{"id":5572,"date":"2016-07-30T22:22:54","date_gmt":"2016-07-30T21:22:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=5572"},"modified":"2019-02-22T20:26:15","modified_gmt":"2019-02-22T19:26:15","slug":"flucht-und-wiederkehr-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=5572","title":{"rendered":"Flucht und Wiederkehr VI"},"content":{"rendered":"<p>Jenes M\u00e4dchen, dessen geheimnisvoller Blick schon w\u00e4hrend des Gelages die Aufmerksamkeit des Gro\u00dfk\u00f6nigs auf sich gezogen hatte, fuhr ihm nun mit vorsichtigen H\u00e4nden \u00fcber den Hals und die Schultern. Sein Hofmeister, oberster Diener, der jede Nuance seines F\u00fchlens und Denkens teilweise noch vor ihm selbst zu erkennen vermochte, hatte sie ihm im Anschlu\u00df an die Festlichkeiten n\u00e4chtens zuf\u00fchren lassen.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfk\u00f6nig schloss die Augen und flog in Gedanken wie ein Adler \u00fcber die undurchdringlichen S\u00fcmpfe, wolkengetr\u00e4nkten Gebirgsz\u00fcge und endlosen W\u00fcsten seiner Satrapien. Aus welcher Region seines verwinkelten Reiches sie wohl stammen mochte?<br \/>\nWas, wenn sie jenseits der bekannten Welt geboren war\u00a0 &#8211; dort wo die Menschenleiber nicht ge\u00f6lt, sondern staubbedeckt, nicht wohlgen\u00e4hrt und weinselig, sondern darbend und d\u00fcrstend, die Geister der Vorfahren nicht zeremoniell bedacht, sondern dazu verdammt waren endlos in karger \u00d6dnis zu irren?<\/p>\n<p>Wenn es so w\u00e4re, dachte er, k\u00f6nnten dann nicht die Geister in Ermangelung geweihter Tempel in die Menschen selbst schl\u00fcpfen und sie besessen machen? Ja, w\u00fcrde das den undurchdringlichen Blick des M\u00e4dchens erkl\u00e4ren?<br \/>\nW\u00e4hrend seine Gedanken noch schweiften, hatte das M\u00e4dchen in einer ihm unbekannten, sinnlichen Sprache leise zu singen begonnen. Er lie\u00df sie gew\u00e4hren und tauchte tief in die grundlose See der Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen war das M\u00e4dchen fort, die Sonne schien froh in die Gem\u00e4cher, doch wollte sich in ihm kein rechter Tatendrang einstellen.<\/p>\n<p>Nachdem er die Notdurft verrichtet hatte, gewaschen und angekleidet worden war, erschienen ihm die verzweigten G\u00e4nge seines Palastes, obgleich mit flinken, ehrerbietig gebeugten Dienern gut best\u00fcckt, verweist. Auch die ihm servierten, dampfenden Gerichte schmeckten fad und die das Mahl begleitende Musik wie schon tausend und ein Mal zu oft vernommen. Obgleich ihm, der alles besa\u00df, das Vermissen unbekannt war und er darob suchend zweifelte, entging seine Einsamkeit dem Hofmeister schon seit Jahren nicht.<\/p>\n<p>Jener stand leicht abgewandt &#8211; seine wahren Gedanken verbergend &#8211; und blickte durch die hellen Fensterb\u00f6gen hin zum Horizont. Das M\u00e4dchen war aufgrund eines Briefes angereist, den er vor einigen Wochen verfasst und anschlie\u00dfend in Unkenntnis des Gro\u00dfk\u00f6nigs mit dem k\u00f6niglichen Siegel versehen hatte, was, sollte es zu unbeabsichtigten Verwicklungen kommen, Verrat bedeutete &#8211; dem die grausamste aller Strafen galt.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfk\u00f6nig entlie\u00df sein Gefolge mit einer traurigen Geste, dem Hofmeister jedoch befahl er, Weise aus den verschiedenen Teilen seines Reiches, die in der Hauptstadt verweilten, zu einer abendlichen Audienz zusammenzurufen. Auch das M\u00e4dchen der letzten Nacht solle anwesend sein.<\/p>\n<p>Als sich die D\u00e4mmerung \u00fcber die Palastg\u00e4rten gelegt\u00a0 hatte und alle versammelt waren, sprach er zu den Weisen:<\/p>\n<p>&#8222;Ihr weitgereisten Meister, erkl\u00e4rt mir dieses M\u00e4dchen &#8211; mir scheint, sie habe mit jenem, was ihre Augen zu fl\u00fcstern verm\u00f6gen meine Seele verzaubert. Sagt, was wohnt ihrem jenseitigen Blick inne, das mich die sonstigen, weltlichen Freuden vergessen l\u00e4\u00dft, das mich an das Fernste der Gefilde fesselt?<\/p>\n<p>Nennt mir jenes, \u00fcber unser aller Zeitenlauf und Geisteswelten immerdar thronende Unbekannte &#8211; so unsichtbar und doch so wahrhaftig!<\/p>\n<p>Schaut sie freundlich an, aber redet nicht mit ihr, ich will nicht, dass ihr oder euer reiner Geist in Verwirrung ger\u00e4t. Heute Nacht versammlt euch jenseits des Baldachins in meinem Schlafgemach und vernehmt ihren Gesang w\u00e4hrend sie mich liebkost.<\/p>\n<p>Entr\u00e4tselt mir bis zur morgigen D\u00e4mmerung des M\u00e4dchens klingenden Worte, ihre alles versengenden Augen und und den Ort ihrer Herkunft, so sollt ihr in Gold aufgewogen werden &#8212; versagt ihr, so lernt ihr das Fliegen und vereinigt ihr euch mit den Geiern. Geht nun!&#8220;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Abend, die Grillen zirpten und die Gr\u00e4ser dufteten, trafen sie sich erneut in dem von Wasserl\u00e4ufen durchzogenen und von Obstb\u00e4umen ges\u00e4umten Palastgarten.<\/p>\n<p>Der \u00e4lteste der Weisen trat vor und sprach:<\/p>\n<p>&#8222;Herrscher der Welt, bitte empfange unsere Antwort ohne Groll. Sie ist ohne R\u00fccksicht auf unser eigenes Leben erwachsen und wird uns alle \u00fcberdauern. Bitte verzichte, sollte dir die Antwort gen\u00fcgen, auch auf die versprochene Belohnung in Gold, vielmehr w\u00fcnschen wir das Recht dorthin gehen zu d\u00fcrfen, wo Freiheit uns wiegt.&#8220;<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfk\u00f6nig runzelte die Stirn, aber schwieg.<\/p>\n<p>&#8222;Wir haben die Erscheinung des M\u00e4dchens auf zwei Ebenen untersucht &#8211; der weltlichen und der spirituellen.<\/p>\n<p>So konnte uns der Haremsw\u00e4chter \u00fcber ihre Abstammung Auskunft geben. Sie wurde im Osten, jenseits des Indus geboren. Ein F\u00fcrst an der Grenze eures Reiches hat sie einem Nachbarn geraubt und als Geschenk eurem Hofe \u00fcberlassen. Er m\u00f6chte seinen laufenden Feldzug erfolgreich beenden und hofft, indem er eure Gunst gewinnt, sich seiner westlichen Flanke sicher zu sein.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen verweilte w\u00e4hrend des \u00dcberfalls der Truppen des gewaltt\u00e4tigen F\u00fcrsten in einer Sommerresidenz der bekriegten Herrscherfamilie und wir vermuten, dass es sich um eine Tochter des dortigen F\u00fcrsten handelt, auch ihre umg\u00e4nglichen Manieren sowie ihre gesangliche Ausbildung lassen darauf schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Flackern in ihren Augen k\u00f6nnte sich durch ihre Ungewissheit bez\u00fcglich des Schicksals ihrer Heimat und Familie erkl\u00e4ren lassen, durch ihre Wut auf den Feind, der sie entf\u00fchrte und ihren Wunsch Rache zu nehmen. Und doch: unter alldem musste eine weitere Quelle des F\u00fchlens liegen, die wir zuerst nicht zu entschl\u00fcsseln wussten.<\/p>\n<p>Da keiner von uns der Sprachen des fernen Ostens\u00a0 m\u00e4chtig war, eilten wir noch vor Beginn der Nacht in die Karawanserei und trafen einen weitgereisten Mann. Er trug nichts bei sich als einen Stock, ein B\u00fcndel und einen orangefarbenen Umhang. Er handele nicht mit G\u00fctern, erkl\u00e4rte er uns, sondern mit Ideen, weshalb er ferne L\u00e4nder aufsuche.<br \/>\nNachdem er versichert hatte, dass ihm diverse Dialekte des Ostens gel\u00e4ufig seien, nahmen wir ihn mit, auf dass er uns die Bedeutung der Worte des Gesangs darlegen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Als das M\u00e4dchen dann des Nachts zu singen begann, setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden, schlo\u00df die Augen und wir dachten, er wolle schlafen, doch er vibrierte, fast unmerklich. Tief aus seinen Lungen schien ein leises Summen aufzusteigen.<br \/>\nNachdem ihr entschlafen wart und das M\u00e4dchen verstummt, kehrte der Geist des Reisenden in den Raum zur\u00fcck. Er versprach uns am kommenden Morgen an der Kl\u00e4nge Sinn teilhaben zu lassen.<\/p>\n<p>So es dann graute, fanden wir, die ob der vielen R\u00e4tsel kaum zu schlafen vermocht hatten, den Reisenden tief in den G\u00e4rten. Wieder sa\u00df er wie der Erde erwachsen, wieder waren seine Augenlider sanft geschlossen und wieder schien ein innerer Wind die ihn umgebende Zeit in Schwingung zu versetzen und zu kr\u00fcmmen.<\/p>\n<p>Nachdem der erste Sonnenstrahl des Tages seine Stirn gek\u00fcsst und das lustige Rascheln der Bl\u00e4tter seinen Ohren geschmeichelt hatte, erhob er sich mit einem L\u00e4cheln, verbeugte sich und lud uns ein, ihn langsam schreitend zu begleiten.<br \/>\nUnd hier, edler Gro\u00dfk\u00f6nig, beginnt die spirituelle Erkl\u00e4rung, die Anhaltspunkte f\u00fcr die mysteri\u00f6se, letzte Zutat der Blicke des M\u00e4dchens geben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der Reisende sprach inbr\u00fcnstig, aber zugleich gesetzt, als ob er in vollstem Respekt f\u00fcr die ihn umgebende Natur kein st\u00f6rendes Element hinzuf\u00fcgen wolle:<\/p>\n<p>&#8222;Ihr seid darauf erpicht zu erfahren, was das M\u00e4dchen heute Nacht sang?<br \/>\nGeht in euch, konntet ihr es nicht h\u00f6ren? Konntet ihr es nicht f\u00fchlen? Schaut euch um, was seht ihr? G\u00e4rten, so weit das Auge reicht, Wasser, Pflanzen, V\u00f6gel. Was glaubt ihr, was hier vor tausend Jahren gedieh? Nichts! Nur W\u00fcste, W\u00fcste so weit das Auge reichte! Und in wieder tausend Jahren &#8211; ihr k\u00f6nnt es ahnen &#8211; wird\u00a0 abermals W\u00fcste sein, wo heute Fische springen. Ich will euch verraten, wovon sie sang, es war die Zeit! Ihre Worte lauteten:<\/p>\n<p><em>Illusionen kreisen und wandeln,<\/em><br \/>\n<em> Illusionen lenken das Handeln &#8211;<\/em><\/p>\n<p><em>formen schaurig Greis und Kind,<br \/>\nwie der Regen spielt im Wind.<\/em><\/p>\n<p><em> Doch auch sie soll&#8217;n einst &#8212; vergeh&#8217;n.<\/em><\/p>\n<p>Als sie die letzten Worte wiederholt hatte, seufzte sie kaum h\u00f6rbar &#8218;O Bruder!&#8216; und in mir wurde alles leicht &#8212; sie war die Schwester jenes ehemaligen K\u00f6nigssohnes, \u00fcber den seit Kurzem landauf, landab des Ganges gesprochen wird.&#8220; &#8211; der Reisende lachte sp\u00f6ttisch, aber zugleich liebevoll in sich hinein &#8211; &#8222;Es hei\u00dft, er legte die Herrscherw\u00fcrde ab und begab sich auf einen Weg der Suche nach dem Sinn all dessen was ist.<\/p>\n<p>Er wollte die Zeit \u00fcberwinden, denn das Leben, das uns die Zeit gew\u00e4hrt, ist voll von Leid &#8211; und Leid sei nur mittels Meditation und N\u00e4chstenliebe beizukommen. Die Menschen, die ich auf meinem Weg zu euch traf, lieben ihn f\u00fcr das Beispiel seiner Bescheidenheit, obschon sie ihn zumeist nie gesehen haben.<\/p>\n<p>Doch dass er durch seinen Verzicht auf den ihm per Geburt zugewiesenen Platz im Leben neues Leid erzeugt hat, dass &#8211; obgleich seine Motive hehr waren und sein Umfeld verst\u00e4ndlich reagierte &#8211; die aus seiner Entscheidung resultierende milit\u00e4rische Schw\u00e4che die Bestien der Umgebung anlocken und somit seinen Mitmenschen Gewalt angetan werden w\u00fcrde, das konnte er nicht verhindern.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich war er sich vor seinem Entschluss abzudanken sogar der Konsequezen bewu\u00dft, der traurigen, harten Wahrheit, dass er f\u00fcr eine Chance auf das Wohl der Welt seine N\u00e4chsten zu opfern bereit sein m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Um jenes Ziel, das Dharmachakra &#8211; Rad des Gesetzes des edlen achtfachen Pfades der Befreiung &#8211; ihm wies nicht zu verlassen, zog er sich in die Natur zur\u00fcck und sa\u00df Tage, Monate &#8211; manche sagen sogar Jahre &#8211; unter einem Feigenbaum, trotzte Wind und Wetter, Auge in Auge mit Schlange und Tiger, Haut an Haut mit B\u00fcffel und Hirsch und lie\u00df nach und nach alle irdischen Gedanken hinter sich. Am Ende hatte er die Zeit, die eine Illusion ist, durchdrungen und \u00fcberwunden und konnte sich &#8211; wie ein Fisch im Strom &#8211; inmitten all ihrer Immanationen bewegen.<\/p>\n<p>Er entschied sich unter den Menschen zu wirken und die M\u00f6glichkeit der Befreiung von der Illusion zu lehren. Dies geschah, versicherten mir Bekannte, vor wenigen Monaten und ich vermute, seine j\u00fcngste Schwester war Zeugin dieser, seiner Wandlung.&#8220;<\/p>\n<p>Nachdem, o Herrscher, der Reisende uns seine Gedanken mitgeteilt hatte, verharrten wir f\u00fcr den Rest des Morgens stumm neben ihm, jeder von uns heilig in sich gekehrt, um, erf\u00fcllt von der Dimension des soeben Vernommenen, des letzten R\u00e4tsels ihrer Augen gewiss zu werden.<\/p>\n<p>Als die Sonne dann des Mittags am h\u00f6chsten stand, richtete sich der J\u00fcngste unter uns &#8211; sein schwerkranker Vater hatte ihn gr\u00fcndlich unterwiesen und als seiner Vertretung w\u00fcrdig erachtet &#8211; pl\u00f6tzlich auf wie eine keimende Sprosse und er ruhte zugleich in sich wie eine gl\u00fcckliche Kuh. Doch, Gro\u00dfk\u00f6nig, h\u00f6rt selbst, was er uns zu sagen hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Der Alte zog sich zur\u00fcck und aus den hinteren Reihen der Gelehrten trat ein Mann hervor, dessen Haaar fast gelb war.<br \/>\nEr muss aus dem Westen meines Reiches stammen, dachte der Gro\u00dfk\u00f6nig. Da sein Blick offen und sein Gang sicher war, strahlte er Vertrauensw\u00fcrdigkeit aus.<\/p>\n<p>&#8222;Dank euch, dass ihr mir die Ehre gew\u00e4hrt, meine Gedanken teilen zu d\u00fcrfen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfk\u00f6nig stutzte kurz, denn der Mann hatte anscheinend vergessen, in der Anrede seinen rechtm\u00e4\u00dfigen Titel zu nennen. Trotzdem nickte er.<\/p>\n<p>Der Mann fuhr fort:<\/p>\n<p>&#8222;Wie mein Vorredner bereits ausf\u00fchrte, ist es zwar m\u00f6glich, dass das Flackern in den Augen des M\u00e4dchens teilweise aus der Sorge um Famile und Heimat, die Wut auf den Feind und den Durst nach Rache gespeist gewesen sein k\u00f6nnte &#8211; doch was, wenn sie &#8211; ob der Kenntnis der Erfahrungen ihres Bruders &#8211; diese Kategorien l\u00e4ngst hinter sich gelassen hat und stattdessen, w\u00e4hrend sie euch erblickte, die Unm\u00f6glichkeit eurer Seele betrauerte ebenso zu verstehen, wie sie bereits verstand? &#8212; Dass jegliche Sehnsucht, Suche nach Gl\u00fcck der Verg\u00e4nglichkeit anheim fallen w\u00fcrde, dass alles was sie euch sein k\u00f6nnte eine Illusion von Staub in euren Augen sei.<\/p>\n<p>Sie, die ihren Bruder liebt und an seiner Seite schritt, wie kann sie mit dessen Wissen weiter h\u00f6fisch leben? Wie kann sie &#8211; wo Oberfl\u00e4chlichkeiten und Prunk grassieren &#8211; der Tugend dienen? Das Flackern in ihren Augen waren verzweifelte Fragen, hoffende Bitten, ihre Worte und Kl\u00e4nge: Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Nichts anderes wird sie aus diesem Zustand erwecken, wird sie Frieden finden lassen, als dass ihr sie als eine euch Gleiche behandelt, ihr zudem M\u00f6glichkeiten gestattet sich zu entfalten wie ihr Gem\u00fct es verlangt und auch die Gelegenheit zugesteht, der weiten Welt heimw\u00e4rts Erhelltes zu lehren.<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich der Region in der ich geboren wurde, leben fahrende M\u00e4nner und Frauen &#8211; sie sind Meister im Reiten, Bogenschiessen und fertigen feinsten Goldschmuck an &#8211; in solch einander bedingenden, ebenen Gemeinschaften.<\/p>\n<p>Glaubt mir, sofern ihr es in Erw\u00e4gung zieht sie zur Hauptfrau zu erkl\u00e4ren, wird euch diese Prinzessin des Ostens klarsichtige Kinder schenken.&#8220;<\/p>\n<p>Der Mann zog sich zur\u00fcck und der Alte wandte sich mit abschlie\u00dfenden Worten an den Gro\u00dfk\u00f6nig:<\/p>\n<p>&#8222;Wie ihr, o Herrscher, nun mit unserer Antwort verfahren wollt, sei eurem erlauchten Geist \u00fcberlassen. Doch ich bitte euch, solltet ihr unserer z\u00fcrnen, gestattet Abschied von unseren Familien nehmen zu d\u00fcrfen und ihnen die neu erlangten Weisheiten zu vermitteln. &#8220;<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfk\u00f6nig verharrte f\u00fcr einige Momente, nahm dann, als habe er eine fr\u00f6hliche, innere Stimme vernommen, die Hand der Prinzessin und sprach zu den Anwesenden:<\/p>\n<p>&#8222;Gelehrte, Reisender! Dank sei euch und eurer Weisheit. Von Osten bis nach Westen reicht sie, von Norden bis S\u00fcden, unendlich ist sie, \u00fcberwindet selbst die Illusion der Zeit. Hier in diesem Gesch\u00f6pf, hier in ihren Blicken und Worten finde ich Zuflucht.<\/p>\n<p>Hier, bei mir, soll sie, sofern es ihr beliebt, bleiben und den Zauber ihres Geistes mit der uns bekannten Welt teilen.&#8220;<\/p>\n<p>Er l\u00e4chelte sie zufrieden an, w\u00e4hrend er sich langsam &#8211; zum ersten Mal in seinem Leben &#8211; auf die Erde setzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>(Inspirationsquelle &amp; Vertonung: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=38lDKVKzg24\">Pearls Before Swine &#8211; These Things Too<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenes M\u00e4dchen, dessen geheimnisvoller Blick schon w\u00e4hrend des Gelages die Aufmerksamkeit des Gro\u00dfk\u00f6nigs auf sich gezogen hatte, fuhr ihm nun mit vorsichtigen H\u00e4nden \u00fcber den Hals und die Schultern. 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