{"id":7134,"date":"2017-01-09T05:47:59","date_gmt":"2017-01-09T04:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=7134"},"modified":"2017-01-09T05:47:59","modified_gmt":"2017-01-09T04:47:59","slug":"das-testament-der-graefin-ulrike-kapitel-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=7134","title":{"rendered":"Das Testament der Gr\u00e4fin Ulrike, Kapitel 7"},"content":{"rendered":"<p>Kapitel 7<\/p>\n<p>Ein Taxi fuhr vor dem Schloss vor. Eine junge, sehr schlanke Frau entstieg ihm, einen Handkoffer als Gep\u00e4ck, das blonde Haar hing ihr str\u00e4hnig \u00fcber die Schulter. Marietta stand vor der Schlosst\u00fcr und beobachtete die Angekommene skeptisch. Eine Nicht der Gr\u00e4fin?<br \/>\nGew\u00f6hnlich, dieses Weib war ordin\u00e4r, entschied sie. Instinktiv f\u00fchlte sie Abneigung gegen die Besucherin.<\/p>\n<p>\u201eWillst du mir nicht den Koffer abnehmen?\u201c Daniela, denn um sie handelte es sich, war w\u00fctend: Die Gr\u00e4fin nirgends zu sehen, daf\u00fcr eine Dienstmagd als Empfangsdame. Ein sch\u00f6ner Empfang! \u201eWo ist denn die Frau Gr\u00e4fin?\u201c, fragte sie aufgebracht. \u201eIch habe ihr doch geschrieben, dass ich komme!\u201c<\/p>\n<p>Marietta musterte schweigend den Gast. Ein billiges Kost\u00fcm, abgetretene Pumps, ordin\u00e4re dicke Ohrringe. Irgendwas gefiel ihr auch an dem Gesichtsausdruck Danielas nicht. Ihr Urteil stand fest: Mit der ist nicht gut Kirschen essen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t***<\/p>\n<p>Gr\u00e4fin Ulrike warf einen pr\u00fcfenden Blick auf die unbekannte Nichte, die am Tisch Platz genommen hatte. \u201eDu bist also Daniela, die Tochter meines Cousins Eduard. \u2013 Mein Beileid\u201c, f\u00fcgte sie hinzu. \u201eDamals habe ich deinen Vater sehr gemocht. Aber das ist lange her. Seitdem haben wir uns nicht wiedergesehen. \u2013 Aber nun bist du statt seiner gekommen, Kind\u201c, f\u00fcgte sie freundlich hinzu.<\/p>\n<p>\u201eTante Ulrike, ich habe doch nur noch dich auf der Welt.\u201c Daniela betupfte sich mit einem nicht mehr ganz sauberen Taschentuch die Augen.<\/p>\n<p>\u201eKomm her, Kind.\u201c Die Gr\u00e4fin zog die Nichte an sich. \u201eEs ist traurig, wenn man so allein in der Welt steht, ich wei\u00df. Ich kann deine Tr\u00e4nen sehr gut verstehen. Erz\u00e4hl, wie lebte dein Vater? Und deine Mutter? Sie lebt wohl auch nicht mehr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeine Mutter war die geborene Baronin Altstetten, sie ist gestorben, als ich drei Jahre alt war. Vater hat unser Schloss verkaufen m\u00fcssen, und wir haben in der Stadt gelebt, in einer sehr engen Wohnung, eher einer Kammer, Tante Ulrike!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, Kindchen, da ist dir ja schon in jungen Jahren sehr viel Leid begegnet\u201c, sagte die Gr\u00e4fin mitf\u00fchlend. \u201eAber jetzt\u201c, sie blickte zur T\u00fcr, die einen Spalt offenstand \u2013 \u201ejetzt bleibst du bei mir, solange es dir gef\u00e4llt. Und dass du einmal meine Haupterbin sein wirst, wird dich nicht verwundern, das ist dir sicher bekannt?\u201c<\/p>\n<p>Danielas Augen leuchteten einen kurzen Moment auf. Der Gr\u00e4fin entging es nicht.<\/p>\n<p>\u201eMarietta!\u201c, rief sie. \u201eStell mal etwas auf den Tisch. Meine Nicht Daniela wird nach ihrer Reise ausgehungert sein.\u201c<\/p>\n<p>Marietta trat durch die T\u00fcr mit verr\u00e4terisch roten Wangen. \u201eWir haben nur noch Braten von gestern\u201c, sagte sie unwirsch.<\/p>\n<p>\u201eNun, dann bringst du den Braten von gestern.\u201c Die Gr\u00e4fin l\u00e4chelte. \u201eWas stehst du noch herum? Daniela f\u00e4llt mir noch in Ohnmacht vor Hunger!\u201c<\/p>\n<p>Marietta verschwand. Die Gr\u00e4fin wandte sich wieder ihrer Nichte zu. \u201eMarietta ist altes Schlossinventar, ihre Mutter hat schon den Eltern meines Mannes gedient. Eine Dynastie von K\u00f6chinnen. Ein bisschen neugierig, aber das\u201c, die Gr\u00e4fin lachte hell auf, \u201esind wir alten Frauen alle. Ich w\u00fcrde gern wissen, Daniela, wie du dir die Zukunft vorstellst. Gibt es jemandem in deinem Leben, der dir nahesteht?\u201c<\/p>\n<p>Daniela antwortete nicht sofort. Z\u00f6gernd sagte sie dann: \u201eIm Moment nicht. Aber ich denke durchaus daran, nicht allein zu bleiben, Tante Ulrike. Ich hoffe, mit deinen Beziehungen zu den ersten Familien eine gute Partie finden zu k\u00f6nnen. Einen Gatten, der auch in diesem Schloss \u2026\u201c<\/p>\n<p>Die Gr\u00e4fin fiel ihr ins Wort: \u201eDamit wird es wohl nichts werden. Ich stehe in Verhandlungen, das Schloss zu ver\u00e4u\u00dfern, Daniela. In diesen Mauern werden nach meinem Tode nur noch die M\u00e4use und der Kunstverein nisten. Du musst dich schon nach einem anderen Quartier umsehen, so leid es mir tut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch\u201c, Daniela blickte zum ersten Mal der Tante ins Gesicht, \u201edas habe ich nicht gewusst, ich dachte \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist und bleibst, wenn alle deine Papiere stimmen, die du mir noch vorlegen wirst, meine Nichte und Haupterbin. Aber mit dem Schloss, versteh mich, habe ich anderes vor. Halb und halb habe ich es dem Kunstverein bereits \u00fcbergeben.\u201c<\/p>\n<p>Daniela schoss einen unfreundlichen Blick auf die Gr\u00e4fin. \u201eNat\u00fcrlich\u201c, beeilte sie sich zu sagen, \u201enat\u00fcrlich, Tante Ulrike, das Schloss geh\u00f6rt dir, ich habe mich da nicht einzumischen.\u201c Der Gr\u00e4fin entging das verdrossene Gesicht Danielas nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 7 Ein Taxi fuhr vor dem Schloss vor. Eine junge, sehr schlanke Frau entstieg ihm, einen Handkoffer als Gep\u00e4ck, das blonde Haar hing ihr str\u00e4hnig \u00fcber die Schulter. Marietta stand vor der Schlosst\u00fcr und beobachtete die Angekommene skeptisch. Eine Nicht der Gr\u00e4fin? Gew\u00f6hnlich, dieses Weib war ordin\u00e4r, entschied sie. 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