{"id":880,"date":"2011-03-05T22:08:59","date_gmt":"2011-03-05T21:08:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=880"},"modified":"2016-05-25T22:30:20","modified_gmt":"2016-05-25T21:30:20","slug":"berufe-besichtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=880","title":{"rendered":"Berufe besichtigen"},"content":{"rendered":"<p>Wieviele Rezensionen k\u00f6nnen Redaktionen verkraften? Ein Bruchteil der B\u00fccher, die w\u00e4hrend eines Jahres erscheinen, werden auf den Feuillettonseiten beachtet. Da hats ein Autor denkbar schwer, alles ins \u00f6ffentliche Gespr\u00e4ch zu bringen, was er binnen eines Jahres publiziert. Es kann sein, dass ein Buch den Blick auf das andere verstellt. Das ist dem Leipziger Thomas B\u00f6hme 2010 geschehen, als er mit seinem alles in den Schatten stellenden Roman \u201eDer Schnakenhascher\u201c auftauchte. Zum Nachteil einer Sammlung von Gedichten, deren freie, strenge Struktur ihr eigene Art, also Eigenart hat. In der Nachbemerkung zu dem Band \u201eHeikles Handwerk\u201c mahnt der Lyriker zur Vorsicht und bittet, das Gelieferte nicht \u201emit Sonetten zu verwechseln\u201c. Na ja, wer ein wenig beschlagen ist mit der Poesie s\u00e4mtlicher Zeiten, dem wird das Sonettenhafte bei B\u00f6hme nicht aus dem Sinn kommen. Gewi\u00df ist, die strikt vierzehnzeiligen Gedichte sind keine strikten Sonette. Sie sind auch keine Prosagedichte, woran dann und wann zu denken ist. Und das nicht nur wegen des sprachlichen Rhythmus\u00b4, der von der Sonette hergeleitet ist. \u201eHeikles Handwerk\u201c, mit dem Hinweis \u201e66 Fallstudien\u201c versehen, lotst die Leser in eine Lyrik, die h\u00f6chst erz\u00e4hlerischen Inhalts ist.<br \/>\nThomas B\u00f6hme hat ein Museum eingerichtet. In dem sind Handwerksberufe zu besichtigen, die, zumeist, nur noch in Lexikas leben. B\u00f6hmes \u201eVerse\u201c sind keine Versuche der Wiederbelebung. Die Berufe, beziehungsweise Berufsbezeichnungen, sind ihm Anla\u00df, R\u00fcckschau zu riskieren, ohne in ihr zu schwelgen. Jede R\u00fcckschau ist auch \u2013 oder vor allem \u2013 eine Reflektion auf das unmittelbare Jetzt. Dieses Hin- und Herschwingen zwischen den Zeiten, diese Mixtur aus Gestern und Heute, f\u00f6rdert die Lust am Lesen der Texte. Ohne surreal zu sein, hat doch Manches eine sur-realistische Bildhaftigkeit. Sofern der Sinn daf\u00fcr da ist, so und das zu sehen. Surreales schimmert bei dem Schriftsteller immer durch wie das Erotische, das aus einer nie eindeutig artikulierten Sexualit\u00e4t kommt.<br \/>\nDer Lyriker und Prosaist ist ein Wanderer durch die Welten und zwischen den Welten. Nun zwischen den Berufswelten, die er kaum beschreibt, die er benutzt, um sich seine Phantasie-Welt zu zimmern. So wie das immer ist in der Literatur des Autors: Der unverkennbaren B\u00f6hme-Literatur. Das Aufsp\u00fcren verloren geglaubter Handwerksberufe rechtfertigt, wie so nicht immer, Thomas B\u00f6hmes Neigung, verloren geglaubte Vokabeln aufzusp\u00fcren. Gedanken und Geschichten werden zu Gedanken-Geschichten, die Gestriges und Gegenw\u00e4rtiges durch die Sprache harmonisieren. Nicht jeder Gedankengang mu\u00df nachvollziehbar sein und nachvollzogen werden. Warum auch? Bliebe dem Autor dann Gelegenheit f\u00fcr die kuriosen Kurven, die seine Gedanken in jede m\u00f6gliche Richtung gleiten lassen? Die Uneindeutigkeit im Deutlichen, die Deutlichkeit im Uneindeutigen m\u00f6glich zu machen, ist eine Sache des regen gedanklichen, sprachlichen Spielsinns von Thomas B\u00f6hme. Die 66 in \u201eHeikles Handwerk\u201c zusammengefa\u00dften Vierzehnzeiler ziehen vor\u00fcber wie vollgepackte Loren. F\u00e4llt dann und wann ein Witz heraus und herunter, werden sie von den Lesern gern aufgelesen.<br \/>\nThomas B\u00f6hme: Heikles Handwerk. 66 Fallstudien. poetenladen: Leipzig 2010. 80 Seiten, Geb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieviele Rezensionen k\u00f6nnen Redaktionen verkraften? Ein Bruchteil der B\u00fccher, die w\u00e4hrend eines Jahres erscheinen, werden auf den Feuillettonseiten beachtet. Da hats ein Autor denkbar schwer, alles ins \u00f6ffentliche Gespr\u00e4ch zu bringen, was er binnen eines Jahres publiziert. Es kann sein, dass ein Buch den Blick auf das andere verstellt. 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