{"id":7024,"date":"2016-12-18T10:42:00","date_gmt":"2016-12-18T09:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=7024"},"modified":"2016-12-18T10:42:00","modified_gmt":"2016-12-18T09:42:00","slug":"7024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=7024","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Das Testament der Gr\u00e4fin Ulrike<\/p>\n<p>Kapitel 1<\/p>\n<p>\u201eDauernd l\u00e4dt sich die Gr\u00e4fin G\u00e4ste ein. Und ich muss sehen, wie ich die Arbeit schaffe!\u201c<br \/>\nMarietta, die K\u00f6chin auf Schloss Rheinstein, schimpfte. \u201eAber das Essen muss p\u00fcnktlich um eins auf dem Tisch stehen! Eine Pedantin, unsere liebe Frau Gr\u00e4fin!\u201c<\/p>\n<p>Jochen, der in der K\u00fcche am Tisch sa\u00df, lie\u00df die Litanei der Mutter \u00fcber sich ergehen.<br \/>\nEr wusste, dass Klappern zum Handwerk geh\u00f6rte. \u201eJa\u201c, sagte er nach l\u00e4ngerem Schweigen, \u201eunsere Gr\u00e4fin ist schon eine recht seltsame Frau.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd du, Jochen, pl\u00fcnderst mich aus!\u201c Die rundliche Marietta stemmte die Arme in die Seiten. \u201eKeinen einzigen Monat kommst du mit deinem Lohn hin! Was soll das blo\u00df werden, wenn die Gr\u00e4fin mich eines Tages entl\u00e4sst, weil ich ihr zu alt geworden bin! Oder weil der Braten verbrannt ist. Oder weil ich das Kochen verlernt habe! Verhungern w\u00fcrdest du! Und wenn sie stirbt, was keiner annehmen will \u2026\u201c<\/p>\n<p>Bei diesen Gedanken musste sie sich setzen. Im Herd brutzelte ein Rehbraten. Sie lauschte auf das Ger\u00e4usch. \u201eDas Essen ist bald fertig\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>\u201eNa, so alt ist ja noch nicht. H\u00f6chstens siebzig\u201c, sagte Jochen.<\/p>\n<p>\u201eDreiundsiebzig\u201c, korrigierte Marietta. \u201eAber seit der Herr Graf gestorben ist, wird sie wunderlich. Dauernd tauchen hier Bittsteller auf, und sie gibt ihr Geld mit vollen H\u00e4nden aus!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer ist denn heute bei ihr?\u201c Jochen blickte die Mutter gespannt an.<\/p>\n<p>\u201eNa wer schon! Wieder dieser Typ vom Kunstverein! Der mit dem Rauschebart! Der hat einen Appetit, sage ich dir! Der frisst der Gr\u00e4fin noch die Haare vom Kopf! Sie soll ja dem Kunstverein eine Menge Geld vermacht haben. Schon zu Lebzeiten. Und wer wei\u00df, was sie in ihr Testament geschrieben hat. Wo sie doch keinen leiblichen Erben mehr hat seit dem Unfall des jungen Herrn Grafen. Na, und der Rest f\u00e4llt in den gefr\u00e4\u00dfigen Rachen des Staates.\u201c<\/p>\n<p>Jochen nickte bek\u00fcmmert. \u201eHoffentlich wirst du wenigstens bedacht. Wo du dich all die Jahre f\u00fcr die Rheinsteins abgeschuftet hast.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas lass mal meine Sorge sein. Die Frau Gr\u00e4fin war immer gut zu mir, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mich nicht bedacht hat in ihrem Testament.\u201c<\/p>\n<p>Marietta schreckte zusammen. \u201eDa plaudere ich hier mit dir, und oben sitzt die Frau Gr\u00e4fin und wartet auf ihren Tee!\u201c Hastig stellte sie Teekanne, Tasse und Zuckerdose auf ein Tablett. An der T\u00fcr wandte sie sich um: \u201eUnd dass du verschwunden bist, wenn ich wiederkomme!<br \/>\nDu wei\u00dft, die Frau Gr\u00e4fin hat dir verboten, dich noch einmal hier blicken zu lassen.\u201c<\/p>\n<p>Jochen sah der Mutter sauert\u00f6pfisch nach. Dann st\u00fcrzte er zum Herd. Er hob einen Topfdeckel ab. \u201eBlo\u00df Suppe\u201c, sagte er entt\u00e4uscht. Der Deckel fiel mit einem Scheppern auf den Steinfu\u00dfboden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Testament der Gr\u00e4fin Ulrike Kapitel 1 \u201eDauernd l\u00e4dt sich die Gr\u00e4fin G\u00e4ste ein. Und ich muss sehen, wie ich die Arbeit schaffe!\u201c Marietta, die K\u00f6chin auf Schloss Rheinstein, schimpfte. \u201eAber das Essen muss p\u00fcnktlich um eins auf dem Tisch stehen! 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