{"id":878,"date":"2011-03-03T11:35:08","date_gmt":"2011-03-03T10:35:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=878"},"modified":"2016-05-25T22:30:35","modified_gmt":"2016-05-25T21:30:35","slug":"dem-verlag-verpflichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=878","title":{"rendered":"Dem Verlag verpflichtet"},"content":{"rendered":"<p>Kiepenheuer-B\u00fccher waren begehrte B\u00fccher. Sie wurden gelesen. Kiepenheuer-B\u00fccher waren keine Massenware. Sie hatten Wert. Sie waren ein Wert an sich. Vor allem in den Zeiten, in denen der Kiepenheuer Verlag am \u00e4rgsten bedr\u00e4ngt und bedroht war: In den Jahren der nazistischen Diktatur. Auch in den mageren Zeiten, die dem Tode des Verlagsgr\u00fcnders Gustav Kiepenheuer folgten, der 1949 starb. Magere Zeiten, die nicht Noa Kiepenberg verschuldete, die bis 1970 dem Verlag in Weimar vorstand. Das Niveau von Kiepenheuer zu dr\u00fccken oder zu unterdr\u00fccken ist niemand gelungen. Oft am Rande der Existenz, ist es erst den gesch\u00e4ftigen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern des Aufbau-Verlages gelungen, den Gustav Kiepenheuer Verlag zu Grabe zu tragen. Und das im Jahr des Jubil\u00e4ums. 2010 wurde der Verlag Hundert. Das Ereignis wurde mit einer Ausstellung gew\u00fcrdigt, die von Februar bis Mai 2010 im Leipziger \u201eMuseum f\u00fcr Druckkunst\u201c zu sehen war.<br \/>\nNicht nur zur Freude der \u201eFamilie\u201c Kiepenheuer, zu der alle Freunde des Verlages z\u00e4hlen, ist nun eine w\u00fcrdige, w\u00fcrdigende Publikation erschienen. Von Siegfried Lokatis und Ingrid Sonntag als Herausgeber betreut, ist eine ergiebige Edition entstanden, die Wesentliches der \u201e100 Jahre Kiepenheur-Verlage\u201c zusammenfa\u00dft. Der Band ist eine abwechslungsreiche Darstellung der Geschichte des Verlages, der Erhebliches zur Kultur des Landes in Deutschland beigetragen hat. Nie einer der gro\u00dfen deutschen Verlage, wurde der Gustav Kiepenheuer Verlag in den ersten beiden Jahrzehnten zu einem Verlag der Gro\u00dfen der linken, linksb\u00fcrgerlichen deutschen Literatur. Von Brecht bis Heinrich Mann und Anna Seghers bis Carl Zuckmayer und Arnold Zweig versammelte der Verleger ein seinem Hause, was auf dem Wege war, sich Rang und Namen zu erschreiben. 1910 in Weimar begonnen, 1918 nach Potsdam umgezogen, wurde das \u201eVagabundieren\u201c ebenso zum Schicksal des Verlages wie das Auf und Ab.<br \/>\nDank der schnellwechselnden Kapitel, der vielen verpflichteten Autoren, der Essays, Aufs\u00e4tze, Gespr\u00e4che, Dokumentationen, ist das Buch zum Verlag zu einem nie erm\u00fcdenden Lese-Buch geworden. Die Substanz macht die Qualit\u00e4t von \u201e100 Jahre Kiepenheuer-Verlage\u201c. Die Substanz verantworten vor allem die, die, zu unterschiedlichen Zeiten, f\u00fcr den Verlag verantwortlich waren, die sich ihm verpflichteten und so f\u00fcr die Kiepenheuer-Qualit\u00e4t sorgten. Ihnen, den Dabeigewesenen r\u00e4umt die Publikation reichlich Platz ein. Es wird weniger reflektiert und analysiert. Es wird berichtet und erz\u00e4hlt. Das gibt den Beitr\u00e4gen Unmittelbarkeit und stachelt die Aufmerksamkeit der Au\u00dfenstehenden an. So wie sich viele Leser als stille Abonnenten der Kiepenheuer B\u00fccher f\u00fchlten, so k\u00f6nnen sich nun vor allem \u00e4ltere Leser als Teilhaber der Verlagsgeschichte f\u00fchlen. Die geistige Verwandtschaft zwischen Verlag und Lesern ist ein immer noch stabiles Band. Die Dankbarkeit ist in der Anerkennung f\u00fcr das Durchhalten des Gustav Kiepenheuer Verlages, der eher Buch-Verlag denn Markt-Verlag war. Das k\u00f6nnen alle Generationen zur Kenntnis nehmen und sich, sofern j\u00fcnger, ihre Gedanken zum Gewesenen und Gewordenen machen. Die Geschichte der Kiepenheuer-Verlage ist auch die Geschichte von Widerspruch, Widerstreit, Widerstand. Von Verletzungen und Verletzten zu sprechen macht die Ausgabe authentischer und glaubw\u00fcrdiger. Also zu einer Lekt\u00fcre, die gleicherma\u00dfen anregt wie sie angenehmen aufregt, so da\u00df die interessierten und zu interessierenden Leser wacher und wacher werden. \u201e100 Jahre Kiepenheuer-Verlage\u201c ist eher Festschrift denn Chronik\u201c. \u201e100 Jahre Kiepenheuer-Verlage\u201c ist ein gut zu lesendes, lesenswertes Buch \u00fcber das B\u00fcchermachen. Die Publikation ist in ihrer Gesamtheit eine rege Literatur-Kultur-Geistes-Personen-Geschichte wie sie in dieser Art nicht so h\u00e4ufig ist.<br \/>\n100 Jahre Kiepenheuer-Verlag. Hg. Siegfried Lokatis, Ingrid Sonntag. Ch. Links Verlag: Berlin 2011. 424 Seiten, Broschur<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiepenheuer-B\u00fccher waren begehrte B\u00fccher. Sie wurden gelesen. Kiepenheuer-B\u00fccher waren keine Massenware. Sie hatten Wert. Sie waren ein Wert an sich. Vor allem in den Zeiten, in denen der Kiepenheuer Verlag am \u00e4rgsten bedr\u00e4ngt und bedroht war: In den Jahren der nazistischen Diktatur. 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