Ein dichter fährt mit einem kahn wörter über den fluss, hin und her, her und hin. Ein wanderer kommt vorbei und fragt:
Ist das die rolle, die aufgabe eines dichters, was du hier tust, und, nimmst du mich mit und bringst mich ans andere ufer?
Was ich hier tue, nein, das ist nicht meine rolle, nicht meine aufgabe, antwortet der dichter, aber, dass einer vorbei kommt und mich das fragt!

Black Sands

Wenn lichte Nebel durch die Sände flüstern
und Meeresbuchten sich am Winde laben;
dein Blut erzitternd gegen Felsen heben

blüht dunkle, rohe Ewigkeit in uns

Hätte er sich seines praktischen Verstandes bedient, wäre dies nicht passiert

Niemand bestreitet, dass beim Menschen die Intentionalität, die wir Gott mittlerweile erfolgreich absprechen, zumindest noch teilweise vorhanden ist. Ich hatte neulich einen Bot zu Hause, der dafür geschaffen war, Löcher in poröse Wände zu bohren. Das Adjektiv „porös“ schien jedoch, im Zusammenhang mit der Konstruktions des Bots, eine andere Bedeutung zu haben als die von mir vorgestellte. Jedenfalls war die Einwirkung des Bots auf die Wand von einer Art, die das funktionale Einführen einer Gardinenstange, unmöglich machte. Ich hielt sie bald schon wieder in der Hand, und auf mich, rieselte bröselte Betonstaub. Offenbar lag es an einem Missverständnis. Hätte man sich seines praktischen Verstandes bedient, wären diese Dinge/Vorgänge nicht passiert.

Manchmal ist es eben gut, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Wohin träumen

Wieder drücken sich die Tage
eng an meine Haut,
tritt ein Teil aus mir heraus
und geht
in sie über,

und ich weiß nicht,
wie ich mich halten soll
inmitten dieser Zeit,
in der die Schritte
blind übereinander fallen

und ich
in keine Himmelsrichtung
träumen kann.

Conceptual Feelings

A.N.Whitehead

* * *

The ‚primordial nature‘ of God is the concrescence of a unity of conceptual feelings, including among their data all eternal objects.

borkum II

traum und nachtgleiche
ein schiff aus sand
und unterm kiel die möwen
schreien übers watt
nebelbänke halten an
die zeit
denkt man
doch es ist das leben
das verweilt

borkum I

vogelrauschen meeresschreien
weht deine stimme in wellenbewegungen
über dünen
den brandungssaum
ziehen graugänse in ein grauland
weiter
der tag ist elektrisch
magnetisch die nacht
plötzlich grün plötzlich blau
und gelb
steh auf
geh
weiter
richten sich mandelweiden auf
zu einer buhnung
stemmt sich sprache gegen den sturm
ebbt ab flutet auf
meeresschreien vogelrauschen

gesang eins

auf einmal wurde die landschaft hügelig
buckelwale duckten ihre rücken im gras
alle halme bewegten sich im gleichklang
die musik musste von fern kommen
hinter dem gebirge wechselte der himmel seine farben
Sirin sang
von der küstenebene drang kriegsgeschrei
die wale verharrten im abendlicht
dass ihre körper aussahen wie gebrannter ton
selbst der himmel erinnerte an irdenes
steinzeug
ich lief schneller
auf einmal ein schnauben und toben
die buckelwale richteten sich auf
flohen hinaus in die dunkelheit der nahenden nacht
Sirin sang weiter
das kriegsgeschrei näherte sich
entfernte sich wieder
und verstummte im letzten ton des lieds

dann hörte ich nur noch deinen atem

Aspergillus fumigatus

Am Rand wies ein dunkelgelbes
Licht an das Deckengewölbe, unten,
neben einer schlanken Säule,
der winzige Schatten,
ein Stück jadegrüne
Kreide.

Aber
meine Arme waren wie
mit einer Pelzschicht
überzogen.

Später lag schwarzer Gießkannen-
schimmel rauchgrün
auf dem (früher glänzenden)
Linoleum (fast wie eine
unbezahlte Rechnung).

Niemand fühlte sich zu-
ständig, ihn zu entfernen.

Ihn, den Dandy
der Schimmelpilze,
wachsend in samtigen,
tief gefalteten oder
flockigen Kolonien –

Flecken auf Mauern
und Verputz,
Glaspilz, Grauschleier
auf Wänden,
Schwarzstaub.

Kastrierte Weinsorten

Riesz-ling
Müller-Schnuller
oder der ganze grüne Filz

schmecken nach Hirnalkoholismus, und welcher gesunde Affe möchte selbst im Vollrausch noch Mangel leiden, und überhaupt, überhaupt – Geschmack ist mehr als Gewohnheit
P.S. und reden wir nicht über Nadelöhre, Karawansereien oder die Erb-

bogaz

wir standen am ufer des bosporus
und blickten hinüber
in das gespiegelte land
dort aßen sie honig und tranken galle
leoparden säumten das ufer
autos hupten und Sirin winkte
einem albatros nach
der schatten seines flügels
streifte ihr gesicht
das wasser sang
und in den wellen verhallten
schüsse aus einem fernen gebirge

„Wann endlich wird die Arbeiterbewegung die Lehren aus ihrer Geschichte ziehen?“

Mein Combray heißt Chemnitz, Karl-Marx-Stadt, Bob-Dylan-Stadt, Stadt der künstlerischen Moderne, Stadt der ästhetischen Avantgarde. Mein C-Dur war der Uki-Goshi.
Karl Chemnitz 1992.
Meine Großeltern wohnten in der Parkstraße.

Vom toten Kind

Tote Kinder hat man nicht nur lieb.
Verletzt, verkrümmt durch’s Fehlen
Trübt sich das Bild und darf’s nicht sein.

Ist Lücke mit offenen Rändern,
Schlund und Geschwür,
Ein Wiedergänger; darf’s nicht sein.

Klagemauer, steinern stumm,
So blindlinks einfach fort-
Gegangen – darf’s nicht sein.

Tortur beständig beim Erinnern,
Lächelnd wie ein Messer –
Schmerzhaft-schädlich – darf’s nicht sein.

Und hört nicht auf, macht weiter,
Kommt zurück in Schüben –
Ist ein Duft, ein Hauch und darf’s nicht sein.

Shrimps

Ein Zeichen.
Kurz vorm Verblassen
des Zimmers.

Er ging zu den
Fenstern um
sie zu schließen.

In Messingständern
Kerzen, gezündet
gelangweilt, dumm

sein Plagiat,
Fischsauce
mit Shrimps,

der Nachdruck
von Original und Kopie.
Die Zunge trennt
Hühnerhaut
von Fleisch.

Beherrscht, der
Junge an Eduards
Seite so
hervor
ragend ver-
knöpft mit
dem Bild

einer
eingelegten Olive,
dahinter nun
angenehm der Geruch
von Vetiver.

Fragment

I

Zuerst entdeckte ich meine Einsamkeit in einem Teich. Sie schwamm an der Wasseroberfläche und kräuselte sich in einem Lächeln. Dünne Falten bewegten sich hin und her. Sie wirkte freundlich und erschreckte mich nicht. Doch als ich einen kleinen Stein auf sie warf, wurden die Wasserfalten tiefer, schwankten heftig, und ein neuer Ernst drang in mein Leben.
Manchmal nannte ich Vater Rabenkrähe, so unnahbar streifte er den Rand meiner Welt. Er kam selten zum Teich, und wenn ich auf ihn zulief, flog er davon. Mutter war der Adler. Jeden Tag zog sie über mir Kreise, doch auch sie konnte ich nie greifen. Ich hatte nur eine Feder von ihr, die auf meinem Pult stand.
Ich sah oft schöne Menschen an unserem Garten vorbeilaufen, Menschen mit einem Ziel. Ich hatte keines. Deshalb sprang ich vom Bordstein zur Hecke und wieder zurück, nie geradeaus. Mutter ging nicht gern mit mir spazieren. Sie nannte mich flatterhaft. „Kannst du nicht ordentlich laufen?“, sagte sie immer. „Du bist doch schon fünf.“ Dabei tat ich es nur wie die Schnecken, denen ich im Garten eine Rennbahn gebaut hatte.

II

Das Krankenbett meiner Liebe ist grau. Ich habe es so angeordnet, damit der Verfall weniger sichtbar wird. Sie liegt dort zwischen verbrauchten Laken und Decken, das Gesicht von Falten durchzogen. „Wir können nichts mehr für sie tun“, hatte mir der Arzt im Vorbeigehen gesagt.
Seitdem sitze ich an ihrer Bettkante und schaue ihr dabei zu, wie sie immer weniger wird.

III

Heute Nacht hatte ich einen Traum. Mir wurde auferlegt, Pferde in den Stall zurückzuführen. Jedes Pferd hatte seinen festen Platz. Die Tiere bockten, und ich zerrte an ihren Zügeln und rief Namen. Immer wenn etwas in mir starb,  kam ein neues Pferd hinzu, das ich in seine Box bringen und festbinden sollte. Es wieherte, reckte den Hals in die Luft, bäumte sich auf und lief in wildem Zickzack hin und her. Sein Rückenfell sträubte sich, und die Augen waren von roten Rändern unterlaufen.

Überall dort, wo meine Liebe nicht ist, stürzt ein Pferd auf mich zu. Ich mag keine Pferde. Auch keine Krähen und Adler. Nur der Katze vertraute ich, die manchmal durch eine offene Stelle in der Hecke herbeischlich. An guten Tagen vertraute ich auch der Einsamkeit, die mich aus dem Wasserspiegel anblickte. Gute Tage waren selten.

Plötzlich

ist es wieder
4. Januar, Zeit
für ein Gedicht –

am Bosporus
werden Bomben
gezündet – warum?

In Bagdad sprengt
sich ein Mann
selbst in die Luft…

Für den Weg
nach Bagdad brauchte
man einmal zwei Wochen,

mit dem Flugzeug
geht es schneller.
Raketen bringen Satelliten

ins All, wessen
All? Das All
einiger,

Manche haben die
Möglichkeit. Denken
aber

können alle, welch
Widerspruch … die
Wünsche

eine Maschine,
und wir
sind Papst

Nikolaus
Weihnachtsmann – –
Oster

hase, Hasen
fuß oder
Fußfessel

_________________Auster_____________________

ität::::::::::::::::::::gekocht:::::::::::::::::::::ungesalzen
Osten:::::::::::::::::::Austen::::::::::::::::::::::Jane
litz::::::::::::::::::::Auer::::::::::::::::::::::::Hahn
Westen::::::::::::::::::Besten::::::::::::::::::::::::::X
n:::::::::::::::::::::::ohne::::::::::::::::::::::::alles
im::::::::::::::::::::::Sala::::::::::::::::::::::::::t

„… ist keine Kunst, sondern Dummheit.“

hi

er dum-

me Kom

me nta re ein-

ste

llen ist keine Kun

st, so

n

dern Dum

mheit.

I

wish you to breathe
as the harp of
John Mayall
in happy April,
happy-hap-hap,
happy April
happy April,
happy April –
in spring
eightyseven

Themen oder Stile? Über einen müßigen Streit innerhalb der sog. >Ästhetik (plusprobleme)

* * *

Schnee (2)

Nicht
alles Gute
ist es auch

__________________ Kraba

Was ist mathematische Vernunft? Ein Bewusstsein der Regeln des Prädikatenkalküls erster Stufe, verbunden mit der Fähigkeit eine Mannigfaltigkeit in der >>Anschauung unter einen Begriff – d.i. eine allgemeine Regel – zu subsumieren: also – – irgendetwas – – von der – – – Art – – –
formales Denken + Urteilskraft = >>>nach dem Vorbild der Mathematik aufgefasste

Das Kind,

der Hypochonder:
ich will – nein
du sollst – schluchz,
später gezielte
Beharrung, ein Meteorit
auf seiner para
bolischen, hyperbolischen
ja vielleicht sogar
elliptischen Bahn – nein,
keine Beschwörung
dunkler Materie
*
Energie gar,
die Energien dieses
Wesens ein Selbst aus
Raum & Zeit _ Jamais
QUAND BIEN MÉME LANCÉ DANS DES
CIRCONSTANCES ÉTERNELLES
ob mit oder ohne
Worte „mit ohne“
hat hat
immer
selbst eine Meinung
* *
Hypochonder ruft Anachonda,
Basis Winde Stein Kerne Flug
Basis Anabasis oder einfach
die Drehung,
Be
weg
ung in sich
aus sich / selbst heraus
Toute Pensée émet un Coup de Dés

Ein Beispiel (Analogiebildung)

Wer A kauft, kauft auch B. Wer B kauft, ist ein C.

Wer X wählt, wählt Y. Wer Y wählt, der wählt den Krieg.

Nackt: in Keats lesend, auf dem Sofa

Pfeife:
sein Arzt bestätigte
den Verdacht
auf In-
kontinenz
nicht.

Er war
als
Hypochonder
abge-
stempelt.

Ein empfindlicher
Knacks:

mir fiel nichts,
ab-
so-
lut nichts

mehr

ein

zu

 

Wortwortwort

Als Foucaust den
Holocault entdeckte
wurde ihm
schwindelich

Eine neue Genuss?
Soziomos dalitätärä?
Tä-tä-towie-ru
kunst

voll knapp
unter die Haut
des Denkorgans
pro

jizier-t,
ji & jang –
„forever“:
Techno log.i/ie//e
_____________a?

Sex bei erhöhter Temperatur

Als es
kälter zu werden
begann:

kälter, da
packten wir
die Koffer,
ließen Eduard,
den Verblüfften, den
Apathischen
allein.

Vyvyan und ich
(wie Lou und René)
in Eduards Wohnung
mit den Dattelpalmen,
den Zwergenhaften

allein:
Sie, die ständig
Wasser brauchten,

Kannen von Wasser,
und Licht
und Wärme

zum Überleben.

Auf der Türschwelle
war der Abschied
lau.

Nun sei es Zeit,
nach Davos zu gehen:

drei Wochen Husten,
ein malender
Bazillenträger,
froh, dass er
verschwand.