast du ja wohl auch keinen weiteren Beruhigungsprozess gemacht, innerlich, mein ich, bist du nur an deinen Nerven zugrunde gegangen. 

halsfrei

 

gleich der abgesang an deine früher hätt’ ich gesagt
zaghaft zitronengezehrten versuche an deine lippen sie
trocknen um dein letztes wort als auch du im strauch
verstummtest du bist da

wieso halsen sich die gefrässigen blüten auch an mich lüftest du uns komm her mein schrei
weisshäutig wie du nun mal bist vielleicht finden
wir uns einst im

jesilikum