{"id":2832,"date":"2014-03-30T04:10:01","date_gmt":"2014-03-30T03:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.inskriptionen.de\/?p=2832"},"modified":"2014-04-01T14:17:04","modified_gmt":"2014-04-01T13:17:04","slug":"abyss-der-mitte-oder-wo-die-nacht-freiheit-kreisst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/inskriptionen.de\/?p=2832","title":{"rendered":"Abyss der Mitte &#8211; oder wo die Nacht Freiheit krei\u00dft"},"content":{"rendered":"<p>Viele Leute arrangieren sich mit dem Status Quo. Sie sind keine besonders dummen, keine besonders \u00e4ngstlichen Mitb\u00fcrger. Nein, ihre Affirmation speist sich aus dem &#8222;Never change a running system&#8220;-Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Wohlgemerkt nicht: &#8222;Never change a winning team&#8220;.<br \/>\nDenn Gewinner gibt es immer weniger. Aber man m\u00f6chte noch nicht wirklich etwas riskieren um Ver\u00e4nderung hervorzurufen, geschweige denn f\u00fcr ein diffuses Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl solche Einbu\u00dfen in Kauf nehmen m\u00fcssen, die \u00fcber die graduelle Erhitzung des Froschkochtopfes hinaus gehen (denn man hat lange und durchaus traumatisch gelernt, dass die guten Vors\u00e4tze im Endeffekt doch von den Falschen ausgenutzt werden und zieht die abverlangten strengen, aber scheinbar \u00fcberschaubaren H\u00e4rten der herrschenden Herren vor) .<\/p>\n<p>Dann also doch lieber auch zuk\u00fcnftig das eingespielte Untertanentum zelebrieren, soll hei\u00dfen:\u00a0 in der prek\u00e4ren Mitte wird weiter nach unten getreten, selbstverst\u00e4ndlich nicht pers\u00f6nlich gemeint, nur aus pr\u00e4ventivem Sozialneid heraus, man will was besseres bleiben, auch als privilegierter Sklave;<br \/>\nganz Unten aber &#8211; blind aufgrund geschwollener Augen und lahm aufgrund gebrochener Rippen, soviel Pathetik sei mir geg\u00f6nnt &#8211; wird bettelnd am Wegesrand verharrt, von Br\u00fccken gesprungen oder \u00fcber ausgestreckte K\u00fcrzungs-Klingen.<\/p>\n<p>Die alten Katalysatoren dieser Mittelschicht jedoch, ob transatlantische Mietschreiber, grenzdebile Sternchens\u00e4nger oder oligarchietrunkene Politdarsteller, versagen sie vielleicht auf einer entscheidenen, latent unbewu\u00dften, weil nicht selbstreferentiellen Ebene?<\/p>\n<p>Der Verfall dieser, wenn schon nicht &#8222;heilen&#8220;, so doch (noch) sedierenden Umwelt &#8212; wird er un\u00fcbersehbar in den nicht mehr ausblendbaren Widerspr\u00fcchen des Technologiezeitalters mit seinen unz\u00e4hligen individualisierbaren Oberfl\u00e4chen und diskursiven Schaupl\u00e4tzen einerseits und der Eindimensionalit\u00e4t der tradierten Konsensso\u00dfe andererseits?<\/p>\n<p>War es fr\u00fcher, zumindest im Westen, nicht n\u00f6tig direkt zu zensieren, so steht auch dort dieses Gespenst wieder vor der T\u00fcr und erschreckt, bis zu einem gewissen Grad, auch diejenigen, die selbst noch im permanenten Buckeln und Kriechen &#8222;die beste aller Welten&#8220; zu erkennen glauben, &#8222;f\u00fcr Deutschland&#8220;, selbstvertst\u00e4ndlich. Ewiger Wachstumszwang hin oder her.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns an den Verlust der Meinungshoheit der herrschenden Klasse im untergehenden Nazireich.<br \/>\nWaren es die Zerst\u00f6rungen, also die pure Not selbst oder das zusehends dumpfere, hoffnungslosere Klima der Zivilbev\u00f6lkerung das letztlich die Propaganda vollends untergrub?<br \/>\nWaren es vielleicht die pers\u00f6nlichen Verluste, die immer apathischere Trauer eines Gro\u00dfteils des v\u00f6lkischen Volkes, die eine Atmosph\u00e4re\u00a0 schuf, in der letztlich (endlich!!) eine erst stille, dann allegorische, zuweilen humoristische \u00dcbereinstimmung zur H\u00e4resie zu erbl\u00fchen vermochte, w\u00e4hrend die Totalit\u00e4t der Ideologie noch einmal mit aller Raffinesse und Gewalt die letzen Reserven an Gehorsam herauszukitzeln ersuchte?<br \/>\nUnd, \u00fcbertragen in diese, unsere Gegenwart: kann es sein, dass die transatlantische, neoliberale Meinungsbeeinflussung zusehends ebenfalls totalit\u00e4re Z\u00fcge aufweist, in Koordination und Pr\u00e4senz, in Teilen wie die Staatspropaganda zu Goebbels Zeiten?<\/p>\n<p>Anders: tritt also auch hier eine Erm\u00fcdung ein, die im Endeffekt sogar auch die utopische Blindheit (und hier auch: Angst derer, die sich mit dem permanenten Schmerz arrangiert haben, ohne ihn nicht mehr sein wollen, ja k\u00f6nnen?!) vor einer gerechteren und wahrheitsliebenden Gesellschaft zu kurieren vermag?<\/p>\n<p>Wollen wir es hoffen; die Vorraussetzungen sind &#8211; ehrlicherweise &#8211; sicher besser als zu Zeiten der Nazis: noch gibt es gewisse M\u00f6glichkeiten der\u00a0 Meinungs\u00e4u\u00dferungen im \u00f6ffentlichen Raum, obschon der ausschlie\u00dfliche Austausch im privaten Rahmen (&#8222;stille&#8220; \u00dcbereinstimmung) sicherlich auch heutzutage davor sch\u00fctzt auf schwarzen Listen von schwarzen Muttis zu landen (nein, Schwarzgeld gibts daf\u00fcr leider nicht, auf solchen Listen zu erscheinen, und nein, liebe AntirassistInnen, ich meine keine &#8222;People of Colour&#8220;-Muttis).<\/p>\n<p>Machen wir uns jedoch nichts vor: selbst wer friedlich demonstrieren geht wird erfasst (Gesichtserkennung), sein Handy dort sowieso; jedes Telefonat jedes noch so harmlosen B\u00fcrgers wird verdachtsunabh\u00e4ngig gespeichert und innerhalb gewisser Zeitr\u00e4ume mittels Spracherkennungssoftware in kleinere Textdateien formatiert (wenn nicht von unseren dann von denen von \u00fcber dem Teich, die es dann unseren zur Verf\u00fcgung stellen wenn die bei ihren [Dienst]Herren drum betteln).<br \/>\nUnd, es ist leider anzunehmen, obleich Dementis naturgem\u00e4\u00df erfolgen d\u00fcrften, an &#8222;geheimen&#8220; Orten wird der ganze Wust genau solange gespeichert, wie ein System herrscht, das diese Stasis (Stasi, plural Stasis!!) des postdemokratischen Zeitalters ben\u00f6tigt (selbstverst\u00e4ndlich nur zu ihrem Besten, verehrte\/r Leser\/in).<br \/>\nWer nicht eines Tages mit einem Chip im Kopf und einer dazugeh\u00f6rigen gedanklichen Fu\u00dffessel aufwachen m\u00f6chte, den bitte ich im Bekanntenkreis zu agitieren: f\u00fcr ein tieferes Erfassen der Prozesse, also eine souver\u00e4ne, psychologische M\u00fcndigkeit als B\u00fcrger zu werben.<\/p>\n<p>Denn nicht das B\u00f6se ist der gr\u00f6\u00dfte Feind des Guten, nein es ist die Masse<br \/>\n&#8211; derer, die gaffen ohne zu handeln,<br \/>\n&#8211; solcher, die vorbeiziehen ohne verstehen zu wollen,<br \/>\n&#8211; jener die zuhaus bleiben obschon sie verstehen,<br \/>\n&#8211; und vieler die handeln ohne nachzudenken.<\/p>\n<p>1944 ist 70 Jahre her, wird der Frieden nun wieder in Rente geschickt, liegt die Einsicht<br \/>\nschon im Koma &#8211; wohnen wir dem Todeskampf der Freiheit bei oder aber ihrer diffizilen Neugeburt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Leute arrangieren sich mit dem Status Quo. 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