{"id":291,"date":"2008-09-16T22:10:34","date_gmt":"2008-09-16T20:10:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=291"},"modified":"2008-09-21T00:04:32","modified_gmt":"2008-09-20T22:04:32","slug":"herr-klopsig-und-frau-edelsus-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=291","title":{"rendered":"Herr Klopsig und Frau Edels\u00fc\u00df (3)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Gro\u00dfschriftsteller<\/strong><\/p>\n<p>Frau Edels\u00fc\u00df f\u00fchrte wirklich ein abwechslungsreiches Le\u00adben. Der fehlende Zwang, sich einer Erwerbst\u00e4tigkeit zu\u00adzu\u00adwen\u00adden, verleitete sie zu einer professionellen Sprung\u00adhaf\u00adtigkeit, die in fr\u00fcheren Zeiten Universal\u00adge\u00adlehrt\u00adheit genannt wurde. Jetzt er\u00adblickte man in einer solchen Vielseitigkeit das si\u00adchere An\u00adzei\u00adchen f\u00fcr Dilletantismus. Frau Edels\u00fc\u00df \u2013 sich ihrer vor\u00adnehmen Herkunft bewu\u00dft \u2013 zeigte sich gegen derartige niedere Sei\u00adten\u00ad\u00adhiebe erhaben. Die K\u00fcnstler, Komponisten und Schrift\u00adstel\u00adler aller Sparten sch\u00e4tzten sie als Ge\u00adspr\u00e4chs\u00adpartnerin, Be\u00adra\u00adterin, Coach und h\u00e4tten sie gern auch als Couch benutzt. Letzteres wu\u00dfte Frau Edels\u00fc\u00df geschickt zu verhindern.<\/p>\n<p><\/font>Diesmal hatte sie ein ber\u00fchmter Gro\u00dfschriftsteller in seine Klause eingeladen. Frau Edels\u00fc\u00df behauptete, da\u00df es die Ge\u00adrad\u00adlinigkeit sei, die zum Schreiben verhelfe, die Gerad\u00adlinig\u00ad\u00adkeit, die sie verlasse, wenn sie mit Gott spreche, ins\u00adgeheim, zu der sie zur\u00fcckkehre, indem sie schreibe.<\/p>\n<p>&#8222;Sie schreiben selbst?\u201c staunte der ber\u00fchmte Gro\u00df\u00adschrift\u00adsteller. Dem aufmerksamen Leser sind die historischen Parven\u00fcs von Frau Edels\u00fc\u00df bereits bekannt.<\/p>\n<p>\u201eNicht der Exze\u00df motivert mich\u201c, setzte Frau Edels\u00fc\u00df ihren Bericht fort, \u201esondern die t\u00e4gliche Disziplin.\u201c Diesen Satz meinte Frau Edels\u00fc\u00df gewi\u00df nicht w\u00f6rtlich. Er war eine Provo\u00adkation, auf die der ber\u00fchmte Gro\u00dfschriftsteller sog\u00adleich ansprang.<\/p>\n<p>\u201eMeine liebe junge Freundin\u201c, sprach er gro\u00dfv\u00e4terlich, \u201eSie reden, als w\u00e4ren Sie ein alter Mensch.\u201c<\/p>\n<p>Daraufhin zog der ber\u00fchmte Gro\u00dfschriftsteller ein Buch aus dem Regal.<\/p>\n<p>\u201eKennen Sie Weigand, Dramatiker aus der ersten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts?\u201c fragte er Frau Edels\u00fc\u00df. Sie sch\u00fcttelte vage den Kopf.<\/p>\n<p>&#8222;Nat\u00fcrlich habe ich den Namen schon einmal geh\u00f6rt, aber nichts von ihm gelesen.&#8220;<\/p>\n<p>Das \u00dcbliche. Es war kein Wunder, denn Weigand stammte aus Tauberfranken, einer Provinz, die mit der Sint\u00adflut rettungslos untergegangen war.<\/p>\n<p>\u201eWeigand\u201c, belehrte der ber\u00fchmte Gro\u00dfschriftsteller seine liebe junge Freundin weiter, \u201eWeigand hat wie kein anderer den Alltag geschildert, durchdrungen, ihm mit einer Lust Leben eingehaucht, da\u00df man glaubt, im Allt\u00e4glichen der kleinen Leute das eigentliche Drama wiederzuerkennen, das Drama der menschlichen Existenz \u00fcberhaupt wie das Drama der eigenen Existenz. Wovon die Zeitungen schwei\u00adgen.\u201c<\/p>\n<p>Soweit der ber\u00fchmte Gro\u00dfschriftsteller. Frau Edels\u00fc\u00df dank\u00ad\u00ad\u00adte und verabschiedete sich. Zu Hause eingetroffen, sp\u00fcr\u00ad\u00ad\u00adte sie eine unb\u00e4ndige Neugier, ihre Bildungsl\u00fccke auf\u00adzu\u00ad\u00adf\u00fcllen und etwas zu lesen. Eine solche Schlappe sollte ihr so rasch nicht widerfahren.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Besuch des Gro\u00dfschriftstellers bat Frau Edels\u00fc\u00df Herrn Klopsig, sie zu begleiten. Denn der Gro\u00df\u00adschrift\u00adsteller empfing sie zum Dinner in seinem Strandhaus weit vor der Stadt. Die drei\u00dfig Jahre j\u00fcngere Frau des Gro\u00dfschriftstellers trug glatte, lange, schwarze Haare. Auf wun\u00ad\u00addersame Weise strahlte ihre Sch\u00f6nheit aus und ver\u00adsch\u00f6\u00adnerte ohne weiteres Zutun auch die G\u00e4ste, das hei\u00dft Herrn Klop\u00adsig, denn Frau Edels\u00fc\u00df bedurfte keiner Ver\u00adsch\u00f6\u00adnerung&#8230; Man plauderte am Kamin ein wenig \u00fcber Wei\u00adgand, der der Leib- und Magenautor des Gro\u00df\u00adschrift\u00adstel\u00adlers zu sein schien. Dann f\u00fchrte die junge Frau des Haus\u00adherrn die G\u00e4ste zu ihren Betten.<\/p>\n<p>Herr Klopsig traute seinen Augen nicht: Sie entkleidete sich vor ihnen. Schamvoll pre\u00dfte Herr Klopsig den Kopf ins Kissen. Es gelang ihm, einen kurzen Blick auf die Rundung ihres Hinterns zu erhaschen, unbemerkt von Frau Edels\u00fc\u00df, die die Gastgeberin und Herrn Klopsig im Auge behielt. Der heimlich ersp\u00e4hte Hintern spukte im Kopf von Herrn Klopsig umher und entwickelte sich zu einem bemerkenswerten Kinoerlebnis.<\/p>\n<p>Um sich abzulenken, griff Herr Klopsig nach einem Buch. Es handelte sich um ein Fr\u00fchwerk des Gro\u00dfschriftstellers. Auf den ersten Seiten war der Autor im Gespr\u00e4ch mit dem Verleger abgebildet: fett, auf\u00adgedunsen, den Kopf von einer lockigen, wei\u00dfen Mat\u00adte bedeckt wie im Ba\u00adrockzeitalter. Herr Klopsig zeigte Frau Edel\u00ads\u00fc\u00df das Foto.<\/p>\n<p>\u201eDer hat sich aber verbessert\u201c, sagte Frau Edels\u00fc\u00df und lach\u00adte herzhaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gro\u00dfschriftsteller Frau Edels\u00fc\u00df f\u00fchrte wirklich ein abwechslungsreiches Le\u00adben. Der fehlende Zwang, sich einer Erwerbst\u00e4tigkeit zu\u00adzu\u00adwen\u00adden, verleitete sie zu einer professionellen Sprung\u00adhaf\u00adtigkeit, die in fr\u00fcheren Zeiten Universal\u00adge\u00adlehrt\u00adheit genannt wurde. Jetzt er\u00adblickte man in einer solchen Vielseitigkeit das si\u00adchere An\u00adzei\u00adchen f\u00fcr Dilletantismus. 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