{"id":573,"date":"2009-10-08T11:36:23","date_gmt":"2009-10-08T10:36:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=573"},"modified":"2016-05-25T22:08:59","modified_gmt":"2016-05-25T21:08:59","slug":"kollektiver-amnesie-entgegenwirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=573","title":{"rendered":"Kollektiver Amnesie entgegenwirken"},"content":{"rendered":"<p>Essay von Viktor Kalinke<\/p>\n<p>Die Herbstrevolution, die die DDR zu Fall brachte, hatte ihre tieferen Wurzeln in der Spaltung der kommunistischen Bewegung an der Luxemburgschen Forderung nach Demokratie. Bereits in den 1950er und 1960er rebellierten liberal gesinnte Kommunisten wie Wolfgang (Wladimir) Leonhard, Robert Havemann, Wolfgang Harich, Volker Braun und Rudolf Bahro gegen den stalinfreundlichen Kurs der Gruppe Ulbricht. Nachdem die Reformkommunisten 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei mit der Armeegewalt des Warschauer Paktes (ohne die Beteiligung Rum\u00e4niens) aus ihren \u00c4mtern gejagt und zum Teil liquidiert worden waren, l\u00f6ste sich die letzte Chance auf eine Umgestaltung des erstarrten stalinistischen Systems in eine lebensf\u00e4hige, sich durch Eigendynamik entfaltende Gesellschaft in Luft auf. Die Solidarno??-Bewegung, die seit 1980 in Polen f\u00fcr Unruhe sorgte und massiv aus dem westlichen Ausland unterst\u00fctzt wurde, setzte sich die Abschaffung des Sozialismus zum Ziel. In der DDR dagegen blieb die Idee der \u00dcberwindung sich vertiefender materieller Unterschiede zwischen den Menschen, die auf die franz\u00f6sische Idee der Gleichheit bzw. Chancengleichheit und Unabh\u00e4ngigkeit vom \u00f6konomischen Status zur\u00fcckgeht, in den Folgejahren weiterhin stark genug, um auch angesichts des offensichtlichen Bankrotts des Staatssozialismus, wie ihn selbst das Politb\u00fcro der SED in seiner Analyse vom 30. Oktober konstatierte, die illusion\u00e4re Hoffnung auf Ver\u00e4nderung innerhalb des Systems aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Im Januar 1989 schien die sozialistische Welt, oberfl\u00e4chlich gesehen, noch in Ordnung zu sein. Honecker verk\u00fcndete \u00fcberzeugt, da\u00df die Mauer \u201ein f\u00fcnfzig oder auch in hundert Jahren noch bestehen\u201c werde, falls die Voraussetzungen zur \u00d6ffnung nicht gegeben sind. Doch vier Tage zuvor, wie schon im Jahr 1988, hatte es wieder Gegendemonstrationen mit der Forderung nach der Freiheit Andersdenkender und Verhaftungen gegeben. W\u00e4hrend einem Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung Widerstand zwecklos erschien, tr\u00e4umte eine Minderheit \u201edemokratischer Sozialisten\u201c, wie sie sich selbst auf Flugbl\u00e4ttern nannten, unverzagt von Ver\u00e4nderung. Mit der Wahlf\u00e4lschung vom Mai 1989 leistete sich die SED einen B\u00e4rendienst \u2013 das Vertrauen in die Staatspartei verschwand zusehends. Als Egon Krenz das Massaker auf dem \u201ePlatz des himmlischen Friedens\u201c zur \u201eNiederschlagung einer Konterrevolution\u201c hochstilisierte, weckte er zwar einerseits Angst, andererseits wuchs der Mut der Verzweiflung, sich gegen das Regime zu stemmen und f\u00fcr B\u00fcrgerrechte einzustehen.<\/p>\n<p>In Berlin-Gr\u00fcnheide, wo Robert Havemann seinen Hausarrest bis zum Tode aussitzen mu\u00dfte, bildete sich 1989 die Initiative Neues Forum \u2013 mit dem Ziel, die DDR linksdemokratisch zu \u00fcberholen und eine Diskussionsplattform zu bieten, um die Massen der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr eine Erneuerung des Sozialismus zu gewinnen. Das Neue Forum war die erste und bedeutendste B\u00fcrgerrechtsbewegung in der DDR. Sie erm\u00f6glichte es Menschen aus allen Berufen, Lebenskreisen, Parteien und Gruppen, sich an der Diskussion und Bearbeitung lebenswichtiger Gesellschaftsprobleme zu beteiligen. Am 9.\/10. September wurde der Gr\u00fcndungsaufruf \u201eAufbruch 89 \u2013 NEUES FORUM\u201c von 30 Erstunterzeichnern aus der gesamten DDR unterschrieben. Zu ihnen geh\u00f6rten unter anderem B\u00e4rbel Bohley, Katja Havemann, Rolf Henrich, Sebastian Pflugbeil, Jens Reich, Hans-Jochen Tschiche und Michael Arnold. Mit dem Satz \u201eIn unserem Land ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gest\u00f6rt\u201c startete der Aufruf. Allen Bestrebungen lag der Wunsch nach Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden sowie Schutz und Bewahrung der Natur zugrunde. Offenheit, Dialog und Erneuerung wurden gefordert. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der DDR rief man dazu auf, an der \u201eUmgestaltung unserer Gesellschaft\u201c mitzuwirken und dem Neuen Forum beizutreten.<\/p>\n<p>Am 19. September 1989 stellte das Neue Forum einen Antrag auf Zulassung als \u201epolitische Vereinigung\u201c. Zwei Tage sp\u00e4ter wurde es als staatsfeindliche und illegale Organisation abgestempelt. Damit drohte ihren Vertretern die H\u00f6chststrafe nach dem DDR-Strafrecht. Die Abteilung Inneres des Rates des Bezirkes Leipzig lehnte am 26. September 1989 den Antrag auf Anmeldung der Vereinigung Neues Forum mit der Begr\u00fcndung ab, da\u00df es f\u00fcr ihre Ziele in der DDR keine gesellschaftliche Notwendigkeit gebe. Alle Handlungen seien sofort einzustellen. Dennoch hielt das Neue Forum weiterhin an der Inanspruchnahme des Artikels 29 der Verfassung der DDR vom 6. April 1968 fest: \u201eDie B\u00fcrger der DDR haben das Recht auf Vereinigung, um durch gemeinsames Handeln in politischen Parteien, gesellschaftlichen Organisationen, Vereinigungen und Kollektiven ihre Interessen in \u00dcbereinstimmung mit den Grunds\u00e4tzen der Verfassung zu verwirklichen.\u201c Alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die von der gesellschaftlichen Notwendigkeit des Neuen Forums \u00fcberzeugt waren, bat man eindringlich, sich per Eingabe an das DDR-Innenministerium zu wenden und die Zulassung zu fordern.<\/p>\n<p>Die revolution\u00e4re Situation ging dabei nicht vom Neuen Forum aus, sondern von der \u00d6ffnung des Eisernen Vorhangs in Ungarn, die eine Massenflucht von DDR-B\u00fcrgern \u00fcber \u00d6sterreich in die Bundesrepublik erm\u00f6glichte. W\u00e4hrend das altersdemente Politb\u00fcro die Entwicklung verschlief, mit tschekistischen Repressionsreflexen reagierte und dar\u00fcber hinaus in einem qu\u00e4lenden Generationswechsel mit sich selbst besch\u00e4ftigt war, erkannten das Neue Forum die geschichtliche Gelegenheit und stellte sich an die Spitze des Ver\u00e4nderungsprozesses. Subversiv breitete es ein Netz von Kontaktstellen in der gesamten DDR aus. Die Kirchen boten der \u00f6ffentlichen Aussprache ein Dach. Die Kirchenobrigkeit \u2013 in Leipzig vertreten durch den opportunistischen Superintendenten Magirius und den Juristen Berger, der sich sp\u00e4ter als IM entpuppte \u2013 war jedoch daran interessiert, die Konfrontation mit den Machthabern zu vermeiden. Von allen Oppositionsgruppen erhielt das Neue Forum, das sich f\u00fcr freie und demokratische Wahlen einsetzte, den st\u00e4rksten Zulauf. 200.000 Menschen unterschrieben den Gr\u00fcndungsaufruf, etwa 10.000 wurden Mitglied.<\/p>\n<p>Nach Leipzig gelangte die Initiative durch den Zahnmedizin-Studenten Michael Arnold, der am Gr\u00fcndungstreffen in Gr\u00fcnheide teilgenommen hatte und von Honecker als einer der \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer der Konterrevolution\u201c bezeichnet wurde. Auch in Leipzig fand das Neue Forum zahlreiche Unterst\u00fctzer, zun\u00e4chst auf Unterschriftenlisten, zunehmend auch in den offiziellen Aussprachen, die die SED in Schulen und Betrieben zu f\u00fchren versuchte. Nicht alle, die ihre Sympathie zum Neuen Forum bekundeten, traten als Rebellen auf. Die Sprechergruppe traf sich am 9. Oktober 1989 illegal in einem Kleingartenlokal, Publikum kam nur sp\u00e4rlich. Die Massen demonstrierten auf dem Ring um die Leipziger Innenstadt. Kurt Masur verlas im Stadtfunk den Aufruf der SED-Bezirksleitung zur Gewaltlosigkeit und zum freien Meinungsaustausch. Offiziell als Vereinigung zugelassen war das Neue Forum zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Petra Lux, die es bei den Gespr\u00e4chen im Gewandhaus vertreten sollte, durfte daran nicht teilnehmen. Bezirksparteisekret\u00e4r Roland Woetzel pl\u00e4dierte innerhalb der SED- F\u00fchrung zwar opportunistisch f\u00fcr eine Anerkennung des Neuen Forums, verfolgte damit jedoch den taktischen Hintergedanken: \u201eDie werden sich totlaufen.\u201c Erst die Demonstrationen setzten die Beh\u00f6rden tats\u00e4chlich unter Druck, so da\u00df das Neue Forum von ihnen toleriert und sp\u00e4ter als politische Vereinigung zugelassen wurde.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Rolle Leipziger Schriftsteller in der Herbstrevolution spielten. Zun\u00e4chst ein kurzer Blick zur\u00fcck in die Geschichte der DDR-Literatur: 1949 geb\u00e4rdete sich die DDR mit dem von Johannes R. Becher geleiteten \u201eKulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands\u201c als \u201eStaat der Schriftsteller\u201c. Es gelang, nicht nur namhafte antifaschistische Autoren aus dem Moskauer Exil wie Willi Bredel oder Erich Weinert, sondern auch Westemigranten wie z.B. Anna Seghers und Bertolt Brecht zur \u00dcbersiedlung in die DDR zu bewegen. Einige Autoren genossen eine von der SED bereitgestellte materielle Unterst\u00fctzung, die ihnen der Westen nicht geboten hatte. Oder sie durften \u2013 wie Brecht \u2013 gar nicht in die westlichen Besatzungszonen einreisen. Die Auflagen im Osten waren hoch, Reiseprivilegien suggerierten relative Freiheit und verpflichteten zur stasigepr\u00fcften Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem gew\u00e4hrenden paternalistischen Staat. Gro\u00dfz\u00fcgige Stipendien, die bei den Autoren, die nicht in ihren Genu\u00df kamen, Neid weckten, korrumpierten das Rebellentum kritisch eingestellter Literaten bis in den Dezember 1989 hinein.<\/p>\n<p>Formalismusdebatte, Bitterfelder Weg und sozialistischer Realismus schr\u00e4nkten den Spielraum des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks erheblich ein. Literatur wurde als Erziehungsmittel angesehen, um eine Verinnerlichung der sozialistischen Idee in den K\u00f6pfen der Bev\u00f6lkerung herbeizuf\u00fchren. Sie wurde nicht nur auf gesellschaftliche Themen zurechtgestutzt, sondern gegen ihr \u00e4sthetisches Wirkprinzip politisiert. Die SED erblickte in der Literatur eine \u201eVoraussetzung f\u00fcr den Sieg des Sozialismus\u201c. Indem die Kulturpolitik der DDR gezwungenerma\u00dfen mit gesellschaftlicher und politischer Ideologie verkn\u00fcpft war, spielten Autoren die Rolle von \u201eSozialliteraten\u201c (Manfred J\u00e4ger), die eine gesellschaftliche Verpflichtung \u00fcbernahmen. Selbst wenn sich Autoren dem Parteiauftrag verweigerten, wandten sie sich nur in seltenen F\u00e4llen \u2013 wie etwa Carlfriedrich Claus \u2013 konkret der Sprache zu, sondern blieben gefangen in der Funktion des \u201eGewissens der Nation\u201c, indem sie tabuisierte Themen aufgriffen, die eigentlich Gegenstand des Journalismus h\u00e4tten sein k\u00f6nnen, in den gleichgeschalteten Medien der DDR aber nicht vorkamen und daher k\u00fcnstlich literarisiert wurden wie z.B. Christa Wolfs St\u00f6rfall-Reflexionen zu Tschernobyl. Damit einher ging eine schleichende Wandlung der Leser: Sie erwarteten von der Literatur weniger \u00e4sthetische Qualit\u00e4t als politische Aussage, sei sie auch noch so vage zwischen den Zeilen versteckt.<br \/>\nAls unausweichliche Konsequenz der rigiden Instrumentalisierung der Literatur durch die SED blieb zahlreichen Werken der Weg zur Ver\u00f6ffentlichung versperrt. So wurde Stefan Heyms 5 Tage im Juni aufgrund der Thematisierung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 verboten und \u00f6ffentlich von der Regierung kritisiert. Ab 1961 spitzte sich die Situation kontinuierlich zu, denn mit dem Mauerbau peilte die SED die Anerkennung der Eigenst\u00e4ndigkeit der DDR und damit der DDR-Literatur an. Was nicht pa\u00dfte, wurde ausgegrenzt \u2013 die Ausb\u00fcrgerung Biermanns veranla\u00dfte etliche Autoren und K\u00fcnstler zur Auswanderung und kam einem Aderla\u00df in der Kultur- und Literaturszene gleich. Schriftsteller, die sich kritisch \u00fcber die DDR oder die SED \u00e4u\u00dferten, sahen sich zunehmend mit der N\u00f6tigung konfrontiert, ihre B\u00fccher in der Bundesrepublik zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Zu den ersten Kontaktpersonen des Neuen Forums in Leipzig z\u00e4hlte neben Frank P\u00f6rner, Uwe Schwabe, Klaus Hinze, Michael Raschke, Wolfgang Gerds, Johannes Brehm, G\u00fcnter Menzel, Michael Arnold und Matthias Franzheld auch Reinhard Bernhof. Der Lyriker und Kinderbuchautor Bernhof, der einst linientreue Trompeterb\u00fccher (Ben sucht die Quelle). verfa\u00dft hatte, seit 1978 aber als \u201efeindlich-negatives Element\u201c von der Stasi observiert wurde und in den Jahren 1988\/89 gemeinsam mit Sylvia Kabus die Untergrundzeitschrift Umfeldbl\u00e4tter herausgegeben hatte, erfuhr aus dem Mund des Hallenser Dichters Dieter Mucke von der Gr\u00fcndung des Neuen Forums. Daraufhin suchte er Michael Arnold im Abri\u00dfhaus in der Zweinaundorfer Stra\u00dfe auf und geh\u00f6rte zu den ersten Kontaktpersonen des Neuen Forums, die in Leipzig eine regelm\u00e4\u00dfige Sprechzeit in ihrer Privatwohnung abhielten und Unterschriften zur Unterst\u00fctzung sammelten \u2013 zu einer Zeit, als derartige Aktivit\u00e4ten noch mit Inhaftierung geahndet wurden. \u201eStets wollte er eine Gruppe bilden unter den Schriftstellern. Eine Gruppe der Zivilcourage gewisserma\u00dfen, die sprechen, lesen, schreiben sollten, was sie m\u00fchelos erfa\u00dften und dachten und im kleinen Kreis auch aussprachen. Er stie\u00df dabei, wie er sagt, zumeist auf Hemmung und stumme Ablehnung.\u201c schreibt Sylvia Kabus in ihrem Buch 1989. Psychogramme einer deutschen Stadt.<\/p>\n<p>Es kann als Gl\u00fcckfall angesehen werden, da\u00df zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Neuen Forums in Leipzig mit Reinhard Bernhof auch ein Schriftsteller geh\u00f6rte. Aufgrund des \u201eToleranzediktes\u201c zwischen der Kirche und der Staatsf\u00fchrung der DDR war es vorboten, vor der Kanzel politische Reden zu halten. Lesungen und Konzerte durften jedoch stattfinden. Die eigentlich politische Botschaft konnte auf diese Weise \u201ekulturell verbr\u00e4mt\u201c werden. Mit diesem Ziel beteiligte sich Bernhof an den Friedensgebeten in der Michaelis- und Lukaskirche.<\/p>\n<p>Intensiven Kontakt durch Briefe, Telefonate und Besuche pflegte Bernhof zu seinem einstigen Freund Erich Loest, der am Literaturinstitut studiert hatte, Mitglied der SED war und als Journalist f\u00fcr die Leipziger Volkszeitung arbeitete. Auf Grund des Vorwurfes konterrevolution\u00e4rer Gruppenbildung verb\u00fc\u00dfte er \u2013 wie der Slawist Ralf Schr\u00f6der, von dem Bernhof sp\u00e4ter die Adresse Loest im Westen erfuhr \u2013 eine siebenj\u00e4hrige Zuchthausstrafe in Bautzen II. Bernhof war es, der im Herbst 1989 Erich Loest nach Leipzig einlud und im Schriftstellerverband f\u00fcr Lesungen Erich Loests in Leipzig warb. Loest hielt sich seit 1981 als DDR-B\u00fcrger mit einem Dauervisum in der Bundesrepublik auf. Die Heimreise wurde ihm von der DDR immer wieder verweigert, obwohl er einen g\u00fctigen DDR-Pa\u00df besa\u00df. Auch im Herbst 1989 sollte er nicht ohne weiteres nach Leipzig fahren d\u00fcrfen. In Bernhofs Wohnung trafen Leipziger Schriftsteller und \u00dcbersetzer wie Volker Ebersbach, Hubert Witt, Horst Drescher, Dieter Mucke, Werner Heiduczek und Wilhelm Strube das erste Mal den &#8222;s\u00e4chsischen Mustang&#8220; wieder.<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\nRudolf Bahro, Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus, Berlin: Verlag Trib\u00fcne, 1990<br \/>\nReinhard Bernhof, Herbstmarathon. Innenr\u00e4ume einer Revolution, Leipzig: Pl\u00f6ttner, 2006<br \/>\nRobert Havemann, Dialektik ohne Dogma, Berlin 1990<br \/>\nKatja Havemann &amp; Joachim Widmann, Robert Havemann oder wie die DDR sich erledigte, Berlin: Ullstein, 2003<br \/>\nRolf Henrich, Der vormundschaftliche Staat, Leipzig: Kiepenheuer, 1990<br \/>\nStefan Heym, Stalin verl\u00e4\u00dft den Raum, Leipzig: Reclam, 1990<br \/>\nManfred J\u00e4ger, Sozialliteraten. Funktion und Selbstverst\u00e4ndnis der Schriftsteller in der DDR, Opladen: Westdeutscher Verlag, 1975<br \/>\nMartin Jankowski, Der Tag, der Deutschland ver\u00e4nderte, 2. Aufl., Leipzig: EvA, 2009<br \/>\nSylvia Kabus, 1989. Psychogramme einer deutschen Stadt, Beucha: Sax-Verlag, 2009<br \/>\nWolfgang Leonhard, Meine Geschichte der DDR, Berlin: rowohlt, 2007<br \/>\nThomas Mayer, Heldern der Friedlichen Revolutution, Leipzig: EvA, 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essay von Viktor Kalinke Die Herbstrevolution, die die DDR zu Fall brachte, hatte ihre tieferen Wurzeln in der Spaltung der kommunistischen Bewegung an der Luxemburgschen Forderung nach Demokratie. 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